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Nikon FM und FM2n

Die FM Modelle von Nikon traten in den späten 1970ern die Nachfolge der Nikkormat Reihe an.

FM

Als Nachfolger der recht massiv gebauten Nikkormat Modelle erschien 1977 die Nikon FM, eine SLR mit mechanischem Verschluss, die lediglich für den Betrieb des Belichtungsmessers zwei 1,5V Knopfzellen SR44 (oder eine 3V Lithiumbatterie 1/3N) benötigt. Man kann sie als Nachfolger der Nikkormat FT3 sehen, die für kurze Zeit die AI Blendensteuerung in die Nikkormat Serie brachte.

Die FM ist deutlich leichter als der doch recht schwere Vorgänger, ohne jedoch den Eindruck einer leichtgewichtigen Konstruktion zu erwecken. Die Verarbeitung ist tadellos. Als Einstellscheibe ist eine nicht wechselbare K-Version mit Mikroprismenring und Schnittbildindikator verbaut.

Der mechanische Verschluss bietet Zeiten von 1s bis 1/1000s in ganzen Schritten von ½, ¼, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000. Die Blitzsynchronzeit liegt bei 1/125s.

FM2 und FM2n

Mit der FM2 stellte Nikon im Jahr 1982 eine überarbeitete Version der FM vor. Der nun aus Titan gefertigte Verschluss bietet nun erstmals eine mechanisch gesteuerte Verschlusszeit von 1/4000s, die Blitzsynchronzeit steigt zunächst auf 1/200s. Bereits 1983 wird aus der FM2 die FM2n (erkennbar am „N“ vor der Seriennummer auf der Rückseite des Gehäuses), nun mit einer Blitzsynchronzeit von 1/250s. Bei der FM2 ist die Sucherscheibe erstmals wechselbar und trägt die Bezeichnung K2. Es stehen Mattscheiben ohne Fokushilfen in Vollmatt (B2) oder mit Gitterlinien (E2) als Zubehör zur Verfügung.

Das Verwirrspiel um den Verschluss

Bei der FM2/FM2n kam in den ersten Jahren der Produktion ein Titanverschluss zum Einsatz. Dieser ist an einer Wabenstruktur auf den einzelnen Lamellen erkennbar. Wobei diese Struktur nicht geprägt, sondern per Chemie in die Lamellen eingeätzt wurde um Material wegzunehmen und die einzelnen Lamellen somit leichter zu machen. Dieser Verschluss wurde auch bei den Kameramodellen FE2 und FA eingesetzt, die jedoch beide nur bis 1989 gebaut wurden.

Nikon Verschluss Titan und Aluminium

Titanverschluss (links) und Aluminiumverschluss (rechts)

Da die FM2n jedoch bis zum Jahr 2001 weiter produziert wurde, lohnte sich die weitere Herstellung dieses doch recht aufwändig gestalteten Verschlusses vermutlich nicht. Ab 1989 erhielt die FM2 daher einen aus Aluminiumlamellen bestehenden Verschluss, der produktionstechnisch näher an den Versclüssen anderer Kameramodelle der Zeit liegt.

Es gibt eigentlich keinen Grund einen der beiden Verschlüsse aus technischer Sicht zu bevorzugen, jedoch ist eine FM2n mit Aluminiumverschluss nach 1989 gebaut worden und somit neuer. Die letzten Gehäuse sind übrigens am eingeprägten „CE“ Symbol in der Bodenplatte erkennbar. Erwischt man ein solches Exemplar dürfte die Kamera in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gebaut worden sein.

Manche findigen Verkäufer bieten eine FM2 oder FM2n mit Titanverschluss auch als „FM2 Titan“ an. Dabei handelt es sich jedoch um eine Spezialversion der FM2 mit Titangehäuse bzw. -oberkappe und champagnerfarbenen Lackierung. Dieses Modell firmiert als FM2/T und ist auch entsprechend am Gehäuse gekennzeichnet.

Bei fast allen Kameras haben sich mittlerweile die Lichtdichtungen an der Rückseite und auch der Spiegeldämpfer in eine teerige Masse aufgelöst. Man kann geeignete Schaumstoffe im Internet beziehen (z.B. www.micro-tools.de) und selber zurechtschneiden. Alternativ bietet auf Ebay ein engagierter Verkäufer unter dem Verkäufernamen „kameradoktor“ von Zeit zu Zeit passende Dichtungssätze an.

Gehäuse und Handling

FM und FM2 sind von der Bedienung her identisch. Auf der Vorderseite der Kamera findet sich neben einem Abblendhebel nur der mechanisch arbeitende Hebel für den Selbstauslöser. Der Anschluss für ein Blitzsynchronkabel rundet die schlichte Vorderansicht ab.

Nikon FM und FM2 Oberseite

Nikon FM (oben) und FM2 (unten) Oberseite

Auf der Oberseite befinden sich lediglich Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Auslöser, Zeitenwahlrad inkl. ISO/ASA Einstellung, Blitzschuh und die Rückspulkurbel. Eine Einstellung für die Belichtungskorrektur fehlt, da der Verschluss sowieso nur in ganzen schritten arbeitet und die Kameras dies mangels Elektronik nicht umsetzen können.

Die FM verfügt in der ersten Serie (Seriennummern kleiner als 3000000) rund um den Auslöser über einen Umschalter, der bei Verwendung der Motorantriebe MD-11 oder MD-12 auf die richtige Position (rote Markierung) gestellt werden muss. Stellt man diesen Ring nicht auf die rote Markierung, blockieren Kamera und Motorantrieb.

Die Gehäuse von FM und FM2 sind sich auch hinsichtlich der Verarbeitung recht ähnlich. Beide vermitteln einen soliden Eindruck bei moderatem Gewicht. Die FM2 ist 50g leichter (540g zu 590g). Beide haben aber über die Jahrzehnte hinweg bewiesen gleichermaßen stabil zu sein.

Der Belichtungsmesser arbeitet mit mittenbetonter Messung, bei der ein Kreis in der Mitte mit Umfang von 12mm zu 60% in die Belichtungsmessung einbezogen wird, das restliche Bildfeld wird somit mit 40% gewichtet. Eine Messwertspeichertaste steht nicht zur Verfügung.

Nikon FM FM2 Belichtungsmesser

Anzeige des Belichtungsmessers in der Nikon FM2 – von Überbelichtung bis Unterbelichtung

Die Anzeige des Belichtungsmessers ist sehr rudimentär gelöst. Im Sucher befinden sich rechts neben der Mattscheibe drei LEDs. Die Obere zeigt Überbelichtung, die Mittlere korrekte Belichtung und die Untere Unterbelichtung an. Leuchtet nur die mittlere LED, ist die Belichtung im Rahmen von 1/5 Blende optimal. Leuchtet die mittlere LED zusammen mit einer der beiden anderen LEDs, weicht die Belichtung um bis zu einer Blendenstufe ab. Leuchtet nur ein Indikator für Über- oder Unterbelichtung beträgt die Abweichung mehr als eine Blende. Die LEDs erlöschen, sofern die Kombination aus Belichtungszeit und Blende gänzlich ungeeignet ist.

Dies unterscheidet sich stark von der Anzeige in den elektronischen Kameras FE und FE2. Dort sind zwei Nadeln und eine Belichtungszeitenskala eingebaut. Die eine zeigt die aktuell eingestellte Verschlusszeit an, die andere die aktuell vom Belichtungsmesser ermittelte Zeit. Durch Änderung der Belichtungsparameter muss man diese beiden Anzeigenadeln in Übereinstimmung bringen. Bei einer mechanisch arbeitenden Kamera hätte man eher diese mechanische Anzeige, als eine Lösung über elektronische LEDs erwartet.

Man kann jedoch in beiden Systemen Vor- und Nachteile sehen. So kann man bei den FE Modellen die Belichtungszeit als Zahl ablesen, dafür diese Nadeln und die Skala im Dunklen nicht erkennen. Bei den FM Modellen sieht man keine Zeiten, dafür können die LEDs auch im Dunklen gesehen werden.

Zum Vorgang des Fotografierens an sich braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Nach Einlegen des Films, Transport auf Bild 1 und Einstellung der Filmempfindlichkeit bestimmt lediglich das Spiel mit Zeit, Blende und Fokus das Bildergebnis. Simpler und puristischer kann man nicht fotografieren.

Da der Verschluss nur in ganzen Belichtungsschritten arbeitet bleibt es an der Blende für ggf. notwendige Belichtungskorrekturen zu sorgen. Auch wenn die manuellen Nikkor Objektive Rastungen bei ganzen Blendenwerten besitzen kann man ohne Probleme Zwischenwertte einstellen.

Fazit

Fotografie mit den mechanischen FM und FM2/n ist pure Entspannung. Beide Kameras sind nicht wirklich für actiongeladene Motive geeignet da die Einstellung von Zeit, Blende und Fokus durchaus seine Zeit benötigt. Selbst eine simple Zeitautomatik wie in den FE Modellen beschleunigt das Fotografieren im Vergleich zu den FM Modellen enorm. Dafür entschädigen FM und FM2 mit ihrer soliden, präzisen und ausfallsicheren Mechanik.

Nikon ist es hoch anzurechnen länger als viele andere Hersteller vollmechanisch arbeitende Kameras angeboten zu haben. Die FM2n wurde bis zum Start des digitalen Zeitalters angeboten und selbst danach bekam sie in Form der FM3a noch einen Nachfolger, der bis 2006 verkauft wurde. Die FM3a betrachte ich jedoch eher als Sammlerobjekt. Aufgrund der hohen Preise ist man mit einer FM oder FM2/n für den praktischen Einsatz deutlich besser bedient.

Nikon FM2n mit CE Zeichen. Diese Kamera stammt aus der zweiten Hälfte der 1990er Jahre.

Mit etwas Glück kann man eine FM schon für wenig mehr als 100 Euro ergattern, die FM2n ist mit 200 bis 300 Euro deutlich teurer. Die Entscheidung zwischen beiden Kameras kann aufgrund ihrer Gleichartigkeit fast nur anhand der benötigten Verschlusszeit getroffen werden. Wenn man sich sicher ist keine kürzere Zeiten als 1/1000s zu benötigen, kann man mit der FM durchaus Geld sparen.

Die höheren Preise der FM2 spiegeln natürlich auch ihr vermeintlich jüngeres Alter. Dies gilt aber auch nur dann, wenn man ein Modell mit Aluminiumverschluss kauft. Bei Modellen mit Titanverschluss sehe ich keinen Vorteil in Bezug auf das Alter – ob eine Kamera nun 1977 (älteste mögliche FM) oder 1988 (jüngste mögliche FM2 mit Titanverschluss) gebaut wurde, spielt aus der Sicht des Jahres 2020 eigentlich eine untergeordnete Rolle.

Beide Kameras wurden in Silber und Schwarz angeboten. Wie damals sind die schwarzen Modelle seltener, da teurer.

CFexpress – Probleme mit SanDisk Karten und Lesegeräten

Der neue Speicherkartenstandard CFexpress hat mit einigen Startschwierigkeiten zu kämpfen. Das die DeLock CFexpress Karten mit Protokollversion 1.0 ggf. Probleme machen würden, war fast zu erwarten. Allerdings verhalten sich diese Karten bis auf eine sehr langsame Performance in der Z7 recht unauffällig. Das der CFexpress Kartenleser von DeLOCK keine Sandisk Karten mit Protokollversion 2.0 liest ist ebenfalls keine Überraschung, schließlich ist er klar als Version 1,0 deklariert. Der SanDisk Kartenleser liest hingegen DeLock und SanDisk Karten gleichermaßen ohne Probleme.

SanDisk hat jedoch mit größeren Problemen zu kämpfen. Ich habe derzeit neben einer DeLOCK Karte samt Lesegerät zwei SankDisk CFexpress Karten und zwei SanDisk Kartenleser (Karten und Leser aus der ExtremePro Reihe) zur Verfügung.

Anscheinend hat SanDisk zu große Fertigungstoleranzen bei Karten und ggf. auch Lesegeräten. Bei einer der beiden SanDisk Karten sitzt die Platine minimal tiefer im Gehäuse als bei der anderen Karte. Dies hat zur Folge, dass sich diese Karte in den SanDisk ExtremePro Kartenlesern nur dann lesen lässt, wenn man sie aktiv in den Leser hinein drückt.

Zu große Fertigungstoleranzen Verhindern eine korrekte Funktion bei SanDisk CFexpress Speicherkarten

Der Versatz ist wirklich sehr gering, was wiederum die Vermutung nahelegt, dass die Kartenleser die Speicherkarten nur sehr knapp erfassen und das schon minimalste Abweichungen in der Verarbeitung zu einem Kontaktproblem führen. Bei einem Kartenleser, der ca. 60-70 Euro kostet ist dies kein akzeptabler Zustand.

CFexpress ist derzeit eine experimentelle Technologie und im aktuellen Zustand nicht empfehlenswert.

Fazit nach einem Jahr Nikon Z

Ein Jahr nach Einführung der ersten Nikon Z Kameras ist es für mich an der Zeit ein erstes Fazit zum System zu ziehen. Dies finde ich insbesondere deshalb wichtig, da Nikon die Stärken des Systems im Marketing nur ungenügend in den Vordergrund stellt.

Die mittlerweile drei verfügbaren Z Gehäuse Z6, Z7 und Z50 sind allesamt exzellent verarbeitet und ergonomisch erstklassig. Wer schon einmal eine Sony Alpha 7 oder gar eine Kamera aus der APS-C 6000er Serie in der Hand gehalten hat kann nur zu dem Schluss kommen, dass Nikon speziell im Punkt Ergonomie gefühlte Lichtjahre voraus ist. Auch mit großen und schweren Objektiven hat man die Z Gehäuse sicher und ermüdungsfrei im Griff.

Viel wichtiger ist jedoch, wie das fertige Bild am Ende aussieht. Und an dieser Stelle können Z Gehäuse und Objektive vollends überzeugen.

Auf Seiten der Gehäuse sticht insbesondere der sehr ausgewogene und mit exzellenten High-ISO Fähigkeiten gesegnete Z6 Sensor hervor. Aber auch der Bilderzeuger der Z7 muss sich nicht verstecken, schließlich entspricht er dem hoch gelobten Sensor der D850. Mit dem 20,9 MP APS-C Sensor besitzt die Z50 ebenfalls eine bekannte und bewährte Größe. Alle drei Kameras verfügen somit über erstklassige Sensoren.

Bei den Objektiven ist der Vorteil des Z Systems noch auffälliger. Alle bisher vorgestellten Z Objektive erreichen eine erstklassige Bildqualität, die über das bisher gebotene im F Bajonett zum Teil deutlich hinaus geht.

Die 1,8er Festbrennweiten bieten eine deutlich bessere Schärfe bei Offenblende als die F Äquivalente und das bis in die Randbereiche hinein. Insbesondere die Z 50mm und 85mm 1,8 S lassen den AF-S Brüdern keine Chance – auch den lichtstärkeren 1,4er Objektiven nicht, wenn man sie bei Blende 1,8 vergleicht. Das Z 35mm 1,8S ist für mich zu einem unverzichtbaren Begleiter in Großstädten geworden. Zusammen mit dem IBIS der Z7 ergibt es die ideale Kombination für abendliche Streifzüge.

Vielleicht ist das auch ein Problem des Z Systems. Die relativ moderate Lichtstärke der Festbrennweiten von 1,8 gepaart mit recht hohen Preisen verwundern auf den ersten Blick. Nikon muss stärker deutlich machen, dass diese Objektive bereits bei Offenblende eine bisher nicht gesehene Bildqualität liefern (bezogen auf die bisherigen Nikon Objektive). Preis/Leistung und Größe/Gewicht sind  ideal abgestimmt, was man aber erst merkt, wenn man einmal eine Z mit entsprechenden Objektiven in Händen hält und eine längere Zeit nutzt.

Auch die beiden 24-70mm Objektive mit Blende 4 und 2,8 sind optisch exzellent. Beim kleinen „Kitobjektiv“ hat sich das bereits herumgesprochen, aber auch der große 2,8er Bruder bietet viel Leistung fürs Geld. Lediglich das Z 14-30mm 4,0 schwächelt meiner Meinung nach etwas, da sich dieses Objektiv recht stark auf Eingriffe durch die automatische Softwarekorrektur verlässt um bei Verzeichnung und Vignettierung zu überzeugen.

Es ist etwas schade, dass der Aspekt der Bildqualität im Nikon Marketing etwas untergeht. Ja, sicher ist sie in gewisser Weise zentraler Bestandteil des Marketings („mehr Licht..“), dies allerdings so allgemein und unspezifisch, dass nicht klar wird, wie die Vorteile genau aussehen.

Ich selber greife derzeit instinktiv zur Z7, wenn es um die maximale Bildqualität bei Landschaft, Architektur und Portrait geht. Sobald es um sich bewegende Motive geht, würde ich immer zu einer F Spiegelreflex greifen – für AF Tracking sind die D500 und D850 bisher ungeschlagen. Für alle anderen Motive ist es mittlerweile eine Z. Nach einem Jahr ist dieses neue Kamerasystem für mich nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken – und das ist sicherlich das deutlichste Fazit, dass man ziehen kann.

Nikkor Z 35mm 1,8 S

Nikons erstes 35mm Objektiv für das spiegellose Z System kam im September 2018 auf den Markt. Es ist mit einer – für Festbrennweiten – moderaten Lichtstärke von 1,8 ausgestattet und dafür alles andere als kompakt. Da die Objektive der S Serie laut Nikon allerdings auf beste Bildqualität hin optimiert sind, sind die Abmessungen des Objektivs eher vernachlässigbar. Dafür fällt das Gewicht mit 370g angenehm leicht aus.

Gehäuse und Handling

Die äußere Erscheinung ist wie bei allen Z Objektiven recht schlicht gehalten. Der programmierbare Einstellungsring nimmt einen großen Teil des Objektivtubus ein. Interessanterweise besteht dieser Ring aus Metall, während der Rest des Objektivs (mit Ausnahme des Bajonetts) aus Plastik gefertigt ist.

Meiner Meinung nach hätte der Einstellring auch deutlich kleiner ausfallen können da man fast keine Möglichkeit hat, das Objektiv an einer anderen Stelle anzufassen – was immer auch die Gefahr versehentlicher Verstellung mit sich bringt. Beim Fokus mag das noch unproblematisch sein, sofern der Autofokus die veränderte Einstellung schnell korrigieren kann oder man sowieso manuell fokussiert. Programmiert man den Ring jedoch auf die Blendeneinstellung (was durchaus praktisch ist) kommt es öfters zur unbeabsichtigten Verstellung deselben.

Optische Leistung

Die Abmessungen des Objektivs und der Preis signalisieren schon, dass Nikon beim 35mm 1,8 Z auf optische Leistung hin optimiert hat. Dem Anspruch wird das Z 35mm 1,8 S auch durchaus gerecht.

Nikkor Z 35mm 1,8 S bei Blende 1,8

Bereits bei Offenblende wird in der Bildmitte eine Schärfe erreicht, die nochmal deutlich besser ist als die des AF-S G 35mm 1,8 ED für das F Bajonett. Selbst zum Rand hin zeigt das Z 35mm 1,8 S bei Offenblende eine gute Schärfe, die sich durch minimales abblenden auf Blende 2,2 auf ein exzellentes Niveau steigern lässt. Die äußersten Ecken sind bei Blende 2,8 tadellos.

Aberrationen halten sich sehr stark in Grenzen, selbst bei Offenblende ist kein Kontrastverlust feststellbar. Farbsäume sind ebenfalls nur sehr minimal vorhanden.

Verwunderlich ist die bei Offenblende durchaus sichtbar ausgeprägte Vignettierung. Sie ist etwas stärker ausgeprägt als man erwarten würde, obwohl der große Bajonettdurchmesser des Z Systems in diesem Bereich Vorteile bringen sollte. Bei Blende 2,8 tritt kaum noch Abdunkelung auf und ab Blende 4 ist sie nicht mehr sichtbar.

Intensive Farben und starker Kontrast runden das Gesamtpaket ab. Insgesamt erscheinen Fotos mit dem Z 35mm 1,8 S lebendiger und mit mehr Tiefe als im direkten Vergleich mit dem AF-S 35mm 1,8G ED.

Fazit

Das Z 35mm 1,8 S spielt in einer anderen optischen Liga als das Pendant für das traditionelle F Bajonett. Nikon zeigt – mit Ausnahme der Vignettierung – welche Vorteile das neue Z Bajonett hat. Bereits ab Offenblende liefert es eine beeindruckende Leistung, die derzeit nur vom Z 50mm 1,8 S überboten wird.

Im Gegensatz zu vielen Nikon F Festbrennweiten hat man bei den neuen Z f/1,8 Objektiven den Eindruck, dass diese wirklich auf exzellente Leistung bei Offenblende hin optimiert wurden.

 

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 2,8

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 2,8

 

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 4

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 4

Nikon Z 85mm 1,8 S

Das Nikkor Z 85mm 1,8 S erschien Anfang September 2019 und ist die dritte Festbrennweite im Nikon Programm für die spiegellosen Z Kameras. Mit 899 Euro ist sie darüber hinaus relativ teuer geraten.

Konstruktion und Handling

Mit 470g ist es 120g schwerer als das Pendant für den F Mount und in der länge nur 2-3mm kürzer als die Kombination aus AF-S 85mm 1,8 G und FTZ Adapter.

Das äußere Erscheinungsbild entspricht dem minimalistischen Design der bisher vorgestellten 1,8er Z Nikkore. Großer Einstellring, M/A Umschalter – sonst nichts. Wieder einmal missfällt mir der große Einstellring, der zu leicht versehentlich berührt und verstellt werden kann, was die sonst sehr sinnvolle Blendenverstellung per Objektivring in der Praxis unbrauchbar macht.

Der Fokusmotor arbeitet etwas flotter als bei den bisher erschienenen 35mm und 50mm Objektiven, ist dafür aber auch der lauteste aus der Dreiergruppe.

Optische Leistung

Wieder einmal zeigt Nikon, was mit dem neuen Z Bajonett möglich ist. Die Bildschärfe in der Bildmitte ist bereits ab Offenblende exzellent. Und selbst zum Rand hin kann es sich mehr als deutlich zum F Pendant absetzen. Bereits ab Blende 1,8 ist die Schärfe am Rand und in den Ecken sehr gut. Generell kann man sagen, dass die Bildschärfe dem AF-S G 85mm 1,8 1-2 Blendenstufen vorauseilt – die Bildschärfe des Z Nikkors bei f/1,8 wird vom G Nikkor erst bei Blende 4 vollständig eingeholt.

Z 85mm 1,8 vs. G 85mm 1,8, Bildmitte bei Blende 1,8, 2,8 4,0

Farbsäume sind kaum auszumachen, ebenso wie andere Aberrationen, die bei Offenblende gerne auftreten. Selbst bei Blende 1,8 zeichnet das Objektiv kontraststark. Leicht abgeblendet steigert sich der Kontrast moderat.

Im Gegensatz zu den Objektiven Z 35mm 1,8 und Z 50mm 1,8 hält sich die Vignettierung diesmal im üblichen Rahmen und ist ab Blende 2,8 kaum noch wahrnehmbar. Die automatische Vignettierungskorrektur ist bei Offenblende in der Lage die Vignettierung gut auszugleichen.

Bei der Hintergrundunschärfe müssen jedoch leichte Abstriche gemacht werden. Das Z Nikkor erscheint mir auf den ersten Blick etwas unruhiger als das G Nikkor. Hier zwei Vergleichsbilder von Z (oben) und G (unten) bei Blende 1,8:

Z Nikkor 85mm 1,8 S @ 1,8

Nikkor AF-S 85mm 1,8 G @ 1,8

Fazit

Nikon legt bei den Festbrennweiten des Z Systems den Fokus eindeutig auf optische Qualität statt auf kompakte Abmessungen oder preisgünstig herzustellende Konstruktionen. Meiner Meinung nach ist dies durchaus die richtige Strategie, auch wenn dies für viele Fotografen im ersten Schritt eine hohe finanzielle Hürde darstellt.

Dieses 85er kann man bedenkenlos bei Offenblende einsetzen. Und wieder einmal ist das Z Nikkor in der Summe der Eigenschaften das beste Objektiv, was Nikon in dieser Brennweite/Lichtstärke bisher auf den Markt gebracht hat.

Wer bevorzugt mit Festbrennweiten fotografiert sollte sich ernsthaft den Umstieg auf das Z System überlegen. Es hängt das DSLR/F System in der optischen Leistung deutlich ab. Spätestens wenn das Z 24mm 1,8 S Mitte Oktober 2019 erscheint steht ein sehr attraktives Paket in den üblichen Brennweitenbereichen zur Verfügung – wenn auch zu einem hohen Einstiegspreis.

Weitere Beispiele Nikkor Z 85mm 1,8 S:

Nikkor Z 85mm 1,8 bei Blende 1,8, Vignettierungkorrektur eingeschaltet

Nikkor Z 85mm 1,8 bei Blende 1,8, Vignettierungkorrektur ausgeschaltet

© 2020 Dennis Saßmannshausen Fotografie

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