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Nikkor Z 35mm 1,8 S

Nikons erstes 35mm Objektiv für das spiegellose Z System kam im September 2018 auf den Markt. Es ist mit einer – für Festbrennweiten – moderaten Lichtstärke von 1,8 ausgestattet und dafür alles andere als kompakt. Da die Objektive der S Serie laut Nikon allerdings auf beste Bildqualität hin optimiert sind, sind die Abmessungen des Objektivs eher vernachlässigbar. Dafür fällt das Gewicht mit 370g angenehm leicht aus.

Gehäuse und Handling

Die äußere Erscheinung ist wie bei allen Z Objektiven recht schlicht gehalten. Der programmierbare Einstellungsring nimmt einen großen Teil des Objektivtubus ein. Interessanterweise besteht dieser Ring aus Metall, während der Rest des Objektivs (mit Ausnahme des Bajonetts) aus Plastik gefertigt ist.

Meiner Meinung nach hätte der Einstellring auch deutlich kleiner ausfallen können da man fast keine Möglichkeit hat, das Objektiv an einer anderen Stelle anzufassen – was immer auch die Gefahr versehentlicher Verstellung mit sich bringt. Beim Fokus mag das noch unproblematisch sein, sofern der Autofokus die veränderte Einstellung schnell korrigieren kann oder man sowieso manuell fokussiert. Programmiert man den Ring jedoch auf die Blendeneinstellung (was durchaus praktisch ist) kommt es öfters zur unbeabsichtigten Verstellung deselben.

Optische Leistung

Die Abmessungen des Objektivs und der Preis signalisieren schon, dass Nikon beim 35mm 1,8 Z auf optische Leistung hin optimiert hat. Dem Anspruch wird das Z 35mm 1,8 S auch durchaus gerecht.

Nikkor Z 35mm 1,8 S bei Blende 1,8

Bereits bei Offenblende wird in der Bildmitte eine Schärfe erreicht, die nochmal deutlich besser ist als die des AF-S G 35mm 1,8 ED für das F Bajonett. Selbst zum Rand hin zeigt das Z 35mm 1,8 S bei Offenblende eine gute Schärfe, die sich durch minimales abblenden auf Blende 2,2 auf ein exzellentes Niveau steigern lässt. Die äußersten Ecken sind bei Blende 2,8 tadellos.

Aberrationen halten sich sehr stark in Grenzen, selbst bei Offenblende ist kein Kontrastverlust feststellbar. Farbsäume sind ebenfalls nur sehr minimal vorhanden.

Verwunderlich ist die bei Offenblende durchaus sichtbar ausgeprägte Vignettierung. Sie ist etwas stärker ausgeprägt als man erwarten würde, obwohl der große Bajonettdurchmesser des Z Systems in diesem Bereich Vorteile bringen sollte. Bei Blende 2,8 tritt kaum noch Abdunkelung auf und ab Blende 4 ist sie nicht mehr sichtbar.

Intensive Farben und starker Kontrast runden das Gesamtpaket ab. Insgesamt erscheinen Fotos mit dem Z 35mm 1,8 S lebendiger und mit mehr Tiefe als im direkten Vergleich mit dem AF-S 35mm 1,8G ED.

Fazit

Das Z 35mm 1,8 S spielt in einer anderen optischen Liga als das Pendant für das traditionelle F Bajonett. Nikon zeigt – mit Ausnahme der Vignettierung – welche Vorteile das neue Z Bajonett hat. Bereits ab Offenblende liefert es eine beeindruckende Leistung, die derzeit nur vom Z 50mm 1,8 S überboten wird.

Im Gegensatz zu vielen Nikon F Festbrennweiten hat man bei den neuen Z f/1,8 Objektiven den Eindruck, dass diese wirklich auf exzellente Leistung bei Offenblende hin optimiert wurden.

 

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 2,8

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 2,8

 

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 4

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 4

Nikon Z 85mm 1,8 S

Das Nikkor Z 85mm 1,8 S erschien Anfang September 2019 und ist die dritte Festbrennweite im Nikon Programm für die spiegellosen Z Kameras. Mit 899 Euro ist sie darüber hinaus relativ teuer geraten.

Konstruktion und Handling

Mit 470g ist es 120g schwerer als das Pendant für den F Mount und in der länge nur 2-3mm kürzer als die Kombination aus AF-S 85mm 1,8 G und FTZ Adapter.

Das äußere Erscheinungsbild entspricht dem minimalistischen Design der bisher vorgestellten 1,8er Z Nikkore. Großer Einstellring, M/A Umschalter – sonst nichts. Wieder einmal missfällt mir der große Einstellring, der zu leicht versehentlich berührt und verstellt werden kann, was die sonst sehr sinnvolle Blendenverstellung per Objektivring in der Praxis unbrauchbar macht.

Der Fokusmotor arbeitet etwas flotter als bei den bisher erschienenen 35mm und 50mm Objektiven, ist dafür aber auch der lauteste aus der Dreiergruppe.

Optische Leistung

Wieder einmal zeigt Nikon, was mit dem neuen Z Bajonett möglich ist. Die Bildschärfe in der Bildmitte ist bereits ab Offenblende exzellent. Und selbst zum Rand hin kann es sich mehr als deutlich zum F Pendant absetzen. Bereits ab Blende 1,8 ist die Schärfe am Rand und in den Ecken sehr gut. Generell kann man sagen, dass die Bildschärfe dem AF-S G 85mm 1,8 1-2 Blendenstufen vorauseilt – die Bildschärfe des Z Nikkors bei f/1,8 wird vom G Nikkor erst bei Blende 4 vollständig eingeholt.

Z 85mm 1,8 vs. G 85mm 1,8, Bildmitte bei Blende 1,8, 2,8 4,0

Farbsäume sind kaum auszumachen, ebenso wie andere Aberrationen, die bei Offenblende gerne auftreten. Selbst bei Blende 1,8 zeichnet das Objektiv kontraststark. Leicht abgeblendet steigert sich der Kontrast moderat.

Im Gegensatz zu den Objektiven Z 35mm 1,8 und Z 50mm 1,8 hält sich die Vignettierung diesmal im üblichen Rahmen und ist ab Blende 2,8 kaum noch wahrnehmbar. Die automatische Vignettierungskorrektur ist bei Offenblende in der Lage die Vignettierung gut auszugleichen.

Bei der Hintergrundunschärfe müssen jedoch leichte Abstriche gemacht werden. Das Z Nikkor erscheint mir auf den ersten Blick etwas unruhiger als das G Nikkor. Hier zwei Vergleichsbilder von Z (oben) und G (unten) bei Blende 1,8:

Z Nikkor 85mm 1,8 S @ 1,8

Nikkor AF-S 85mm 1,8 G @ 1,8

Fazit

Nikon legt bei den Festbrennweiten des Z Systems den Fokus eindeutig auf optische Qualität statt auf kompakte Abmessungen oder preisgünstig herzustellende Konstruktionen. Meiner Meinung nach ist dies durchaus die richtige Strategie, auch wenn dies für viele Fotografen im ersten Schritt eine hohe finanzielle Hürde darstellt.

Dieses 85er kann man bedenkenlos bei Offenblende einsetzen. Und wieder einmal ist das Z Nikkor in der Summe der Eigenschaften das beste Objektiv, was Nikon in dieser Brennweite/Lichtstärke bisher auf den Markt gebracht hat.

Wer bevorzugt mit Festbrennweiten fotografiert sollte sich ernsthaft den Umstieg auf das Z System überlegen. Es hängt das DSLR/F System in der optischen Leistung deutlich ab. Spätestens wenn das Z 24mm 1,8 S Mitte Oktober 2019 erscheint steht ein sehr attraktives Paket in den üblichen Brennweitenbereichen zur Verfügung – wenn auch zu einem hohen Einstiegspreis.

Weitere Beispiele Nikkor Z 85mm 1,8 S:

Nikkor Z 85mm 1,8 bei Blende 1,8, Vignettierungkorrektur eingeschaltet

Nikkor Z 85mm 1,8 bei Blende 1,8, Vignettierungkorrektur ausgeschaltet

Kameragurte aus Elchleder von Eddycam

Es gibt fast keinen Fotografen, der ohne Kameragurt aus dem Haus geht. Während manche das vom Kamerahersteller beigelegte Exemplar nutzen, verwenden viele Fotografen jedoch ein separat erworbenes Modell. Gründe für einen Gurt aus dem Zubehörhandel gibt es viele: nicht mit auffälliger Werbung durch die Gegend laufen, besserer Tragekomfort gegenüber dem kostenlos beigelegten Modell, Verwendung alternativer Befestigungssysteme.

Im Zubehörhandel gibt es die verschiedensten Modelle aus Stoff, Neopren und relativ selten auch Leder. Üblicherweise investiert man nicht allzu viel Geld in dieses Zubehörteil, die meisten Gurte kosten deutlich weniger als 100 Euro.

Meine persönliche Schmerzgrenze für einen Gurt aus Stoff oder Neopren lag bisher bei ca. 50 Euro. Als ich im letzten Jahr in der Zeitschrift ProfiFOTO einen Artikel über die Kameragurte der Firma Eddycam (Inhaber Edlef Wienen) aus Hessen sah, fand ich die Idee eines Gurtes aus Elchleder zwar interessant, der Preis von 80 bis knapp über 200 Euro schreckte mich aber eher ab.

Was man einem Artikel in einer Zeitung jedoch nicht entnehmen kann ist die Haptik eines Eddycam Gurtes. Auf der 2019er Foto + Adventure in Duisburg kam ich am Stand des Herstellers erstmals mit den Produkten der Firma wortwörtlich „in Berührung“. Um es kurz vorwegzunehmen: der Preis war ab dem Moment nebensächlich.

Allgemeines zu Eddycam Kameragurten

Eddycam bietet neben Handschlaufen und Slings hauptsächlich Gurte in verschiedenen Breiten, Längen und Farben an. Als Breite werden 33mm (Länge 140cm), 35mm (Länge 155cm), 42mm (Länge 140cm), 50mm (Länge 155cm oder 200cm), 60mm (Länge 155cm oder 200cm) angeboten.

Die Gurte werden in Deutschland aus Elchleder hergestellt. Das Leder selber wird aus Finnland bezogen und stammt aus der kontrollierten Bejagung des dortigen Bestandes. Um die Elchpopulation muss man sich dabei keine Sorgen machen, die Jagd ist streng reguliert und verhindert einen übermäßigen Bestand.

Zweifarbiger Gurt in Schwarz/Natur

Als Farben stehen diverse Kombinationen aus Schwarz/Braun/Blau/Rot/Gelb/Olive/Natur/Weiß zur Verfügung. Die weißen Varianten laufen aktuell aus. Es gibt sowohl einfarbige, als auch zweifarbige Varianten mit unterschiedlicher Farbgebung auf der Innen- und Außenseite. Bis auf das Modell 35mm Edition verfügen alle Elchledergurte über eine Einlage aus Naturkautschuk zur zusätzlichen Polsterung.

Die Gurte verfügen über keine Schnellverschlüsse. Für mich ist das genau richtig, da ich Schnellverschlüsse für eine Schwachstelle halte. Viele sehen das sicher anders, weshalb es im Zubehörprogramm von Eddycam passende Adapterstücke – so genannte „Eddyconnectors“ mit der Funktion eines Schnellverschlusses gibt. Deren Tragkraft ist allerdings auf 2,2 kg begrenzt.

Die Befestigungsklemmen am Gurt sind aus Edelstahl gefertigt, insgesamt liegen dem Gurt vier solcher Klemmen bei. Bei den höherwertigen Gurten sind die Klemmen pulverbeschichtet in Schwarz, die günstigeren kommen im natürlichen Edelstahl-Look daher.

Verpackung und Zubehör

Verpackt sind die Gurte in einem schlichten Pappkarton. Darin befinden sich der Gurt, verpackt in einem Leinensäckchen mit Eddycam Aufdruck, 2 Stücke Kameraschutz und Dreiecksringe, ein Blatt mit Pflegehinweisen, ein kleiner Prospekt, ein Eddycam Aufkleber und am Gurt selber befestigt 4 Edelstahlklemmen zur Befestigung und Längenverstellung. Ein nettes Gimmick ist das am Gurt befestigte Birkenholzplättchen mit Eddycam Logo.

Während die Modelle mit 33mm und 35mm eher für Kompaktkameras und Ferngläser gedacht sind, bieten sich 42mm, 50mm und 60mm für Spiegellose und Spiegelreflexkameras an. Der Hersteller selber empfiehlt den doch recht wuchtigen Gurt mit 60mm Breite für professionelle Kameras (Batteriegriff plus Teleobjektiv) mit bis zu 5 kg Gesamtgewicht. 50mm werden für bis zu 3 kg empfohlen.

Was macht die Eddycam Gurte so besonders?

Bei Leder assoziiert man zunächst ein recht festes Material. Beim Eddycam Gurt ist dies jedoch deutlich anders. Das Leder ist ungewöhnlich weich, fühlt sich extrem gut an und in keiner Weise sperrig. Außerdem ist es flexibel und federt ähnlich eines Neoprengurtes. Die Verarbeitung ist – erwartungsgemäß – tadellos. Der Übergang vom Elchleder zu den Gurtenden ist mit festem Rindsleder vernäht.

Es ist wirklich schwer die besonderen Eigenschaften eines Eddycam Gurtes in einem Text zu vermitteln. Das sehr weiche und flexible Leder bietet ein haptisch wie ergonomisch exzellentes Tragegefühl.

Die Gurte selber sind ergonomisch geformt, bzw. sind leicht zu einer Seite geschwungen. Aufgrund der Einbuchtung des Gurtes drückt nichts, auch wenn der Gurt eng am Hals oder der Schulter anliegt. Ich persönlich hänge mir die Gurte recht selten über die Schulter. Viel wichtiger ist für mich die Möglichkeit den Gurt um das Handgelenk zu schlingen.

An dieser Stelle sei angemerkt das dies gut funktioniert, aber sich auch anders anfühlt. Das Elchleder lässt sich nicht so eng um die Hand schlingen, wies es mit Stoff möglich wäre. Mit etwas Übung habe ich jedoch meine „Schlingtechnik“ gefunden und möchte den Elchledergurt auch bei dieser Trageweise nicht mehr missen. Dennoch: Stoff- oder Neoprengurte lassen sich enger wickeln.

Eddycam Gurte in 60mm, 50mm, 42mm

Die Breite des Gurtes ist sicherlich eine höchst persönliche Entscheidung. Mir ist der 60mm Gurt etwas zu breit, auch wenn er in dieser Breite für professionelle Gehäuse mit großen Objektiven empfohlen wird. Für eine DSLR mit Batteriegriff würde ich den 50mm Gurt empfehlen, für eine spiegellose Kamera gegebenenfalls die Variante mit 42mm, auch wenn der Lederanteil bei dieser Variante recht kurz ausfällt.

Das Ganze hat natürlich seinen Preis. Je nach Farbe und Breite reichen die Preise hinauf bis zu 219 Euro. Ein Standardgurt in Schwarz mit Breite 50mm oder 60mm kostet 169 Euro, die schmaleren Varianten sind etwas günstiger.

Ja, das ist viel Geld für einen Kameragurt. Allerdings muss man auch betrachten, dass dieser Gurt sehr lange halten wird und die Eigenschaften des Materials einzigartig sind. Wie eingangs erwähnt hatte ich die Gurte nach dem Zeitschriftenartikel zu den Akten gelegt und erst die „haptische“ Erfahrung löste bei mir einen nicht zu stoppenden Kaufreflex aus. Mittlerweile baumeln mehrere Eddycam Gurte an meinen verschiedenen Kameras, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht rational erscheint.

Zum Shop des Anbieters geht es hier entlang: https://www.eddycam.com

Die Nikon Z7 und ein Städteausflug – Erfahrungen nach vier Tagen in Wien

Nachdem die Z7 für den letzten Urlaub ein paar Tage zu spät ausgeliefert wurde, stand Anfang Mai 2019 erstmals ein Städtetrip mit Nikons spiegelloser Kamera an. Trotz anfänglicher Skepsis, ob die bewährte D850 nicht die bessere Wahl wäre (Stichwort Akkus), landete eine überwiegend durch Z Objektive geprägte Ausrüstung im Rucksack. Dies war auch deshalb möglich, da das Z 14-30mm 4,0 S Ende April verfügbar war.

Die Auswahl der Objektive

Da die meisten Fluglinien relativ strikte Vorgaben zum Gewicht des Handgepäcks machen, die dann am Ende doch nie kontrolliert werden (so jedenfalls meine Erfahrung in Europa), stellt die Auswahl der Objektive immer eine Gratwanderung aus Qualität, Quantität und Gewicht dar.

Aber nicht nur während des Fluges spielt das Gewicht eine Rolle, sondern auch während des Aufenthalts vor Ort möchte man sich ja nicht unnötig abschleppen. Dennoch habe ich mich auch diesmal wieder entschieden eher das Gewichtslimit der Airline als das persönliche Wohlbefinden als Maßstab zu nehmen.

Am Ende wog der Rucksack mit innen liegender Kameratasche (nie einen offensichtlich als solchen zu erkennenden Fotorucksack auf einem Städteausflug verwenden!) und weiterem Krimskrams für die Reise 7,5 kg. Ohne „Overhead“ wie Ladegeräte oder Proviant blieben noch 6,9 kg übrig.

Was kam mit und warum?

  • Nikon Z7
  • Z 24-70mm 4,0 S – das klassische „Immerdrauf“.
  • Z 14-30mm 4,0 S – der Architektur Allrounder.
  • Z 35mm 1,8 – für abendliche Streifzüge oder bei wenig Licht.
  • FTZ Adapter – sollte klar sein.
  • F 20mm 1,8 – für dunkle Kirchen, wenn die Lichtstärke des Z 14-30mm nicht ausreicht.
  • F 60mm 2,8 Micro – für die Details im Leben
  • F 8-15mm 3,5-4,5 Fisheye Zoom – geplant für Schönbrunn und den Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek.
  • 3x EN-EL15b
  • Powerbank mit 38 Wh mit USB Lader für EN-El15
  • Zusätzlich im Koffer: Nikon Ladegerät, USB (Fremd-)Ladegerät mit 2 Schächten inkl. Netzteil, Steckdosenadapter um aus einer Steckdose drei zu machen. Manche Hotels geizen leider mit Anschlussmöglichkeiten.

Stromverbrauch und Akku Management

Russen mit Blumen an einem Denkmal zu Ehren der Sowjetarmee. Am 09. Mai. Da war doch was…

In der obigen Aufstellung sieht man bereits, dass der Punkt der Stromversorgung einen besonderen Platz in meinen Überlegungen eingenommen hat. Meiner Kalkulation zufolge komme ich bei einer Stadtwanderung auf ca. 9 bis 11 Stunden Einsatzzeit für eine Kamera. Mit der D850 brauchte ich mir nie Gedanken über die Akkukapazität zu machen. Ein EN-El18 im Batteriegriff reicht auch mal zwei bis drei Tage. Bei Spiegellosen sieht dies natürlich anders aus, da die Einschaltzeit der Kamera den Strombedarf bestimmt.

Aufgrund meiner Erfahrung, dass ein EN-El15b bei meiner Nutzung durchschnittlich 3 Stunden durchhält hatte ich Sorge, dass mich drei Akkus zuverlässig über den Tag bringen. Um dieses Risiko zu minimieren habe ich mich für die Powerbank und das USB Ladegerät entschieden. Sollte unterwegs absehbar der dritte Akku nicht reichen, kann ein Akku im Rucksack über die Powerbank geladen werden.
Um es vorwegzunehmen: es hätte auch weniger gereicht.

Praxiserfahrungen

Es entstanden in den vier Tagen insgesamt 1577 Aufnahmen, von denen ca. 10% im Brennweitenbereich von 14mm bis 16mm, 10% bei ca. 24mm, 15% zwischen 30 und 35mm und überraschende 18 % bei 70mm aufgenommen wurden. Der Rest verteilt sich relativ gleichmäßig über den Zoombereich der Z 14-30mm und 24-70mm.

Objektive

Das Z 24-70mm 4,0 S wurde seiner Rolle als Standardobjektiv vollends gerecht. Fairerweise muss man dazu sagen, dass in den vier Tagen bis auf einen Vormittag immer die Sonne schien und das Z 24-70mm 4,0 somit immer bei Blende 8 verwendet werden konnte. Blende 4 habe ich aufgrund der recht deutlichen Vignettierung weitestgehend vermieden. Blende 2,8 habe ich nicht vermisst, für Aufnahmen mit Freistelleffekten werde ich beim nächsten Mal jedoch noch eine lichtstarke Festbrennweite oberhalb von 50mm einpacken.

Z 24-70mm 4,0 S im „Nahkampf“. Wüstenhaus Schönbrunn.

Die geringe Naheinstellgrenze des Z 24-70mm 4,0 S mit 30cm hat ausgereicht um das 60mm 2,8 Makro im Rucksack zu lassen, am letzten Tag blieb es zwecks Gewichtseinsparung im Hotel.

Ein weiteres Objektiv, welches kaum zum Einsatz kam, ist das G 20mm 1,8. Der weitere Bildwinkel des Z 14-30mm 4,0 im Zusammenspiel mit dem Z7 Bildstabilisator bildeten die optimale Kombination für dunkle Kirchenbauten. Trotz massiver von Nikon erzwungener) Softwarekorrektur und gewisser Schwächen bei Offenblende und 14mm in den Bildecken können die Ergebnisse vollends überzeugen. Meist lag die gewählte Blende in Innenräumen bei 5,6, ab 16mm aufwärts auch schon mal bei Offenblende f/4. Das 14-24mm 2,8 habe ich nicht vermisst.

Ebenfalls seltener eingesetzt als gedacht wurde das 8-15mm 3,5-4,5 Fischaugenzoom. Lediglich am Schloss Schönbrunn konnte es punkten (siehe das Titelbild dieses Beitrags), im Prunksaal der Nationalbibliothek verhinderten zu viele Besucher den sinnvollen Einsatz eines solch extremen Weitwinkels.

Akkuverbrauch

Eine wirklich positive Überraschung ist der Akkuverbrauch. An allen Tagen reichten maximal zwei Akkuladungen. Im Schnitt hielt ein Akku zwischen 3 und 5 Stunden durch, die Anzahl der aufgenommenen Bilder lag recht konstant bei knapp über 300 pro Akkuladung. Zieht man an einem Tag die Zeiten für Transfer mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B und Restaurantbesuche ab, bleiben von einem 11 Stunden Tag netto maximal 8 Stunden Einsatzzeit für die Kamera übrig. Die Powerbank kam nicht zum Einsatz und mit drei Akkus würde ich mich zukünftig für solche Städtetrips auf der sicheren Seite fühlen.

Gewicht und Handling

Prunksaal der Österreichischen Nationalbibliothek.

Im Vergleich zu früheren Städteexpeditionen habe ich das geringere Gewicht der Ausrüstung deutlich gespürt. Wo sonst nach dem zweiten Tag die Schultern aufgrund des Rucksackgewichts weh taten, konnte ich mich diesmal vollends auf meine platt gelaufenen Füße konzentrieren. Auch wenn die einzelnen Objektive und das Kameragehäuse jeweils immer nur ein paar hundert Gramm einsparen, macht sich dies in der Summe deutlich bemerkbar.

Die geringeren Abmessungen der Z7 ist einerseits von Vorteil, da man die Aufmerksamkeit von Langfingern auf sich zieht, andererseits aber auch von Nachteil. Mir ist ein deutlicher Unterschied im Umgang der anderen Passanten und Touristen aufgefallen. Kommt man mit einer D850 und Batteriegriff daher wird man fast immer für einen Profifotografen gehalten. Die Leute machen freiwillig platz oder achten darauf, nicht durchs Bild zu laufen.

Mit den Z’s läuft man wohl in der Kategorie gewöhnlicher Tourist und muss sich mehr durchkämpfen. Außerdem wird man deutlich häufiger gebeten Handyfotos von anderen Touristen zu schießen. Schließlich stört man keinen vermeintlich arbeitenden Profi und trifft auf Seinesgleichen. Nach der dritten Bitte um ein Handyfoto in Schönbrunn muss ich meinem Frust wohl etwas zu deutlich nach außen getragen haben, schließlich wurde ich nach der Aufnahme mit einem „sorry“ verabschiedet.

Votivkirche. Nikkor Z 14-30mm 4,0 S bei 15mm und Blende 4.

Doch nun zurück zur Kamera. Nach dem ersten Tag hatte ich keinerlei Irritationen bei der Bedienung mehr, d.h. ich habe keine Knöpfe gesucht, wo keine waren. Beim nächsten Ausflug mit der D850 sah das allerdings schon anders aus – wenn man die Bildwiedergabe aktiviert und vergeblich durch den Sucher einer Spiegelreflex blickt, um bei hellem Sonnenlicht die letzte Aufnahme zu überprüfen, hat man einen der Vorteile einer spiegellosen Kamera verinnerlicht. Auch die Sucherlupe war in manchen Situationen sehr hilfreich.

Staub auf dem Sensor war interessanterweise kein Thema, die Z7 hat in den Tagen lediglich ein winziges Staubkorn aufgesammelt, welches erst ab Blende 8 schwach zu sehen und so günstig positioniert war, dass es kaum auffallen konnte. Die eingebaute Sensorreinigung vermochte allerdings nicht dieses Staubkorn zu entfernen. Zwei moderat dimensionierte Luftzüge aus einem Blasebalg reichten allerdings aus, den Störenfried zu beseitigen.

Fazit

Keiner der systembedingten Unterschiede zwischen Spiegelloser und Spiegelreflex – relativ offen liegender Sensor (Staub), Akkulaufzeit und anderes Bedienkonzept – wirkte sich während dieser Reise negativ aus. Das geringere Gewicht war spürbar und die kleinere Kamera fiel insgesamt weniger auf.

Da die Bildqualität von Z7 und D850 absolut identisch ist, kann die Wahl der Kamera für eine solche Städtereise rein auf Basis von Gewicht und benötigter Funktion getroffen werden.

Nikkor Z 14-30mm 4,0 S unkorrigierte Beispielbilder

Das Z 14-30mm 4,0 S kann unkorrigiert erst ab 20mm überzeugen. 14mm, 16mm, 20mm, 24mm und 30mm. Alle bei Blende 8, konvertiert mit CaptureOne Pro 12.0.3 unter Umgehung der sonst erzwungenen Korrektur. Es kam kein Stativ zur Anwendung, daher ist die Perspektive zwischen den einzelnen Bildern leicht verschoben:

© 2019 Dennis Saßmannshausen Fotografie

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