Das AF-S 58mm 1,4 G wurde Ende 2013 vorgestellt und soll laut Nikon der moderne AF Ersatz für das legendäre, manuelle Noct Objektiv 58mm 1,2 sein. Bei der Beurteilung dieses Objektivs gelten demnach etwas andere Maßstäbe. Es handelt sich hierbei um ein Spezialobjektiv für besondere Einsatzzwecke und keinen Allrounder. Wer einfach nur ein gutes und lichtstarkes 50mm Objektiv sucht, wird bei den viel günstigeren 50mm 1,4 Objektiven von Nikon, Sigma und Tokina fündig.

Womit wir beim Preis wären: recht happige 1.500 € schlagen durchschnittlich für das 58mm 1,4 zu Buche. Allerdings fällt es in der Riege der f/1,4 Festbrennweiten nicht allzu sehr aus dem Rahmen – das 28mm 1,4 ist teuer, das 85mm 1,4 in etwa gleich teuer. Dennoch hat sich das Objektiv zwischen 2013 und 2020 bereits mehr als 34.000 Mal verkauft. Auf dem Gebrauchtmarkt sind Mitte 2021 ca. ca. 1000 Euro einzuplanen.

Gehäuse und Handling

Das Objektivgehäuse ist gemessen an der optischen Konstruktion recht groß, insbesondere der Durchmesser (72mm Filtergewinde) ist auffällig. Mit 385g ist das Objektiv trotz der Größe recht leicht. Leider wurde der Platz im Gehäuse nicht für einen AF-S Ringmotor genutzt, angetrieben wird es durch den gleichen Micromotor wie in deutlich günstigeren f/1,8er Festbrennweiten. Der Autofokus arbeitet dennoch recht zügig, jedoch ohne Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen.

Aufgrund der optischen Eigenschaften ist der Autofokus recht zickig. An älteren Kameras wie der D800 oder D810 kann einen die Fokuspräzision insbesondere im Nahbereich in den Wahnsinn treiben. Aber auch an Kameras mit neuerem AF Modul wie der D850 oder spiegellosen Kameras ist es schwer – insbesondere bei weit geöffneter Blende – den Fokuspunkt richtig zu setzen. Dennoch erleichtern die spiegellosen Kameras technisch bedingt den Einsatz des 58mm 1,4 erheblich.

Die Naheinstellgrenze ist mit 0,58m recht lang ausgefallen, wobei diese Zahl sicherlich bewusst gewählt wurde.  

Optische Leistung

Eines vorweg: das 58mm 1,4 ist zwischen den Blenden 1,4 und 1,8 nicht sehr scharf, auch nicht im Bildzentrum.

Wozu ist das Objektiv dann da? Die Nikon Marketingabteilung stellte zwei herausragende Eigenschaften in den Mittelpunkt: als Nachfolder des legendären 58mm Noct Objektives sollte es sich besonders durch cremige Hintergrundunschärfe – oft auch mit dem japanischen Begriff Bokeh bezeichnet – und niedriges Coma auszeichnen. Die Reduktion von Coma ist insbesondere wichtig, um ausfressende Lichtpunkte in dunklen Umgebungen (wie zum Beispiel Nachtaufnahmen) zu verhindern. Um es kurz zu machen: Warum Nikon ausgerechnet die Korrektur von Coma als außergewöhnlich beworben hat, erschließt sich nicht. In dieser Disziplin ist es kaum besser als vergleichbare Objektive.

Die Hintergrundunschärfe ist jedoch in der Tat außergewöhnlich weich und gefällig. Und das ist der eigentliche Grund, dieses Objektiv zu erwerben. Kein anderes, aktuelles Nikon Objektiv im Bereich um 50mm ist in der Lage solch weiche, cremige Hintergründe zu zaubern wir das Nikkor 58mm 1,4.

Hierzu ein Vergleich von AF-S 58mm 1,4 G und Z 50mm 1,8 S, beide bei Blende 1,8 an der Z7:

Nikkor AF-S 58mm 1,4 G vs. Nikkor Z 50mm 1,8 S

Die Stärke des 58mm 1,4 liegt somit in der Freistellung, was sich natürlich insbesondere bei Portraitaufnahmen positiv auswirkt. Eine Reduktion auf Portraits wird dem Objektiv jedoch nicht gerecht. Auch bei Landschafts- oder Architekturaufnahmen lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen, sofern die Betonung einzelner Bildpartien im Mittelpunkt steht.

Betrachtet man das AF-S 58mm 1,4 G als ganz normales Objektiv, kann man sich über eine recht geringe Vignettierung freuen, die bei f/1,4 zwar sichtbar ist, aber bereits bei f/1,8 verschwindet. Zur Schärfe lässt sich allgemein sagen, dass zwischen Blende 1,4 und 2,0 keine Rekorde aufgestellt werden. Bei Blende 1,4 bildet es im Nahbereich recht weich ab, mitn zunehmender Fokusdistanz gewinnt es bei Offenblende an Auflösungsvermögen. In der Bildmitte steigert sich die Schärfe bei Blende 1,6 bis 2,0 schrittweise und erreicht ab dieser Blende ein exzellentes Niveau. Ab f/2,8 ist die Schärfe über das gesamte Bildfeld hinweg sehr gut, bei Landschaftsaufnahmen macht sich allerdings die recht starke Bildfeldwölbung bemerkbar.

Chromatische Aberrationen sind etwas stärker als bei neueren Objektivkonstruktionen. Die Farbsäume an starken Kontrasten lassen sich allerdings gut in der Nachbearbeitung korrigieren. Farben und Kontraste werden recht stark wiedergegeben.

Fazit

Die Kaufentscheidung für das 58mm 1,4 ist sicherlich eine sehr bewusste. Man muss wissen, dass es bei Offenblende recht weich abbildet undder Fokus selbst an neuesten DSLRs oder den spiegellosen Z Kameras manchmal daneben liegt. Dafür entschädigt es mit einer fantastischen Hintergrundunschärfe bzw. Bokeh und einer fast traumwandlerisch anmutenden Bildqualität. Die doch recht geringe Schärfe bei Offenblende ist sozusagen der Kompromiss der eingegangen werden muss, um diese besonderen optischen Merkmale zu ermöglichen.

Fotos mit dem 58mm 1,4 stechen hervor, insbesondere bei Blenden zwischen f/1,4 und f/2, bei größeren Fokusdistanzen auch bis f/2,8. Es liefert einen einzigartigen Look, der mit keinem anderen F Nikkor – außer dem alten Noct – reproduzierbar ist. Wenn man sich die Zeit nimmt, um Fotos mit dem AF-S 58mm 1,4 G wortwörtlich zu erarbeiten, wird man mit außergewöhnlichen Bildern belohnt, die einen deutlichen Wiedererkennungswert haben. Für mich persönlich ein unverzichtbares Objektiv.

Beispielbilder: