Zoomobjektive mit einem Brennweitenbereich von 80/100-400mm und einer Lichtstärke von 4-5-5,6 sind eine recht junge Tradition bei Nikon. Im Jahr 2000 kam mit dem AF 80-400mm 4,5-5,6 D ED VR das erste Nikkor dieses Brennweitenbereichs auf den Markt. Es war gleichzeitig das erste Nikon Objektiv mit Bildstabilisator und wurde 2013 durch das AF-S 80-400mm 4,5-5,6 G IF-ED VR abgelöst. Im November 2021 kam die dritte Variante in Form des Z Objektivs Z 100-400mm 4,5-5,6 VR S auf den Markt.

Eine Gemeinsamkeit hat das Z 100-400mm mit seinem F Mount Vorgänger: es ist teuer. Recht ambitionierte 3.000 € kostete es Ende 2021, Anfang 2024 ist der Preis leicht auf rund 2.700 € gesunken.

Gehäuse und Handling

Mit 1,44kg ist das Z 100-400mm 4,5-5,6 VR S kein Leichtgewicht, aber gut handhabbar. Dazu trägt auch das speziell austarierte Linsensystem bei, welches beim Zoomen für eine gleichmäßige Gewichtsverteilung sorgt. Der Schwerpunkt des Objektivs verschiebt sich dabei nicht – wie sonst üblich – an das vordere Ende des Objektivs, was das Handling von Kamera und Objektiv deutlich angenehmer gestaltet. Leider ist es Nikon nicht gelungen, das Objektiv als Innenzoom zu konstruieren, daher fährt der innere Objektivtubus beim Zoomen einige cm aus dem Gehäuse heraus.

Die Ausstattung des Z 100-400mm ist selbst für die S-Linie sehr üppig. Neben dem mechanischen Zoomring besitzt es noch jeweils einen separaten Fokus- und programmierbaren Funktionsring. Darüber hinaus stehen zwei separat belegbare Funktionstasten zur Verfügung, wobei der Fn2 rund um das Objektiv mehrfach angeboten wird. Ein Ausstattungsmerkmal aus den frühen Tagen des Z Systems, welches von Nikon anscheinend bei neueren Objektiven nicht mehr implementiert wird, ist das mini-Display, über das man sich entweder die eingestellte Blende oder die Fokusdistanz anzeigen lassen kann.

An Schaltern steht lediglich ein A/M Umschalter und ein Fokusbegrenzer zur Verfügung. Einen Schalter für VR an/aus sucht man – wie heutzutage leider üblich – vergebens.

Als Mitglied der Nikkor S Objektivfamilie gelten gehobene Standards, die ausnahmslos erfüllt werden: tadellose Verarbeitung, solides Gehäuse, zusätzlicher Einstellring, sowie ein leiser und schneller Autofokus erfreuen den Fotografen. Die Geschwindigkeit des Autofokus ist nicht mit der eines f/2,8 Zooms vergleichbar, ist aber dennoch ausreichend schnell um Vögel im Flug zu verfolgen. Es fokussiert etwas schneller als das neuere Z 180-600 und deutlich schneller als die älteren 100-400mm F Mount Objektive von Sigma und Tamron.

Äußerst nützlich ist auch die geringe Naheinstellgrenze von 0,98m bei 400mm. Dadurch wird ein schon Makrotauglicher Abbildungsmaßstab von 1:2,6 erreicht. Allerdings ist die Schärfentiefe an der Naheinstellgrenze bei 400mm physikalisch bedingt sehr gering. Die Offenblende ändert sich abhängig von der Brennweite wie folgt: 100mm 4,5 – 125mm 4,8 – 185mm 5,0 – 270mm 5,3 – 360mm 5,6.

Optische Leistung

Wie bei vielen Z Objektiven bisher, zeigt auch das 100-400mm ab Offenblende eine beeindruckende Bildschärfe. Es sind nur marginale Unterschiede durch Abblenden sichtbar – und die über den gesamten Bildbereich bei allen Brennweiten. Wie bei fast allen Zoomobjektiven üblich, lässt das Auflösungsvermögen zum langen Ende hin etwas nach. Im Fall vom Z 100-400mm bedeutet dies aber auch, dass es selbst bei 400mm und Offenblende 5,6 eine immer noch sehr gute Bildschärfe erreicht wird, die sich durch geringfügiges Abblenden um eine Drittelblende auf f/6,3 nochmals verbessert. Das Vorgängermodell für den F Mount, das AF-S 80-400mm 4,5-5,6 G IF-ED VR muss sich über den gesamten Brennweitenbereich sichtbar und insbesondere zwischen 300mm 400mm deutlich geschlagen geben. Auch die F Mount Alternativen von Sigma und Tamron werden auf Distanz gehalten.   

Hinsichtlich der allgemeinen Bildparameter, wie Farbdarstellung, Kontrast und Verzeichnung wird das Objektiv dem S-Label deutlich gerecht. Aufnahmen mit dem Z 100-400mm wirken auch im direkten Vergleich mit dem neueren Z 180-600mm lebendiger. Insgesamt entspricht die Bildqualität dem eines professionellen Zoomobjektivs und ist mit der eines 70-200mm 2,8 Zooms vergleichbar. Im Prinzip tauscht man Lichtstärke gegen einen größeren Brennweitenbereich.

Vollständig vernachlässigbar ist die Randabdunkelung/Vignettierung. Selbst bei Offenblende fällt diese kaum auf. Ebenso kaum sichtbar sind Chromatische Aberrationen. Farbsäume an kontraststarken Kanten sind somit kein Thema. Recht ungewöhnlich für ein Zoom ist die hervorragende Kompatibilität mit Telekonvertern. Insbesondere der Nikon Z 1,4x Telekonverter beeinträchtigt die Bildqualität weniger, als man es erwarten würde. Bei 400mm und Offenblende ergibt sich daraus eine 560mm f/8 Kombination, die durchaus auch ohne Abblenden gut nutzbar ist. Wie üblich, steigert Abblenden die Schärfeleistung bei Nutzung eines Telekonverters, wobei hier das Optimum bereits mit f/7,1 (Blende 10 effektiv) erreicht wird.

Fazit

In der Summe seiner Eigenschaften kann das Z 100-400mm 4,5-5,6 VR S überzeugen. Es hat ein sehr gutes Packmaß, ist mit 1,44kg nicht zu schwer, lässt sich auch an kleineren Z Kameragehäusen wie einer Z7 aufgrund der ausgewogenen Gewichtsverteilung angenehm handhaben, bietet eine exzellente Bildqualität bei allen Brennweiten, fokussiert sehr zügig, bietet eine ungewöhnlich kurze Naheinstellgrenze und harmoniert hervorragend mit dem Z 1,4x Telekonverter.

Es ist ein echtes Allorundobjektiv, welches in der Summe seiner Eigenschaften vollends überzeugt. Das größte Problem dürfte jedoch der Preis sein. Knapp unter 3.000 Euro sind eine Ansage. Daher dürfte es verlockend sein, ein älteres F Mount Tamron oder Sigma 100-400mm Objektiv via FTZ zu adaptieren. Schließlich lassen sich – gemessen am Neupreis – rund 2.000 Euro sparen. Ich habe lange mit diesen beiden Fremdherstellerobjektiven an F und Z Kameras fotografiert und kann im Vergleich sagen, dass das Nikkor Z 100-400mm von der Bildqualität her eine ganze Klasse über diesen beiden Objektiven liegt. Dennoch ist der Aufpreis schwer verdaulich.

Beispielfotos

Nikkor Z 100-400mm 4,5-5,6 VR S @ 400mm f/5,6
Nikkor Z 100-400mm 4,5-5,6 VR S mit TC 1,4 @ 400mm (560mm effektiv) f/5,6 (f/8 effektiv)
Nikkor Z 100-400mm 4,5-5,6 VR S mit TC 1,4 @ 400mm (560mm effektiv) f/7,1 (f/10 effektiv)
Nikkor Z 100-400mm 4,5-5,6 VR S @ 400mm f/5,6
Nikkor Z 100-400mm 4,5-5,6 VR @ 200mm f/5,0
Nikkor Z 100-400mm 4,5-5,6 VR S @ 100mm f/4,5
Nikkor Z 100-400mm 4,5-5,6 VR S @ 400mm f/7,1