Z 24-200mm 4,0-6,3 VR

Ende Juni 2020 und damit mitten in die Pandemie hinein erschien das erste Superzoom Objektiv für das Nikon Z System, das 24-200mm 4,0-6,3 VR. Es ist das erste Vollformatobjektiv des Z Systems, welches nicht den Namenszusatz S trägt und daher nicht der Superior Linie zuzurechnen ist.

Gehäuse und Handling

Die Änderungen am Gehäusedesign sind minimal. Neben dem entfallenen, silbernen S Symbol gibt es jedoch eine interessante Änderung. Das Bajonettende des Objektivgehäuses ist aus Plastik gefertigt. Modellbezeichnung und Brennweitenindex sind im Unterschied zu den S Objektiven nur aufgedruckt und nicht eingraviert. Um an dieser Stelle Missverständnisse zu vermeiden: das Bajonett selber ist natürlich aus Metall. Alles Andere wäre bei einem Objektiv für knapp 1.000 € auch nicht akzeptabel.

Abgesehen von diesen sehr subtilen Änderungen zum Zwecke der Kosteneinsparung unterscheidet sich die Haptik nicht sonderlich vom Z 24-70mm 4,0 S. Im Folgenden werde ich immer wieder Vergleiche zum 24-70mm 4,0 ziehen, da manche Interessenten sicherlich zwischen diesen beiden Objektiven auswählen werden.

Nur „NIKKOR“, kein „S“ und der Schalter zum arretieren des Objektivs bei 24mm.

Am Objektiv findet sich kein einziger Schalter, lediglich ein Lock Schieber arretiert das Objektiv bei 24mm und verhindert so unbeabsichtigtes Ausfahren der Zoomkonstruktion. Der Zoom ist jedoch so stramm, dass ich eine solche Arretierung – zumindest im Auslieferungszustand – nicht für nötig halte. Es gibt keine Parkposition zur Reduktion der Länge des Objektivs beim Transport, was wiederum auch bedeutet, dass das Objektiv anders als beim Z 24-70mm 4,0S nicht erst ausgefahren werden muss, um es zu benutzen.

Im Gegensatz zum 24-70mm 4,0S gibt es somit auch keinen A/M Umschalter, der optische Bildstabilisator wird ebenfalls nur per Kameramenü an- und ausgeschaltet. Der Zoomring ist gummiert, der Einstellring aus Plastik.

Mit 570g ist das 24-200mm nur minimal schwerer als das 24-70mm (500g). Bei 114mm Länge ist es 2,6cm länger als ein 24-70mm 4,0 im eingefahrenen Zustand. Im Durchmesser sind beide fast identisch, lediglich der Filterdurchmesser ist beim 24-200mm mit 67mm etwas kleiner.

Optische Leistung

Offenblendreihe: 24mm 4,0, 35mm 4,8, 50mm 5,6, 70mm 6,0, 105mm-200mm 6,3.

Wie auch beim 24-70mm 4,0 greift Nikon wieder mit fest eingestellter Softwarekorrektur in die Bildqualität ein. Bei einem offensichtlich nicht im professionellen Segment verorteten Objektiv ist dies auch mittlerweile zu erwarten. Allerdings gibt es zum Beispiel hinsichtlich der Verzeichnung nicht so viel zu korrigieren, wie man bei einem 24-200mm Objektiv vermuten würde. Softwareseitig recht stark unterdrückt werden hingegen chromatische Aberrationen und die Vignettierung. Dennoch treten zu den Ecken hin an starken Kontrasten recht deutliche Farbsäume in Form von Farblängsfehlern auf. Dies gilt für die Brennweiten zwischen 24mm und 105mm, darüber reduziert sich die Anfälligkeit für Aberrationen etwas.

Bei 24mm kann die Bildmitte schon bei Offenblende vollends überzeugen. Dies ist angesichts der bisher vorgestellten Z Objektive auch nicht verwunderlich. Es gibt jedoch zum Rand und zu den Ecken hin einen sichtbaren Schärfeabfall, der auch bei Blende 5,6 noch moderat auftritt. Die Ecken sind dabei jedoch nicht schlechter als die Ränder, somit braucht man sich bei diesem Superzoom über matschige Ecken keine Gedanken machen. Wenn die Schärfe am Bildrand passt, sind die Ecken zumindest gleich scharf.

Die Vignettierung tritt bei Blende 4,0 ebenfalls deutlich hervor und ist auch bei Blende 5,6 noch sichtbar, selbst bei eingeschalteter Vignettierungskorrektur. Bei Blende 8 und 24mm überzeugt das Z 24-200mm jedoch hinsichtlich Schärfe und Vignettierung vollends über den gesamten Bildbereich.

Bei 35mm sind Randabfall und Vignettierung nur noch schwach ausgeprägt. Bereits ab Blende 5,6 kann das Z 24-200mm ohne Bedenken eingesetzt werden.

Bei 50mm spielt die Vignettierung keinerlei Rolle, der Schärfeabfall zum Rand nimmt gegenüber 35mm f/4,8 leicht zu. Abblenden auf Blende 8 behebt das Problem.

Bei 70mm leidet das Bildzentrum von der Schärfe her erstmals bei Offenblende. Moderates abblenden auf 6,3 bringt diese Brennweite aber wieder auf ein gutes Niveau.

Die Telebrennweiten ab 105mm aufwärts verhalten sich alle recht ähnlich. Minimaler Schärfeabfall zum Rand hin bei Offenblende 6,3 bei guter Schärfe im Bildzentrum, sehr gute Schärfe über das gesamte Bildfeld bereits bei Blende 7,1, Vignettierung bis Blende 7,1 sichtbar, sofern die Korrektur angeschaltet ist.

Zusammengefasst würde ich das Z 24-200mm bei folgenden Brennweiten ab diesen jeweiligen Blenden an einem 45 MP Z7 Gehäuse bedenkenlos einsetzen: 24mm – 8,0, 28mm-50mm 5,6, 70mm 6,3, 105mm-200mm 7,1.

Der Kontrast ist ordentlich, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau der S Objektive. Die Farbcharacteristik ist von den anderen Z Objektiven nicht zu unterscheiden und bildet neutral bis leicht kühl ab.

Vergleich Z 24-200mm 4,0-6,3 VR zu Z 24-70mm 4,0 S

Z 24-200mm 4,0-6,3 VR und Z 24-70mm 4,0S

Im Vergleich zum Z 24-70mm 4,0 S schneidet das Z 24-200mm 4,0-6,3 VR mehr als ordentlich ab, muss sich aber letzten Endes doch geschlagen geben. Im Weitwinkelbereich bis ca. 30mm bildet das Z 24-70mm deutlich besser ab, da es nicht unter dem Schärfeabfall zum Rand hin leidet. Bei den mittleren Brennweiten liegen beide Objektive näher beieinander, allerdings hat das Z 24-70mm 4,0 in diesem Bereich schon eine ganze Blende mehr Lichtstärke zu bieten.

Insgesamt bildet das Z 24-70mm 4,0S minimal schärfer und insgedamt etwas kontrastreicher ab.

Sucht man die beste Bildqualität in Relation zum Preis bleibt das Z 24-70mm 4,0S ungeschlagen. Sucht man die kompakteste Lösung vom Weitwinkel bis zur Telebrennweite und reicht Blende 5,6 im Weitwinkel und Blende 7,1 ab 105mm aufwärts aus, ist das Z 24-200mm ungeschlagen. Und das will etwas heißen.

Fazit

Auch im Jahr 2020 lassen sich Grundlagen der Physik nicht überwinden. Große Zoombereiche fordern ihren Tribut hinsichtlich der erzielbaren Abbildungsqualität bei gegebener Objektivgröße. Das Z 24-200mm 4,0-6,3 VR verschiebt die Grenzen des Erwartbaren für ein Superzoom. Noch vor ein paar Jahren hätten die so verschmähten Gummilinsen entweder im Weitwinkel oder Telebereich massiv geschwächelt und erst Blende 8 hätte einigermaßen zufriedenstellende Ergebnisse geliefert, immer begleitet von matschigen Ecken.

Angst vor all diesem muss man beim 24-200 nicht haben, und das ist die eigentliche Nachricht über dieses Objektiv. Es gehört nicht zur optischen Spitzenklasse, definiert aber dennoch das Genre der Megazooms neu, auch wenn die Anfälligkeit für Farbsäume etwas stärker ausgeprägt ist, als man es heutzutage erwarten würde.

Beispielfotos, CA Korrektur und Vignettierungskorrektur in Capture NX-D abgeschaltet

Z 24-200mm, 24mm Blende 4,0
Z 24-200mm, 24mm Blende 5,6
Z 24-200mm, 24mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 29,5mm Blende 4,5
Z 24-200mm, 29,5mm Blende 5,6
Z 24-200mm, 29,5mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 35mm Blende 4,8
Z 24-200mm, 35mm Blende 5,6
Z 24-200mm, 35mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 49mm Blende 5,6
Z 24-200mm, 49mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 70mm Blende 6,0
Z 24-200mm, 70mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 135mm Blende 6,3
Z 24-200mm, 135mm Blende 7,1
Z 24-200mm, 135mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 200mm Blende 6,3
Z 24-200mm, 200mm Blende 7,1
Z 24-200mm, 200mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 200mm Blende 6,3