Mit der Vorstellung der D200 am 1. November 2005 kündigte Nikon den lang ersehnten Nachfolger der D100 an. Der Vorgänger war bereits deutlich in die Jahre gekommen und von der reinen Bildqualität her bereits durch die deutlich günstigere D70 überholt worden. Wenn man die lange Zeitspanne zwischen der D300s und der D500 betrachtet scheint es so etwas wie eine Tradition zu sein, dass Nachfolgeprodukte etwas länger brauchen, bis sie auf den Markt kommen.

Die Zeit zwischen der D100 und der D200 hat Nikon damals genutzt, um ein vollständig neu entwickeltes DSLR Gehäuse zu schaffen, welches im Unterschied zum Vorgänger nicht auf einer Konstruktion aus der Analog-Ära basiert. Passend zum Preis bietet es eine solide Verarbeitung, bestehend aus einer Magnesiumlegierung und gummierten Griffflächen.

Weitere Verbesserungen betreffen die Ergonomie, ein zum ersten Mal wirklich brauchbares, rückwärtiges Display mit ausreichender Auflösung und dedizierte Bedienelemente für alle oft benötigten Funktionen.

Im Unterschied zur D100 bietet die D200 die Möglichkeit, auch mit manuellen Objektiven die Belichtung zu messen. Dies führte in der Folge zu einer deutlichen Belebung des Gebrauchtmarktes manueller Objektive.

Die D200 war ab Dezember 2005 für rund 1700 € im Handel erhältlich – wobei dies in vielen Fällen nur eine theoretische Marktverfügbarkeit bedeutete. In den ersten 6 Monaten war die D200 meist nur auf Vorbestellung mit entsprechenden Wartezeiten zu bekommen.

Sensor

Der 10,2 MP Sensor der D200 sollte der letzte von Nikon eingesetzte CCD Sensor sein. Alle später vorgestellten Kameras mit mehr als 10 MP setzten fortan auf CMOS, ebenso die parallel als Profimodell angebotene D2x.

Dennoch sollte dieser Sensor noch eine große Karriere vor sich haben. Er wurde bis ins Jahr 2010 hinein auch in den niedriger positionierten Modellen D80, D40x und D3000 eingesetzt.

Die besondere Stärke des 10 MP Sensors ist sicherlich die sehr gute Farbwiedergabe. Auch heute noch sehen viele einen Zusammenhang zwischen der CCD Technologie und dem Farbeindruck. Dies ist jedoch eher auf die seinerzeit von Nikon gewählte Farbabstimmung, als auf den Sensortyp zurückzuführen. Die D2x mit CMOS Sensor besitzt die gleiche Farbabstimmung wie die D200.

Systembedingt erzielen CCD Sensoren keine hohen ISO Werte. Auch wenn der nutzbare ISO Bereich auf ISO 3200 erweitert wurde, war man gut beraten, nur maximal ISO 800 einzusetzen. Ab ISO 1600 dürfte von den meisten das Rauschen als störend und der Dynamikumfang als limitierend angesehen werden.

Dennoch ist die Bildqualität auch nach heutigen Maßstäben in vielen Bereichen vollkommen ausreichend, insbesondere von ISO 100 bis 400. Aufgrund der guten Farbwiedergabe wird die D200 gerne in der Portraitfotografie genutzt.

Autofokus

Das Autofokusmodul CAM 1000 wurde von Nikon in späteren Jahren ebenfalls in weiteren Gehäusen niedrigerer Preislage eingesetzt. Es bietet 11 AF Punkte, von denen nur der Zentrale als Kreuzsensor ausgelegt ist. Die Fokuspunkte können logisch zu 7 Punkten gruppiert werden. Eine AF Betriebsart, welche später nicht mehr angeboten wurde, ist die automatische Fokussierung auf das nächstlege Objekt unter Einbeziehung aller Fokussensoren.

Bekannte Probleme

Die D200 war nicht fehlerfrei, kann aber insgesamt als unproblematisch angesehen werden. Zwei Probleme, die ab und zu auftraten, wurden durch Firmware Updates ganz oder teilweise behoben: Banding und „Dead Battery Syndrome“ (DBS).

Bei Banding handelt es sich um regelmäßige, vertikale Streifen im Bild, die an starken Kontrastübergängen im dunkleren Bildteilen auftreten. Nicht alle D200 zeigen dieses Verhalten und tritt zudem relativ selten auf, selbst bei betroffenen Kameras. Banding wurde seinerzeit im Internet sehr heftig diskutiert. Viele Anwender waren jedoch nur in der Lage, dieses Phänomen zu reproduzieren, in dem Sie in einem dunklen Raum eine leuchtende Glühbirne fotografiert haben.

Das Dead Battery Syndrome, abgekürzt DBS, schien damals ein weiter verbreitetes Phänomen zu sein. Die D200 schaltet unvermittelt ab und indiziert einen leeren Akku, obwohl dieser noch über ausreichend Restladung verfügt. Manchmal bleibt auch der Spiegel während der Aufnahme in der oberen Position hängen. Einmaliges Aus- und wieder Einschalten versetzt die Kamera wieder in einen betriebsfähigen Zustand.

Die von Nikon bereitgestellten Firmware Updates beheben Banding recht zuverlässig, das DBS jedoch nur in Teilen.

Ein weiteres Thema sind die Griffgummis. Mit der Zeit dehnen sich die drei Belederungen und verlieren den Halt auf dem Untergrund. Beim Handgriff hat dies oftmals eine Behinderung des vorderen Einstellrades zur Folge, da das Gummi an dieses heranreicht und durch Reibung bremst.

Beim Gebrauchtkauf ist darauf zu achten, ob der Vorbesitzer unter kreativem Einsatz von Sekundenkleber versucht hat, die Belederungen wieder zu fixieren. Empfehlenswert ist dies nicht, da für eine etwaige Reparatur der Handgriff und die Gummierung auf der Anschlussseite der Kamera entfernt werden müssen. Sofern die Reparatur einer D200 mehr als 10 Jahre nach Einführung noch Sinn macht bzw. überhaupt möglich ist.

Insgesamt ist die D200 robust und zuverlässig. Der Verschluss hält meist ca. 150.000 bis 200.000 Auslösungen durch.

Optionaler Batteriegriff

Der optional angebotene Batteriegriff MB-D200 konnte den guten Qualitätseindruck des Gehäuses bei weitem nicht einhalten. Vollständig aus Plastik gefertigt fiel die haptische Qualität deutlich zurück.

Darüber hinaus bereiteten die beiden Rastnasen für die EN-EL3 Akkus bzw. den Mignon Einschub oft Probleme, da die ebenfalls aus Plastik gefertigten Nasen oft abbrachen und alleine der rückwärtige Gehäusedeckel die Akkus unter Spannung in Position halten musste.

Im Internet kursierten damals diverse Umbauanleitungen, welche mit teils sehr interessanten mechanischen Lösungen dieses Problem beheben sollten.

Kurioses

Ein Kuriosum ist die Änderung des Hebels zur Öffnung des Speicherkartenfachs zum Ende der Produktionszeit hin. Spätere Exemplare haben einen mit mehreren parallel verlaufenden Einkerbungen versehenen Auswurfhebel. Zu Anfang war der Hebel lediglich mit einer tiefen Kerbe in vertikaler Richtung versehen. Diese Änderung deutet darauf hin, dass die bereits produzierte Menge dieses Einzelteils nicht ausgereicht hat.

Kommerzieller Erfolg und derzeitige Marktsituation

Die Verkaufszahlen der D200 stellten die der D100 deutlich in den Schatten. Nach meinen Recherchen – basierend auf den bekannten Seriennummern – müssten mehr als 700.000 Exemplare gefertigt worden sein. Der Einführungspreis von 1700 € wurde aufgrund der knappen Liefersituation lange gehalten. In der zweiten Jahreshälfte 2006 stabilisierte sich der Preis bei ca. 1400 €. Lange nach Vorstellung der D300 wurde die D200 im Jahr 2008 aus Restbeständen zu ca. 800 € verkauft.

Auf dem Gebrauchtmarkt erfährt die D200 heutzutage starke Konkurrenz durch die D300. Der Preisunterschied von ca. 150 € zu 250 € rechtfertigt oftmals den Griff zum Nachfolger. Dennoch ist die D200 eine Empfehlung wert, insbesondere wenn die Qualitäten der D200 bei der Farbwiedergabe gefragt sind.