Fünf Jahre nach der Vorstellung der D800 und drei Jahre nach der Modellpflege D810 erscheint nun der neue Auflösungs-Spitzenreiter im Nikon Programm, die D850.

Die technischen Daten sind schnell skizziert: 45,7 Megapixel Sensor, 7 ohne oder beeindruckende 9 Bilder pro Sekunde mit Batteriegriff MB-D18, AF Modul der D5 mit dediziertem AF Prozessor (dieser fehlt bei der D500), Speicherkartenslots SD (UHS-II kompatibel) und XQD. Insgesamt ein grundlegendes Update der D8x0-er Reihe.

Gehäuse

Das Gehäuse der D850 gleicht haptisch und gewichtsmäßig dem der D800/D810, vom Layout der Tasten her entspricht es exakt der D500. Etwas irritierend erscheinen die beiden Öffnungen des Stereomikrofons auf der Oberseite des Sucherprismas. Bei der D500 war der Verzicht auf den eingebauten Klappblitz noch durch die bessere Abdichtung des Gehäuses begründet worden. Dies scheint mir bei der D850 nun nicht mehr ganz so schlüssig, das Mikrofon hätte sicher auch an einer wettergeschützten Stelle Platz gefunden.

Durch Wegfall des Blitzes war aber anscheinend genügend Platz um einen deutlich größeren Sucher einzubauen. Der Zugewinn gegenüber der D800 ist signifikant und erleichtert auch das manuelle Fokussieren deutlich.

Wie bereits bei der D500 sind auch beim größeren Bruder die Tasten auf der linken Gehäuseseite auf Wunsch beleuchtet. Der klappbare Touchscreen bietet eine höhere Auflösung und ermöglicht es erstmals, das Einstellungsmenü mit den Fingern zu bedienen. Die Touchbedienung des Menüs beschleunigt viele Eingaben.

Die Gummierung unterscheidet sich deutlich von der D800/D810. Anscheinend endet bei Nikon nun die Tradition der weichen Belederung, welche seit der D200 ein prägendes Merkmal der professionellen Kameragehäuse gewesen ist. Bereits bei der D500 setzte man auf ein härteres Griffmaterial, das der D850 ist nun nochmals härter und erweckt den Eindruck beschichteten Plastiks.

Man kann sich darüber streiten, ob die weichen Griffgummis der Weisheit letzter Schluss gewesen sind, schließlich mussten sie häufiger aufgrund von Materialausdehnung und damit einhergehender Ablösung vom Gehäuse ersetzt werden. Dennoch boten sie aus meiner Sicht eine angenehmere Haptik. Sollte es sich beim Material der D850 wirklich um beschichtetes Plastik handeln kann man nur hoffen, dass dies nicht mit der Zeit klebrig wird oder abblättert. Besitzer einer D70(s) werden diesen Effekt kennen.

Ein weiteres Gummi wurde an der Bodenplatte der D850 eingespart. Dort befindet sich nun eine Einlage aus Hartplastik, die lediglich mit ein paar Vertiefungen versehen ist. Wechselplatten mit Gummibeschichtung werden dort sicher ausreichenden Halt finden, schade ist der Verzicht auf eine für Kratzer unempfängliche Gummimatte dennoch.

Entfallen ist ebenfalls das helle Einstelllicht an der Vorderseite der Kamera, welches von den meisten Anwendern ohnehin nicht genutzt wurde. Angesichts des sehr guten AF Systems dürfte der Verlust auch technisch verschmerzbar sein.

Speicherkartenslots der D850 – XQD erstmals mit Auswurfhebel.

Eine interessante Änderung betrifft das XQD Speicherkartenfach. Bisher arbeiteten alle XQD Slots mit einem push-in/push-out Auswurf, wie er auch bei SD Karten üblich ist. Bereits bei der D4 gab es vereinzelt Berichte über nicht ausreichend starke Federkräfte des XQD Slots, was wiederum zu feststeckenden Karten führte.

Anscheinend haben diese Erfahrungswerte Nikon dazu bewogen, erstmals einen Auswurfhebel für XQD Karten zu verbauen, wie er sonst nur bei Compact Flash Karten zum Einsatz kommt. Als Besitzer einer D4 und D500 drücke ich jedoch immer noch auf die XQD Karte, um sie vermeintlich auszuwerfen. Dies dürfte ein längerer Lernprozess werden.

Batteriegriff MB-D18

Bemerkenswert ist auch der Batteriegriff MB-D18, der zur D850 angeboten wird. Wie bereits vor zehn Jahren bei der D300 und später der D700 steigert der Griff die Serienbildrate, diesmal von 7 fps auf 9 fps. Erstaunlicher ist jedoch, dass sich MB-D18 und MB-D17 (zur D500) bis auf die Anschlussplatte zur Kamera hin exakt gleichen. Und selbst die Oberseite besitzt fast identische Abmessungen, inklusive an gleicher Stelle angebrachter Kontaktleiste. Einzig die Position des Arretierungspins auf der Seite des Handgriffs verhindert die Montage der beiden Batteriegriffe an die jeweilig andere Kamera.

MB-D18 und MB-D17 – identisch bis auf die Oberseite

Nikon hätte durchaus so großzügig sein können, wie bei D300 und D700 den gleichen Griff anzubieten. Anscheinend steht dem die Gewinnmaximierung entgegen, was sich zusätzlich an der unverschämten Preisgestaltung der Batteriegriffe zeigt. Es ist zu erwarten, dass die Zubehörindustrie bald Universalgriffe für D500 und D850 anbietet – sofern der elektrische Anschluss der beiden Griffe gleich beschaltet ist.

Beim Griff ist ebenfalls das Gummi an der Unterseite durch Hartplastik ersetzt worden. Beim MB-D17 war man in dieser Hinsicht noch großzügiger.

Autofokus

Kennt man die D500, kennt man auch den Autofokus der D850. Der Fokus Multi-CAM 20k arbeitet schnell, präzise und erreicht beim Tracking von bewegten Objekten eine deutlich bessere Leistung als die Vorgängergeneration Multi-CAM 3500. Für Besitzer einer D800/D810 ist der Schritt mehr als deutlich spürbar. Alleine der verbesserte Autofokus rechtfertigt meiner Meinung nach den Umstieg von einer D8x0.

Erfreulicherweise scheint auch der Fokusindikator bei Nutzung manueller Objektive deutlich präziser zu arbeiten.

Bildqualität

D850 100% crop, deaktivierte Rauschreduzierung, ISO 6.400 bis 25.600

Bereits die D800/D810 bieten eine hervorragende Bildqualität, somit liegt die Messlatte für die D850 entsprechend hoch. Die Steigerung der Auflösung um fast 10 Megapixel ist in der Realität kaum spürbar und dürfte für wenige ein Grund sein, von einer 36 MP Kamera umzusteigen.

Wichtiger sind Dynamikumfang, Bildrauschen bei hohen ISO Werten und die generelle Farbabstimmung. Der Dynamikumfang liegt ungefähr auf dem Niveau der D800/D810, messtechnisch mit leichten Nachteilen zwischen ISO 100 und 400, sowie mit leichten Vorteilen darüber. Siehe dazu die Seite „Photons to Photos“ von William J. Claff. In der Praxis ist auch hier kein Unterschied feststellbar.

Die Steigerung der Auflösung fordert jedoch ihren Tribut, zumindest wenn man rauscharme Bilder bei hohen ISO Werten erwartet. Im direkten Vergleich ist kein Fortschritt gegenüber der D800 in der 1:1 Ansicht zu sehen. Während ISO 6.400 durch nachträgliche, softwareseitige Rauschreduzierung eingesetzt werden kann, ist ISO 12.800 nur in Ausnahmefällen nutzbar. ISO 25.600 hätte früher eher die Bezeichnung HI-1 getragen, anstatt nominell zum regulären ISO Bereich gezählt zu werden.

Ich ziehe zu dieser Bewertung RAW Dateien mit vollständig deaktivierter Rauschreduzierung heran. Im Netz sehen viele ein gegenüber der D8x00 ein moderat verbessertes Rauschverhalten, dies kann jedoch nur bei aktivierter, kamerainterner  Rauschreduzierung oder JPEG gelten. Deaktiviert man in Capture NX-D die Rauschreduzierung bei RAW Dateien, erhält man einen ziemlich klaren Blick auf das wirkliche Rauschverhalten des neuen Sensors.

In der Praxis dürfte sich das persönliche ISO-Limit an der gleichen Stelle befinden, wie zuvor bei D800 und D810. Ich habe die D800 bisher regulär nur bis ISO 3.200 genutzt, dies wird sich mit der D850 nicht ändern. Angesichts der Tatsache, dass die Auflösung um fast 10 MP gestiegen ist, kann man dies durchaus als moderaten, evolutionären Fortschritt bezeichnen. Man darf lediglich keine großen Sprünge beim Bildrauschen mehr erwarten.

Ein Aspekt, den ich an dieser Stelle herausheben möchte ist die Farbabstimmung der D850. Nikon hat im Vergleich zur D800 subtil an der Farbpalette gedreht und die Darstellung nochmals verbessert. Liebhaber von D2x und D3x werden erstmals mit der D850 wieder auf ihre Kosten kommen. Ich halte die D850 beim generellen Bildeindruck durchaus für ebenbürtig mit diesen, in Bezug auf die Farbabstimmung exzellenten, Kameras. Beide waren ebenfalls keine hoch-ISO Künstler.

Die D850 verhält sich wie eine „aufgepumpte“ D500. Im direkten Vergleich bilden beide recht ähnlich ab, die D850 belichtet oftmals jedoch etwas knapper.

Wie bei Nikons Topmodellen in der letzten Zeit üblich, besitzt die D850 keinen AA Filter vor dem Sensor. Dies ermöglicht die bestmögliche Ausnutzung der verfügbaren Sensorauflösung. Die Steigerung von 36 auf 45,7 Megapixel ist hingengen meiner Meinung nach zu vernachlässigen. Sicherlich erhält man ein (marginales) Plus an Bildinformation, allerdings hätte ich persönlich auch mit gleich bleibender Auflösung bei besserem Rauschverhalten leben können.

Neu hinzugekommen sind zwei verschiedene Modi für den automatischen Weißabgleich. Der Modus „A – Sonne“ versucht, den Weißabgleich am natürlichen Tageslicht mit insgesamt wärmerer Abstimmung auszurichten, wo hingegen „A – Auto“ wie bisher versucht, einen neutralen bzw. kühlen Weißpunkt zu ermitteln. Letzterer arbeitet bei Kunstlicht treffsicherer als zuvor.

D850 Diffraction

D850 mit AF-S 17-35mm 2,8D bei 19mm, 100% Ausschnittt aus der Bildmitte bei Blende 8 bis 22.

Auch wenn „nur“ rund 10 MP hinzugekommen sind, rächen sich Fokusfehler deutlich schneller als bei einem 36 MP Sensor. Man muss mit der D850 wieder ein Stück disziplinierter arbeiten als mit der D800/D810.

Erstaunlicherweise bedeutet die gestiegene Auflösung nicht, dass Diffraktion – also Minderung der Schärfe durch die Beugung des Lichts – die Bildqualität bei stark geschlossener Blende stärker beeinflusst, als dies bei der D800 der Fall war. Von Blende 8 und 11 ist nur ein minimaler Unterschied feststellbar. Der neue Sensoraufbau (Back Side Illuminated) mag hier eine Rolle spielen.

 

Die gestiegene Auflösung hat Auswirkungen auf die Auto-ISO Funktion. Wählt man die automatische Bestimmung der längsten Belichtungszeit abhängig von der Brennweite, ist die mittlere Standardeinstellung, die einer Belichtungszeit 1/Brennweite entspricht, oftmals nicht ausreichend.

Aufgrund der hohen Pixeldichte sollte man stets mindestens etwas kürzer als nach der althergebrachten Faustformel belichten. Die nächst „kürzere“ Option führt leider direkt zu einer doppelt so kurzen Belichtungszeit, was wiederum die ISO Werte unnötig in die Höhe treibt. Nikon sollte entweder eine Zwischenstufe anbieten oder die Standardeinstellung leicht verkürzen.

Ältere manuelle AI oder AI-S Objektive liefern an der D850 eine mindestens so gute Leistung ab, wie an der D800. Hier scheint sich die gestiegene Auflösung nicht negativ bemerkmar zu machen. Erste Vergleiche legen sogar eine leicht gestiegene Bildqualität nahe.

Lautlose Auslösung im Live-View Modus und 4K Video

Eine wichtige Neuerung der D850 ist die „Stille Live-View Auslösung“. Erstmals verpasst Nikon dem Bildsensor einen elektronischen Verschluss der es ermöglicht, im Live-View Modus ohne Einsatz des mechanischen Verschlusses vollkommen geräuschlos und in voller Sensorauflösung auszulösen.

Zur Wahl stehen zwei Modi: SL1 und SL2. Der SL1 Modus ermöglicht die Aufnahme in voller Auflösung mit maximal 6 Bildern pro Sekunde. Bei Einstellung SL2 nimmt die Kamera ein auf DX Format reduziertes Bildfeld bei zusätzlich reduzierter Auflösung von 3600×2400 (8,6 MP) auf. Dafür besteht die Möglichkeit, in Betriebsart Ch drei Sekunden währende Bildserien mit 30 Bildern pro Sekunde aufzuzeichnen – allerdings ohne Fokusnachführung.

Der bei Live-View eingesetzte Autofokus auf Bildkontrastbasis ist dabei kaum schneller als bei den bisherigen Live-View Implementierungen, jedoch merklich treffsicherer.

Die Bestimmung des Fokuspunkts und eine anschließende Auslösung kann durch Berührung des Touchdisplays durchgeführt werden. In Verbindung mit dem Klappmonitor dürfte im SL1 Modus so manches Bild entstehen, was bei Nutzung des optischen Suchers nur schwerlich möglich gewesen wäre.

Obwohl weder Verschluss noch Spiegel bewegt werden, erhöht die D850 den in den Metadaten der Bilddateien versteckten Bildzähler, der auch oftmals als „Shutter Count“ bezeichnet wird, bei jeder Aufnahme. Dieser Zähler bietet daher zukünftig keinen Anhaltspunkt für den mechanischen Verschleiß der Kamera, schließlich lassen sich in Einstellung SL2 und Ch mühelos hunderte von Aufnahmen generieren, denen keine wirkliche mechanische Beanspruchung gegenübersteht.

Nikon hat jedoch zwei zusätzliche Zähler in den Metadaten versteckt, welche die Bewegung des Verschlusses und Auslösungen im lautlosen Modus jeweils separat zählen. Ein erstes Programm, um alle drei Zähler auszugeben, kann hier heruntergeladen werden: http://blog.naver.com/dodge46/221137770747

Für Videofilmer steht nun die 4k Auflösung zur Verfügung, gegenüber der D500 ohne Beschneidung des Bildfelds. Über die Videoleistung möchte ich an dieser Stelle kein Urteil abgeben, da ich die Videofunktion fast nie nutze.

Fazit

Die D850 ist eine exzellente Studio- und Landschaftskamera, so wie es D800 und D810 zuvor auch waren. Zusätzlich deckt sie weitere Einsatzbereiche ab, ohne sich in diesen an die Spitze zu setzen. Für Landschaft und Architektur ist die D850 die erste Wahl im Nikon Sortiment. Hauptberufliche Sport- und Eventfotografen dürften aufgrund der Geschwindigkeit, Robustheit und Hoch-ISO Leistung weiterhin zur D5 greifen.

Für Besitzer einer D8x0 dürfte der Autofokus alleine ein Upgrade rechtfertigen. Knapp 10 MP mehr Auflösung plus die vielen neuen Features wie Klappmonitor und lautlose Auslösung werden allerdings mit einem deutlichen Preisaufschlag erkauft.

Zusammengefasst bietet die D850:

  • Eine moderat verbesserte Auflösung, welche zwar willkommen ist, aber nicht das entscheidende Kriterium für ein Upgrade von D800/D810 sein dürfte
  • ISO Performance auf dem Niveau der Vorgängergeneration, trotz gesteigerter Auflösung.
  • Den besten, derzeit verfügbaren Autofokus in einer DSLR neben D5 und D500.
  • Ausreichende Serienbildrate und Pufferspeicher, um zum Beispiel Sportveranstaltungen zu fotografieren, ohne den Klassenprimus D5 ernsthaft zu gefährden. Der Einsatzbereich der D850 reicht somit weiter, als bei den Vorgängern.
  • Interessante neue Funktionen wie die lautlose Auslösung im Live-View Modus und ein touchbedienbares Menü.
  • Für Besitzer einer D800 oder D810 erstmals einen Klappmonitor.
  • 4K Video.

Insgesamt ist Nikon mit der D850 ein sehr ausgewogenes Gesamtpaket gelungen, sie dürfte sich – ähnlich wie 2008 die D700 – als Klassiker im Modellprogramm etablieren.