Im September 2004 erschien die hochauflösende 12 MP Variante der professionellen D2-Generation in Form der D2x. Bei einer UVP von rund 5.000 € lag der Straßenpreis bei um die 4.500 €.

Im Juni 2006 folgte die leicht überarbeitete D2xs. Die UVP blieb mit 5.000 € stabil, der Straßenpreis sank aber im Verlauf des Jahres auf ca. 4.000 €, da die Konkurrenz insbesondere höhere ISO Werte bei gleichzeitig guten Abbildungseigenschaften bieten konnte. Diesen Rückstand sollte Nikon erst mit der D3 und D300 im Jahr 2007 aufholen und zum eigenen Vorteil umkehren.

Gehäuse und Ausstattung

D2x – Vorderseite

Das mit einem 12 MP Sensor im DX Format ausgestattete Gehäuse ist das kompakteste der einstelligen D-Serie, da diese Kamera von Grund auf als Gehäuse für einen APS-C Sensor konzipiert wurde. Die vorangegangene D1-Serie war noch von der Analogkamera D1 abgeleitet, während die Nachfolger auf einen Vollformatsensor setzen.

Haptisch hinterlässt die D2x/D2xs einen sehr guten Eindruck. Sie erscheint wie aus einem Guss, ohne die massige Bulligkeit einer F5/D1 aufzuweisen. Lediglich der selbst für damalige Verhältnisse stark Blickwinkelabhängige Bildschirm an der Rückseite der D2x trübt den Eindruck etwas. Die D2xs verfügt über einen diesbezüglich stark verbesserten Monitor. Der Autofokusmotor ist ähnlich stark wie der der F5 und D1, geht aber deutlich kultivierter zu Werke.

Nikon D2x – Rückseite

Die Blitzsteuerung wurde auf das heute noch gängige iTTL umgestellt, es wird aber letztmals auch die kurzlebige und mit der D1 eingeführte Blitzsteuerung dTTL unterstützt. Somit ist die D2x zum überschaubaren Angebot der dTTL fähigen Blitze SB-28DX, SB-50DX, SB-80DX kompatibel, sowie zu allen seither eingeführten iTTL Blitzen.

Die Serienbildgeschwindigkeit liegt bei 5 Bildern pro Sekunde, verwendet man de High-Speed Crop mit 6,8 MP schaffen D2 und D2xs respektable 8 Bilder pro Sekunde.

Mit der D2-Serie wurde erstmals der Lithium-Ionen Akku EN-EL4 eingeführt, als Speichermedium findet eine Compact Flash Speicherkarte im Gehäuse Platz. Die Schreibgeschwindigkeit der D2x(s) liegt bei rund 10 MB/Sekunde, somit sollten alle heutzutage erhältlichen CF Karten schnell genug sein, um die maximale Schreibgeschwindigkeit zu erreichen. Die maximale Speicherkartengröße beträgt 32 GB.

Bildqualität

Erstmals kommt in der D2x ein CMOS Sensor zum Einsatz. Nikon setzte zuvor mit Ausnahme der D2h und ihrem einmaligen LBCAST Experiment ausschließlich auf CCDs. Die Farbabstimmung der D2x entspricht jedoch den damalig parallel angebotenen Nikon Kameras, welche mit CCD Sensoren erhältlich waren.

Dies führt manchmal zur falschen Annahme, dass die – auch heute noch – von vielen Fotografen als sehr angenehm angesehene Farbwiedergabe der Nikon Kameras bis zum Jahr 2007 am verwendeten Sensortyp liegt. Dies ist jedoch nicht so, sondern hat mit der von Nikon gewählten Farbabstimmung der Bildverarbeitung zu tun. Dies habe ich bereits.

Die Farbabstimmung der D2x war so populär, dass Nikon diese später in Form einer Tonwertkurve anbot, die optional auf der D3/D700/D300 installiert werden konnte. Die Farbwiedergabe konnte damit zumindest nah an die der D2x herangeführt werden.
Eine große Stärke der D2x/D2xs ist die Bildqualität bei niedrigen ISO Werten.

D2x ISO Testreihe

D2x ISO Vergleich

Bei ISO 100 liefert die D2x absolut rauschfreie und aufgrund des schwach ausgelegten AA Filters sehr detailreiche Bilder, die sogar einen etwas detaillierteren Eindruck im Vergleich zur ebenfalls 12 MP auflösenden D700 an FX hinterlassen. Auch ISO 200 hält heute noch jedem Qualitätsvergleich stand und ist sogar im Vergleich zur D300 rauschfreier.

Umgekehrt dazu stellt die Bildqualität bei höheren ISOs eine Schwachstelle der D2x dar. Schon bei ISO 400 zeigt sich Rauschen im Bild und der Dynamikumfang nimmt merklich ab. ISO 800 und 1600 sind nur in homogen ausgeleuchteten Situationen und unter Einsatz einer guten Software zur Rauschreduzierung zu benutzen.

Die D2x nun als „Basis ISO“ Kamera zu bewerten wäre allerdings auch ungerecht. ISO 400 ist gut nutzbar und selbst ISO 800 und 1600 können bei guter Nachbearbeitung ansehnliche Ergebnisse liefern – die Nutzung von RAW ist dabei allerdings Plicht.

Generell kann der Dynamikumfang aus heutiger Sicht als eingeschränkt angesehen werden. Selbst bei niedrigen ISO Werten neigen Lichter zur schnell zur Überbelichtung. Davon abgesehen bietet die D2x erstmals insgesamt eine Bildqualität, die der von 35mm Kleinbildfilm insbesondere bei der erreichbaren Auflösung ebenbürtig oder sogar überlegen ist – unabhängig von der gewählten ISO Einstellung.

Der automatische Weißabgleich arbeitet insbesondere bei Kunstlicht nicht so korrekt wie bei modernen DSLRs. Hier ist eine manuelle Einstellung vorzuziehen. Sogar bei der Verwendung von Blitzlicht ist es empfehlenswert, die Kamera fix auf Weißabgleich „Blitz“ einzustellen, da die Fotos sonst etwas zu kühl ausfallen.

Dieses Manko ist eigentlich erstaunlich, da die D2-Serie als einzige aus dem Hause Nikon über einen zusätzlichen Farbtemperatursensor auf der Vorderkante des Suchergehäuses verfügt (der weiße Fleck vorne über dem Nikon Logo). Die D3 stellt – ohne diesen Sensor – eine deutliche Verbesserung beim automatischen Weißabgleich dar.

Autofokus

Nikon D2x Sucher

Nikon D2x Sucherbild mit Fokusfeldern und Mattscheibe Typ E (Gitter)

Wie die D2h zuvor nutzt auch die D2x/D2xs Autofokus Modul Multi-CAM 2000, welches mit 11 Fokusfeldern ausgestattet ist,
wovon die mittleren 9 als Kreuzsensoren ausgelegt sind. Als Besonderheit bietet dieses AF Modul wie bei D2h und D200 auch eine Betriebsart, bei der automatisch auf das nächstgelegene Objekt fokussiert wird. Anscheinend fand diese Funktion nicht genügend Anhänger, da sie mit Einführung der D3 Generation wieder spurlos verschwand.

Der Fokus reagiert ausreichend schnell und präzise, auch wenn moderne Fokussysteme deutlich bessere Ergebnisse beim Tracking sich bewegender Objekte erzielen. Die 11 Fokusfelder decken den Bildbereich fast vollständig ab. Für Sportaufnahmen sollte man allerdings besser zu aktuellen Gehäusen greifen.

Unterschiede D2x und D2xs

Die D2xs unterscheidet sich nur wenig und dann ausschließlich hardwaretechnisch von der D2x, da alle Softwareverbesserungen später in Form eines Firmwareupdates auch für die D2x zugänglich gemacht wurden. Die D2xs bietet ein besseres Display auf der Rückseite, welches in der Qualität nun auch eine effektive Bildbeurteilung zulässt.

Der Sucher der D2xs ist in der Lage, den nicht bildrelevanten Teil des Suchers mit einer grauen Maske zu belegen, wenn der High-Speed Crop angeschaltet wird. Bei der D2x wurde dieser Bereich lediglich durch einen schwarzen Rahmen im Sucher abgegrenzt.

Alle anderen Funktionen bis hin zur Bildqualität sind zwischen D2x und D2xs identisch, sofern die Firmware der D2x auf den neuesten Stand gebracht wurde. Mit der neuen Firmware erhält die Menüsteuerung auch ein modernes Erscheinungsbild. Die zuvor an die 90er Jahre erinnernde Farbkombination von Blau und Pink weicht der heute noch üblichen in verschiedenen Grautönen.

Zubehör

Nikon bot zur D2 Familie auch Zubehör an. Das am weitesten Verbreitete Zubehörteil dürfte die transparente Monitorabdeckung BM-3 sein, die auf das Rückwärtige Display aufgeclipst wird.
Ebenso populär waren die wechselbaren Fokus- bzw. Einstellscheiben im Sucher. Seit den frühen Tagen der Nikon F ein Accessoire, welches optional zu den professionellen Gehäusen angeboten wurde.

Zur D2h(s)/D2x(s) gibt es folgende Fokus-/Einstellscheiben:

  • B: Nur Fokuspunkte
  • E: Fokuspunkte und Gitter. Die gängigste, alternative Einstellscheibe.
  • V: Fokuspunkte und Rahmen, der den High-Speed Cropbereich anzeigt. Standardscheibe der D2x.
  • W (nur D2x): Fokuspunkte und permanent abgedunkelter Bereich außerhalb des Crop-Bereichs. Diese Scheibe ergibt nur für die D2x Sinn, da bei der D2xs diese Abdunkelung elektronisch hinzugeschaltet werden kann.

Erstmals gab es auch einen WLAN Transmitter der es ermöglichte, aufgenommene Bilder drahtlos an einen PC im Netzwerk zu übertragen, auf dem ein FTP Server konfiguriert sein musste.

Nikon WT-2ADer erste WLAN Transmitter WT-1 802.11b (vorgestellt zusammen mit der D2h) ging mit 11 Mbit noch recht gemächlich zu werke, der Nachfolger WT-2 082.11b/g (Eingeführt mit der D2x) brachte es immerhin nominell auf 54 Mbit. Allerdings würde ich auch bei letzterem die erzielbare Übertragungsgeschwindigkeit nicht als rasant bezeichnen.

Sowohl WT-1, als auch WT-2 gibt auch als WT-1A und WT-2A. Die Varianten unterscheiden sich lediglich in den aktivierten WLAN Kanälen, da in den 2000er Jahren unterschiedliche Frequenzbereiche dies- und jenseits des Atlantiks für den Betrieb von WLAN Netzen freigegeben waren. Die A-Modelle sind für den amerikanischen Markt vorgesehen.

Beide WLAN Sender werden wie ein zusätzlicher Batteriegriff unter der Kamera montiert, der Anschluss erfolgt über den USB Port der Kamera. Auf diesem Weg beziehen die Transmitter auch ihren Strom.

Um das Kabel zum USB Anschluss der Kamera sauber zu fixieren, bot Nikon zur D2x einen speziellen Batteriefachdeckel BT-2 mit Kabelführung an.

Die Konfiguration erfolgt über die Kamera. Sobald die D2x einen WT-1 oder WT-2 erkennt, wird das entsprechende Menü freigeschaltet. Die Konfiguration selber ist auch aufgrund des auf der Gegenseite zur Verfügung zu stellenden FTP Server alles andere als einfach.

Vergleich zu D200 und D300

Im Vergleich zur D200 bietet die D2x nicht nur durch die zusätzlichen 2 MP mehr Auflösung, auch der schwächer ausgelegte AA Filter verbessert den Schärfeeindruck und die erzielbare Auflösung. Der Autofokus arbeitet schneller und präziser, in der Farbdarstellung unterschieden sich die beiden Kameras trotz unterschiedlicher Sensortechnologie kaum. Im direkten Vergleich D2x und D200 bevorzuge ich deutlich die D2x, auch wenn die D200 bei ISO 800 weniger rauscht.

Bei der D300 wird die Entscheidung schon schwieriger. Sofern AF Geschwindigkeit und Präzision kaufentscheidend sind, gewinnt die D300 deutlich. Bei ISO 100 und 200 kann sich die D2x jedoch gegenüber der D300 behaupten, da sie im Hinblick auf Bildrauschen, Auflösung und Schärfe im direkten Vergleich die bessere Bildqualität liefert.

Der etwas geringere Dynamikumfang fällt bei diesen beiden ISO Werten auch noch nicht so stark ins Gewicht. Ab ISO 400 zieht die D300 jedoch deutlich davon und bietet bis ISO 1600 eine gute Bildqualität mit ausreichend Dynamikumfang .
Aus heutiger Sicht bietet die D300 das bessere Gesamtpaket und man muss die speziellen Farben bzw. die Bildqualität bei ISO 100/200, sowie die Haptik der D2x bevorzugen, um sich für das ältere Profimodell zu entscheiden.

Bekannte Probleme

D2x und D2xs waren äußerst problemlose Kameras. Es gibt keine bekannten Serienprobleme oder Ausfallschwerpunkte. Mangels Ersatzteilverfügbarkeit sollte man darauf achten, dass die Belederung an allen Seiten und auf dem Speicherkartenfach vorhanden ist und fest sitzt.

Das vordere Einstellrad kann mitunter etwas schwergängig sein, da sich die Gummierung des Handgriffs mit der Zeit ausdehnt und gegen das Rad drückt. Der Verschluss hält in der Regel zwischen 150.000 und 200.000 Auslösungen durch.

Kommerzieller Erfolg und heutige Marktsituation

Die D2x/s war für Nikon trotz der damals deutlichen Unterlegenheit bei hohen ISO Werten ein großer Erfolg. Basierend auf bekannten Seriennummern dürften etwas mehr als 74.000 D2x und 24.000 D2xs produziert worden sein. Diese Mengen sind bisher nur von D3 und D3s übertroffen worden.

Dementsprechend gibt es auch heute noch, mehr als 10 Jahre nach Ende der Produktion, ein ausreichendes Angebot an D2x auf dem Gebrauchtmarkt. Mit etwas Geduld sind auch akzeptable D2xs zu finden. Unabhängig von der Anzahl der Auslösungen liegt der Gebrauchtpreis derzeit bei knapp unter 400 €. Es lohnt sich in jedem Fall auf ein Exemplar mit weniger als 100.000 Auslösungen zu warten. Sofern das verbesserte Display der D2xs nicht benötigt wird, bietet die D2x das bessere Preis-/Leistungsverhältnis.

Fazit

Die Nikon D2x und D2xs sind auch heute noch sehr interessante Kameras mit einer Bildqualität, die auch heutigen Maßstäben gerecht wird – jedoch leider nur innerhalb eines engen (ISO-) Korridors. Ob es sich lohnt eine D2x(s) einer D300 vorzuziehen, ist eine höchst individuelle Entscheidung. Man bekommt mir ihr eine ergonomisch exzellente, robuste und bei ISO 100-200 unerreichte 12 MP DX Kamera.