Die letzte Version des Nikkor Normalzooms für das F Bajonett und den professionellen Einsatz kam im Herbst 2015 zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 2.499 € auf den Markt. Der Straßenpreis entwickelte sich im Folgejahr recht schnell in Richtung 2.200 Euro und sank bis 2020 auf rund 1.800 €. Anfang 2024 ist es weiterhin als Neuware erhältlich, auch wenn sich die Ära der Spiegelreflexkameras von Nikon dem Ende zuneigt. Gebraucht werden rund 1.000 € fällig.

Als Nachfolger des populären und sagenhafte eine Million Mal verkauften AF-S 24-70mm 2,8G ED hatte es das AF-S 24-70mm 2,8E ED VR recht schwer. Größe und Gewicht sorgten bei der Vorstellung des Objektivs für einigen Unmut, insbesondere der 82mm Filterdurchmesser kam nach dem jahrzehntelang eingeführten Standard von 77mm nicht gut an. Aber auch die zeitliche Abfolge verhinderte einen großen Verkaufserfolg. 2018 kamen bereits die spiegellosen Z Modelle auf den Markt, womit das Ende des F Bajonetts eingeläutet wurde. Die Tatsache, dass Nikon den Vorgänger zunächst für rund 1.000 € weniger im Angebot behielt, half den Verkaufszahlen auch nicht. Anhand der bekannten Seriennummern sind bis 2024 rund 180.000 Exemplare verkauft worden. Immer noch eine stattliche Anzahl für ein teures Profizoom, aber auch nur 20% des Vorgängermodells im gleichen Zeitraum.

Gehäuse und Handling

Im Prinzip sieht das E VR Objektiv aus wie eine aufgeblasene Version des Vorgängers. Sowohl die Länge, als auch der Durchmesser haben um 0,5 bzw. rund 2,2cm zugelegt. Das Gewicht stieg von 920g auf 1070.g. Dafür bietet es als erstes Nikkor Profi Normalzoom eine Bildstabilisierung und auch die optische Konstruktion wurde grundlegend überarbeitet, was zu einem deutlich komplexeren Aufbau führte.

Wie der Vorgänger auch ist das E VR ein innenfokussierendes Objektiv, aber kein interner Zoom. Es verändert somit beim Zoomen minimal die Länge. Die Verarbeitungsqualität ist tadellos, auch wenn etwas mehr Plastik in der Außenhülle zum Einsatz kommt.

Dennoch darf das E VR im Vergleich zum G Objektiv als stabiler gelten. Der Vorgänger entwickelte oftmals einen Widerstand im Zoomantrieb, der mit der Zeit bis zur Unbeweglichkeit desselben führte. Das neuere Objektiv weist diese Schwachstelle nicht mehr auf. Generell sind nach 8 Jahren keine modelltypischen Probleme bekannt.

Eine herausragende Verbesserung betrifft den Autofokus. Fokussiert das AF-S 24-70mm 2,8G ED schon schnell, setzt das AF-S 24-70mm 2,8E ED VR noch einen oben drauf. Es fokussiert unglaublich schnell und leise.

Die Blende wird – wie durch die Bezeichnung E im Modellnamen angezeigt – elektronisch gesteuert. Somit ist das 24-70mm 2,8E VR ED nicht an Kameras für 35mm Film einsetzbar.  

AF-S 24-70mm 2,8E ED VR (links) und der Vorgänger G ED (rechts)

Optische Qualität

Hinsichtlich der optischen Qualitäten hat Nikon beim letzten 24-70mm 2,8 für F an der Ausgewogenheit der Bildqualität gearbeitet. Die G-Version war eindeutig auf die Event- und Pressearbeit optimiert, mit einem starken Fokus auf die Schärfe im Bildzentrum. Das E-Objektiv reduziert den Schärfeabfall zum Bildrand insbesondere im Weitwinkelbereich deutlich und bietet damit eine ausgewogenere Bildschärfe über das gesamte Bildfeld hinweg.

In der Bildmitte kann die Schärfe bei Blende 2,8 zwischen 24mm und 50mm vollends überzeugen, zwischen 50 und 70mm lässt das Auflösungsvermögen leicht nach, bleibt aber immer noch auf einem sehr guten Niveau. Die Bildräder weisen im Weitwinkelbereich zwischen 24mm und 28mm bereits bei Blende 2,8 eine gute, abgeblendet auf 4,0 eine sehr gute Detailzeichnung auf. Zwischen 28mm und 50mm sind die Bildränder bereits bei Offenblende sehr gut, abgeblendet auf 4,0 exzellent, bevor die Schärfe analog zur Bildmitte in Richtung 70mm bei Blende 2,8 wieder leicht abnimmt.

Das neue E Objektiv stellt hinsichtlich der Bildschärfe das Gegenteil zum G Modell dar. Während das ältere Objektiv im Weitwinkelbereich deutliche Schwächen aufweist, kann die E Version deutlich punkten. Am langen Ende liegt wiederum das G in der Bildmitte bei Offenblende sichtbar vorne. Allerdings ist der Unterschied nicht dramatisch. Das E Objektiv ist bei 70mm und Offenblende immer noch ein exzellent abbildendes Objektiv.

Über den gesamten Zoombereich fällt eine deutliche, aber gut korrigierbare Vignettierung bei Offenblende auf. Zwischen 24mm und 35mm ist diese bei f/4 moderat sichtbar und ab f/5,6 nicht mehr relevant. Ab 35mm aufwärts reduziert sich die Vignettierung beih Blende 4 nochmals.

Die allgemeinen Bildparameter wie Verzeichnung, Farben und Kontrast sind meiner Meinung nach bei beiden Objektiven vergleichbar. Im Weitwinkel deutliche Verzeichnung, neutrale Farbdarstellung und knackiger Kontrast.  

Fazit

Nach Erscheinen des 24-70mm 2,8E ED VR bezog es für die größeren Abmessungen und die etwas (!) geringere Schärfe im Bildzentrum am langen Ende ordentlich Prügel.

Beides ist aus meiner Sicht vollkommen übertrieben. Ja, Gewicht und Größe sind spürbar und ggf. für manchen Fotografen die paar Millimeter oder Gramm über der Toleranzschwelle. Der Unterschied in der Bildschärfe ist jedoch kaum wahrnehmbar. Wenn man bei 70mm und Blende 2,8 danach sucht, wird man sie wahrnehmen, sofern man sich Fotos nur bei 100% ansieht. Im Alltag ist der Unterschied nicht relevant.

Vielmehr sollte man die Wahl des Objektivs vom Einsatzzweck abhängig machen. Da ich persönlich mehr Landschaft und Architektur fotografiere, bedeutet für mich das E VR Objektiv eine deutliche Verbesserung gegenüber der G Version. Die bessere Auflösung am Bildrand ist dabei mehr als nur willkommen.

Für Presse- und Eventfotografen spielt das jedoch keine Rolle und die minimal bessere Schärfe bei Offenblende zwischen 50 und 70mm lassen das G Objektiv für diesen Einsatzzweck nicht nur die günstigere, sondern vielleicht sogar die insgesamt bessere Alternative darstellen. Wenn Preis und Gewicht keine Rolle spielen, punktet das E VR auch im journalistischen Einsatz mit schnellerem Autofokus und VR.  

Beispielfotos

AF-S 24-70mm 2,8E ED VR @ 24mm f/2,8
AF-S 24-70mm 2,8E ED VR @ 24mm f/5,6
AF-S 24-70mm 2,8E ED VR @ 32mm f/6,3
AF-S 24-70mm 2,8E ED VR @ 70mm f/4,0
AF-S 24-70mm 2,8E ED VR @ 24mm f/2,8
AF-S 24-70mm 2,8E ED VR @ 24mm f/5,6
AF-S 24-70mm 2,8E ED VR @ 31mm f/5,6