AuthorDennis Saßmannshausen

CFexpress Type B – dauerhafte und minimale Schreibgeschwindigkeiten

Aus Anlass der Ankündigung der Nikon Z9 habe ich einen verregneten Samstag genutzt, um meine Sammlung von CFexpress Karten auf Ihre Leistung hin zu überprüfen. 45 MP RAW Dateien bei 20 Bildern pro Sekunde wollen ja irgendwie weggespeichert werden, sofern das Dauerfeuer benötigt wird. Und es ist immer gut, vorbereitet zu sein und böse Überraschungen zu vermeiden. Und genau diese könnten lauern, wenn man im guten Glauben an die von den Kartenherstellern angegebenen maximalen Transferraten davon ausgeht, dass eigentlich jede CFexpress Speicherkarte alle eiligst angelieferten Datenmengen locker wegstecken kann.

Im Gegensatz zu früheren Speicherkartentypen gibt es bei CFexpress Speicherkarten eine Variable, die bisher keine Rolle spielte: Hitze. Während des Schreibvorgangs heizen sich die Karten derart auf, dass die Schreibleistung bei Überschreitung der thermischen Limits gedrosselt werden muss. Ein weiterer Grund für eine sinkende Datentransferrate kann die interne Organisation der Daten sein. Dabei unterscheiden sich die Karten je nach Hersteller und internem Aufbau – meist beeinflusst durch die Speicherkapazität – doch recht deutlich.

Leider findet man recht selten oder nur sehr versteckt Angaben zu minimalen Schreibleistung. Die maximalen Schreibraten liegen allesamt über 1000 MB/s, was aber nur ein theoretischer Wert unter „Laborbedingungen“ bei direkter Anbindung an mehrere PCIe Lanes eines PCs darstellt. Bereits die Verbindung über einen Kartenleser an einen USB-C Anschluss verringert die maximale Transferrate deutlich.

Daher geht es bei diesem Test nicht um die Ermittlung der maximalen Schreibrate, sondern um die Feststellung, welche Speicherkarte im Verhältnis zu anderen Karten unter gleichen Bedingungen schneller ist und wie weit die Karte die Schreibgeschwindigkeit drosselt, sobald die thermische Belastung zu hoch wird oder der Controller die Daten nicht mehr effizient ablegen kann. Dabei ist es leider nicht immer möglich pauschal zu sagen, wann genau die Leistung auf exakt welchen Wert sinkt. Nach Phasen gedrosselter Schreibleistung „erholen“ sich manche Karten wieder. Andere reduzieren die Schreibrate auf einen relativ fixen Wert und lassen sich mit dieser Geschwindigkeit bis zum Ende beschreiben. Ärgerlicherweise gibt es aber auch einen sehr namhaften Hersteller in diesem Test, bei dem die Schreibrate komplett zusammenbricht und dann nicht mehr über 50 MB/s hinaus kommt.

Alle Karten wurden mit einem schnellen Lexar USB 3.2 Gen 2×2 Kartenleser (ca. 90 €) durchgeführt, der direkt über USB-C an ein Ryzen 9 System der aktuellen 5000er Serie angeschlossen war. Trotz des schnellen Kartenlesers sind die maximalen Datentransferraten nicht erreichbar – das ist jedoch auch nicht das Ziel dieses Tests.

Da mir aktuell keine Angaben zu den Dateigrößen der Z9 RAWs vorliegen, gehe ich einfach von den bekannten Werten der D850 aus: 14 bit RAW, lossless compressed = ca. 52 MB (+/- je nach Bildinhalt und möglicher Kompression). [UPDATE 31.10.2021: aufgrund der neu veröffentlichten, technischen Informationen auf der Nikon Japan Webseite: 55,1 MB lossless compressed, 33 MB high quality*, 22 MB high compression. Erfahrungsgemäß werden fallen die lossless compressed Dateien etwas kleiner aus, daher rechne ich im Folgenden weiter mit ca. 52 MB] Kleiner geht es bei der Z9 nur durch stärkere Kompression, da die 12 bit RAW Option gestrichen wurde. Bei 20 RAW Dateien pro Sekunde ergibt dies satte 1040 MB/s. Alternativ bei 10 Bildern pro Sekunde 520 MB/s. Kurzum: je mehr Daten die Karte über einen längeren Zeitraum wegschafft, um so besser.

Eine weitere unbekannte ist momentan die interne Anbindung der CFe Karten und die Puffergröße der Z9. Ich gehe stark davon aus, dass die Z9 Daten schneller schreiben kann als der Kartenleser im nachfolgenden Test. Daher ist – es sei nochmal gesagt – die maximale Schreibrate erst einmal irrelevant und nur im Vergleich zu den anderen Karten innerhalb des gleichen Testaufbaus interessant.

Da ich vornehmlich an der dauerhaften Schreibrate über die Kapazität der Karte hinweg interessiert bin, habe ich mir die durchschnittliche Datenrate nach 20 GB und 50 GB geschriebenen Daten notiert. Dies entspräche ca. 20 bzw. 50 Sekunden Dauerfeuer oder unglaublichen 400/1000 Bildern in Serie. Hinzu kommt die durchschnittliche Schreibgeschwindigkeit über die gesamte Karte hinweg und die Beobachtung von zeitweisen, stark unterdurchschnittlichen Einbrüchen der Leistung.

Getestet wurde mit dem Tool H2testw 1.4 des CT Magazins. Verglichen wurden Karten von SanDisk, Sony, Lexar, Transcend und Angelbird.

[UPDATE 03.11.2021:] Ein ausführlicher Test von diversen Karten in der Z9 durch Matt Granger gibt für einige der hier vorgestellten Karten weitere Erkenntnisse bezüglich der zu erwartenden Performance. Um es vorweg zu nehmen: keine Karte ist schnell genug, um die maximale Puefferrate von 80 Bildern bei „lossless compressed“ in 14 Bit bei 20 fps zu erreichen.

Platz 1: Lexar Gold 1750 MB/s read, 1000 MB/s write, 128 GB für ca. 180 €, 256 GB für ca. 349 €

Eine absolute Ausnahme im Testfeld: hohe Schreibleistung über beide Karten hinweg ohne je langsamer zu werden. Deutlich Platz 1, auch wenn die Herstellerangabe mit 1000 MB/s die niedrigste im Vergleich zu allen anderen Karten ist:

Nach 20 GB: 557 MB/s im Durchschnitt (128 GB) / 564 MB/s (256 GB)

Nach 50 GB: 556 MB/s im Durchschnitt / 564 MB/s (256 GB)

Schreiben gesamt: 552 MB/s im Durchschnitt / 564 MB/s (256 GB)

[UPDATE 03.11.2021]: Laut Matt Granger: 60 Bilder Puffer für 20fps, 14 Bit, „lossless compressed“, 155 Bilder für „High efficiency RAW*“. Bei 12 fps und „lossless compressed“ läuft die Kamera nicht ins Pufferlimit und die Karte kann beschrieben werden, bis sie voll ist. Getestet mit der 64 GB Variante.

 

Platz 2: Angelbird 256 GB AV Pro 1700 MB/s read, ca. 245 €

Der Hersteller aus Österreich wird im deutschen Onlinehandel immer präsenter und kann im Test die Preis-/Leistungskrone erringen. Die höchste im Vergleich gemessene Schreibleistung Einbruch der Datentransferrate nach 50 GB, allerdings nie unter 370 MB/s. Der Hersteller verspricht eine minimale Schreibrate nicht unter 1000 MB/s unter Idealbedingungen. Sehr wahrscheinlich wird diese Karte in der Z9 – genau wie die Lexar Karten – nicht der limitierende Faktor sein.

Nach 20 GB: 571 MB/s im Durchschnitt

Nach 50 GB: 571 MB/s im Durchschnitt

Schreiben gesamt: 409 MB/s im Durchschnitt

Platz 3: SanDisk ExtremePro 1700 MB/s read, 1200 MB/s write mit 128 GB ( ca. 190 €) und 256 GB (ca. 330 €)

Beide SanDisk Karten verhalten sich recht ähnlich. Bis 50 GB kann die schnelle Datentransferrate gehalten werden. Sobald die Karte ihre maximale Temperatur erreicht, sinkt die Schreibgeschwindigkeit deutlich, allerdings bei beiden Karten nie unter 200 MB/s. Für die Z9 reicht die Geschwindigkeit der SanDisk Karten nicht, dies haben Tester von dpreview bereits festgestellt.

Nach 20 GB: 417 MB/s im Durchschnitt (128 GB) / 412 MB/s (256 GB)

Nach 50 GB: 417 MB/s im Durchschnitt / 412 MB/s (256 GB)

Schreiben gesamt: 272 MB/s im Durchschnitt / 275 MB/s (256 GB)

Platz 4: Transcend 820 1700 MB/s read, 1300 MB/s write, 256 GB, ca. 200 €

Die mit Abstand günstigste Karte mit 256 GB in diesem Test liefert zwar im Durchschnitt eine grundsolide Leistung ab, dürfte aber für die Verwendung in Hochleistungskameras ausscheiden. Auch wenn die Karte zunächst auf 250 MB/s drosselt, stören kurze Einbrüche der Schreibrate auf ca. 150 MB/s das Gesamtbild. Für Z6 (II) und Z7 (II) dennoch sicherlich eine sehr lohnenswerte Überlegung.  

Nach 20 GB: 311 MB/s im Durchschnitt

Nach 50 GB: 296 MB/s im Durchschnitt

Schreiben gesamt: 264 MB/s im Durchschnitt

Platz 5: Sony Tough G-Series 1700 MB/s read, 1480 MB/s write, 256 GB, ca. 400 €

Die teuerste CFexpress Karte mit 256 GB im Test ist gleichzeitig die schlechteste. Und das auch noch von einem renommierten Hersteller.

Auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick recht ordentlich erscheinen und bis 50 GB auch im Vergleich zu den anderen Karten stimmen, verrät die durchschnittliche Gesamtleistung mit lediglich 263 MB/s im Vergleich zu den beiden anderen Zahlen das Problem. Sobald die Karte in das Hitzelimit läuft, drosselt sie auf 50 MB/s. Hinzu kommt, dass das Wort Hitze ernst zu nehmen ist. Nach dem nächsten Testlauf versuche ich mich an Wachtelspiegeleiern. Diese Karte ist absolut nicht zu empfehlen.

Nach 20 GB: 510 MB/s im Durchschnitt

Nach 50 GB: 491 MB/s im Durchschnitt

Schreiben gesamt: 263 MB/s im Durchschnitt

[UPDATE 03.11.2021]: Laut Matt Granger, Sony 256 GB Variante: 71 Bilder Puffer für 20fps, 14 Bit, „lossless compressed“, 222 Bilder für „High efficiency RAW*“. Bei 12 fps und „lossless compressed“ läuft die Kamera bereits bei 205 Bildern ins Pufferlimit. Dies spricht wieder für eine Reduktion der Schreibgeschwindigkeit nach einer gewissen Zeit aufgrund von thermischer Überlastung, da sie bei 20fps lossless compressed schneller ist als die Lexar und damit bei 12 fps eigentlich auch ohne Pufferlimit Bildfolgen bis zur Kapazitätsgrenze erlauben müsste. 

Fazit

Die Karten von Lexar bieten die knapp zweitschnellste, maximale Datenübertragungsrate in dieser Testkonstellation und die schnellste das über die gesamte Kapazität hinweg. Die minimal schnellere 256 GB Karte von Angelbird ist bereits von einer Reduktion der Schreibgeschwindigkeit nach längerem Datentransfer betroffen, allerdings liegt sie mit dann immer noch mindestens 370 MB/s (bezogen auf den verwendeten Kartenleser) auf einem sehr guten Niveau. Auch wenn der Praxistest noch aussteht, bin ich optimistisch, dass die Karten von Lexar und Angelbird für die Z9 ausreichend schnell sind.

Die Karten von SanDisk und Transcend sind weiterhin eine exzellente Wahl für Z6, Z6, D850 und D500, sofern man nicht sowieso bereits diverse XQD Karten in der Schublade hat. Erwartet man keine theoretischen Geschwindigkeitsrekorde, ist die 256 GB Karte von Transcend für die aktuellen Kameras der Mittelklasse die Preis-/Leistungsempfehlung und der erzielbaren Schreibrate dieser Kameras angemessen.

Nikkor Z 40mm 2,0

Im Oktober 2019 tauchten auf der offiziell veröffentlichten Nikon Z Roadmap erstmals „Compact prime lenses“ mit 28mm und 40mm auf, zunächst ohne Angabe der Lichtstärke. Erst im Juni 2021 wurden beide Objektive offiziell als 28mm 2,8 und 40mm 2,0 angekündigt, wobei das 28mm Objektiv zunächst im klassischen F/AI-S Design als „Special Edition“ erhältlich ist. Seit Anfang Oktober 2021 gelangt das hier vorgestellte Z 40mm 2,0 für 279,- € in den Handel – zwei Jahre nach der ersten Ankündigung.

Gehäuse und Handling

Oft wurden die beiden „compact“ Objektive auch als kommende Pancakes bezeichnet. Nun, von dieser Vorstellung muss man ein Stück weit abrücken. Auch wenn die Brennweite von 40mm Erinnerungen an das winzige AI-P 45mm 2,8 für das traditionelle F Bajonett weckt, mit 45,5mm ist es 1,3cm länger als zum Beispiel das Z DX 16-50mm Objektiv in Transportstellung. Nur 170g Gewicht tragen in der Fototasche hingegen kaum auf.

Wie bei einem Preis von unter 300 Euro nicht anders zu erwarten, wurde das Objektivbajonett aus Plastik gefertigt. Das Gehäuse des 40mm besteht vollständig aus Kunststoff, der weich laufende und gut gedämpfte Multifunktionsring wurde mit einer Beschichtung versehen, die an eine Gummierung erinnern soll. Insgesamt macht das Z 40mm nicht nur angesichts des Preises einen gut verarbeiteten Eindruck. Der Autofokus geht recht flott zu Werke.

Das Objektiv bietet keine Abdichtung zum Kameragehäuse hin. Ebenfalls nicht vorhanden – weder im Lieferumfang noch optional – ist erstmals eine Gegenlichtblende. Konsequenterweise wurde deshalb auch direkt die Bajonetthalterung für eine solche eingespart. Für das 52mm Schraubgewinde bietet sich ein echter Klassiker als Alternative an: die HN-3 Blende, welche in den frühen 1960er Jahren zusammen mit den ersten 35mm Objektiven für F eingeführt wurde.  

Z 40mm 2,0 und Z 35mm 1,8 S

Optische Leistung

Das Nikkor Z 40mm 2,0 gehört nicht zur Riege der S-Line Objektive, was sich im Gegensatz zu anderen Objektiven außerhalb der S Kategorisierung in diesem Fall durchaus in der Abbildungsleistung niederschlägt. Insgesamt sind die Farben minimal gedämpfter, der Kontrast etwas flacher. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Bilder flau oder kontrastarm wirken. Im direkten Vergleich zu S-Nikkoren fällt jedoch eine insgesamt etwas geringere Brillanz der Bilder auf.

CA/Farbsäume sind etwas deutlich ausgeprägter, als bei den bisher erschienen Z Nikkoren. Die Vignettierung ist bei Blende 2 und 2,8 deutlich sichtbar und erst bei f/4 kaum auffällig. 

Die Schärfe kann ebenfalls nicht ganz mit den teureren Festbrennweiten der S-Linie mithalten. Bei Offenblende trifft man auf das von älteren Objektiven her bekannte „Glühen“ an starken Kontrastübergängen, bedingt durch optische Aberrationen. Leicht abgeblendet verflüchtigt sich dieser Effekt aber recht schnell und ab Blende 2,8 springt die Schärfe im Zentrum förmlich auf ein exzellentes Niveau. Am Bildrand wird erst bei Blende 4,0 eine sehr gute und ab Blende 5,6 eine exzellente Schärfe erreicht. Die Ecken sind bei Offenblende und f/2,8 recht unscharf, fangen sich aber ab Blende 4 und erreichen bei Blende 5,6 eine sehr gute Schärfe, die sich bei Blende 8 nochmals verbessert.

Die Hintergrundunschärfe (das so genannte „Bokeh“) ist recht durchschnittlich und mitunter etwas unruhig.

Fazit

Betrachtet man die optischen Eigenschaften des Z 40mm 2,0 könnte man durchaus glauben, ein Objektiv auf den späten 90er Jahren vor sich zu haben. Was damals als angemessen für eine Festbrennweite gewesen wäre, kann angesichts der großen Fortschritte in der Objektivkonstruktion nur als unterer Durchschnitt gelten. Aber das Z 40mm 2,0 soll auch nicht die bestmögliche optische Leistung abliefern, sondern als preisgünstige, kompakte immer-dabei Festbrennweite punkten.

Und diese Rolle erfüllt es recht gut. Auch wenn die Bildqualität klar unterhalb der von Z 35mm 1,8 S und Z 50mm 1,8 S liegt, bietet es dennoch eine ausreichende Bildqualität, um als kompakte Ergänzung in der Fototasche zu landen. Anders ausgedrückt: das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt.

Insbesondere Nutzer von Kitobjektiven, wie den recht lichtschwachen Z 24-50mm 4,0-6,3 für FX oder dem 16-50mm 3,5.6,3 VR für DX, dürften mit dem 40mm 2,0 recht viel anfangen können. Hat man hingegen bereits ein Z 35mm 1,8 S oder Z 50mm 1,8 S im Fotoschrank stehen, bietet das 40mm bis auf kompaktere Abmessungen kaum einen Mehrwert. Insbesondere im Vergleich zum 35mm 1,8 dürfte der Gewichtunterschied von 200g ebenfalls kein überzeugendes Argument sein, zusätzliches Geld in das 40mm zu investieren.

Fazit: ideales Objektiv für Nutzer des Z-Systems, die ihre (Kit-) Zoomobjektive günstig um eine Festbrennweite mit höherer Lichtstärke ergänzen wollen.

Beispielbilder

f/2,0
f/2,8
f/4,0
f/5,6
f/2,0
f/2,0
f/2,8
f/4,0
f/2,0
f/2,8

Nikon AF-S 58mm 1,4 G

Das AF-S 58mm 1,4 G wurde Ende 2013 vorgestellt und soll laut Nikon der moderne AF Ersatz für das legendäre, manuelle Noct Objektiv 58mm 1,2 sein. Bei der Beurteilung dieses Objektivs gelten demnach etwas andere Maßstäbe. Es handelt sich hierbei um ein Spezialobjektiv für besondere Einsatzzwecke und keinen Allrounder. Wer einfach nur ein gutes und lichtstarkes 50mm Objektiv sucht, wird bei den viel günstigeren 50mm 1,4 Objektiven von Nikon, Sigma und Tokina fündig.

Womit wir beim Preis wären: recht happige 1.500 € schlagen durchschnittlich für das 58mm 1,4 zu Buche. Allerdings fällt es in der Riege der f/1,4 Festbrennweiten nicht allzu sehr aus dem Rahmen – das 28mm 1,4 ist teuer, das 85mm 1,4 in etwa gleich teuer. Dennoch hat sich das Objektiv zwischen 2013 und 2020 bereits mehr als 34.000 Mal verkauft. Auf dem Gebrauchtmarkt sind Mitte 2021 ca. ca. 1000 Euro einzuplanen.

Gehäuse und Handling

Das Objektivgehäuse ist gemessen an der optischen Konstruktion recht groß, insbesondere der Durchmesser (72mm Filtergewinde) ist auffällig. Mit 385g ist das Objektiv trotz der Größe recht leicht. Leider wurde der Platz im Gehäuse nicht für einen AF-S Ringmotor genutzt, angetrieben wird es durch den gleichen Micromotor wie in deutlich günstigeren f/1,8er Festbrennweiten. Der Autofokus arbeitet dennoch recht zügig, jedoch ohne Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen.

Aufgrund der optischen Eigenschaften ist der Autofokus recht zickig. Sowohl an Kameras mit neuerem AF Modul wie der D850 als auch an den spiegellosen Kameras ist es schwer – insbesondere bei weit geöffneter Blende – den Fokuspunkt richtig zu setzen.

Die Naheinstellgrenze ist mit 0,58m recht lang ausgefallen, wobei diese Zahl sicherlich bewusst gewählt wurde.  

Optische Leistung

Eines vorweg: das 58mm 1,4 ist zwischen den Blenden 1,4 und 1,8 nicht sehr scharf, auch nicht im Bildzentrum.

Wozu ist das Objektiv dann da? Die Nikon Marketingabteilung stellte zwei herausragende Eigenschaften in den Mittelpunkt: als Nachfolder des legendären 58mm Noct Objektives sollte es sich besonders durch cremige Hintergrundunschärfe – oft auch mit dem japanischen Begriff Bokeh bezeichnet – und niedriges Coma auszeichnen. Die Reduktion von Coma ist insbesondere wichtig, um ausfressende Lichtpunkte in dunklen Umgebungen (wie zum Beispiel Nachtaufnahmen) zu verhindern. Um es kurz zu machen: Warum Nikon ausgerechnet die Korrektur von Coma als außergewöhnlich beworben hat, erschließt sich nicht. In dieser Disziplin ist es kaum besser als vergleichbare Objektive.

Die Hintergrundunschärfe ist jedoch in der Tat außergewöhnlich weich und gefällig. Und das ist der eigentliche Grund, dieses Objektiv zu erwerben. Kein Objektiv im Bereich um 50mm ist in der Lage solch weiche, cremige Hintergründe zu zaubern wir das Nikkor 58mm 1,4.

Hierzu ein Vergleich von AF-S 58mm 1,4 G und Z 50mm 1,8 S, beide bei Blende 1,8 an der Z7:

Nikkor AF-S 58mm 1,4 G vs. Nikkor Z 50mm 1,8 S

Die Stärke des 58mm 1,4 liegt somit in der Freistellung, was sich natürlich insbesondere bei Portraitaufnahmen positiv auswirkt. Eine Reduktion auf Portraits wird dem Objektiv jedoch nicht gerecht. Auch bei Landschafts- oder Architekturaufnahmen lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen, sofern die Betonung einzelner Bildpartien im Mittelpunkt steht.

Betrachtet man das AF-S 58mm 1,4 G als ganz „normales“ Objektiv, kann man sich über eine recht geringe Vignettierung freuen, die bei f/1,4 zwar sichtbar ist, aber bereits bei f/1,8 verschwindet. Die Bildschärfe ist ab f/2,8 ist generell sehr gut, bei Landschaftsaufnahmen macht sich allerdings die recht starke Bildfeldwölbung bemerkbar.

Chromatische Aberrationen sind etwas stärker als bei neueren Objektivkonstruktionen. Die Farbsäume an starken Kontrasten lassen sich allerdings gut in der Nachbearbeitung korrigieren. Farben und Kontraste werden recht stark wiedergegeben.

Fazit

Die Kaufentscheidung für das 58mm 1,4 ist sicherlich eine sehr bewusste. Man muss wissen, dass es bei Offenblende recht weich abbildet undder Fokus selbst an neuesten DSLRs oder den spiegellosen Z Kameras manchmal daneben liegt. Dafür entschädigt es mit einer fantastischen Hintergrundunschärfe bzw. Bokeh und einer fast traumwandlerisch anmutenden Bildqualität. Die doch recht geringe Schärfe bei Offenblende ist sozusagen der Kompromiss der eingegangen werden muss, um diese besonderen optischen Merkmale zu ermöglichen.

Fotos mit dem 58mm 1,4 stechen hervor, insbesondere bei Blenden zwischen f/1,4 und f/2. Es liefert einen einzigartigen Look, der mit keinem anderen F Nikkor – außer dem alten Noct – reproduzierbar ist. Wenn man sich die Zeit nimmt, um Fotos mit dem AF-S 58mm 1,4 G wortwörtlich zu erarbeiten, wird man mit außergewöhnlichen Bildern belohnt, die einen deutlichen Wiedererkennungswert haben.

Beispielbilder:

Historische Nikon Preise in Deutschland – Objektive und Kameras 1996

Preise eines deutschen Versandhändlers Juli-August 1996. Vielen Dank an Hartmut Scholz für die Zusendung der Preisliste!

Alle Preise in DM.

Objektive

Nikkor AF
1.8/50mm 199,-
1.4/50mm D 579,-
2.8/60mm Mikro D 799,-
1.8/85mm D 859,-
1.4/85mm D 1999,-
2.8/105mm Mikro D 1499,-
2.0/135mm DDC 1949,-
2.8/180 ED D 1699,-
3.3-4.5/24-50mm D 829,-
3.5-4.5/28-70mm D 699,-
3.5-5.6/28-80mm D 419,-
2.8/35-70mm D 1349,-
4.0-5.6/35-80mm D 279,-
3.5-4.5/35-105 D IF 759,-
3.5-4.5/35-135 749,-
4.5-5.6/80-200mm D 459,-
2.8/80-200mm D 1899,-
4.0-5.6/70-210mm D 649,-
4.5-5.6/75-300mm D 1199,-

Kamera AF

F50 549,-
F50 D 669,-
F-601 699,-
F-601 QD 799,-
F70 949,-
F70 Date 1099,-
F90X 1849,-
F90X inkl MB-10 u MS-11 1999,-
F4 3499,-
F4S 3699,-
F4E mit MB23 3899,-

Datenrückwand

MF-20 239,-
MF-21 549,-
MF-25 298,-
MF-26 599,-

Div. Zubehör

Fernauslöser MC-30 149,-
Fernauslöser MC-20 285,-
IR-Fernauslöser ML-3 419,-
Mattscheibe „E“ für F-801 89,-
Mattscheibe „E“ für F90 89,-

Objektive Nikkor MF

1.8/50mm 279,-
3.5-4.5/35-70mm 689,-

Kamera MF

FM-2 chrom 1079,-
FM-2 schwarz 1149,-

Blitzgeräte

SB-22 329,-
SB-26 749,-
SB-27 529,-

Weitere Preislisten:

Nikon Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED

Das bis Mitte 2020 noch als Neuware erhältliche AF Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED stammt erkennbar aus der Zeit, in der die professionellen Nikon Objektive mit Schraubendreher AF, Kräusellack, AF-M Umschaltring und massiver Verarbeitung erkennbar waren. Zwischen 1993 und 2020 wurden etwas mehr als 30.000 Exemplare dieses Typs verkauft – nicht viel angesichts der langen Verfügbarkeit. Die Einstellung des Modells erfolgte im Rahmen einer Portfoliobereinigung, der unter anderem auch die Analogfilmkamera F6 zum Opfer fiel. In den Jahren vor 2020 war das Micro Nikkor 200mm 4,0 für ca. 1600 € erhältlich.

Mit fast 1200 Gramm ist das 200er Makro ein relativ schweres Objektiv mit einem 19 cm langen, aber im Durchmesser (62mm Filter) recht kompakten Gehäuse. Die Verarbeitungsqualität ist über jeden Zweifel erhaben, das Objektiv strahlt eine unerschütterliche Solidität aus. Leider gilt dies nicht für den AF/M Umschaltring. Es gibt zahlreiche Berichte über gerissene Plastikringe. Dieses Schicksal teilen jedoch auch andere, mit diesem Ring ausgestattete, Objektive. Bei einem Gebrauchtkauft ist der Ring daher eingehend zu prüfen.

AF Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED

Das Objektiv verfügt über eine fest eingebaute, drehbare Stativschelle. Die Gegenlichtblende HN-30 aus Metall ist nicht Bestandteil des Lieferumfangs und separat zu erwerben. Aufgrund der Innenfokussierung ändert sich die Länge des Objektivs beim Fokusvorgang nicht.

Wie erwähnt handelt es sich um ein Objektiv ohne eigenen Fokusmotor und setzt daher einen Motor in der Kamera voraus. An Z Kameras bleibt damit nur der manuelle Fokus. Die Naheinstellgrenze beträgt 0,5 Meter und die Vergrößerung erreicht den Maßstab 1:1.

Handling

Trotz des Gewichtes und der Länge des Objektivs handhabt sich das 200mm 4,0 Micro recht angenehm. Der große, manuelle Fokusring benötigt eine dreiviertel Umdrehung von Nah bis Unendlich und ist gut einstellbar. Die Mechanik des Rings ist nicht mit den Schneckengängen manueller Objektive vergleichbar, aber dennoch gut gedämpft und nicht zu leichtgängig. Insgesamt wirkt das Fokusgefühl durch den dahinterliegenden AF Antrieb etwas mechanisch bzw. kratzig.

Die Blende wird im Nahbereich als effektive Blende an die Kamera zurückgemeldet. An der Naheinstellgrenze 0,5m beträgt die effektive Offenblende f/5,3, bei 0,53m f/5 – 0,7m (1:2) f/4,8 – 0,9m f/4,5 – 1,2m f/4,2 – 2,5m f/4.

Optische Leistung

Das Micro AF Nikkor 200mm 4,0 schlägt sich bereits bei Offenblende recht beachtlich, muss aber an 45 MP Sensoren etwas Federn lassen. Wie für viele Objektive aus den frühen 90ern typisch leidet es offen etwas an Überstrahlungen und einem insgesamt weicheren Bildeindruck, je heller bzw. kontrastierender ein Motiv ist. Diese Aberrationen sind allerdings bereits bei Blende 5,6 vollständig im Griff und das 200mm Micro kann auch an hochauflösenden Sensoren vollends überzeugen. Insgesamt ist die Schärfe bei Blende 4,0 im Bildzentrum zwar ausreichend, aber nicht vergleichbar mit moderneren 150mm oder 180mm Makroobjektiven anderer Hersteller bei gleicher Blende. Außerdem fällt sie bei Offenblende moderat zum Bildrand hin ab. Bei Blende 5,6 ist die Schärfe über den gesamten Bildbereich hinweg überzeugend, und ab Blende 8 über jeden Zweifel erhaben.

Recht auffällig ist die bei Blende 4,0 deutlich zu sehende Vignettierung, die jedoch leicht abgeblendet bis Blende 5,6 recht zügig verschwindet.

Die Unschärfe im Bildhintergrund (Bokeh) ist recht angenehm und weich. CA bzw. Farbsäume sind dem AF Micro 200mm 4,0 völlig fremd, in dieser Hinsicht ist es hervorragend korrigiert. Die Bildqualität insgesamt zeichnet sich durch lebendige Farben und guten Kontrast aus.

Fazit

Ein Makroobjektiv mit 200mm Brennweite ist sicherlich bereits in die Kategorie der Spezialobjektive einzuordnen. Für die meisten Fotografen dürfte ein Makroobjektiv um die 100mm deutlich universeller einsetzbar sein. Die aufgrund der Brennweite geringe Tiefenschärfe und – zumindest ohne Stativ – notwendigen, recht kurzen Verschlusszeiten erfordern deutlich mehr Sorgfalt in der Handhabung.

Andererseits ist die größere Fokusdistanz bei Insekten von Vorteil, da deutlich mehr Abstand gehalten werden kann und die Fluchtdistanz der Tiere somit nicht unterschritten wird.

Insgesamt gefällt mir die Bildqualität des AF Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED deutlich besser als bei vergleichbaren Objektiven anderer Hersteller. Hier sei insbesondere das sehr populäre Sigma 150mm 2,8 mit oder ohne optischen Stabilisator genannt. Im direkten Vergleich ist das Sigma bei gleichen Blenden schärfer, das Nikon 200mm kann jedoch mit natürlicheren Farben und besserem Kontrast überzeugen.

200mm f/4,2
200mm f/8
200mm f/8

© 2021 Dennis Saßmannshausen Fotografie

Based on an theme by Anders NorenUp ↑