Nikon 1200mm Objektiv

F Nikkor CU-1 Fokus Unit / Fokuseinheit

Zu den Olympischen Spielen in Tokyo 1964 brachte Nikon eine ganze Batterie von Teleobjektiven auf den Markt. Um das Angebot über 200mm hinaus zu erweitern, erscheinen Objektive der Brennweiten 300mm (4,5), 400mm (4,5), 600mm (5,6), 800mm (8) und 1200mm (11)

Nur dem 300mm 4,5 wurde dabei die klassische Bauweise eines Objektivs zuteil. Die längeren Brennweiten von 400/600/800/1200mm wurden lediglich als starre, optische Einheit – den so genannten Telekopf – konstruiert, welche sich eine universell einsetzbare Fokuseinheit CU-1 teilten.

Der Telekopf wird dabei in die Fokuseinheit CU-1 eingeschraubt. Die Idee dahinter war vermutlich, dass ein Fotograf auf diese Weise verschiedene, lange Brennweiten kompakt transportieren konnte.

Die Fokuseinheit CU-1 wurde später durch die AU-1 ersetzt. Maßgeblich dafür dürfte die relativ schwache mechanische Auslegung der CU-1 gewesen sein, die bereits ab der 600mm Brennweite aufgrund des hohen, frontlastigen Gewichtes zu Verspannungen innerhalb der Mechanik und damit zu einer schwergängigen Fokuseinstellung führte.

Das CU-1 besitzt eine automatische Springblende, bietet aber sonst keine Blendenindexierung zur Kamera. Diese bekommt daher keine Informationen über die Gewählte Blende, womit entweder eine Belichtungskorrektur entsprechend der gewünschten Blende eingestellt werden muss. Alternativ kann natürlich eine Belichtungszeit manuell vorgegeben werden.

Die Zweiteilung von Teleobjektiven ist keine Erfindung von Nikon. Canon hatte ähnliche Objektive im Programm. Die Konstruktion barg jedoch diverse Nachteile. Der durch die CU-1 vorgegebene, maximale Auszug für die Fokussierung reicht, um bei 400mm noch eine akzeptable Naheinstellgrenze zu erreichen. Bei 1200mm ist diese mit über 40 Metern jedoch unnötig lang.

Im Fall der CU-1 kommt die bereits erwähnte, mechanische Schwäche hinzu. Die Objektivköpfe mit 400, 600 und 800mm besitzen keine eigene Stativschelle und belasten die Fokuseinheit enorm. Um die auftretenden Verwindungen in den Griff zu bekommen, bot Nikon eine Telestütze an, welche die Konstruktion extern stabilisieren sollte. Aber selbst beim 1200mm Telekopf, der eine eigene Stativschelle besitzt, reicht das Gewicht einer D700 um die Fokussierung schwergängig werden zu lassen.

Die Objektivköpfe selber waren relativ einfach konstruiert. Es wurden keine Versuche unternommen, die physische Gesamtlänge entsprechend der Brennweite merklich zu reduzieren. Dennoch stellte die optische Konstruktion und die damit einhergehende Abbildungsleistung das damals mögliche dar. ED Glas und Mehrschichtvergütungen sollten erst in den 70er Jahren Einzug in den Objektivbau halten.

Die Preise des deutschen Importeurs lauteten im Jahr 1967:

400mm 4,5 – 1962 DM

600mm 5,6 – 2196 DM

800mm 8,0 – 2448 DM

1200mm 11,0 – 3447 DM

Fokuseinheit CU-1 – 534 DM

Die 3447 DM für das 1200mm des Jahres 1967 entsprächen im Jahr 2017 6358 €, die Fokuseinheit käme mit 985 € noch hinzu.

Nikon behielt die zweiteilige Konstruktion für zehn Jahre bei, bevor alle Brennweiten durch Objektive konventioneller Bauart ersetzt wurden. Die Teleköpfe mit 600mm, 800mm und 1200mm wurden während der zehn Jahre durch ED Glas und Mehrschichtvergütung aufgewertet.

Insgesamt waren die Produktionsvolumina recht niedrig. Über die zehn Jahre hinweg wurden die verschiedenen Brennweiten – so weit dies heute anhand bekannter Seriennummern nachweisbar ist – pro Variante nicht mehr als 3.000 Mal produziert. Mit einer ebensolchen Stückzahl war das 600mm 5,6 anscheinend die populärste Variante, gefolgt vom 400mm mit 2200 Exemplaren. Die exklusiveren 800mm und 1200mm kommen nur auf ca. 1400 und 950 Stück.

Bevor ich nun zur Besprechung der optischen Qualitäten des 1200mm 11 komme, eine Warnung für alle, die eine Fokuseinheit CU-1 auftreiben können und darüber nachdenken, diese auszuprobieren:

DIE CU-1 FOKUSEINHEIT IST INKOMPATIBEL MIT MODERNEN DSLR GEHÄUSEN!

Mechanisch passt die CU-1 zunächst, es kann sogar möglich sein, die Kamera auszulösen. Dabei wird allerdings von einem zu langen bzw. falsch geformten Blendenhebel die Spiegelbox zumindest kosmetisch beschädigt. Üblicherweise klemmt sich der Blendenhebel an einem kleinen Plastikvorsprung fest. Dadurch wird die Blende bei Auslösung nicht geschlossen.

Ich könnte mir auch vorstellen, dass unter Umständen der Blendenhebel in der Kamera beschädigt werden kann. Deshalb muss man unbedingt den Blendenhebel der CU-1 vor Einsatz modifizieren. Dafür muss lediglich ein Teil abgefeilt werden:

Blendenhebel abgefeilt: Blendenhebel modifiziert 1 und Blendenhebel modifiziert 2

An meiner D300 gab es glücklicherweise nur diesen geringen kosmetischen Schaden: Beschädigung an der D300

Für den Einsatz aus der Hand sind alle Varianten inclusive der 400mm Brennweite aufgrund des hohen Gewichts nicht geeignet. Hinzu kommt die schwergängige Fokuseinstellung, die eine gute Fixierung des Objektivs notwendig macht.

Durch Zufall bin ich an einen 1200mm 11,0 Telekopf gekommen, den ich hier kurz vorstellen möchte:

Nikon 1200mm 11,0

Nikkor P 1200mm 11,0

Zusammen mit der CU-1 Fokuseinheit bildet das 1200mm 11,0 das physikalisch längste Teleobjektiv, was Nikon jemals produziert hat. 922mm Objektivlänge bei 122mm Filterdurchmesser führen zu einem schlanken, aber sehr langen Objektiv. Das Gewicht ist – nicht zuletzt aufgrund der simplen Konstruktion und der geringen Lichtstärke von Blende 11 – mit 4,5 kg relativ moderat.

Die Belichtungszeit sollte wenn möglich manuell eingestellt werden. Aufgrund der Fehlenden AI-Kupplung ist die Kamera nicht in der Lage, eine korrekte Belichtungsmessung vorzunehmen, da die Arbeitsblende, eingestellt an der CU-1 oder am Objektiv (nur 1200er) nicht bekannt ist.

Im Unterschied zu den kleineren Brennweiten bringt das 1200mm Tele eine eigene Blende mit. Daher muss die Blende an der CU-1 auf 4,5 eingestellt werden, um Abschattungen zu verhindern.

Bei Nutzung von Zwischenringen muss darauf geachtet werden, dass diese keine Lichtleitbleche mit rechteckigem Ausschnitt besitzen, da dies ebenfalls zu Vignettierung führt. Allerdings bringen Zwischenringe nur wenig, da aufgrund der langen Brennweite keine ausreichende Verlängerung erzielt werden kann, um die Naheinstellgrenze von 43 Metern signifikant zu senken.

Neben dieser doch sehr großzügig bemessenen Naheinstellgrenze limitieren sowohl die enorme Brennweite von 1200mm als auch die geringe Lichtstärke den Praxisnutzen dieses Objektivs.

Selbst kleinste Erschütterungen wie der Spiegelschlag beeinflussen die Bildergebnisse. Ein stabiles Stativ, Spiegelvorauslösung, Funkauslösung und weitere schwingungsdämpfende Maßnahmen sind daher Pflicht. Die Lichtstärke von Blende 11 behindert heutzutage hauptsächlich die korrekte Fokussierung. Mit ISO 6400 tauglichen Kameras sollte es bei der eigentlichen Belichtung – auch abgeblendet – keine Probleme geben.

Erstaunlicherweise lässt sich das Objektiv an einer D700 bis Blende 22 abblenden, ohne durch Beugungsunschärfe beeinträchtigt zu werden. Aufgrund der physikalisch großen Blendenöffnung scheint dieser Effekt deutlich später einzutreten, als mit Objektiven in „normalen“ Brennweitenbereichen.

Die hier vorgestellte Version ist die erste Variante, die zwischen 1964 und 1973 ungefähr 400 Mal produziert wurde. Es muss noch ohne ED Glas und Nikons Mehrschichtvergütung NIC auskommen.

Dennoch erreicht es, sofern die Umstände scharfe Fotos erlauben, eine gute Abbildungsleistung. Meist mindern die äußeren Einflussfaktoren wie Vibration und Luftverwirbelungen auf lange Distanzen die Bildqualität eher, als die optischen Qualitäten des Objektivs.

Ich habe bisher keine Bewertung des Objektivs an verschiedenen Sensoren vorgenommen, da das 1200mm aufgrund der Praktikabilität nur sehr selten zum Einsatz kommt. Speziell die sehr schwergängige Fokuseinstellung der CU-1 lässt einen Einsatz nur bei statischen Motiven zu.

Erste Tests an der D700 zeigten, dass bereits bei Blende 11 eine ausreichende Schärfe vorhanden ist, auch wenn die Bilder etwas flau wirken. Bei Blende 16 nimmt der Kontrast spürbar und die Schärfe moderat zu. Die Beugungsunschärfe/Diffraktion schlägt an der D700 mit 12 MP auf FX erst bei Blende 32 zu. Farbsäume sind bei Blende 11 sichtbar, jedoch für das Alter der Optik viel geringer ausgeprägt als zu vermuten wäre. Die empfohlenen Arbeitsblenden sind an der D700 somit 16 und 22.

Auch mit Telekonvertern kann das 1200mm verwendet werden, wobei dies eher eine theoretische Möglichkeit darstellt. Die zunehmende Brennweite macht eine Stabilisierung fast unmöglich und der dunkle Sucher erschwert die Fokussierung. Mit dem Tc-14 wird bei Blende 11 nur noch eine knapp ausreichende Bildqualität erreicht. Erst Blende 22 bringt eine gute Schärfe.

Die nachfolgenden Testbilder entstammen einem ersten Test an der D700 bei hohen ISO Werten. Sie stellen mangels gründlicher Stabilisierung sicherlich nicht die maximal mögliche Abbildungsleistung dar. Die EXIF Werte sind in Bezug auf Brennweite und Blende nicht korrekt:
D700, 1200mm, f/11, ISO 3200
D700, 1200mm, f/16, ISO 3200
D700, 1200mm, f/22, ISO 3200
D700, 1200mm, f/11, ISO 1600 pushed 0,5 Stops in Capture NX2. Daher das verstärkte Bildrauschen.