Mitte 2016 erweiterte Nikon die Reihe der f/1,4 Festbrennweiten um ein 105mm Objektiv. Es stellt damit den legitimen Nachfolger des erst im Jahr 2020 eingestellten AF DC Nikkor 105mm 2,0 dar und rundet die Gruppe der Blende 1,4 Festbrennweiten nach oben ab.

Der Neupreis beträgt im Frühjahr 2023 rund 2.000 €, zuvor war es in den Jahren 2019 bis 2021 für knapp über 1.700 Euro erhältlich.

Gehäuse und Handling

Nicht nur der Preis wiegt schwer. Auch die Abmessungen mit 120mm Länge, 94,5mm Gehäusedurchmesser, 82mm Filtergewinde und 985g Gewicht sind beachtlich.

105mm 1,4 und 85mm 1,4

Die durchaus beachtliche Menge Glas ist in ein gut verarbeitetes Kunststoffgehäuse gefasst. Der Gehäusedurchmesser dürfte für kleinere Hände bereits eine haptische Herausforderung sein. Der Fokusring ist angenehm breit ausgeführt und gut gedämpft. Eine Gummilippe rund um das Bajonett soll Eindringen von Feuchtigkeit am Gehäuse verhindern. Die mitgelieferte Gegenlichtblende HB-79 ist recht üppig dimensioniert.

Der Autofokus geht durchschnittlich flott zu Werke und wird durch einen Micromotor angetrieben. Angesichts des Preises und Gehäusedurchmessers hätte ich an dieser Stelle eher einen AF-S Ringmotor erwartet.

Das 105mm 1,4 besitzt eine elektronische Blendensteuerung und ist daher nur mit Gehäusen ab D3/D700/D300 und neuer kompatibel.  

Optische Leistung

Das AF-S 105mm 1,4E stellt ab Offenblende über den gesamten Bildbereich hinsichtlich der Bildschärfe die meisten F Nikkor f/1,4 Festbrennweiten deutlich in den Schatten – einzige Ausnahme das schwerlich vergleichbare 28mm 1,4E. Abblenden auf f/2 und f/2,8 steigert die Schärfe jeweils minimal auf ein exzellentes und kaum verbesserbares Niveau.

Vignettierung ist bei Offenblende sichtbar und dunkelt die Ecken etwas ab, bereits bei Blende 2,0 tritt der Effekt in den Hintergrund. Wie für hoch geöffnete Objektive seit Jahrzenten üblich, treten Chromatische Aberrationen auf. Dies allerdings zu einem deutlich geringeren Maß, als es beim AF DC 105mm 2,0 der Fall ist. Dennoch ist dies erwähnenswert, da lichtstarke Z Nikkore für die spiegellosen Kameras hier mittlerweile neue Maßstäbe setzen. Man sollte also nicht erwarten, trotz des relativ modernen Objektivs von Farbsäumen an Kontrastübergängen gänzlich verschont zu bleiben. Diese stellen jedoch kein Problem dar und treten nur sehr moderat auf.

Entscheidend für ein Portraitobjektiv ist jedoch die Performance in Unschärfebereich – das so genannte Bokeh. Und hier liefert es Hervorragendes ab. Hintergründe lösen sich in eine cremige Unschärfe auf, die wenig zu wünschen übrig lässt. Es spielt diesbezüglich in einer Liga mit dem AF-S 58mm 1,4, bietet dabei jedoch eine knackige Bildschärfe in der Fokusebene. Selbst das AF-S 85mm 1,4 kann im Bokeh nicht ganz mithalten, zusätzlich wird der ältere Klassiker bei der erzielbaren Bildschärfe deutlich überholt.

Insgesamt bildet das AF-S 105mm 1,4 E ED kontraststark und mit lebhaften, natürlichen Farben ab.

Fazit

Bis auf die recht durchschnittliche Fokusgeschwindigkeit und manchmal auftretende Farbsäume gibt es kaum etwas zu verbessern. Exzellent bis ins Detail. So kurz kann eine Objektivbeurteilung ausfallen.

Im Vergleich zum AF-S 85mm 1,4 erhält man das deutlich bessere Objektiv – sofern man mit den 20mm mehr Brennweite zurechtkommt. 20mm mögen erst einmal nicht nach viel klingen, in der Praxis ergeben sich jedoch deutlich verlängerte Arbeitsabstände und eine stark verringerte Tiefenschärfe bei gleicher Blende. Dafür ist das 85mm 1,4 gebraucht deutlich günstiger zu haben, während sich der Neupreis nur um 400 Euro unterscheidet (Stand Anfang 2023).

Eine bessere optische Leistung bei dieser Brennweite wird man erst mit Z Nikkoren für das spiegellose System erwarten dürfen. Für das F Bajonett stellt das AF-S 105mm 1,4 das Maximum des Erreichbaren dar und dürfte über Jahre hinaus auch an vielen FTZ Adaptern treu seinen Dienst verrichten.

Beispielbilder