Das Mitte 2020 vorgestellte 9mm Objektiv für spiegellose Vollformatkameras ist aktuell (Juli 2023) das 35mm Objektiv mit dem weitesten Bildwinkel überhaupt, üppige 135 Grad werden auf den Sensor gebannt. Es ist für Leica M und L, Sony E und Nikon Z erhältlich. Ursprünglich kostete es um die 1.000 €, die Versionen für Sony E und Nikon Z sind Ende 2022 auf 800 € reduziert worden.
Gehäuse und Handling
Beim ersten Blick auf das Laowa 9mm 5,6 dürfte manchem Betrachter spontan ein „oh, ist das klein!“ durch den Kopf gehen. Mit lediglich 6,2cm Durchmesser und 6,6 cm Gesamtlänge glaubt man auf den ersten Blick nicht, ein extremes Weitwinkel vor sich zu haben. Die lediglich 350g lassen es aufgrund der geringen äußeren Abmessungen wiederum nicht wie ein Leichtgewicht erscheinen, obwohl dieses zusätzliche Gewicht in der Fototasche kaum auffallen dürfte.
Mulde für den Fokusfinger
Das aus Metall gefertigte Gehäuse fühlt sich wertig und solide an, Blenden- und Fokusring laufen satt und geschmeidig, der Blendenring am vorderen Ende des Objektivs besitzt Rastpositionen für die vollen Blendenwerte. Die Gegenlichtblende ist fest verbaut, die halbkugelförmige Frontlinse wird beim Transport durch einen gut sitzenden Stülpdeckel geschützt. Als nettes Gimmick ist am Fokusring eine Fingermulde aufgesetzt.
Optische Leistung
Ein Objektiv mit solch einem extremen Bildwinkel geht immer optische Kompromisse ein, insbesondere auch dann, wenn es in sehr kompakten Abmessungen und zu einem moderaten Preis daherkommt.
Der moderne Objektivbau ist heutzutage in der Lage, Zoomobjektive bis zu einer Brennweite von 12mm mit zufriedenstellenden optischen Eigenschaften zu vertretbarem Preis zu konstruieren, alles drunter wird kompliziert. Und somit kann es auch nicht verwundern, wenn ein 9mm Objektiv, welches kleiner und billiger ist, als ein Zoomobjektiv mit 12mm Anfangsbrennweite, diverse optische Schwächen mitbringt.
Insgesamt ist das Laowa 9mm kein extrem scharf abbildendes Objektiv. Selbst in der Bildmitte fehlt es etwas an Auflösungsvermögen. Diese fällt zum Rand und in die Ecken hinein dramatisch ab. Scharfe Bildecken sind auch durch Abblenden nicht erreichbar, wozu auch die zum Fotografen hin ausgeprägte Bildfeldwölbung beiträgt. Generell kann man die Schärfe durch Schließen der Blende nur minimal steigern. Blende 8 ist als universelle Einstellung empfohlen.
Gleiches gilt auch für die überdurchschnittlich ausgeprägte Vignettierung. Fotos erschienen wie durch ein dunkles Rohr hindurch aufgenommen, so stark fällt die Helligkeit zu den Rändern hin ab. Die Randabdunkelung lässt sich in der Nachbearbeitung nur schwer beheben. Die Ränder müssen zu stark aufgehellt werden, hinzu kommt eine bläuliche Farbverschiebung der Ecken (siehe Beispielbild unten). Leider hilft auch hier eine weiter geschlossene Blende wenig. An dieser Stelle rächt sich die kompakte Bauweise. Für eine korrekte Belichtungsmessung muss bei Matrixmessung mindestens -0,7 EV oder alternativ mittenbetonte Messung eingestellt werden.
Da die Verzeichnung mit der Fokusdistanz variiert und sich zu unendlich hin redutziert, sollte man möglichst gegen unendlich fokussieren. Darüber empfiehlt es sich, Bilder möglichst in Waage aufzunehmen, da sich andernfalls die Verzeichnung unschön bemerkbar macht. Dies ist dem Arbeiten mit einem Fischauge nicht unähnlich.
Dennoch entstehen Bilder, die durch ihre Einzigartigkeit überzeugen können. Speziell in Innenräumen kann die Vignettierung bestenfalls zur Bildstimmung beitragen oder mindestens nicht übermäßig störend auffallen. Für Landschaftsfotografie erscheint mir persönlich der Randabfall bezüglich Bildhelligkeit und Schärfe zu stark.
Fazit
Vielleicht hat sich Laowa zu sehr durch die kompakte Bauweise unnötig in der optischen Leistung eingeschränkt. Insbesondere die deutliche Vignettierung könnte durch eine aufwändigere Optik reduziert werden. Auf der anderen Seite wäre ein größeres, schwereres Objektiv deutlich teurer in der Herstellung.
Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit dieser extremen Brennweite zu experimentieren. Das Laowa 9mm 5,6 wird ein Bestandteil meiner Ausrüstung bleiben. Steht eine hohe Bildqualität jedoch im Vordergrund, wird es vermutlich nicht in der Fototasche landen.
Wieder einmal vielen Dank an Hartmut Scholz, der mir eine Händlerpreisliste aus dem Jahr 1987 zur Verfügung gestellt hat. Zu den genannten Preisen muss noch die damals gültige Mehrwertsteuer von 14% hinzugerechnet werden, um den offiziell empfohlenen Endkundenpreis zu erhalten:
Im Mai 2023 erweiterte Nikon das Z DX Objektivprogramm mit einem Weitwinkelzoom nach unten. Zudem feierte das erste „Power Zoom“ Premiere, bei dem die Brennweitenverstellung über einen Motorantrieb und nicht mehr mechanisch erfolgt. Mit 12mm Anfangsbrennweite ist das 12-28mm 3,5-5,6mm PZ VR am kurzen Ende 2mm länger als das letzte DX Weitwinkelzoom AF-P DX 10-20mm 4,5-5,6 VR für F, bietet allerdings am langen Ende 8mm mehr. Damit dürfte es sich insgesamt universeller einsetzen lassen, auch wenn 2mm im Weitwinkelbereich ein deutlicher Unterschied sind. Wie beim Vorgänger bietet es eine Verwacklungsreduktion/VR.
Bei einer UVP von 429 Euro war es Nikon leider nicht möglich, die nur optional für weitere 40 Euro angebotene Gegenlichtblende HB-112 im Lieferumfang unterzubringen. Dies ist auch deshalb unverständlich, weil das kurz danach erschienene Z DX 24mm 1,7 für lediglich 319 Euro inklusive Gegenlichtblende HN-42 daherkommt. Die bisher von mir getesteten Weitwinkel Gegenlichtblenden für 67mm Filterdurchmesser sind durchweg zu lang und sorgen für dunkle Bildecken bei 12mm, somit bleibt nur der erzwungene Zubehörkauf.
Nikon vermarktet das Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR vornehmlich als Objektiv für so genannte „Content Creator“, also vornehmlich zum Erstellen von Videos für Social Media. Daher wird die Verwendung mit der Z30 im Videobetrieb in den Vordergrund gerückt. In diesem Artikel beschäftige ich mich im Folgenden mit der Bildqualität im Fotobereich.
Gehäuse und Handling
Wie bei DX Consumerobjektiven üblich, wurde auch am Material für das Bajonett gespart und Kunststoff statt Metall verwendet. Nikons Kunststoffbajonette sind jedoch äußerst robust und stabil, es entsteht dadurch kein Nachteil.
Das vollständig aus Plastik bestehende Gehäuse fühlt sich trotz des geringen Gewichts von nur 205g stabil und gut verarbeitet an. Dazu tragen insbesondere die sehr gut gedämpften und butterweich drehenden Einstellringe bei. Der Zoomring ist mit einer Beschichtung versehen, die Ähnlichkeiten mit einer Gummierung aufweist, der hintere Einstellring besteht aus strukturiertem Hartplastik.
Nikon verspricht eine Abdichtung des Objektivs gegen Staub und Regentropfen. Im Pressematerial findet sich auch eine Darstellung der verbauten Dichtungen, allerdings beziehen diese nicht das Bajonett ein. Statt einer Gummidichtung muss es zur Kamera hin eine leicht überlappende Plastikwulst richten.
Front- und Rücklinse sind feststehend verbaut und bewegen sich bei Zoom oder Fokusverschiebungen nicht mit.
Das Objektiv ist sowohl innenfokussierend, als auch innenliegend zoomend. Es ändert somit nie die Länge, nichts fährt aus oder dreht sich mit – auch auf der Rückseite nicht. Vermutlich aufgrund des optischen Bildstabilisators klappert das Objektiv leicht, sofern man es etwas bewegt. Bei eingeschalteter Kamera verschwindet dieses Geräusch.
Der Powerzoom Mechanismus arbeitet erstaunlich unauffällig. Unabhängig von der Drehgeschwindigkeit am „Zoomring“ durchfährt das Objektiv den Zoombereich in sinnvoller, konstanter Geschwindigkeit. Dies geschieht ruckelfrei und absolut leise. Alternativ kann man an den Kameras Z30, Z50 und Zfc den Zoom über die Lupentasten +/- bedienen und die Geschwindigkeit des Tastenzooms individualisieren (aktuelle Firmware vorausgesetzt). Da der Zoomring frei ohne Anschlag dreht, besitzt er keine Brennweitenmarkierung. Stattdessen wird die eingestellte Brennweite im Sucher angezeigt.
Die variable Lichtstärke verteilt sich über den Brennweitenbereich wie folgt: 12mm 3,5 – 12,5mm 3,8 – 14,5mm 4,0 – 16mm 4,2 – 17mm 4,5 – 19mm 4,8 – 21mm 5,0 – 23,5mm 5,3 – 26,5mm 5,6
Optische Leistung
Wieder einmal zeigt sich der Vorteil des Z Bajonetts und dessen großer Durchmesser, von dem insbesondere Weitwinkel profitieren.
Man kann die Bildqualität kurz und knapp zusammenfassen: Blende auf 5,6 einstellen und einfach fotografieren. Über den gesamten Zoobereich hinweg stellt Blende 5,6 das Optimum an Schärfe über das gesamte Bildfeld dar, sogar bis in die Ecken. Die Schärfe fällt nur minimal zum Rand hin ab, die Ecken erreichen ein sehr gutes Auflösungsvermögen. Hinsichtlich der Bildschärfe hängt es manches DX F-Mount Objektiv ab – bei 12-16mm sogar bei Offenblende.
Zwischen 24mm und 28mm lässt die Schärfe insgesamt etwas nach, allerdings gewinnt man durch Abblenden keine weitere Auflösung, weshalb man in diesem Brennweitenbereich unbesorgt bei Offenblende fotografieren kann. Eine Merkwürdigkeit konnte ich bei 28mm feststellen: Blendet man von f/5,6 auf f/8 ab, verlieren die Bildränder deutlich an Zeichnung.
Die Vignettierung ist für ein modernes Weitwinkel absolut im Rahmen, die Randabdunkelung ist bis 20mm bei Blende 5,6 kaum noch sichtbar, darüber hinaus bis 28mm ohnehin nur minimal vorhanden. Die Farbdarstellung ist etwas gedämpft, der Kontrast nicht ganz so knackig wie bei einem Objektiv der S-Serie.
Diese insgesamt sehr solide Leistung in einem kleinen, leichten Gehäuse zu einem moderaten Preis hat doch bestimmt einen Haken? Nun, das kommt auf die Sichtweise und die Erwartungshaltung an ein Objektiv an. Erwartet man im Jahr 2023 die Erzielung einer einwandfreien Bildqualität alleine durch die Optik, dürfte man beim Blick auf die Art und Weise, wie dieses Ergebnis zustande kommt, enttäuscht sein.
Wie bei heutzutage fast allen Objektiven des unteren und mittleren Preissegments, spielt auch hier die nicht abschaltbare Softwarekorrektur eine bedeutende Rolle. Software ist bei modernen spiegellosen Systemen ein elementarer Teil der Objektivkonstruktion. Ohne sie wäre es nicht möglich, ein solches Ergebnis bei den oben skizzierten Parametern zu erreichen. Das mag man als „Schummeln“ empfinden, dem Endanwender eröffnet es jedoch eine Bildqualität, die früher nur zu höherem Preis und Gewicht erreichbar gewesen wäre. Beim Z DX 12-28mm liegt der Kompromiss in der überaus starken und im Weitwinkelbereich ungewöhnlich strukturierten Verzeichnung. Die Kameraelektronik hat einiges zu entzerren, um aus dem, was das Objektiv sieht, ein normales Foto zu generieren:
Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 12mm 5,6 – Export aus RAWDigger mit deaktivierten KorrekturenZ DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 12mm 5,6 – korrigiert durch internes KorrekturprofilZ DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 12mm 5,6 – korrigiert und nicht korrigiert übereinandergelegt
Fazit
Insgesamt erhält das Z DX 12-28mm 3,5-5,6 für DX Z Nutzer eine absolute Empfehlung. Es ist leicht, kompakt und bietet – insbesondere angesichts der Preisklasse – eine sehr gute Bildqualität, wenn diese auch in großen Teilen der internen Bildverarbeitung der Z Kameras zu verdanken ist. Letztlich zählt jedoch das Ergebnis und dieses kann sich wirklich sehen lassen.
Ist bereits ein FTZ Adapter vorhanden, stellt das F Mount AF-P DX 10-20mm 4,5-5,6 die direkte Konkurrenz zum Z DX 12-28mm dar. So lange das F Objektiv noch verfügbar ist, kostet es knapp an die 300 Euro, gebraucht ca. 230 €. Sofern die 2mm am kurzen Ende nicht entscheidend sind, würde ich trotz des Preisunterschieds eher zum Z DX 12-28mm greifen.
Das seit November 2021 erhältliche Z 24-120mm 4,0 S ist Nikons zweites Zoomobjektiv dieser Brennweite mit konstanter Lichtstärke, der Vorgänger für das F Bajonett stammt aus dem Jahr 2010. Zuvor gab es ab 1996 zwei Zooms mit variabler Lichtstärke als AF und AF-S Version. Bis Anfang 2023 wurden in der Z Variante mehr als 60.000 Exemplare verkauft. Außerhalb von Rabattaktionen liegt der Straßenpreis bei ca. 1.150 €.
Der Brennweitenbereich hat somit eine längere Tradition und erfreut sich gleichzeitig großer Beliebtheit, insbesondere als kompaktes Zoom für Reisen. Das Z 24-120 gehört zur S Linie und ist damit Teil der besser ausgestatteten Objektive im Z System.
Gehäuse und Handling
Das 630g wiegende Objektiv fühlt sich stabil verarbeitet an, trotz zweigeteiltem Auszug der Zoommechanik. Lediglich der aus Plastik bestehende Bereich zwischen Multifunktions- und Zoomring wirkt recht billig, da sich die Oberfläche ungewöhnlich rau anfühlt. Der Zoomring besitzt am Anfang einen recht deutlichen Widerstand, der sich mit zunehmender Nutzungsdauer etwas reduziert.
Die Ausstattung markiert innerhalb der S Objektive das Mittelfeld: ein programmierbarer L-Fn Button und zweiter Einstellring sind vorhanden, ein OLED Display zur Darstellung von Fokusdistanz oder Blende hingegen fehlen.
Der Autofokus geht recht zügig, leise und treffsicher zu Werke. Der elektronisch übertragene Fokusring am vorderen Ende ist, wie der mechanische Zoomring auch, mit einer Gummiauflage versehen. Der hintere Einstellring ist aus Metall gefertigt.
Eine Verwacklungsreduktion hat Nikon dem Objektiv nicht mitgegeben, an den bisher erschienenen DX Z Kameras fehlt somit eine Bildstabilisierung.
Etwas unglückliche Materialauswahl: die Oberfläche des Bereichs zwischen Einstell- und Zoomring wirkt recht rau und „billig“.
Optische Leistung
In der Bildmitte glänzt das Z 24-120 4,0 bereits bei Offenblende mit hervorragender Schärfe, die im Weitwinkelbereich bis einschließlich 28mm zum Rand hin moderat abfällt – was sich durch Abblenden auf f/5,6 beheben lässt. Dur Abblenden verbessert sich die Schärfe im Bildzentrum bis 100mm nur moderat, zu 120mm hin kann man mit Blende 5,6 noch etwas mehr Feinzeichnung herauskitzeln. Wobei selbst am langen Ende die Schärfe bei Offenblende schon exzellent ist.
In den Ecken zeigen sich die optischen Kompromisse eines Reisezooms: zwischen 24mm und 35mm schwächelt die Schärfe in den Ecken und erreicht bei Blende f/4 bis 28mm nur ein ausreichendes Niveau, im weiteren Verlauf bis 35mm ein solides „gut“. Abgeblendet auf f/5,6 steigert sich die Schärfe in den ersten 4mm des Brennweitenbereich etwas und erreicht ein sehr gutes, aber kein exzellentes Niveau. Weiteres Abblenden verbessert die Schärfe in den Ecken nicht mehr.
Dies ist allerdings auch Jammern auf hohem Niveau. Man kann das Z 24-120mm 4,0 S auf Blende 5,6 einstellen und braucht sich keine Gedanken über die Bildqualität machen – weiteres Abblenden ist nur in speziellen Situationen im Weitwinkelbereich oder zur Vergrößerung der Schärfentiefe notwendig. Ab 28mm aufwärts ist es auch bei Offenblende insgesamt so gut, dass man wenig Kompromisse in der Bildqualität eingeht und Blende 4,0 somit vollumfänglich nutzbar ist.
Auch wenn ein Objektiv mit Offenblende von 4,0 nicht unbedingt prädestiniert dafür ist, mit Unschärfeeffekten zu spielen, lassen sich am langen Ende ansehnliche Freisteller erzielen. Das Bokeh neigt jedoch zu einer gewissen Unruhe, weshalb unscharfe Hintergründe nicht immer so cremig abgebildet werden, wie es vielleicht wünschenswert wäre.
Randabdunkelung/Vignettierung macht sich über den gesamten Brennweitenbereich bei Blende 4,0 moderat bemerkbar, abgeblendet auf 5,6 hat diese jedoch bereits keine Bildrelevanz mehr. Laterale CA’s sind insbesondere am Randbereich und im Weitwinkelbereich an starken Helligkeitsabstufungen sichtbar. Abblenden reduziert diese nur minimal, allerdings ist das Maß an Farbsäumen recht gering und vollkommen unproblematisch.
Hervorzuheben ist die geringe Naheinstellgrenze von 35cm über den gesamten Brennweitenbereich. Wenn nicht extreme Vergrößerungsmaßstäbe benötigt werden, eignet sich das 24-120 auch als Makroobjektiv mit einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2,5. Wenn man bedenkt, dass dediziert als solche angebotenen Makroobjektive bis in die frühen 1990er Jahre einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2 boten, ist dies durchaus beachtlich.
Insgesamt gleicht die Abbildungsqualität hinsichtlich Farbe, (Mikro-)Kontrast und Vignettierung dem Z 24-70mm 4,0. Sowohl Z Festbrennweiten als auch das Z 24-70mm 2,8 legen hier noch eine Schippe drauf. Andererseits überholt das Z 24-120 selbst die professionellen AF-S 24-70mm 2,8 Objektive für das F Bajonett hinsichtlich Auflösungsvermögen und Schärfeleistung über den gesamten Bildbereich.
Fazit
Ohne Zweifel ist das Z 24-120mm 4,0 S mit Abstand das Beste 24-120mm Objektiv, welches Nikon bisher auf den Markt gebracht hat. Leider hat dies im Internet auch zu einigen überschwänglich positiven Beurteilungen geführt, die der Realität nicht gerecht werden. Auch wenn das 24-120 eine exzellente Optik ist, kann es dem Z 24-70mm 2,8 S nicht das Wasser reichen. Das Lichtstarke Profizoom hat hinsichtlich Schärfe, Bokeh und Kontrast weiterhin die Nase vorne, auch wenn der Abstand deutlich geringer ist, als es früher zu F-Mount Zeiten zwischen 24-120mm 4,0 und 24-70mm 2,8 der Fall war.
Es gelten immer noch die Grenzen der Physik und des wirtschaftlichen Objektivbaus. Damit gilt auch: kürzerer Brennweitenbereich = weniger optische Kompromisse. Diese Gesetzmäßigkeit ist auch im direkten Vergleich mit dem „Kitobjektiv“ Z 24-70mm 4,0 erfüllt, bis 35mm kann das kurze Zoom mit deutlich schärferen Bildecken Punkten, bei sonst vergleichbarer Leistung. Dennoch liegen beide Objektive so nah beieinander, dass der Vorteil des längeren Brennweitenbereiches den Nachteil der leicht unscharfen Ecken im Weitwinkelbereich bei Offenblende überwiegt.
Insgesamt ist Nikon mit dem Z 24-120mm 4,0 S ein großer Wurf gelungen. Der universelle Brennweitenbereich gepaart mit sinnvollen Features, wie z.B. der für ein solches Zoomobjektiv sehr geringen Naheinstellgrenze, lassen es zum echten Allrounder in der Fototasche werden. Empfehlenswert als Upgrade zum Z 24-70mm 4,0. Auch Besitzer älterer F-Mount 24-70mm 2,8er Objektive sollten sich beim Umstieg ins Z System überlegen, ob sie wirklich Blende 2,8 benötigen.
Zusammengefasst: Das Z 24-120mm 4,0 S ist das Schweizer Taschenmesser im Z Objektivsortiment.
Sie ist sicherlich die widersprüchlichste und meist diskutierte digitale Spiegelreflexkamera, die Nikon je gebaut hat: das Modell Df. Das Kürzel Df steht dabei für „Digital fusion“ und soll die Verschmelzung einer digitalen Spiegelreflexkamera der D-Serie und einer analogen F Spiegelreflex darstellen. Die Df nutzte den gleichen 16 MP Bildsensor wie das zu diesem Zeitpunkt aktuelle Spitzenmodell D4.
Gedacht war sie als Reminiszenz an die Blütezeit der simplen, mechanischen Spiegelreflexkamera in den 1970er Jahren – und das Konzept sprach auch durchaus viele Fotografen an, als das Modell Ende 2013 auf den Markt kam. Leider wurde die Df dennoch nicht zu einem großen Verkaufserfolg, auch wenn mehr als 70.000 (nach den Zahlen von Roland Vink ggf. sogar über 80.000) Exemplare verkauft wurden.
Am hinderlichsten dürfte der Verkaufspreis von 2749 Euro gewesen sein. Man muss schon sehr retroverliebt sein, um für eine solche Kamera mehr Geld auszugeben, als für die semiprofessionelle D800 mit 36MP und einer Ausstattung auf dem Stand der Technik.
Viel diskutiert wurde auch die Tatsache, dass sich Nikon bei den übrigen Komponenten eher aus dem Regal der unteren Mittelklasse bedient hatte. Insbesondere das AF Modul mit 39 Sensoren aus der D600/D610 stieß auf Unverständnis. Oftmals wurde argumentiert, die Df sei nur eine D600 in Retroverpackung, was allerdings in keiner Weise zutrifft. Auch wenn einzelne Komponenten wie Bildsensor, Spiegelkasten und AF Modul aus anderen Kameras stammen, sollte man der Df doch zugestehen, eine eigenständig entwickelte DSLR zu sein.
Gehäuse und Handling
Die Eigenständigkeit des Modells zeigt sich bereits am Gehäuse. Boden, Rückwand und Oberkappe bestehen aus Metall. Bei der Oberkappe merkt man davon allerdings wenig, da das Suchergehäuse von einer Kunststoffhülle umgeben ist, welche den Blitzschuh, das Suchergewinde und die Belederung trägt. Der Sucher besitzt wie die professionellen Gehäuse ein rundes Okular.
Eingeklappter Blendenmitnehmer
Ein Alleinstellungsmerkmal der Df ist der zurückklappbare Blendenmitnehmer am Bajonett und die erstmals ermöglichte Belichtungsmessung für Objektive ohne Blendenwertübertragung. Dadurch ist die Df die einzige digitale Nikon Spiegelreflexkamera, an der non-AI Objektive mit Belichtungsmessung betrieben werden können. Hierfür hat Nikon eigens die Firmware im Menüpunkt „Objektivdaten“ erweitert. Für die 9 dort hinterlegbaren Objektive kann neben Brennweite und Lichtstärke angegeben werden, ob die Blende per AI Kupplung übertragen wird, oder ob es sich um ein non-AI Objektiv handelt. Im letzteren Fall kann der am Blendenring des Objektivs eingestellte Blendenwert wie bei AF Objektiven über das vordere Einstellrad der Kameraelektronik mitgeteilt werden, damit dieser korrekt in die Exif Daten geschrieben wird. F Objektive mit Autofokus werden vollständig inkl. E-Blende und AF-P Fokusmotor unterstützt.
Vom Design her ist die Df wie die analogen Ahnen auf die Verwendung kompakter Objektive ausgelegt. Dennoch hat sich Nikon bemüht, die Ergonomie durch einen dezent ausgeformten Handgriff gegenüber den „Zigarettenschachteln“ der 70er Jahre zu verbessern. Auch wenn der Griff einen etwas besseren Halt bietet, ist er aufgrund der kompakten Abmessungen nicht mit den ergonomisch geformten Gehäusen aktueller Kameras vergleichbar.
Das aus der D600/D610 stammende Fokusmodul mit 39 AF Sensoren zählt sicherlich nicht zu den Highlights der Df, Treffsicherheit und Geschwindigkeit sind lediglich durchschnittlich. Außerdem sind die 39 AF Felder im Vergleich zu anderen Vollformatkameras zu sehr in der Bildmitte konzentriert, insbesondere die vertikale Abdeckung lässt stark zu wünschen übrig. Da sich die Df jedoch hauptsächlich als Retrokamera präsentiert und speziell Nutzer manueller Objektive ansprechen soll, ist dieses gegebenenfalls noch verschmerzbar.
Für die Nutzung manueller Objektive kommt somit dem Sucher eine zentrale Bedeutung zu. Und hier bietet Nikon leider nur den damaligen – immerhin gehobenen Standard – an. Der Sucher bietet eine Bildfeldabdeckung von 100% und entspricht damit der D800 und D4. So weit, so standesgemäß für eine 2.700 € teure Kamera im Jahr 2013.
Es wäre vielleicht angebracht gewesen, weitere Einstellhilfen wie z.B. austauschbare Mattscheiben mit Schnittbildindikator anzubieten. Dies hätte den Retroaspekt unterstrichen, für zusätzliche Einnahmen durch den Verkauf von Zubehör geführt und die Df zur besten Kamera für die Nutzung manueller Objektive aufgewertet. So bleibt der Eindruck, dass das AF Modul unterdurchschnittlich ausgestattet ist und manuelle Objektive genauso gut oder schlecht fokussiert werden können, wie an anderen Spiegelreflexkameras der oberen Mittelklasse/Oberklasse auch.
Angelehnt an die manuellen Gehäuse der 1970erJahre wurden einige Einstellungen auf dedizierte Einstellräder auf der Oberseite der Kamera verlagert. Auf der linken Seite des Suchergehäuses befinden sich zwei übereinanderliegende Räder für Belichtungskorrektur und ISO Wert. Etwas irritierend, aber einer versehentlichen wirksam vorbeugend, sind die zwei separaten Arretierungen in der Mitte und seitlich der beiden Einstellräder. Der Stift in der Mitte muss gedrückt werden, um das obere Rad für die Belichtungskorrektur zu betätigen, der seitliche Stift fixiert die ISO Einstellung.
Auf der rechten Seite des Suchers befinden sich das Zeitenwahlrad, (ebenfalls mit mittiger Arretierung), darunter im Sandwich der Wahlhebel für die Aufnahmebetriebsart (nicht arretiert) und an der Außenseite neben dem Auslöser ein zur Verstellung anzuhebender Wähler für die Belichtungssteuerung M/A/P/S. Alle Räder sind aus Metall gefertigt und die Beschriftungen graviert.
Die gewählten Einstellungen der Räder sind mit Ausnahme der Belichtungskorrektur und der Belichtungssteuerung durch Einstellungen im Menüsystem beeinfluss- bzw. überschreibbar. Individualfunktion F11 ermöglicht es, im manuellen Modus die über das Rad eingestellte Belichtungszeit mittels hinterem Einstellrad um bis zu 2/3 Stufen nach oben oder unten abweichen zu lassen. Auto ISO beeinflusst bzw. übernimmt auf Wunsch die ISO Einstellung, unabhängig von der Einstellung auf dem Rad. An dieser Stelle merkt man am ehesten die notwendigen Kompromisse, wenn traditionelle Einstellräder mit den Möglichkeiten moderner Einstellmenüs zusammengeführt werden. Das gelingt nicht immer konfliktfrei, allerdings besteht die Möglichkeit die Df konsequent im manuellen Modus ausschließlich über die Einstellräder zu bedienen.
Ein nettes Extra ist die Zeiteinstellung „T“ auf dem Zeitenrad, welches es in dieser Form in keiner anderen Nikon DSLR gibt. Im T-Modus betätigt man den Auslöser, um die Belichtung zu beginnen und beendet diese durch erneuten Druck auf den Auslöser.
Um den Auslöser herum befindet sich ein Metallring, der als Einschalter für die Kamera dient. Davor befindet sich ein kleines Display, welches Belichtungszeit, Blende, Akkukapazität als 3-Segmentanzeige und Anzahl verbleibender Bilder auf der Speicherkarte anzeigt. Das Display kann beleuchtet werden.
Der EN-EL14a Akku und die SD Karte verschwinden hinter eine Klappe auf der Unterseite der Kamera. Eine detaillierte Akkustandsanzeige neben der 3-Segementanzeige ist leider nicht vorgesehen, der Menüpunkt „Akkuinformation“ ist nicht verfügbar.
Persönlich etwas gewöhnungsbedürftig finde ich das an der Vorderseite vertikal angebrachte Einstellrad. Wenn man von allen anderen Kameras horizontal ins Gehäuse integrierte Einstellräder gewohnt ist, irritiert dieses doch etwas. Es macht allerdings einen stabilen und gut verarbeiteten Eindruck, Bedenken hinsichtlich der Haltbarkeit sind aus meiner Sicht unbegründet.
An der Rückseite präsentiert sich die Df wie eine modernde, digitale Spiegelreflexkamera mit entsprechenden Bedienelementen. Hervorzuheben ist, dass die Df -wie alle professionellen Gehäuse – über einen dedizierten AF-ON Button verfügt.
Bildqualität
Kernstück und Highlight der Df ist sicherlich der 16 MP Bildsensor aus der D4. Er bietet einen exzellenten Dynamikumfang, eine hervorragende Bildqualität auch bei absurd hohen ISO Werten und überfordert das Auflösungsvermögen alter Objektive nicht. Mit seiner relativ geringen Pixeldichte entspricht er dem maximalen Auflösungsvermögen niedrigempfindlichen 35mm Films und stellt somit für eine exzellente Wahl für eine Retrokamera dar.
Im Vergleich zur D4 empfinde ich persönlich den automatischen Weißabgleich als etwas besser abgestimmt, sonst ergeben sich in der Bildqualität keine nennenswerten Unterschiede.
Fazit
Auf dem Gebrauchtmarkt ist die D4 in 2023 günstiger zu bekommen als eine Df. Die meisten Df Gehäuse sind von Ihren Besitzern für „entschleunigte“ Fotografie, oftmals mit manuellen Objektiven, genutzt worden. Dementsprechend finden sich häufig Df Kameras mit weniger als 50.000 Auslösungen zu Preisen meist um die 1.300 bis 1.500 Euro. Eine D4 mit so wenigen Auslösungen wird schwer zu finden sein, sollte aber nicht mehr als 1.300 Euro kosten. Von Berufsfotografen genutzte D4 mit 200.000 Auslösungen und mehr sind für weniger als 1.000 Euro zu haben.
Wenn es nur um die Bildqualität des D4 Sensors geht, ist die D4 gegenüber der Df die deutlich bessere Wahl – sofern man mit einem großen Profigehäuse leben kann. Dafür erhält man ein deutlich besseres Fokusmodul, bessere technische Ausstattung, Videofunktion und langlebigere Technik. Viele Df fallen vor dem Erreichen von 100.000 Auslösungen aus, meist mit Schäden an der Blendensteuerung oder dem Verschluss. An dieser Stelle macht sich die Verwendung von Komponenten der unteren Mittelklasse bemerkbar.
Mehr als vor 10 Jahren gilt deshalb im Jahr 2023: man muss schon sehr bewusst den Retroaspekt der Kamera schätzen, um den geforderten Betrag auf den Tisch zu legen. Rational betrachtet ist eine D4 der bessere Kauf.
Dennoch ist die Df schon heute ein Klassiker und wird auch zukünftig ihre Fangemeinde haben. Dies könnte sich erst ändern, wenn Nikon doch eines Tages eine Zf mit Vollformatsensor auflegt. Das runde Jubiläum im November 2023 würde sich anbieten.