Es gibt Dinge, die stellen eine sinnvolle Ergänzung dar – wie zum Beispiel ergonomisch geformte Batteriegriffe für die Spiegelreflexkameras der oberen Mittelklasse auf dem Hause Nikon. Alle meine dreistelligen Kameras (D500, D700, D800, D850) sind mit einem Nikon Batteriegriff ausgestattet. Und es gibt den neuen MB-N10 für die spiegellosen Kameras Z6 und Z7…

MB-N10 an Z7

Offensichtlich war man bei Nikon während der Entwicklung der Schwestermodelle Z6 und Z7 nicht der Meinung, dass man jemals einen Batteriegriff für diese spiegellosen Kameras benötigen würde. Anders ist nicht zu erklären, warum dieses Produkt – immerhin noch hastig zusammen mit den Kameras als Prototyp angekündigt – mehr als ein Jahr nach Einführung der Kameras noch auf den Markt kommt. Um es vorweg zu nehmen: man hätte es besser lassen sollen.

Natürlich kann man darüber diskutieren, ob man an einer möglichst kompakt gebauten Kamera einen Batteriegriff benötigt. Wenn man sich aber dafür entscheidet, sollte man daraus auch einen Vorteil ziehen können. Diesem so genannten Batteriegriff fehlt eigentlich alles, was die sinnvolle Nutzung eines zusätzlich angeschraubten Batterieteils ausmacht:

  • Zusätzlicher Auslöser, Einstellräder und manchmal auch ein zweiter Joystick: Fehlanzeige. Da Nikon auf Seiten der Kamera jegliche Kontakte zur Kommunikation mit dem Griff einfach weggelassen hat besteht noch nicht einmal physikalisch die Möglichkeit, Bedienelemente am Griff unterzubringen.
  • Steuerung der Entladereihenfolge der beiden Akkus, Anzeige des Ladestands der beiden Akkus: wieder aufgrund fehlender Kommunikation nicht möglich. Die Kamera zeigt immer den Ladestand des jeweils vom Griff derzeit entladenen Akkus an. Die Prüfung des Füllstandes erfolgt nach Betätigung der „Check“ Taste auf analogem Weg über drei Leuchtdioden pro Akkufach.
  • Verwendung anderer Energiespender als dem EN-EL15/a/b Akku: nicht möglich. Der Griff nimmt lediglich zwei Akkus auf, die – immerhin – über Klappen auf beiden Seiten getrennt entnommen werden können.
  • Verbesserung der Ergonomie und sicherer Hochformatgriff. Anscheinend hatten alle Designer, die sich auch nur ansatzweise mit der Ergonomie von Produkten beschäftigen Urlaub, als dieser Griff entworfen wurde. Die Griffwulst des Hochformatgriffs ist viel zu schmal für einen sicheren Halt und über dies hinaus aus glattem Metall ohne jegliche Gummierung gefertigt. Montiert man ein Z Objektiv passt die Hand zwar einigermaßen komfortabel zwischen Unterseite des Objektivs und Griff, spätestens beim FTZ ist dies jedoch vorbei. Man darf die Finger mühsam zwischen Griff und Motorgehäuse des FTZ quetschen.
  • Ästhetische Gestaltung: über Geschmack kann man ja streiten, aber der Griff sieht schlimmer aus als alles, was ein angehender Designstudent im ersten Semester entwerfen würde. Außerdem scheint Nikon ein gewisser Stolz auf das Produkt ergriffen zu haben, da auf der Vorderseite des holzschnittartigen Griffs unübersehbar der Schriftzug „Nikon MB-N10 BATTERY PACK“ prangt.

Das passt: Z 24-70mm 2,8 S mit montiertem MB-N10

Es gibt wirklich wenig Positives, was ich über diesen Griff sagen kann. Er ist günstiger als alle anderen Griffe, bietet dafür aber auch kaum Funktionen. Aufgrund der getrennten Akkuschächte kann von beiden Seiten jeweils ein Akku im laufenden Betrieb entnommen werden, auch wenn die Kamera auf ein Stativ montiert ist. Der größte Vorteil ist sicherlich, dass man die beiden Akkus im Griff über USB-C laden kann – sofern man EN-EL15b Akkus verwendet.

Die Verarbeitung ist tadellos und er macht einen stabilen Eindruck.

Das passt nicht: kaum Platz für die Finger bei Verwendung des FTZ mit dem MB-N10.

Insgesamt wirkt der MB-N10 wie ein Fremdkörper an Z6 und Z7. Wirkliche Vorteile bietet er nicht, vielleicht eine minimal bessere Balance bei schweren Objektiven. Videofilmer werden die Verlängerung der Akkulebensdauer bei Nutzung von zwei Akkus zu schätzen wissen.

Nikon hätte sich den Aufwand für dieses Zubehörteil besser sparen sollen. Es bleibt zu hoffen, dass die sicherlich niedrig ausfallenden Verkaufszahlen für diesen rudimentären Griff bei Nikon nicht zu falschen Rückschlüssen führen. Ein Batteriegriff macht meiner Meinung nach auch bei einer relativ kompakten spiegellosen Kamera Sinn.

Die Akkus können über USB-C geladen werden.

Am Einschub für den Akkuschacht der Kamera ist eine Aufbewahrungsmöglichkeit für den Akkufachdeckel der Kamera vorhanden. Der Akkufachdeckel der Z6 oder Z7 muss abgenommen werden, um den Briff nutzen zu können. Es währe schön, wenn man den Akkufachdeckel der Kamera auch einzeln kaufen könnte – bei der Demontage kann auch mal was verloren gehen oder eine Plastiknase abbrechen.

Rückansicht – Z7 mit MB-N10