CategoryZ System – Objektive

Alles zu den Objektiven des spiegellosen Nikon Z Systems

Nikkor Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR

Im Mai 2023 erweiterte Nikon das Z DX Objektivprogramm mit einem Weitwinkelzoom nach unten. Zudem feierte das erste „Power Zoom“ Premiere, bei dem die Brennweitenverstellung über einen Motorantrieb und nicht mehr mechanisch erfolgt. Mit 12mm Anfangsbrennweite ist das 12-28mm 3,5-5,6mm PZ VR am kurzen Ende 2mm länger als das letzte DX Weitwinkelzoom AF-P DX 10-20mm 4,5-5,6 VR für F, bietet allerdings am langen Ende 8mm mehr. Damit dürfte es sich insgesamt universeller einsetzen lassen, auch wenn 2mm im Weitwinkelbereich ein deutlicher Unterschied sind. Wie beim Vorgänger bietet es eine Verwacklungsreduktion/VR.

Bei einer UVP von 429 Euro war es Nikon leider nicht möglich, die nur optional für weitere 40 Euro angebotene Gegenlichtblende HB-112 im Lieferumfang unterzubringen. Dies ist auch deshalb unverständlich, weil das kurz danach erschienene Z DX 24mm 1,7 für lediglich 319 Euro inklusive Gegenlichtblende HN-42 daherkommt. Die bisher von mir getesteten Weitwinkel Gegenlichtblenden für 67mm Filterdurchmesser sind durchweg zu lang und sorgen für dunkle Bildecken bei 12mm, somit bleibt nur der erzwungene Zubehörkauf.

Nikon vermarktet das Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR vornehmlich als Objektiv für so genannte „Content Creator“, also vornehmlich zum Erstellen von Videos für Social Media. Daher wird die Verwendung mit der Z30 im Videobetrieb in den Vordergrund gerückt. In diesem Artikel beschäftige ich mich im Folgenden mit der Bildqualität im Fotobereich.    

Gehäuse und Handling

Wie bei DX Consumerobjektiven üblich, wurde auch am Material für das Bajonett gespart und Kunststoff statt Metall verwendet. Nikons Kunststoffbajonette sind jedoch äußerst robust und stabil, es entsteht dadurch kein Nachteil.

Das vollständig aus Plastik bestehende Gehäuse fühlt sich trotz des geringen Gewichts von nur 205g stabil und gut verarbeitet an. Dazu tragen insbesondere die sehr gut gedämpften und butterweich drehenden Einstellringe bei. Der Zoomring ist mit einer Beschichtung versehen, die Ähnlichkeiten mit einer Gummierung aufweist, der hintere Einstellring besteht aus strukturiertem Hartplastik.

Nikon verspricht eine Abdichtung des Objektivs gegen Staub und Regentropfen. Im Pressematerial findet sich auch eine Darstellung der verbauten Dichtungen, allerdings beziehen diese nicht das Bajonett ein. Statt einer Gummidichtung muss es zur Kamera hin eine leicht überlappende Plastikwulst richten.

 

Front- und Rücklinse sind feststehend verbaut und bewegen sich bei Zoom oder Fokusverschiebungen nicht mit.

Das Objektiv ist sowohl innenfokussierend, als auch innenliegend zoomend. Es ändert somit nie die Länge, nichts fährt aus oder dreht sich mit – auch auf der Rückseite nicht. Vermutlich aufgrund des optischen Bildstabilisators klappert das Objektiv leicht, sofern man es etwas bewegt. Bei eingeschalteter Kamera verschwindet dieses Geräusch.

Der Powerzoom Mechanismus arbeitet erstaunlich unauffällig. Unabhängig von der Drehgeschwindigkeit am „Zoomring“ durchfährt das Objektiv den Zoombereich in sinnvoller, konstanter Geschwindigkeit. Dies geschieht ruckelfrei und absolut leise. Alternativ kann man an den Kameras Z30, Z50 und Zfc den Zoom über die Lupentasten +/- bedienen und die Geschwindigkeit des Tastenzooms individualisieren (aktuelle Firmware vorausgesetzt). Da der Zoomring frei ohne Anschlag dreht, besitzt er keine Brennweitenmarkierung. Stattdessen wird die eingestellte Brennweite im Sucher angezeigt.    

Die variable Lichtstärke verteilt sich über den Brennweitenbereich wie folgt: 12mm 3,5 – 12,5mm 3,8 – 14,5mm 4,0 – 16mm 4,2 – 17mm 4,5 – 19mm 4,8 – 21mm 5,0 – 23,5mm 5,3 – 26,5mm 5,6

Optische Leistung

Wieder einmal zeigt sich der Vorteil des Z Bajonetts und dessen großer Durchmesser, von dem insbesondere Weitwinkel profitieren.

Man kann die Bildqualität kurz und knapp zusammenfassen: Blende auf 5,6 einstellen und einfach fotografieren. Über den gesamten Zoobereich hinweg stellt Blende 5,6 das Optimum an Schärfe über das gesamte Bildfeld dar, sogar bis in die Ecken. Die Schärfe fällt nur minimal zum Rand hin ab, die Ecken erreichen ein sehr gutes Auflösungsvermögen. Hinsichtlich der Bildschärfe hängt es manches DX F-Mount Objektiv ab – bei 12-16mm sogar bei Offenblende.

Zwischen 24mm und 28mm lässt die Schärfe insgesamt etwas nach, allerdings gewinnt man durch Abblenden keine weitere Auflösung, weshalb man in diesem Brennweitenbereich unbesorgt bei Offenblende fotografieren kann. Eine Merkwürdigkeit konnte ich bei 28mm feststellen: Blendet man von f/5,6 auf f/8 ab, verlieren die Bildränder deutlich an Zeichnung.

Die Vignettierung ist für ein modernes Weitwinkel absolut im Rahmen, die Randabdunkelung ist bis 20mm bei Blende 5,6 kaum noch sichtbar, darüber hinaus bis 28mm ohnehin nur minimal vorhanden. Die Farbdarstellung ist etwas gedämpft, der Kontrast nicht ganz so knackig wie bei einem Objektiv der S-Serie.

Diese insgesamt sehr solide Leistung in einem kleinen, leichten Gehäuse zu einem moderaten Preis hat doch bestimmt einen Haken? Nun, das kommt auf die Sichtweise und die Erwartungshaltung an ein Objektiv an. Erwartet man im Jahr 2023 die Erzielung einer einwandfreien Bildqualität alleine durch die Optik, dürfte man beim Blick auf die Art und Weise, wie dieses Ergebnis zustande kommt, enttäuscht sein.

Wie bei heutzutage fast allen Objektiven des unteren und mittleren Preissegments, spielt auch hier die nicht abschaltbare Softwarekorrektur eine bedeutende Rolle. Software ist bei modernen spiegellosen Systemen ein elementarer Teil der Objektivkonstruktion. Ohne sie wäre es nicht möglich, ein solches Ergebnis bei den oben skizzierten Parametern zu erreichen. Das mag man als „Schummeln“ empfinden, dem Endanwender eröffnet es jedoch eine Bildqualität, die früher nur zu höherem Preis und Gewicht erreichbar gewesen wäre. Beim Z DX 12-28mm liegt der Kompromiss in der überaus starken und im Weitwinkelbereich ungewöhnlich strukturierten Verzeichnung. Die Kameraelektronik hat einiges zu entzerren, um aus dem, was das Objektiv sieht, ein normales Foto zu generieren:

Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 12mm 5,6 – Export aus RAWDigger mit deaktivierten Korrekturen
Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 12mm 5,6 – korrigiert durch internes Korrekturprofil
Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 12mm 5,6 – korrigiert und nicht korrigiert übereinandergelegt

Fazit

Insgesamt erhält das Z DX 12-28mm 3,5-5,6 für DX Z Nutzer eine absolute Empfehlung. Es ist leicht, kompakt und bietet – insbesondere angesichts der Preisklasse – eine sehr gute Bildqualität, wenn diese auch in großen Teilen der internen Bildverarbeitung der Z Kameras zu verdanken ist. Letztlich zählt jedoch das Ergebnis und dieses kann sich wirklich sehen lassen.

Ist bereits ein FTZ Adapter vorhanden, stellt das F Mount AF-P DX 10-20mm 4,5-5,6 die direkte Konkurrenz zum Z DX 12-28mm dar. So lange das F Objektiv noch verfügbar ist, kostet es knapp an die 300 Euro, gebraucht ca. 230 €. Sofern die 2mm am kurzen Ende nicht entscheidend sind, würde ich trotz des Preisunterschieds eher zum Z DX 12-28mm greifen.

Im Vergleich: 10mm (Außen) vs. 12mm (Innen)

Beispiele

Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 12mm f/3,5
Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 12mm f/5,6
Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 28mm f/5,6
Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 28mm f/8,0
Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 24mm f/6,3
Z DX 12-28mm 3,5-5,6 PZ VR @ 12mm f/5,6 im Gegenlicht

Nikkor Z 24-120mm 4,0 S

Das seit November 2021 erhältliche Z 24-120mm 4,0 S ist Nikons zweites Zoomobjektiv dieser Brennweite mit konstanter Lichtstärke, der Vorgänger für das F Bajonett stammt aus dem Jahr 2010. Zuvor gab es ab 1996 zwei Zooms mit variabler Lichtstärke als AF und AF-S Version. Bis Anfang 2023 wurden in der Z Variante mehr als 60.000 Exemplare verkauft. Außerhalb von Rabattaktionen liegt der Straßenpreis bei ca. 1.150 €.

Der Brennweitenbereich hat somit eine längere Tradition und erfreut sich gleichzeitig großer Beliebtheit, insbesondere als kompaktes Zoom für Reisen. Das Z 24-120 gehört zur S Linie und ist damit Teil der besser ausgestatteten Objektive im Z System.

Gehäuse und Handling

Das 630g wiegende Objektiv fühlt sich stabil verarbeitet an, trotz zweigeteiltem Auszug der Zoommechanik. Lediglich der aus Plastik bestehende Bereich zwischen Multifunktions- und Zoomring wirkt recht billig, da sich die Oberfläche ungewöhnlich rau anfühlt. Der Zoomring besitzt am Anfang einen recht deutlichen Widerstand, der sich mit zunehmender Nutzungsdauer etwas reduziert.

Die Ausstattung markiert innerhalb der S Objektive das Mittelfeld: ein programmierbarer L-Fn Button und zweiter Einstellring sind vorhanden, ein OLED Display zur Darstellung von Fokusdistanz oder Blende hingegen fehlen.

Der Autofokus geht recht zügig, leise und treffsicher zu Werke. Der elektronisch übertragene Fokusring am vorderen Ende ist, wie der mechanische Zoomring auch, mit einer Gummiauflage versehen. Der hintere Einstellring ist aus Metall gefertigt. 

Eine Verwacklungsreduktion hat Nikon dem Objektiv nicht mitgegeben, an den bisher erschienenen DX Z Kameras fehlt somit eine Bildstabilisierung.

Etwas unglückliche Materialauswahl: die Oberfläche des Bereichs zwischen Einstell- und Zoomring wirkt recht rau und „billig“.

Optische Leistung

In der Bildmitte glänzt das Z 24-120 4,0 bereits bei Offenblende mit hervorragender Schärfe, die im Weitwinkelbereich bis einschließlich 28mm zum Rand hin moderat abfällt – was sich durch Abblenden auf f/5,6 beheben lässt. Dur Abblenden verbessert sich die Schärfe im Bildzentrum bis 100mm nur moderat, zu 120mm hin kann man mit Blende 5,6 noch etwas mehr Feinzeichnung herauskitzeln. Wobei selbst am langen Ende die Schärfe bei Offenblende schon exzellent ist.

In den Ecken zeigen sich die optischen Kompromisse eines Reisezooms: zwischen 24mm und 35mm schwächelt die Schärfe in den Ecken und erreicht bei Blende f/4 bis 28mm nur ein ausreichendes Niveau, im weiteren Verlauf bis 35mm ein solides „gut“. Abgeblendet auf f/5,6 steigert sich die Schärfe in den ersten 4mm des Brennweitenbereich etwas und erreicht ein sehr gutes, aber kein exzellentes Niveau. Weiteres Abblenden verbessert die Schärfe in den Ecken nicht mehr.  

Dies ist allerdings auch Jammern auf hohem Niveau. Man kann das Z 24-120mm 4,0 S auf Blende 5,6 einstellen und braucht sich keine Gedanken über die Bildqualität machen – weiteres Abblenden ist nur in speziellen Situationen im Weitwinkelbereich oder zur Vergrößerung der Schärfentiefe notwendig. Ab 28mm aufwärts ist es auch bei Offenblende insgesamt so gut, dass man wenig Kompromisse in der Bildqualität eingeht und Blende 4,0 somit vollumfänglich nutzbar ist.

Auch wenn ein Objektiv mit Offenblende von 4,0 nicht unbedingt prädestiniert dafür ist, mit Unschärfeeffekten zu spielen, lassen sich am langen Ende ansehnliche Freisteller erzielen. Das Bokeh neigt jedoch zu einer gewissen Unruhe, weshalb unscharfe Hintergründe nicht immer so cremig abgebildet werden, wie es vielleicht wünschenswert wäre.

Randabdunkelung/Vignettierung macht sich über den gesamten Brennweitenbereich bei Blende 4,0 moderat bemerkbar, abgeblendet auf 5,6 hat diese jedoch bereits keine Bildrelevanz mehr. Laterale CA’s sind insbesondere am Randbereich und im Weitwinkelbereich an starken Helligkeitsabstufungen sichtbar. Abblenden reduziert diese nur minimal, allerdings ist das Maß an Farbsäumen recht gering und vollkommen unproblematisch.

Hervorzuheben ist die geringe Naheinstellgrenze von 35cm über den gesamten Brennweitenbereich. Wenn nicht extreme Vergrößerungsmaßstäbe benötigt werden, eignet sich das 24-120 auch als Makroobjektiv mit einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2,5. Wenn man bedenkt, dass dediziert als solche angebotenen Makroobjektive bis in die frühen 1990er Jahre einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2 boten, ist dies durchaus beachtlich.   

Insgesamt gleicht die Abbildungsqualität hinsichtlich Farbe, (Mikro-)Kontrast und Vignettierung dem Z 24-70mm 4,0. Sowohl Z Festbrennweiten als auch das Z 24-70mm 2,8 legen hier noch eine Schippe drauf. Andererseits überholt das Z 24-120 selbst die professionellen AF-S 24-70mm 2,8 Objektive für das F Bajonett hinsichtlich Auflösungsvermögen und Schärfeleistung über den gesamten Bildbereich.  

Fazit

Ohne Zweifel ist das Z 24-120mm 4,0 S mit Abstand das Beste 24-120mm Objektiv, welches Nikon bisher auf den Markt gebracht hat. Leider hat dies im Internet auch zu einigen überschwänglich positiven Beurteilungen geführt, die der Realität nicht gerecht werden. Auch wenn das 24-120 eine exzellente Optik ist, kann es dem Z 24-70mm 2,8 S nicht das Wasser reichen. Das Lichtstarke Profizoom hat hinsichtlich Schärfe, Bokeh und Kontrast weiterhin die Nase vorne, auch wenn der Abstand deutlich geringer ist, als es früher zu F-Mount Zeiten zwischen 24-120mm 4,0 und 24-70mm 2,8 der Fall war.

Es gelten immer noch die Grenzen der Physik und des wirtschaftlichen Objektivbaus. Damit gilt auch: kürzerer Brennweitenbereich = weniger optische Kompromisse. Diese Gesetzmäßigkeit ist auch im direkten Vergleich mit dem „Kitobjektiv“ Z 24-70mm 4,0 erfüllt, bis 35mm kann das kurze Zoom mit deutlich schärferen Bildecken Punkten, bei sonst vergleichbarer Leistung. Dennoch liegen beide Objektive so nah beieinander, dass der Vorteil des längeren Brennweitenbereiches den Nachteil der leicht unscharfen Ecken im Weitwinkelbereich bei Offenblende überwiegt.

Insgesamt ist Nikon mit dem Z 24-120mm 4,0 S ein großer Wurf gelungen. Der universelle Brennweitenbereich gepaart mit sinnvollen Features, wie z.B. der für ein solches Zoomobjektiv sehr geringen Naheinstellgrenze, lassen es zum echten Allrounder in der Fototasche werden. Empfehlenswert als Upgrade zum Z 24-70mm 4,0. Auch Besitzer älterer F-Mount 24-70mm 2,8er Objektive sollten sich beim Umstieg ins Z System überlegen, ob sie wirklich Blende 2,8 benötigen.

Zusammengefasst: Das Z 24-120mm 4,0 S ist das Schweizer Taschenmesser im Z Objektivsortiment.  

Beispiele

Z 24-120mm 4,0 S @ 24mm f/4,0
Z 24-120mm 4,0 S @ 24mm f/5,6
Z 24-120mm 4,0 S @ 49mm f/4,0
Z 24-120mm 4,0 S @ 120mm f/4,0
Z 24-120mm 4,0 S @ 70mm f/4,0
Z 24-120mm 4,0 S @ 70mm f/5,6
Z 24-120mm 4,0 S @ 68mm f/7,1
Z 24-120mm 4,0 S @ 64mm f/4,0
Z 24-120mm 4,0 S @ 103mm f/4,0

Nikkor Z MC 50mm 2,8

Das Makroobjektiv Z MC 50mm 2, wird seit Juli 2021 verkauft und zusammen mit dem Z MC 105mm 2,8 VR aus der S Linie vorgestellt. Es ist selber kein Mitglied der S Objektivlinie und damit niedriger positioniert als das 105mm Objektiv.

Die recht ambitionierte UVP liegt bei 759 Euro, Im Handel ist es oftmals für 650 Euro oder deutlich darunter zu finden. Im Gegensatz zu anderen Z Objektiven scheint Nikon Probleme zu haben, den Preis für das kurze Z Makro durchzusetzen – zu den Gründen dafür später mehr. Auch im Vergleich zum exzellenten Z 50mm 1,8 S erscheint der Preis merkwürdig hoch angesetzt, auch wenn ein Makroobjektiv einen anderen Zweck erfüllt als ein Standartobjektiv.

Gehäuse und Handling

Wie bei allen Z Objektiven lässt die Verarbeitung des Z MC 50mm 2,8 wenig zu wünschen übrig. Obwohl es mit lediglich 260g sehr leicht ist hat man nicht das Gefühl einen hohlen Plastikbecher in der Hand zu halten. Neben einem großzügig dimensionierten Fokusring, der den Fokus elektronisch verstellt (focus by wire) finden sich ein A/M Umschalter und ein Fokuslimiter 0,3-0,16m / Full am Objektiv. Der Fokusbereich des Makros lässt sich somit nur auf den Nahbereich beschränken. Eine weitere Möglichkeit, den Makrobereich vom gesamten Fokusweg zu trennen wäre wünschenswert gewesen.

Der Autofokus geht – wie für ein Makro üblich – gemächlich zu Werke und ist minimal lauter als bei anderen Z Festbrennweiten. Der elektronisch übersetzte, manuelle Fokus arbeitet je nach Geschwindigkeit, mit der man am Fokusring dreht, non-linear. Je schneller man dreht, desto größer fällt die Fokusverstellung aus. Insgesamt muss man allerdings sehr viel drehen, um den Fokus durch den gesamten Bereich zu verschieben, was wiederum der Präzision zugutekommt.

Der Abbildungsmaßstab von 1:1 wird mittels einer Naheinstellgrenze von 16cm ab Sensorebene erreicht. Dies bedeutet, dass das vordere Ende des Objektivs inkl. HN-41 nur ca. 4,5mm vom abzubildenden Objekt entfernt ist. Angesichts der Brennweite von 50mm ist dies nicht zu kritisieren und physikalisch bedingt. Es ist bedauerlich, dass Nikon die Brennweite gegenüber den F Mount Vorgängern von 60mm auf 50mm verkürzt hat, schließlich war die Brennweite von 60mm seit 1989 in diesem Segment etabliert und selbst in Zeiten manueller Objektive reichte es noch für 55mm.

Ebenfalls verzichten muss man in den 2020er Jahren offenbar etwas, was es mit dem Vorgänger aus 2008 noch gab: die Innenfokussierung. Unterhalb von ca. 30cm Fokusdistanz beginnt sich der innere Tubus merklich aus dem Objektivgehäuse herauszuschieben. Bei minimaler Fokusdistanz beträgt dieser Auszug 2,2cm (Ohne Gegenlichtblende). Er wackelt im Neuzustand zwar nicht und fährt nach Abschalten der Kamera immer automatisch in das äußere Gehäuse zurück, allerdings schiebt er sich beim Ansetzen des Objektivdeckels fast zwangsläufig weiter zurück. Richtig Vertrauenserweckend ist das nicht.

Auf dem Innentubus sind Vergrößerungsmaßstäbe und Fokusdistanzen für 1:2, 1:1,4 und 1:1 so aufgedruckt, dass man sie beim Betrachten der Kamera von oben/schräg hinten in der richtigen Distanz zum Gehäuse lesen kann. Dies bedeutet, dass die Beschriftung für 1:1 bei voll ausgefahrenem Objektiv deutlich außerhalb des Objektivgehäuses liegt und immer gut erkannbar ist. Das Objektiv fokussiert auch ein wenig näher als der Aufdruck suggeriert, so dass ein Abbildungsmaßstab knapp unter 1:1 erreichbar ist.

Z MC 50mm 2,8 mit ausgefahrenem Innentubus und montierter HN-41

Kurios fällt die Gegenlichtblende HN-41 aus, die sich in das 46mm messende Filtergewinde des inneren Tubus einschrauben lässt. Sie bildet eigentlich nur einen 7mm schmalen, geriffelten Ring, der den Innentubus einfach nur in gerader Linie verlängert. Sehr wahrscheinlich wurde die Streulichtblende aufgrund der sehr kurzen Naheinstellgrenze so kompakt gehalten um Abschattungen auf dem Motiv zu reduzieren.

Wie beim Vorgänger AF-S 60mm 2,8 G ED, besitzt das Z Makro 9 abgerundete Blendenlamellen, die für ein weicheres Bokeh sorgen sollen. Wie bei Makroobjektiven üblich verringert sich die effektive Blende zur Naheinstellgrenze hin: f/4,5 bei 1:2 und 19cm, f/5 ab 1:1,4 und 17cm, f/5,6 bei 1:1 und 16cm.

Optische Qualität

Bereits bei Offenblende erreicht das Z 50er Makro in der Bildmitte eine erstaunliche Schärfe, die jedoch zu den Rändern hin leicht, sowie in die Ecken hinein stark abfällt. Ab Blende 4 sind die Bildränder am 45 MP Vollformatsensor als ausreichend gut zu bezeichnen, was man für die äußersten Ecken leider erst ab Blende 5,6 sagen kann. Ab Blende 5,6 könne die Ränder auch bei Landschaftsaufnahmen überzeugen und erreichen eine sehr gute Schärfe, die Ecken hingegen erst ab Blende 8. Generell kann man dem MC 50mm 2,8 eine hervorragende Bildqualität im DX Bildkreis attestieren – unabhängig von der Blende. Die Randbereiche am Vollformatsensor können mit dieser Leistung nicht mithalten. Im Nahbereich fällt dieses Manko jedoch nicht so stark ins Gewicht.

Sehr gut funktioniert die Unterdrückung Chromatischer Aberrationen, Farbsäume sucht man bereits bei Blende 2,8 meist vergeblich. Knackige Farben und starke Kontraste führen insgesamt zu einem lebhaften Bildeindruck. Auffällig ist eine starke Vignettierung/Randabdunkelung bei Offenblende, diese ist bei f/5,6 kaum noch auffällig.

Die Unschärfe im Motivhintergrund (Bokeh) kann mitunter recht unruhig wirken und sortiert sich im soliden Mittelfeld ein. Ein Wunder an Cremigkeit ist es nicht, es gibt aber auch deutlich schlechtere Objektive.

Im Vergleich zum F AF-S 60mm 2,8 fällt auf, dass die Leistung an den Rändern und in den Bildecken beim Z Objektiv nicht mit dem Vorgänger mithalten kann. Dafür kann das 60mm bei Offenblende nicht mithalten – es neigt zu deutlich mehr Aberrationen und geringerer Schärfe, der Kontrast ist ebenfalls geringer. Blendet man jedoch ab, unterscheiden sich die beiden Objektive bei makrotypischen Blenden von 5,6 oder 8 nicht wirklich.

Vergleich bei Offenblende, 100% Ausschnitt Bildmitte: Z MC 50mm 2,8 links, AF-S 60mm 2,6 G rechts

Fazit

Dieses Objektiv steht aufgrund diverser Designentscheidungen und letztlich auch dem Preis sich selber im Weg, Auch wenn die optische Qualität im Ganzen als Makro überzeugen kann, überschattet das Handling diese durchaus respektable Leistung.  Wenn man zuvor 12 Jahre lang ein Makroobjektiv mit Innenfokussierung für unter 600 Euro anbieten kann, sollte dies auch zur Einführung 2021 für knapp unter 800 Euro möglich sein.

Von der optischen Leistung her macht es seinen Job als Makroobjektivsehr gut, es gibt an der Bildqualität im insbesondere im Nahbereich wenig zu meckern. Möchte man jedoch das MC 50mm 2,8 auch als herkömmliche Festbrennweite bei 50mm verwenden (z.B. bei Landschaftsaufnahmen), stellt sich die Frage nach dem Sinn. Das von der Bildqualität her deutlich bessere und lichtstärkere Z 50mm 1,8 S ist als Neuware günstiger. Auch das AF-S 60mm 2,8 G ED bietet für die Landschaftsfotografie eine bessere Bildqualität.

Somit bleibt das Z MC 50mm 2,8 eine exzellente Optik für den Nahbereich und das bereits ab Offenblende, bekommt von mir jedoch keine Empfehlung als Ersatz für eine universell aufgestellte Festbrennweite bei 50mm. Zusätzlich bekommt es durch das – nur noch gebraucht erhältliche – AF-S 60mm 2,8 G ED am FTZ starke Konkurrenz.  

Biespielfotos

Viltrox AF 24mm 1,8 – physikalisch inkompatibel zur Z9

So etwas habe ich bei einem Objektiv von einem Fremdhersteller auch noch nicht erlebt: das Viltrox 24mm 1,8 Vollformatobjektiv lässt sich nicht auf die Z9 montieren. Schon beim Ansetzen passt es kaum ins Bajonett und in die Verriegelungsposition drehen lässt es sich gar nicht.

Anscheinend hat Viltrox die Toleranzen des Nikon Z Bajonetts nicht ganz eingehalten oder Nikon hat das Z Bajonett der Z9 geringfügig modifiziert.

Nikkor Z 40mm 2,0

Im Oktober 2019 tauchten auf der offiziell veröffentlichten Nikon Z Roadmap erstmals „Compact Prime Lenses“ mit 28mm und 40mm auf, zunächst ohne Angabe der Lichtstärke. Erst im Juni 2021 wurden beide Objektive offiziell als 28mm 2,8 und 40mm 2,0 angekündigt, wobei das 28mm Objektiv zunächst im klassischen F/AI-S Design als „Special Edition“ erhältlich ist. Seit Anfang Oktober 2021 gelangt das hier vorgestellte Z 40mm 2,0 für 279,- € in den Handel – zwei Jahre nach der ersten Ankündigung.

Gehäuse und Handling

Oft wurden die beiden compact Objektive auch als kommende Pancakes bezeichnet. Nun, von dieser Vorstellung muss man ein Stück weit abrücken. Auch wenn die Brennweite von 40mm Erinnerungen an das winzige AI-P 45mm 2,8 für das traditionelle F Bajonett weckt, mit 45,5mm ist es 1,3cm länger als zum Beispiel das Z DX 16-50mm Objektiv in Transportstellung. Nur 170g Gewicht tragen in der Fototasche hingegen kaum auf.

Wie bei einem Preis von unter 300 Euro nicht anders zu erwarten, wurde das Objektivbajonett aus Plastik gefertigt. Das Gehäuse des 40mm besteht vollständig aus Kunststoff, der weich laufende und gut gedämpfte Multifunktionsring wurde mit einer Beschichtung versehen, die an eine Gummierung erinnern soll. Insgesamt macht das Z 40mm nicht nur angesichts des Preises einen gut verarbeiteten Eindruck. Der Autofokus geht recht flott zu Werke.

Das Objektiv bietet keine Abdichtung zum Kameragehäuse hin. Ebenfalls nicht vorhanden – weder im Lieferumfang noch optional – ist eine Gegenlichtblende. Konsequenterweise wurde deshalb auch direkt die Bajonetthalterung für eine solche eingespart. Für das 52mm Schraubgewinde bietet sich ein echter Klassiker als Alternative an: die HN-3 Blende, welche in den frühen 1960er Jahren zusammen mit den ersten 35mm Objektiven für F eingeführt wurde.  

Z 40mm 2,0 und Z 35mm 1,8 S

Optische Leistung

Das Nikkor Z 40mm 2,0 gehört nicht zur Riege der S-Line Objektive, was sich im Gegensatz zu anderen Objektiven außerhalb der S Kategorisierung in diesem Fall durchaus in der Abbildungsleistung niederschlägt. Insgesamt sind die Farben minimal gedämpfter, der Kontrast etwas flacher. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Bilder flau oder kontrastarm wirken. Im direkten Vergleich zu S-Nikkoren fällt jedoch eine insgesamt etwas geringere Brillanz der Bilder auf.

CA/Farbsäume sind etwas deutlich ausgeprägter, als bei den bisher erschienen Z Nikkoren. Die Vignettierung ist bei Blende 2 und 2,8 deutlich sichtbar und erst bei f/4 kaum auffällig. 

Die Schärfe kann ebenfalls nicht ganz mit den teureren Festbrennweiten der S-Linie mithalten. Bei Offenblende trifft man auf das von älteren Objektiven her bekannte Glühen an starken Kontrastübergängen, bedingt durch optische Aberrationen. Leicht abgeblendet verflüchtigt sich dieser Effekt aber recht schnell und ab Blende 2,8 springt die Schärfe im Zentrum förmlich auf ein exzellentes Niveau. Am Bildrand wird erst bei Blende 4,0 eine sehr gute und ab Blende 5,6 eine exzellente Schärfe erreicht. Die Ecken sind bei Offenblende und f/2,8 recht unscharf, fangen sich aber ab Blende 4 und erreichen bei Blende 5,6 eine sehr gute Schärfe, die sich bei Blende 8 nochmals verbessert.

Die Hintergrundunschärfe (das so genannte Bokeh) ist recht durchschnittlich und mitunter etwas unruhig.

Fazit

Betrachtet man die optischen Eigenschaften des Z 40mm 2,0 könnte man durchaus glauben, ein Objektiv auf den späten 90er Jahren vor sich zu haben. Was damals als angemessen für eine Festbrennweite gewesen wäre, kann angesichts der großen Fortschritte in der Objektivkonstruktion nur als unterer Durchschnitt gelten. Aber das Z 40mm 2,0 soll auch nicht die bestmögliche optische Leistung abliefern, sondern als preisgünstige, kompakte immer-dabei Festbrennweite punkten.

Und diese Rolle erfüllt es recht gut. Auch wenn die Bildqualität klar unterhalb der von Z 35mm 1,8 S und Z 50mm 1,8 S liegt, bietet es dennoch eine ausreichende Bildqualität, um als kompakte Ergänzung in der Fototasche zu landen. Anders ausgedrückt: das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt.

Insbesondere Nutzer von Kitobjektiven, wie den recht lichtschwachen Z 24-50mm 4,0-6,3 für FX oder dem 16-50mm 3,5.6,3 VR für DX, dürften mit dem 40mm 2,0 recht viel anfangen können. Hat man hingegen bereits ein Z 35mm 1,8 S oder Z 50mm 1,8 S im Fotoschrank stehen, bietet das 40mm bis auf kompaktere Abmessungen kaum einen Mehrwert. Insbesondere im Vergleich zum 35mm 1,8 dürfte der Gewichtunterschied von 200g ebenfalls kein überzeugendes Argument sein, zusätzliches Geld in das 40mm zu investieren.

Fazit: ideales Objektiv für Nutzer des Z-Systems, die ihre (Kit-) Zoomobjektive günstig um eine Festbrennweite mit höherer Lichtstärke ergänzen wollen.

Beispielbilder

f/2,0
f/2,8
f/4,0
f/5,6
f/2,0
f/2,0
f/2,8
f/4,0
f/2,0
f/2,8

© 2026 Dennis Saßmannshausen Fotografie

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