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Beiträge zu Objektiven für Nikon Spiegelreflexkameras

Tamron SP 45mm 1,8 Di VC USD

Das Tamron SP 45mm 1,8 VC kam Ende 2015 auf den Markt und war für Nikon F, Canon EF und Sony A zu einem Preis zwischen 400 und 500 Euro verfügbar. Im Jahr 2022 finden sich lediglich noch Restbestände im Handel.

Gehäuse und Handling

Mit Einführung der G2 Objektive und der SP Objektivserie hat sich Tamron deutlich vom ehemaligen Plastikleichtbau verabschiedet. War Gewichtsreduktion früher ein zentrales Marketinginstrument, sah man sich anscheinend gezwungen der optischen auch eine haptische Qualität zur Seite zu stellen, um beim Käufer ein entsprechende Wertigkeitsgefühl zu erzeugen.

Nicht zu schwere aber für ein 45mm 1,8 ordentliche 520g Gewicht, Metalltubus, Gummidichtlippe am Bajonett, Innenfokussierung, sowie ein hervorragend gedämpfter und weich laufender Fokusring runden das Gesamtbild ab, was weit entfernt von den sonst üblichen 50mm Kotobjektiven mit 1,8er Blende ist. Der Fokusmotor läuft angenehm leise, ohne jedoch Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Die Naheinstellgrenze beträgt sehr gute 0,29m, beim Nikon 50mm 1,8 sind es lediglich 0,45m.

Haptisch gibt es somit nichts auszusetzen. AF/MF und VC on/off Schalter liegen griffgünstig an der linken Seite. In der Nikon Version handelt es sich noch um ein G-Objektiv mit Blendenhebel. Somit ist es auch zu älteren Nikon Kameras der D1* und D2* Generation kompatibel und funktioniert auch an den Z Kameras via FTZ Adapter.  

Optische Qualität (an 45MP)

Die Bildmitte überzeugt bereits bei Offenblende mit einer guten Schärfe, die sich bis Blende 2,5 auf ein sehr gutes Niveau steigert. Ab Blende 2,8 kann man die Schärfe über das gesamte Bild hinweg bis in die Ecken als sehr gut bezeichnen.

Bei offenblende vignettiert es moderat, bei Blende 2,8 ist die Randabdunkelung verschwunden. Farbsäume sind sehr wahrscheinlich der einzige Kritikpunkt am Tamron 45mm 1,8. Insbesondere longitudinale chromatische Aberrationen sind problematisch.

Die Hintergrundunschärfe Bokeh) ist nicht die Paradesiziplin des Tamron SP 45mm 1,8, es kommt recht unruhig daher. Farben und Kontraste sind ähnlich zu Nikon Objektiven der 50mm 1,8er Riege, ohne optisch besonders herauszustechen.

Fazit

Das Tamron 45mm 1,8 liefert eine mehr als ordentliche Leistung zu vertretbarem Preis und kann Alleinstellungsmerkmale wie den Bildstabilisator für sich verbuchen. Auch der etwas weitere Bildwinkel von 45mm kann je nach persönlicher Vorliebe vorteilhaft sein. Für Liebhaber älterer Nikon DSLRs wie der D2x ermöglicht es gar die Verwendung einer stabilisierten Festbrennweite. Erstaunlicherweise funktioniert das Tamron 45mm 1,8 sogar an der F5, inklusive VR. And der F6 fokussiert es hingegen nicht. Insgesamt eine ordentliche Leistung ohne große Höhen und Tiefen, empfohlen aufgrund des Bildstabilisators und der Kompatibilität zu älteren DSLRs.

Nikkor AF Micro 70-180mm 4,5-5,6 D ED

Im Herbst 1997 erschien ein bis heute außergewöhnliches Objektiv: Nikons erstes (und bis heute einzige) Makro Zoomobjektiv mit einem maximalen Abbildungsmaßstab von 1:1,3. Bei einer UVP von 1.559 € verkaufte sich das Micro Nikkor 70-180mm 4,5-5,6 D ED in 7 Jahren bis Anfang 2005 weniger als 20.000 Mal. Leider erschien es zu Beginn der AF-S Ära noch als traditionelles AF Objektiv mit Schraubendreherantrieb, wodurch es nur an Spiegelreflexkameras mit eingbautem Motor automatisch fokussiert. Eine Besonderheit dieses Zooms ist die konstante Blende, unabhängig vom Abbildungsmaßstab. Damit verringert sich die effektive Blendenöffnung im Gegensatz zu den meisten Makroobjektiven im Nahbereich nicht.

Gehäuse und Handling

Das 70-180mm ist ein relativ kompakt gebautes, schmales und mit 17,5 cm recht langes Objektiv. Mit knapp über einem Kilogramm ist es für die Größe recht schwer und vermittelt einen kompakten, soliden Eindruck. Großzügig dimensionierte Zoom- und Fokusringe dominieren die in Kräusellack gehaltene Gehäuseoberfläche, ein Fokuslimiter kann den Fokusbereich in die Bereiche 0,37m-0,8m und 0,8m-Unendlich teilen. Zoom- und Fokusring haben bei manchen Exemplaren etwas Spiel in der Führung, weshalb der erste, hochqualitative Eindruck etwas getrübt wird. Der manuelle Fokus ist zwar langsam übersetzt und ausreichend gedämpft, treibt aber spürbar eine AF Mechanik im Inneren an.

Die AF/MF Umschaltung erfolgt über einen Plastikring mit Arretierung. Wie bei allen Objektiven gleicher Bauart ist beim Kauf darauf zu achten, ob dieser Ring noch intakt ist.

Leider verfügt das 70-180mm nicht über eine Innenfokussierung. Der innere Tubus fährt zur Naheinstellgrenze hin 3,4cm über den vorderen Rand des Gehäuses hinaus. Im Umgang mit dem Objektiv sollte darauf geachtet werden, diesen inneren Tubus nicht übermäßig mechanisch zu belasten um ein ausschlagen der Mechanik zu vermeiden. Die Frontlinse dreht sich nicht mit, wodurch die Verwendung von Polfiltern erleichtert wird.

Um so wichtiger ist daher auch die Verwendung der Gegenlichtblende HB-14, welche über einen Bajonettanschluss am Gehäuse befestigt wird. Die Verarbeitungsqualität der Blende kann leider nicht mit der des Objektivs mithalten. Viele Exemplare sind mittlerweile längs durchgebrochen oder sitzen sehr lose im Bajonett. Ein Nachkauf ist so gut wie unmöglich und Nachbauten gibt es nicht.   

Optische Leistung

Nikon hat bei der Konstruktion des 70-180mm recht großen Aufwand getrieben: 18 Linsenelemente in 14 Gruppen, gepaart mit einer kompensierenden Blende um Lichtverluste im Makrobereich auszugleichen.

Offenblendreihe: 70mm f/4,5 – 105mm f/5,0 – 135mm f/5,3 – 180mm f/5,6.

Abbildungsmaßstab bei minimaler Fokusdistanz von 0,37m: 70mm 1:3,21 – 105mm 1:2,21 – 180mm 1:1,33. Durch Verwendung der Nahlinse 6T wird bei 180mm ein Abbildungsmaßstab von 1:1 erreicht.

Und auch im Jahr 2021 kann sich das Ergebnis dieser Bemühungen an einem digitalen 45 MP Sensor sehen lassen, auch wenn sich – typisch für Objektive aus dieser Zeit – moderate Farblängsfehler bei offener Blende zeigen. Diese lassen sich jedoch durch leichtes Abblenden eliminieren.

Die Schärfe ist bereits bei Offenblende über den gesamten Bildbereich recht hoch und gewinnt naturgemäß durch Abblenden um eine Blende. Insgesamt verringert sich die Schärfe bei Offenblende moderat von 70mm bis 180mm.

Für Landschaftsaufnahmen ist man mit Blende 5,6 zwischen 70 und 135mm bestens bedient, darüber hinaus sollte besser auf Blende 8 reduziert werden. Trotz Fokusbegrenzer sollte man nicht der Versuchung erliegen, auch nur ansatzweise sich bewegende Objekte zu fotografieren. Dafür ist der Fokusantrieb einfach zu langsam – was für ein Makro allerdings auch vollkommen erwartbar ist.

Im Makrobereich erreicht die Schärfe nicht ganz das Niveau der neuesten Makroobjektive, wobei man dem 70-180mm zugutehalten muss ein Zoom zu sein, während alle anderen Makroobjektive Festbrennweiten sind. Dafür bietet es die Möglichkeit, durch Zoomen die Bildkomposition anzupassen. Um Missverständnisse zu vermeiden: Schärfe und Auflösung sind insgesamt als exzellent zu bezeichnen. Es gibt jedoch mordernere Makroobjektive, die eine höhere Schärfe erreichen.

Vergleicht man das 70-180mm bei 105mm mit dem AF-S Micro Nikkor 105mm 2,8 G ED VR, fallen weitere Unterschiede auf. Das Zoom erreicht bei einem minimalen Fokusabstand von 0,37m einen maximalen Abbildungsmaßstab von 1:2,21, während die Festbrennweite bei dieser Vergrößerung 0,42m Fokusdistanz voraussetzt. Die Lichtstärke beträgt bei gleichem Abbildungsmaßstab von 1:2,21, beim Zoom Blende 5 und bei der Festbrennweite f/3,5. Blendet man beide auf Blende 8 ab, sind jedoch kaum Unterschiede in der Leistung auszumachen:

Ausschnitt 100% Bildmitte

Intensive Farben und starke Kontraste prägen die Bildcharakteristik des 70-180. Insgesamt wirken die Fotos runder und nicht so klinisch-scharf wie bei moderneren Objektiven, ohne es an der absolut erreichbaren Schärfe mangeln zu lassen. Es passt sehr gut zu den Zooms der Zeit: AF 20-35mm 2,8 D, AF-S 17-35mm 2,8 D ED, AF-S 28-70mm 2,8 D ED, AF-S 80-200mm 2,8 D ED. Alles diese Objektive wurden erkennbar ähnlich abgestimmt. Die Hintergrundschärfe (Bokeh) ist durchschnittlich und manchmal etwas unruhig.

Fazit

Insgesamt zieht das Zoom im Makroeinsatz im Vergleich zu einer Festbrennweite konstruktionsbedingt auf dem Papier den Kürzeren. Die Einschränkungen sind jedoch in der Praxis nicht so gravierend, wie sie auf den ersten Blick erscheinen. Auch wenn bei 105mm nur ein Maßstab von 1:2,2 erreicht wird, hat man jedoch bei 180mm den Maßstab 1:1,33 zur Verfügung. Einzig wirklicher Nachteil gegenüber einem 105mm Makro ist die ca. 5cm kürzere Naheinstellgrenze, die bei Insekten mit kurzer Fluchtdistanz problematisch sein kann. Bei 180mm konkurriert es derzeit nur mit gebrauchten Makroobjektiven von Sigma, Tamron und Nikons AD 200mm 4,0 D ED Micro Nikkor. Lediglich gegen das Letztgenannte muss sich das 70-180 geschlagen geben.

Insgesamt ist das 70-180mm 4,5-5,6 eine absolute Empfehlung wert. Es bietet eine sehr ausgewogene und angenehme Bildcharakteristik und dazu deutlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten als eine Festbrennweite. Außerdem eignet es sich sehr gut als Teleobjektiv in der Landschaftsfotografie und kann bei kompakten Packmaßen eine doppelte Funktion erfüllen. Gebrauchtpreise von 700 bis 1.000 Euro sprechen für die Popularität dieses einzigartigen Zoomobjektivs.  

180mm f/5,6
180mm f/8
180mm f/11
180mm f/9
70mm f/4,5
70mm f/5,6
70mm f/8
135mm f/5,3
135mm f/5,6
135mm f/8
180mm f/5,6
180mm f/8

Nikkor DX 16-85mm 3,5-5,6 G IF-ED VR und Nikkor DX 16-80mm 2,8-4,0 E IF-ED VR

Als Nachfolder des Kitobjektives DX 18-70mm 3,5-4,5 G IF-ED brachte Nikon Anfang 2008 das DX 16-85mm 3,5-5,6 G IF-ED VR auf den Markt. Es sollte die Rolle einer höherwertigen Alternative zu den günstigeren Kitobjektiven DX 18-55mm 3,5-5,6 G ED (VR) und DX 18-105mm 3,5-5,6 G ED VR spielen, wobei letztgenanntes erst ca. ein halbes Jahr nach dem 16-85mm erschien. Mitte 2015 wurde es vom nochmals verbesserten – aber auch deutlich teureren – DX 16-80mm 2,8-4,0 E IF-ED VR abgelöst, welches auch im Jahr 2021 als Neuware erhältlich ist.

Da beide Objektive die gleiche Position im Nikon Portefeuille einnehmen, möchte ich sie an dieser Stelle zusammen in einem Artikel vorstellen und auf die praxisrelevanten Unterschiede eingehen. Dies dürfte insbesondere für Käufer auf dem Gebrauchtmarkt von Interesse sein, da beide preislich recht weit auseinander liegen.

Nikkor 16-85mm 3,5-5,6 G IF-ED VR

Mit einer UVP von 679 € war das 16-85mm doppelt so teuer wie das 18-105mm. Das zeigt sich auch in den Verkaufszahlen. Während die günstigeren Kitobjektive zu mehrfachen Millionensellern wurden, verkaufte sich das 16-85mm in 7 Jahren ca. 450.000 Mal.

Gehäuse und Handling

Die Konstruktion entspricht auf den ersten Blick der Nikon Mittelklasse aus den späten 2000er Jahren. Gehäuse aus Plastik, Fokusdistanzfenster, Micromotor AF-S, gummierte Fokus- und Brennweitenringe, Gummilippe am Bajonett zum Schutz vor eintretender Feuchtigkeit. Schalter für AF an/aus, VR an/aus, VR Modus normal/active.

Nimmt man das Objektiv jedoch in die Hand, vermittelt es einen deutlich wertigeren Eindruck, als das Äußere es zunächst vermuten lässt. Die 485g wirken aufgrund der Größe des Objektivs überraschend. Der Brennweitenring läuft satt und recht stramm. Dazu mag auch der aus Metall gefertigte, zweifach ausfahrende Innentubus beitragen. Den guten haptischen Eindruck trügt leider der recht gemächlich agierende Autofokusantrieb.

Optische Leistung (beurteilt am 20,1 MP Sensor der D500)

Die variable Lichtstärke beträgt je nach Brennweite: 16mm f/3,5 – 18mm f/3,8 – 22mm f/4,0 – 26mm f/4,2 – 31mm f/4,5 – 38mm f/4,8 – 46mm f/5,0 – 55mm f/5,3 – 68mm f/5,6.

Das Bildzentrum weist bereits bei Offenblende von 16 bis ca. 70mm eine sehr gute Schärfe auf und gewinnt durch Abblenden um eine Blende. Ab 70mm fällt die Schärfe über das gesamte Bildfeld hinweg ab. Das schwache Ende ist bei diesem Zoom definitiv im Telebereich zu finden. Die Bildränder erreichen bei 16mm bereits eine sehr gute Schärfe, die Ecken brauchen jedoch Blende 8 um als gut durchzugehen. Bei weiter geöffneter Blende sind sie etwas matschig (wobei wir hier wirklich um die äußersten Bereiche reden). Ab 20mm aufwärts erreichen die Ecken bei gleicher Blende eine identische Schärfe wie die Bildränder und dies ist erfreulicherweise bereits ab Blende 5,6 der Fall. Zusammengefasst: 16-20mm: Blende 8, 20mm-70mm: Blende 5,6, darüber wieder Blende 8 bei insgesamt abfallender Leistung.

Farbsäume/CAs sind durchschnittlich korrigiert und treten an starken Kontrasten durchaus auf, insgesamt aber gut korrigierbar. Farben und Kontraste sind insgesamt sehr ordentlich, ohne flau oder besonders herausragend zu sein. Insgesamt bildet das Objektiv ordentlich ab, ohne dass Bilder optisch besonders herausstechen.

Nikkor DX 16-80mm 2,8-4,0 E IF-ED VR

Mit einer UVP von 1.200 € hat Nikon den Preis im Vergleich zum Vorgänger fast verdoppelt, was bei Vorstellung des Objektivs für einiges Stirnrunzeln gesorgt hat. Damit dringt der Preis durchaus in den Bereich der Profizooms vor.

Gehäuse und Handling

Das Problem dabei ist nur: dem Objektiv lediglich einen goldenen Ring hinter dem Filtergewinde zu verpassen und die Linsen weiterhin in einem durchschnittlichen Plastikgehäuse zu verpacken reicht nicht, um es in den Augen der Kundschaft zu einem Profizoom zu machen. Man könnte auch sagen, dass die äußere Erscheinung und die variable Lichtstärke die wirklichen Stärken dieses Objektivs verdeckt und damit ein Akzeptanzproblem geschaffen hat.

Im Gegensatz zum Vorgänger wurde das Objektiv technisch in vielen Punkten deutlich verbessert. Der Autofokus reagiert flotter und ist dabei leiser, die Blende wurde auf elektronischen Antrieb umgestellt und das Filtergewinde wuchs aufgrund der deutlich verbesserten Lichtstärke von 67mm auf 72mm.

Die Verarbeitung macht jedoch nicht mehr einen so soliden und kompakten Eindruck wie beim Vorgängermodell. Die inneren Auszüge wurden auf Plastik umgestellt und die Gegenlichtblende HB-75 erhielt eine merkwürdige, rechteckige Grundform. Insgesamt fühlt sich das Gehäuse deutlich mehr nach Consumerklasse an, ohne jedoch instabil zu wirken. Aufgrund des größeren Durchmessers (72mm Filtergewinde statt 67mm beim Vorgänger) wirkt das Objektiv etwas leichter als der Vorgänger, obwohl dies bei 480g und somit lediglich 5g weniger ein Trugschluss ist.

Optische Leistung (ebenfalls an D500)

Die Blendenreihe liest sich deutlich erfreulicher als beim Vorgängermodell: 16mm f/2,8 – 22mm f/3,0 – 28mm f/3,2 – 34mm f/3,3 – 40mm f/3,5 – 52mm f/3,8 – 62mm f/4,0

Bereits ab Offenblende ist die Schärfeleistung im Bildzentrum sehr gut und gewinnt durch Abblenden nur moderat. Zu 80mm hin ist hierbei auch kein Leistungsabfall auszumachen – die erste, deutliche Verbesserung zum 16-85mm.

Die Bildränder können mit der Schärfe im Bildzentrum bei Offenblende über den gesamten Brennweitenbereich nicht ganz mithalten, erfreulicherweise fallen die Ecken nicht nochmals weiter ab. Bei Blende 5,6 wird bei allen Brennweiten über das gesamte Bildfeld hinweg eine sehr gute Schärfe erzielt. Weiteres Abblenden erhöht lediglich die Tiefenschärfe, verbessert aber nicht die Bildqualität. Anders ausgedrückt: ab Blende 5,6 braucht man sich über die Bildschärfe keine Gedanken mehr machen.

CA/Farbsäume sind etwas besser korrigiert als beim 16-85mm, der Unterschied ist jedoch nicht gewaltig. Farben und Kontraste sind vergleichbar.   

Vergleich und Fazit

Das 16-80mm 2,8-4,0 ist eindeutig das bessere Objektiv – höhere Lichtstärke, gepaart mit besserer Bildqualität im Weitwinkel und Telebereich.  Allerdings erkauft man sich diese Vorteile mit einem deutlich höheren Gebrauchtpreis im Vergleich zum 16-85mm. Sofern man mit den moderaten Einschränkungen des 16-85mm leben kann, stellt es eine solide Wahl für den DX Sensor dar. Das 16-80mm kann hingegen trotz des Äußeren Erscheinungsbildes mit professioneller Abbildungsleistung glänzen.

16-85mm @ 16mm f/3,5
16-85mm @ 85mm f/8
16-80mm @ 16mm f/5,6
16-80mm @ 56mm f/5,6

Nikon AF-S 58mm 1,4 G

Das AF-S 58mm 1,4 G wurde Ende 2013 vorgestellt und soll laut Nikon der moderne AF Ersatz für das legendäre, manuelle Noct Objektiv 58mm 1,2 sein. Bei der Beurteilung dieses Objektivs gelten demnach etwas andere Maßstäbe. Es handelt sich hierbei um ein Spezialobjektiv für besondere Einsatzzwecke und keinen Allrounder. Wer einfach nur ein gutes und lichtstarkes 50mm Objektiv sucht, wird bei den viel günstigeren 50mm 1,4 Objektiven von Nikon, Sigma und Tokina fündig.

Womit wir beim Preis wären: recht happige 1.500 € schlagen durchschnittlich für das 58mm 1,4 zu Buche. Allerdings fällt es in der Riege der f/1,4 Festbrennweiten nicht allzu sehr aus dem Rahmen – das 28mm 1,4 ist teuer, das 85mm 1,4 in etwa gleich teuer. Dennoch hat sich das Objektiv zwischen 2013 und 2020 bereits mehr als 34.000 Mal verkauft. Auf dem Gebrauchtmarkt sind Mitte 2021 ca. ca. 1000 Euro einzuplanen.

Gehäuse und Handling

Das Objektivgehäuse ist gemessen an der optischen Konstruktion recht groß, insbesondere der Durchmesser (72mm Filtergewinde) ist auffällig. Mit 385g ist das Objektiv trotz der Größe recht leicht. Leider wurde der Platz im Gehäuse nicht für einen AF-S Ringmotor genutzt, angetrieben wird es durch den gleichen Micromotor wie in deutlich günstigeren f/1,8er Festbrennweiten. Der Autofokus arbeitet dennoch recht zügig, jedoch ohne Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen.

Aufgrund der optischen Eigenschaften ist der Autofokus recht zickig. An älteren Kameras wie der D800 oder D810 kann einen die Fokuspräzision insbesondere im Nahbereich in den Wahnsinn treiben. Aber auch an Kameras mit neuerem AF Modul wie der D850 oder spiegellosen Kameras ist es schwer – insbesondere bei weit geöffneter Blende – den Fokuspunkt richtig zu setzen. Dennoch erleichtern die spiegellosen Kameras technisch bedingt den Einsatz des 58mm 1,4 erheblich.

Die Naheinstellgrenze ist mit 0,58m recht lang ausgefallen, wobei diese Zahl sicherlich bewusst gewählt wurde.  

Optische Leistung

Eines vorweg: das 58mm 1,4 ist zwischen den Blenden 1,4 und 1,8 nicht sehr scharf, auch nicht im Bildzentrum.

Wozu ist das Objektiv dann da? Die Nikon Marketingabteilung stellte zwei herausragende Eigenschaften in den Mittelpunkt: als Nachfolder des legendären 58mm Noct Objektives sollte es sich besonders durch cremige Hintergrundunschärfe – oft auch mit dem japanischen Begriff Bokeh bezeichnet – und niedriges Coma auszeichnen. Die Reduktion von Coma ist insbesondere wichtig, um ausfressende Lichtpunkte in dunklen Umgebungen (wie zum Beispiel Nachtaufnahmen) zu verhindern. Um es kurz zu machen: Warum Nikon ausgerechnet die Korrektur von Coma als außergewöhnlich beworben hat, erschließt sich nicht. In dieser Disziplin ist es kaum besser als vergleichbare Objektive.

Die Hintergrundunschärfe ist jedoch in der Tat außergewöhnlich weich und gefällig. Und das ist der eigentliche Grund, dieses Objektiv zu erwerben. Kein anderes, aktuelles Nikon Objektiv im Bereich um 50mm ist in der Lage solch weiche, cremige Hintergründe zu zaubern wir das Nikkor 58mm 1,4.

Hierzu ein Vergleich von AF-S 58mm 1,4 G und Z 50mm 1,8 S, beide bei Blende 1,8 an der Z7:

Nikkor AF-S 58mm 1,4 G vs. Nikkor Z 50mm 1,8 S

Die Stärke des 58mm 1,4 liegt somit in der Freistellung, was sich natürlich insbesondere bei Portraitaufnahmen positiv auswirkt. Eine Reduktion auf Portraits wird dem Objektiv jedoch nicht gerecht. Auch bei Landschafts- oder Architekturaufnahmen lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen, sofern die Betonung einzelner Bildpartien im Mittelpunkt steht.

Betrachtet man das AF-S 58mm 1,4 G als ganz normales Objektiv, kann man sich über eine recht geringe Vignettierung freuen, die bei f/1,4 zwar sichtbar ist, aber bereits bei f/1,8 verschwindet. Zur Schärfe lässt sich allgemein sagen, dass zwischen Blende 1,4 und 2,0 keine Rekorde aufgestellt werden. Bei Blende 1,4 bildet es im Nahbereich recht weich ab, mitn zunehmender Fokusdistanz gewinnt es bei Offenblende an Auflösungsvermögen. In der Bildmitte steigert sich die Schärfe bei Blende 1,6 bis 2,0 schrittweise und erreicht ab dieser Blende ein exzellentes Niveau. Ab f/2,8 ist die Schärfe über das gesamte Bildfeld hinweg sehr gut, bei Landschaftsaufnahmen macht sich allerdings die recht starke Bildfeldwölbung bemerkbar.

Chromatische Aberrationen sind etwas stärker als bei neueren Objektivkonstruktionen. Die Farbsäume an starken Kontrasten lassen sich allerdings gut in der Nachbearbeitung korrigieren. Farben und Kontraste werden recht stark wiedergegeben.

Fazit

Die Kaufentscheidung für das 58mm 1,4 ist sicherlich eine sehr bewusste. Man muss wissen, dass es bei Offenblende recht weich abbildet undder Fokus selbst an neuesten DSLRs oder den spiegellosen Z Kameras manchmal daneben liegt. Dafür entschädigt es mit einer fantastischen Hintergrundunschärfe bzw. Bokeh und einer fast traumwandlerisch anmutenden Bildqualität. Die doch recht geringe Schärfe bei Offenblende ist sozusagen der Kompromiss der eingegangen werden muss, um diese besonderen optischen Merkmale zu ermöglichen.

Fotos mit dem 58mm 1,4 stechen hervor, insbesondere bei Blenden zwischen f/1,4 und f/2, bei größeren Fokusdistanzen auch bis f/2,8. Es liefert einen einzigartigen Look, der mit keinem anderen F Nikkor – außer dem alten Noct – reproduzierbar ist. Wenn man sich die Zeit nimmt, um Fotos mit dem AF-S 58mm 1,4 G wortwörtlich zu erarbeiten, wird man mit außergewöhnlichen Bildern belohnt, die einen deutlichen Wiedererkennungswert haben. Für mich persönlich ein unverzichtbares Objektiv.

Beispielbilder:

Nikon Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED

Das bis Mitte 2020 noch als Neuware erhältliche AF Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED stammt erkennbar aus der Zeit, in der die professionellen Nikon Objektive mit Schraubendreher AF, Kräusellack, AF-M Umschaltring und massiver Verarbeitung erkennbar waren. Zwischen 1993 und 2020 wurden etwas mehr als 30.000 Exemplare dieses Typs verkauft – nicht viel angesichts der langen Verfügbarkeit. Die Einstellung des Modells erfolgte im Rahmen einer Portfoliobereinigung, der unter anderem auch die Analogfilmkamera F6 zum Opfer fiel. In den Jahren vor 2020 war das Micro Nikkor 200mm 4,0 für ca. 1600 € erhältlich.

Mit fast 1200 Gramm ist das 200er Makro ein relativ schweres Objektiv mit einem 19 cm langen, aber im Durchmesser (62mm Filter) recht kompakten Gehäuse. Die Verarbeitungsqualität ist über jeden Zweifel erhaben, das Objektiv strahlt eine unerschütterliche Solidität aus. Leider gilt dies nicht für den AF/M Umschaltring. Es gibt zahlreiche Berichte über gerissene Plastikringe. Dieses Schicksal teilen jedoch auch andere, mit diesem Ring ausgestattete, Objektive. Bei einem Gebrauchtkauft ist der Ring daher eingehend zu prüfen.

AF Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED

Das Objektiv verfügt über eine fest eingebaute, drehbare Stativschelle. Die Gegenlichtblende HN-30 aus Metall ist nicht Bestandteil des Lieferumfangs und separat zu erwerben. Aufgrund der Innenfokussierung ändert sich die Länge des Objektivs beim Fokusvorgang nicht.

Wie erwähnt handelt es sich um ein Objektiv ohne eigenen Fokusmotor und setzt daher einen Motor in der Kamera voraus. An Z Kameras bleibt damit nur der manuelle Fokus. Die Naheinstellgrenze beträgt 0,5 Meter und die Vergrößerung erreicht den Maßstab 1:1.

Handling

Trotz des Gewichtes und der Länge des Objektivs handhabt sich das 200mm 4,0 Micro recht angenehm. Der große, manuelle Fokusring benötigt eine dreiviertel Umdrehung von Nah bis Unendlich und ist gut einstellbar. Die Mechanik des Rings ist nicht mit den Schneckengängen manueller Objektive vergleichbar, aber dennoch gut gedämpft und nicht zu leichtgängig. Insgesamt wirkt das Fokusgefühl durch den dahinterliegenden AF Antrieb etwas mechanisch bzw. kratzig.

Die Blende wird im Nahbereich als effektive Blende an die Kamera zurückgemeldet. An der Naheinstellgrenze 0,5m beträgt die effektive Offenblende f/5,3, bei 0,53m f/5 – 0,7m (1:2) f/4,8 – 0,9m f/4,5 – 1,2m f/4,2 – 2,5m f/4.

Optische Leistung

Das Micro AF Nikkor 200mm 4,0 schlägt sich bereits bei Offenblende recht beachtlich, muss aber an 45 MP Sensoren etwas Federn lassen. Wie für viele Objektive aus den frühen 90ern typisch leidet es offen etwas an Überstrahlungen und einem insgesamt weicheren Bildeindruck, je heller bzw. kontrastierender ein Motiv ist. Diese Aberrationen sind allerdings bereits bei Blende 5,6 vollständig im Griff und das 200mm Micro kann auch an hochauflösenden Sensoren vollends überzeugen. Insgesamt ist die Schärfe bei Blende 4,0 im Bildzentrum zwar ausreichend, aber nicht vergleichbar mit moderneren 150mm oder 180mm Makroobjektiven anderer Hersteller bei gleicher Blende. Außerdem fällt sie bei Offenblende moderat zum Bildrand hin ab. Bei Blende 5,6 ist die Schärfe über den gesamten Bildbereich hinweg überzeugend, und ab Blende 8 über jeden Zweifel erhaben.

Recht auffällig ist die bei Blende 4,0 deutlich zu sehende Vignettierung, die jedoch leicht abgeblendet bis Blende 5,6 recht zügig verschwindet.

Die Unschärfe im Bildhintergrund (Bokeh) ist recht angenehm und weich. CA bzw. Farbsäume sind dem AF Micro 200mm 4,0 völlig fremd, in dieser Hinsicht ist es hervorragend korrigiert. Die Bildqualität insgesamt zeichnet sich durch lebendige Farben und guten Kontrast aus.

Fazit

Ein Makroobjektiv mit 200mm Brennweite ist sicherlich bereits in die Kategorie der Spezialobjektive einzuordnen. Für die meisten Fotografen dürfte ein Makroobjektiv um die 100mm deutlich universeller einsetzbar sein. Die aufgrund der Brennweite geringe Tiefenschärfe und – zumindest ohne Stativ – notwendigen, recht kurzen Verschlusszeiten erfordern deutlich mehr Sorgfalt in der Handhabung.

Andererseits ist die größere Fokusdistanz bei Insekten von Vorteil, da deutlich mehr Abstand gehalten werden kann und die Fluchtdistanz der Tiere somit nicht unterschritten wird.

Insgesamt gefällt mir die Bildqualität des AF Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED deutlich besser als bei vergleichbaren Objektiven anderer Hersteller. Hier sei insbesondere das sehr populäre Sigma 150mm 2,8 mit oder ohne optischen Stabilisator genannt. Im direkten Vergleich ist das Sigma bei gleichen Blenden schärfer, das Nikon 200mm kann jedoch mit natürlicheren Farben und besserem Kontrast überzeugen.

200mm f/4,2
200mm f/8
200mm f/8

© 2023 Dennis Saßmannshausen Fotografie

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