AuthorDennis Saßmannshausen

Marketing und Realität – die unerfüllten High ISO Versprechen der D5 und D500

Nachdem die ersten Exemplare der D500 bei den Anwendern – zumindest in den USA – eintreffen, sind nun erste Rückschlüsse auf die Stärken und Schwächen dieses Tandems möglich.

Basierend auf den Berichten im Internet wird deutlich, dass Nikon offensichtlich eine sehr merkwürdige Marketingstrategie gewählt hat, welche die eigentlichen Stärken der neuen Kamerageneration zwar erwähnt, aber durch ein – meiner Meinung nach – falsches Versprechen in den Hintergrund rücken lässt.

Durch übermäßig strapazierte ISO Angaben wurde im Vorfeld der Marktverfügbarkeit eine Erwartungshaltung an die Abbildungsleistung bei  hohen ISO Werten geschürt, welche offensichtlich technisch nicht erfüllt werden kann.

Die D5 stellt eine evolutionäre Verbesserung zur D4s dar, die D500 stellt eine marginale Verbesserung zur D7200 dar, obwohl sie 4 MP weniger auf die gleiche Sensorfläche presst.

Nikon wäre besser daran beraten gewesen, sich auf die wirklichen Stärken der neuen Kameras zu fokussieren: Neuer Autofokus, Geschwindigkeit und bei der D500 zusätzlich das Profigehäuse, WLAN und Konnektivität.

Es wurde offensichtlich ein technisches Niveau erreicht, was keine sprunghaften Verbesserungen der nutzbaren ISO Werte mehr zulässt. ISO 25.600 an der D5 und ISO 3200 an der D500 sind wahrscheinlich für viele Nutzer die praktische Grenze. Gemessen daran, wo wir vor weniger als 9 Jahren standen, sind dies respektable Werte.

Bei der D5 und D500 geht es hauptsächlich um die Innovation im Bereich Autofokus. Dies ist jedoch eine Eigenschaft, die sich über viele Praxiseinsätze hinweg bewähren muss. In einigen Monaten werden die Fotografen sich ein Bild vom neuen AF System gemacht haben und der Blickwinkel auf beide Kameras wird sicherlich ein anderer sein. Wer dann eine D5 oder D500 kauft, wird dies sicherlich hauptsächlich aufgrund des neuen Autofokus tun.

XQD Generation 1 und 2

AKTUALISIERT 09.2017 mit Einführung der D850

Seitder Einführung der D500 dürften viele Nikon Anwender zum ersten Mal mit XQD Speicherkarten in Berührung kommen.

Wenig bekannt ist, dass es mittlerweile zwei verschiedene Generationen von XQD Karten gibt. Die Sony Karten der Serien H, N und S gehören zur Generation 1, ebenso wie die Lexar Karten mit 1100x und 1333x  Geschwindigkeitseinstufung.

Sony G und M Serie, sowie Lexar 1400x und 2933x sind Mitglieder der Generation 2.

Wärend die Nikon D4, D4s, D5, D500 und D850 mit beiden Kartengenerationen kein Problem haben, sieht dies bei Kartenlesern schon etwas anders aus.

Insbesondere Lexar tut sich hier mit einem relativ zweifelhaften Verhalten hervor. Bis Anfang 2016 wurden noch 1333x Karten als Neuware verkauft. Parallel gab es den XR1 Kartenleser zu kaufen, der mit Karten der Generation 1 und 2 gleichermaßen kompatibel ist.

Die böse Überraschung kam nun bei Einführung des XR2: Er ist nur zu Karten der Generation 2 kompatibel. Dies weckte im Internet Zweifel an der Kompatibilität von  XQD Karten verschiedener Marken.

Festzuhalten bleibt:

  • XQD Karten der Generation 1 und 2 sind in den derzeitig verfügbaren Nikon Kameras ohne Probleme verwendbar (D4, D4s, D5, D500 D850).
  • XQD Kartenleser für Karten der Version/Generation 2 lesen meist auch nur diese.
    • Lexar XR2 und LRWXQDU (USB 3.0 Reader),
    • Sony Kartenleser im Lieferumfang der Serie G Karten
  • XQD Kartenleser älterer Bauart können meist 1.0 und 2.0 Karten problemlos lesen.
    • Lexar XR1
    • Sony MRW-E80, Sony MRW-E90 (einziger aktuell als Neuware erhältlicher Kartenleser für Gen1 und Gen2 Karten), Sony Expresscard Reader
  • Kartenleser aus Zeiten der Generation 1 erreichen mit Karten der Generation 2 nicht die maximale Datentransferrate.

D5 ISO und Dynamikumfang

Die ersten D5 Kameras gelangen in die Öffentlichkeit und Analysen anhand von Testfotos erscheinen im Internet.

Insbesondere die speziell auf die hohen ISOs fokussierten Testfotos von AndyE im Forum NikonGear werden derzeit international diskutiert. Abgeleitet von Testfotos dieses Anwenders wurde auch bereits der Dynamikumfang analysiert.

Insgesamt ergibt sich für mich das Bild einer Evolution statt Revolution. Sofern sich die Werte bezüglich des  Dynamikumfangs nicht mehr ändern, wird die D5 für manche einen Fortschritt, für andere wiederum einen Rückschritt darstellen.

Offensichtlich besitzt die D4 bis ISO 1600 einen höheren Dynamikumfang, bis ISO 400 beträgt der Abstand rund eine Blende. Danach dreht sich das Verhältnis und die D5 kann sich knapp absetzen. Für den Großteil an Situationen, in denen es auf einen hohen Dynamikumfang ankommt, dürfte die D4 im Vorteil sein.

Bezüglich des Rauschens bei hohen ISO Werten lässt sich jedoch ein Vorteil zugunsten der D5 ausmachen. Auch wenn die ersten Tester von fantastischen Zuwächsen an plötzlich nutzbaren ISO Stufen zu berichten wussten, scheinen die nun verfügbaren Testbilder ein realistischeres Bild der Situation zu zeichnen. Von den zwei bis drei Blendenstufen Gewinn ist in meinen Augen nicht mehr viel übrig geblieben.

Bis ISO 12.800 liegen die D4 und die D5 meiner Meinung nach recht nah beieinander. Für die Stufen 25.600 und 51.200 lässt sich ein leichter Vorteil für die D5 ausmachen. Gefühlt würde ich den Vorsprung auf etwas weniger als eine Blende taxieren. ISO 102.400 ist jedoch für mich – entgegen vieler Kommentare von frühen Testern – nicht ernsthaft nutzbar.

Somit bleibt der D5 eine Stufe mehr ISO Leistung, was angesichts der ebenfalls gewachsenen Auflösung kein schlechtes Ergebnis darstellt. Die Revolution hingegen fällt leider aus, wir bewegen uns offensichtlich auf einem technologischen Stand, der nur noch inkrementelle Verbesserungen zulässt.

Die letzten beiden großen Sprünge bezüglich Rauscharmut bei hohen ISO Werten liegen mit den Schritten von D2x zu D3 und danach nochmals zur D3s mehr als 6 Jahre zurück. Die D4 stellte bereits nur eine Evolution zur D3s dar. Die D4s brachte nur eine leichte Überarbeitung der Signalverarbeitung und die Umbenennung der ersten HI-Stufe zur ISO 25.600.

Mein persönliches Limit bei Verwendung der D4 liegt bei ISO 12.800, die D5 hat das Potenzial diese Grenze auf 25.600 zu verschieben.

Konfiguration einer D4 für Landschaftsaufnahmen

Sicherlich werden viele eine hochauflösende Kamera wie eine D800/D810 für Landschaftaufnahmen einer D4 vorziehen, dennoch gibt es genügend Gründe, eine Einstellige Nikon auch für Landschaften einzusetzen.

Die Voreinstellungen der D4 sind für Landschaften jedoch denkbar ungeeignet. Sie mögen zwar für Reportage- oder Eventfotografie geeignet sein, jedoch nicht für grünes Laub, welches bei der D4 oftmals in ein Blau-Türkis abdriftet. Insgesamt wirken die Farben etwas kühl.

Zusätzlich wirken Aufnahmen bei hellem Tageslicht im Standard etwas ausgewaschen und zu hell. Speziell Mitteltöne und helle Bereiche neigen schnell zum Ausfressen.

Seit vielen Jahren gibt Nikon seinen Kameras die so genannten Picture Controls mit. Neben dem Standardprofil gibt es dort auch eines für Landschaft. Dieses ist meiner Meinung nach jedoch mit einem zu hohen Kontrast versehen, was zu übermäßiger Abdunkelung vieler Bildbereiche führt.

Für die allgemeine Fotografie inklusive Landschaftsaufnahmen habe ich daher versucht, das Standardprofil so einzustellen, dass ein Bildeindruck ähnlich einer D2x / D3x entsteht.

Zur Vermeidung künstlich überbelichteter Bereiche und Verbesserung der Mitteltöne sollte die Helligkeit auf -1 gestellt werden (die eine Stufe nach links, die möglich ist). Dies rettet geradezu die Tonwerte im mittleren und hellen Bereich und verleiht dem Foto direkt mehr Tiefe. Die Bilder werden ein wenig dunkler als bei einer D2x oder D3x bei Standardeinstellungen, dies ist jedoch nicht weiter problematisch.

Der zweite Parameter ist der automatische Weißabgleich. Mittels Anpassung von A0 auf +A3 entzieht man dem Bild den oftmals zu beobachtenden Blaustich und erhält eine insgesamt wärmer wirkende Darstellung.

Die D4 mutiert dadurch nicht automatisch zu einer D2x, aber man kommt mit diesen zwei Einstellungsänderungen schon sehr nah heran.

© 2026 Dennis Saßmannshausen Fotografie

Based on an theme by Anders NorenUp ↑