Zu den unangenehmen Dingen kann in Wuppertal mitunter das Winterwetter gehören, speziell wenn es – wie in diesem Jahr – fast durchgängig grau und dunkel ist. Dennoch habe ich mich heute entschlossen, mal eine Runde durch den Zoo zu drehen um erste Erfahrungen mit AF Tracking und Motiverkennung der Z9 zu sammeln.

Eines vorweg: auch heute wurde es nicht richtig hell, die Fotos wurden bei durchgängig bewölktem Himmel am Morgen zwischen 08:45 und 11:15 aufgenommen (Sonnenaufgang 08:26). Daher gilt: die gezeigten Beispielbilder eigenen sich nicht, um absolute Schärfe zu bemessen, sondern sollen die Leistung des Autofokussystems demonstrieren. Für vorhandene Bewegungsunschärfe bei fliegenden Vögeln und weniger als 1/1000s Belichtungszeit kann die Kamera nichts.

Viel Spielerei mit dem AF System, Test diverser Optionen und exzessive Nutzung der Serienbildgeschwindigkeit führten am Ende nach 2,5 Stunden zu Rekordverdächtigen 1247 Fotos auf 68,5 GB. Verlustfrei komprimierte 14 Bit RAW Dateien mit Größen zwischen 51 und 68 MB, die meisten Dateien um die 59 MB groß. Akkustand des zu Beginn vollständig geladenen EN-EL18d: 63% verbleibend.

AF Tracking

Nikon hat versprochen, dass die Z9 im Vergleich zur D6 besser sein wird und diese überflügelt. Einen Vergleich zwischen diesen beiden Kameras kann ich mangels eigener D6 nicht anstellen, allerdings arbeitet das Tracking meiner Meinung nach spürbar schneller und präziser als bei der D850 und D500. Allerdings blieb die Kamera meist im Modus der Motiverkennung, ausführliche Tests von Einzelfeld- und 3D-Tracking werden noch folgen sobald das Wetter etwas besser wird.

Motiverkennung

Sicherlich ist die stark erweiterte Motiverkennungsfunktion die spannendste Neuerung der Z9. Daher auch die spannendste Frage im Zoo mit einer breiten Auswahl an Tierarten: welche Tiere werden erkannt und wie gut arbeitet die Augenerkennung?

Leider konnte ich nicht in die Tierhäuser gehen, speziell das Aquarium/Terrarium hätte mich interessiert. Bei Außentemperaturen von 3 Grad hätte es aber zu lange gedauert, die Kamera wieder zu akklimatisieren und Beschlag zu vermeiden. Insbesondere Fische soll die Z9 exzellent verfolgen können, dieser Test muss jedoch noch ein paar Wochen warten.

So bleiben zunächst einmal nur winterfeste Tiere auf Außenanlagen. Ich habe die Kontrolle dabei bewusst an die Kamera abgegeben und sie über die Motiverkennung den Fokus selber setzen lassen. Begonnen habe ich mit Auto-Area AF, der Kamera stand also fast das gesamte Sucherbild für die Erkennung von Motiven zur Verfügung. Das funktioniert auch so weit sehr gut, bis man in eine Situation gerät, in der mehrere Tiere im Bildfeld sind und man bewusst ein Tier auswählen möchte. In dieser Situation empfiehlt es sich, einen der verkleinerten Fokusbereiche Wide-L oder Wide-S zu nutzen. Dadurch kann der Bereich der Motiverkennung innerhalb des Bildes beschränkt und verschoben werden.

Meist schafft es die Kamera zumindest das Gesicht, oft auch die Augen zu erkennen. Jedes Mal, wenn das Gesicht erkannt wurde saß der Fokus so, dass es durch Augenerkennung auch nicht besser geworden wäre. Warum jedoch bei einem Königspinguin ein kaum sichtbares Auge erkannt wird und bei einem Eselspinguin der Fuß für die Kamera interessanter ist als die deutlich sichtbaren Augen, verwundert jedoch. Diese offensichtlichen Fehler sind jedoch mit ca. 1% der aufgenommenen Fotos sehr selten. Wird weder Auge noch Gesicht erkannt, findet die Kamera zuverlässig den Körper des Tieres und fokussiert darauf.   

Tausend Worte können jetzt viel beschreiben, aussagekräftiger sind jedoch Beispiele. Die folgenden Fotos sind Screenshots von Fotos in NX Studio mit aktivierter Darstellung des Fokuspunkts. Die Bilder sind Bildschirmfüllend im Programm dargestellt (ca. 20% Ansicht), geben also das gesamte Bildfeld wieder.In der unteren rechten Ecke befindet sich ein 100% Ausschnitt des Fokuspunktes. Nochmal zur Beachtung: es war ein trüber, dunkler Tag. Der Ara im Flug hatte nur 1/400s Belichtungszeit, was für schnelle Bewegung eigentlich zu knapp ist.

Enthalten sind auch die prägnantesten Fehlleistungen des AF, wobei das Verhältnis zwischen Fehlern und perfekt sitzendem Fokus nicht durch die Auswahl der Beispiele repräsentiert wird. Ich müsste sonst ca. 1000 Fotos mit korrektem Fokus hochladen, was doch etwas aufwändig wäre…

Körpererkennung (ohne 100% Ausschnitt):

Und hier die „Fails“. Auch hier habe ich auf einen 100% Ausschnitt verzichtet:

Fazit

Den ersten Test hat die Z9 mit Bravour bestanden und die hohen Erwartungen vollends erfüllt. Als ich eine Serie von Aras im Flug geschossen hatte und die Fotos perfekt waren, habe ich mich bei dem Gedanken ertappt, dass das ja gar kein Aufwand war. Mir ging beim Sichten der Bilder auf dem Kameramonitor spontan das englische Wort „effortless“ durch den Kopf.

Und das ist genau der Punkt. Die Z9 markiert zusammen mit der Sony A1 und der Canon R3 den Anfangspunkt einer neuen Generation von Kameras, die durch schiere Rechenpower das Fotografieren einfacher machen als je zuvor. Diese Entwicklung wird in den nächsten Jahren das Fotografieren für Jedermann zu einem simplen „Draufhalten und Abdrücken“ reduzieren. In ein paar Jahren wird man sich um den korrekten Fokuspunkt keine Gedanken mehr machen, das übernimmt die Elektronik. Die Differenzierung von Fotografen wird reduziert auf Motivauswahl und Bildsprache. Technisches Können wird in den Hintergrund rücken.

Die Z9 wird von Kommentatoren oft als „D1 Moment“ für Nikon beschrieben. Dem möchte ich zustimmen. So, wie die D1 die Ära der Digitalfotografie für Nikon eingeläutet hat, stellt die Z9 den Einstieg in die Fotografie der künstlichen Intelligenz dar. Die Zukunft hat (mal wieder) begonnen.