Gestern konnte ich meine vorbestellte Z9 bei Rutten in Wuppertal in Empfang nehmen. Vielen Dank an das Team bei Rutten für den exzellenten Service.

Auch wenn ich schon einige Jahre Erfahrung im Umgang mit Nikon Kameras jedweder Art habe, stand ich gestern Abend bei der Ersteinrichtung doch vor einigen unerwarteten Herausforderungen und Überraschungen. Die Überraschungen betreffen hauptsächlich unerwartete Kompatibilitätsprobleme bei Akkus und Speicherkarten.

Akkus: viel geht nicht

Z9 Fehlermeldung bei Verwendung eines nicht kompatiblen Akkus

Aus einem Portfolio von 6 Akkus verschiedener Fremdhersteller (Intensilo, ExPro, DSTE, Cameron Sino, GreenCell, VHBW) funktionierte nur ein einziges Modell: GreenCell EN-EL18, 28,1 Wh 2600 mAh. Das sind nominell 700 mAh weniger als das Original bereitstellt, womit sich die Laufzeit der Z9 deutlich verkürzt. Auch wenn zwei Akkus dieser Marke auf ebay etwas über die Hälfte eines Originals kosten, sollte man den Einsatz dieser Akkus überdenken. Die Akkuanzeige der Z9 gibt bei vollgeladenem Akku einen Ladestand von lediglich knapp über 80% aus und die Kamera zeigt gegen Ende unterschiedliche Ladestände zwischen 3 und 18% an, ohne dass der Akku über längere Zeit schlapp macht. Fast schon wie früher in der Duracell Werbung: Sie läuft und läuft und läuft…auch wenn der Akku schon leer sein müsste.  

Richtig vertrauenserweckend ist das alles nicht. Vielleicht gönne ich mir in den nächsten Monaten dann noch einen zweiten Originalakku oder setze konsequent auf die Lademöglichkeit via Kamera USB-C mit Powerbank.

Speicherkarten: Die Schnellen, Lahmen und Blockierenden

Bis jetzt habe ich darauf verzichtet, die Serienbildgeschwindigkeit aller Karten zu testen. Eine Erkenntnis ist allerdings, dass die Kamera lediglich 40 bis 50 Bilder bei 20 fps in Serie schafft, sofern man zwei ausreichend schnelle CFexpress Karten in der Kamera im Modus „Sicherungskopie“ RAW+RAW (14 Bit, verlustfrei komprimiert) betreibt. Schaltet man auf eine einzelne Karte um, laufen die schnellen Karten mit 75-80 Bilder Puffer und selbst die Lexar 128 GB schafft 55 Bilder in Serie. [An dieser Stelle stand zuvor, dass die Lexar 100 Bilder in Serie schafft und die schnellen Karten unlimitierten Puffer bieten. Ich habe die Z9 bisher nur mit 14 Bit verlustfrei komprimierten RAWs betrieben und bin mir sicher, mit der Lexar 100 Bilder geschafft zu haben und die schnellen Karten einen quasi unlimitierten Puffer boten. Ich kann diese Geschwindigkeiten aktuell nicht nachstellen. Sobald ich dazu ein Update habe, erscheint es hier.]

Die Angelbird Karten machen dafür andere Probleme. Beim Einschalten oder Aufwachen aus dem Ruhezustand leuchtet die Speicherkarten LED für 2 (SX) bis 5 (XT) Sekunden. In dieser Zeit kann man zwar fotografieren, der Aufruf des Menüs oder eine Bildanzeige ist jedoch nicht möglich. Andere Karten zeigen dieses Verhalten nicht. Ein Firmwareupdate für die XT Karte, welches man nur über einen Angelbird Kartenleser einspielen kann, reduziert die Starteit der XT Karte auf ebenfalls 2 Sekunden.

Die Wise Pro 640 GB steht derzeit unter Beobachtung, da die Z9  zwei Mal angezeigt hat, dass auf diese Karte nicht geschrieben werden kann. Außerdem initialisiert sie manchmal nicht korrekt, wenn man sie in die Kamera steckt. Die Z9 zeift dann einen Kartenfehler an.

Menüeinträge: war da jemand zu schnell?

Die größten Herausforderungen betrafen bis jetzt die Entschlüsselung kryptischer Menüeinträge. Aus meiner Sicht gibt es nur zwei Möglichkeiten, wie so etwas zustande kommen kann: Nikon hat zu viele deutschsprachige Angestellte entlassen, so dass keiner mehr die Übersetzung kontrollieren konnte, oder man hatte es bei der Markteinführung etwas zu eilig. Zugunsten der Nikon Mitarbeiter nehme ich mal das Letztere an.

Es finden sich einige Merkwürdigkeiten, insbesondere im Individualmenü. Über sprachliche Stilblüten würde ich ja noch hinwegsehen. Wenn Bezeichnungen jedoch inhaltlich falsch und Irreführend sind, wird es anstrengend. Im Individualmenü A ist eindeutig etwas schief gegangen:

Zunächst einmal ist der gesamte Unterbaum „a“ falsch benannt, er müsste „Autofokus“ heißen und nicht „Schärfepriorität“. Der Punkt a7 schießt allerdings den Vogel ab. Die vermeintliche „Nachleuchtdauer des Fokusmessfeldes“ ist in Wirklichkeit die „Fokuspersistenz“, die im Englischen auch korrekt als „focus persistance“ bezeichnet ist. Hierbei handelt es sich um die Einstellung, ob das gwählte Fokusmessfeld bei Umschalten des AF Modus (z.B. von Motiverkennung nach 3D Tracking) erhalten bleibt bzw. übernommen wird.

Das Firmware Update auf 1.10 behebt diese Übersetzungsfehler nicht. Also Nikon: weitere Updates bitte, bis dahin schalte ich mal lieber auf Englisch um.

Und zum Schluss noch etwas Positives: der Autofokus funktioniert besser als erwartet. Und das bei bereits hohen Erwartungen. Mehr dazu dann in den nächsten Wochen, sofern das Wetter mitspielt. Das hier ist eine absolute Unterforderung für die Kamera, dennoch schön anzusehen. Kein Fokuspunkt gewählt, alles die Kamera machen lassen:

Auto AF Area, AF-C mit Motiverkennung, ISO 3200, NR ausgeschaltet, 1/400s bei 400mm mit Tamron 100-400 am FTZ II. Ca. 70% Ausschnitt aus dem Originalbild.