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Batteriegriff Nikon MB-N10 für Z5, Z6 und Z7 – ein Produkt zum Vergessen

Es gibt Dinge, die stellen eine sinnvolle Ergänzung dar – wie zum Beispiel ergonomisch geformte Batteriegriffe für die Spiegelreflexkameras der oberen Mittelklasse aus dem Hause Nikon. Alle meine dreistelligen Kameras (D500, D700, D800, D850) sind mit einem Nikon Batteriegriff ausgestattet. Und es gibt den neuen MB-N10 für die spiegellosen Kameras Z5, Z6 und Z7…

MB-N10 an Z7

Offensichtlich war man bei Nikon während der Entwicklung der Schwestermodelle Z6 und Z7 nicht der Meinung, dass man jemals einen Batteriegriff für diese spiegellosen Kameras benötigen würde. Anders ist nicht zu erklären, warum dieses Produkt – immerhin noch hastig zusammen mit den Kameras als Prototyp angekündigt – mehr als ein Jahr nach Einführung der Kameras noch auf den Markt kommt. Um es vorweg zu nehmen: man hätte es besser lassen sollen.

Natürlich kann man darüber diskutieren, ob man an einer möglichst kompakt gebauten Kamera einen Batteriegriff benötigt. Wenn man sich aber dafür entscheidet, sollte man daraus auch einen Vorteil ziehen können. Diesem so genannten Batteriegriff fehlt eigentlich alles, was die sinnvolle Nutzung eines zusätzlich angeschraubten Batterieteils ausmacht:

  • Zusätzlicher Auslöser, Einstellräder und manchmal auch ein zweiter Joystick: Fehlanzeige. Da Nikon auf Seiten der Kamera jegliche Kontakte zur Kommunikation mit dem Griff einfach weggelassen hat besteht noch nicht einmal physikalisch die Möglichkeit, Bedienelemente am Griff unterzubringen.
  • Steuerung der Entladereihenfolge der beiden Akkus, Anzeige des Ladestands der beiden Akkus: wieder aufgrund fehlender Kommunikation nicht möglich. Die Kamera zeigt immer den Ladestand des jeweils vom Griff derzeit entladenen Akkus an. Die Prüfung des Füllstandes erfolgt nach Betätigung der Check Taste auf analogem Weg über drei Leuchtdioden pro Akkufach.
  • Verwendung anderer Energiespender als dem EN-EL15/a/b Akku: nicht möglich. Der Griff nimmt lediglich zwei Akkus auf, die – immerhin – über Klappen auf beiden Seiten getrennt entnommen werden können.
  • Verbesserung der Ergonomie und sicherer Hochformatgriff. Anscheinend hatten alle Designer, die sich auch nur ansatzweise mit der Ergonomie von Produkten beschäftigen Urlaub, als dieser Griff entworfen wurde. Die Griffwulst des Hochformatgriffs ist viel zu schmal für einen sicheren Halt und über dies hinaus aus glattem Metall ohne jegliche Gummierung gefertigt. Montiert man ein Z Objektiv passt die Hand zwar einigermaßen komfortabel zwischen Unterseite des Objektivs und Griff, spätestens beim FTZ ist dies jedoch vorbei. Man darf die Finger mühsam zwischen Griff und Motorgehäuse des FTZ quetschen.
  • Ästhetische Gestaltung: über Geschmack kann man ja streiten, aber der Griff sieht schlimmer aus als alles, was ein angehender Designstudent im ersten Semester entwerfen würde. Außerdem scheint Nikon ein gewisser Stolz auf das Produkt ergriffen zu haben, da auf der Vorderseite des holzschnittartigen Griffs unübersehbar der Schriftzug Nikon MB-N10 BATTERY PACK prangt.

Das passt: Z 24-70mm 2,8 S mit montiertem MB-N10

Es gibt wirklich wenig Positives, was ich über diesen Griff sagen kann. Er ist günstiger als alle anderen Griffe, bietet dafür aber auch kaum Funktionen. Aufgrund der getrennten Akkuschächte kann von beiden Seiten jeweils ein Akku im laufenden Betrieb entnommen werden, auch wenn die Kamera auf ein Stativ montiert ist. Der größte Vorteil ist sicherlich, dass man die beiden Akkus im Griff über USB-C laden kann – sofern man EN-EL15b Akkus verwendet.

Die Verarbeitung ist tadellos und er macht einen stabilen Eindruck.

Das passt nicht: kaum Platz für die Finger bei Verwendung des FTZ mit dem MB-N10.

Insgesamt wirkt der MB-N10 wie ein Fremdkörper an Z6 und Z7. Wirkliche Vorteile bietet er nicht, vielleicht eine minimal bessere Balance bei schweren Objektiven. Videofilmer werden die Verlängerung der Akkulebensdauer bei Nutzung von zwei Akkus zu schätzen wissen.

Nikon hätte sich den Aufwand für dieses Zubehörteil besser sparen sollen. Es bleibt zu hoffen, dass die sicherlich niedrig ausfallenden Verkaufszahlen für diesen rudimentären Griff bei Nikon nicht zu falschen Rückschlüssen führen. Ein Batteriegriff macht meiner Meinung nach auch bei einer relativ kompakten spiegellosen Kamera Sinn.

Die Akkus können über USB-C geladen werden.


Am Einschub für den Akkuschacht der Kamera ist eine Aufbewahrungsmöglichkeit für den Akkufachdeckel der Kamera vorhanden. Der Akkufachdeckel der Z6 oder Z7 muss abgenommen werden, um den Briff nutzen zu können. Es währe schön, wenn man den Akkufachdeckel der Kamera auch einzeln kaufen könnte – bei der Demontage kann auch mal was verloren gehen oder eine Plastiknase abbrechen.


Rückansicht – Z7 mit MB-N10

Nikon Z50

Die erste APS-C Kamera des spiegellosen Z Systems hört auf den Namen Z50 und ist seit dem 07.11.2019 in Deutschland verfügbar. Sie dürfte der Mittelklasse im DX System mit Z Bajonett angehören, zumindest legt dies die Namensgebung nahe. Sehr wahrscheinlich wird es in absehbarer Zeit eine weiter abgespeckte DX Z Kamera geben.

Gehäuse und Handling

Das Gehäuse der Z50 ist deutlich kleiner und leichter als das der größeren FX Schwestermodelle Z6 und Z7.

Erstaunlicherweise wenig Unterschied macht – für mich persönlich – die geringere Auflösung des elektronischen Suchers. Er ist kleiner als bei den Vollformatmodellen, was allerdings auch zum Teil den Auflösungsunterschied von 2,36 MP zu 3,68 MP kompensiert.

Ähnlich verhält es sich mit der Auflösung des rückwärtigen Displays, die Halbierung der Auflösung von 1,04 MP zu 2,1 MP ist zwar sichtbar, aber in der Praxis kaum relevant. Erstmals verfügt die Z50 über Schaltflächen auf dem Touchscreen für Zoom-In/-Out (Bildwiedergabe) und die Umschaltung des Displaymodus für Sucher und Display. Für den Winter sind daher Handschuhe mit Touchfähigkeit empfehlenswert.

Z50 - kombiniertes Akku- und Speicherkartenfach

Z50 – kombiniertes Akku- und Speicherkartenfach

Die SD Speicherkarte (nur max. UHS-I Geschwindigkeit) findet ihren Platz neben dem Akku im Batteriefach. Die Kamera verfügt über einen ausklappbaren Blitz, der allerdings nicht als Commander im AWL System eingesetzt werden kann. Für die kabellose Steuerung externer Blitzegeräte muss man demnach zu einem iTTL Aufsteckblitz oder dem Commander SU-800 greifen.

Das Gehäuse macht einen wertigen und solide verarbeiteten Eindruck, auch wenn das Gesamtgewicht von 450g inkl. Speicherkarte und Akku recht gering ist. Trotz der geringen Abmessungen ist die Ergonomie weiterhin erstklassig, selbst mit schwereren Objektiven wie einem F AF-S 24-70mm 2,8E VR am FTZ hat man ein sicheres Griffgefühl, auch wenn diese Kombination naturgemäß recht kopflastig ist.

Autofokus und Serienbildgeschwindigkeit

Die Fokussteuerung wurde inkl. aller Optionen 1:1 von den Modellen Z6 und Z7 übernommen. Bei der Serienbildgeschwindigkeit hinkt die Z50 der Z6 mit bis zu 11 Bildern pro Sekunde kaum hinterher, jedoch ist dies bei einer Puffergröße von 30 (14 bit) bzw. 35 (12 bit) Bildern pro Sekunde ein in der Dauer sehr begrenztes Vergnügen. Eine schnelle SD Speicherkarte wird hier nur bedingt helfen, da die Kamera nur UHS-I unterstützt und damit weniger als 100 MB pro Sekunde auf die Karte schreiben dürfte.

Hardwareunterschiede zur Z6/Z7

Gegenüber den FX Modellen ist die Z50 an einigen Stellen hardwaremäßig abgespeckt. So besitzt sie im Unterschied zu den Vollformatmodellen kein Statusdisplay auf der Oberseite der Kamera.
Weitaus schmerzlicher dürfte der Verlust der kamerainternen Bildstabilisierung – IBIS – sein. Allerdings muss man an dieser Stelle auch berücksichtigen, dass die Kamera möglichst kompakt gebaut ist. Ein IBIS Mechanismus braucht halt Platz und würde die Herstellungskosten in die Höhe treiben. Eine kamerainterne Sensorreinigung fehlt leider ebenfalls.

Z50 Oberseite mit Moduswahlrad und Moduswähler Foto/Video. Letzterer hinterlässt mechanisch einen etwas zwiespältigen Eindruck und kann nicht mit der sonst exzellenten Verarbeitung mithalten.

Der mechanische Verschluss reicht nur bis 1/4000s, für den elektronischen Verschluss ist ebenfals bei dieser Zeit Schluss. Glücklicherweise ist die Z50 bei der Blitzsynchronzeit nicht beschnitten – es stehen 1/200s und FP Kurzzeitsynchronisation zur Verfügung.

Der Schalter für die Umstellung von Foto- zu Videoaufnahmen ist nun unter das Moduswahlrad gezogen, welches seinerseits auf die rechte Gehäuseseite gewandert ist. Leider lässt sich dieses nicht arretieren, womit eine versehentliche Verstellung des Öfteren vorkommen kann.

Einschränkungen durch Firmware und andere Merkwürdigkeiten

Kurios sind die Einschränkungen, die Nikon der Z50 durch Firmware auferlegt hat. Diese sind insbesondere deshalb ärgerlich, weil sie eine künstliche Beschränkung ohne Auswirkung auf die Herstellkosten darstellen und zur reinen Produktdifferenzierung dienen.

Zu den harmloseren Einschränkungen zählt sicherlich die verschwundene Information zum Zustand des Akkus. Der Menüpunkt Akkufinformation wurde einfach gestrichen und es bleibt einem nur die recht rudimentäre drei-Segment Anzeige zum Ladezustand.

Schwerwiegender ist schon ein weiterer Menüpunkt, der einfach verschwunden ist: Daten für non-CPU Objektive. Es besteht im Gegensatz zur Z6/Z7 nicht die Möglichkeit, Brennweite und Offenblende für manuelle Objektive zu hinterlegen. Die größeren FX Kameras benötigen diese Information (zumindest die Brennweite) dringend für die Steuerung des IBIS Mechanismus,  dieser Grund entfällt bei der Z50 natürlich.

Der Entfall scheint für die Z50 daher erst einmal nicht so dramatisch. Dennoch ergibt sich ein unangenehmer Nebeneffekt: die automatische Bestimmung der minimalen Verschlusszeit auf Basis der Brennweite für die Auto-ISO Funktion arbeitet nicht mehr korrekt und stellt im Standard immer eine minimale Verschlusszeit von 1/30s ein. Umgehen lässt sich dies nur, wenn man (wie früher) selber eine minimale Verschlusszeit festsetzt. Käufer der Z50 dürften aber auch nicht die klassichen Nutzer manuell zu fokussierender Objektive sein.

Eine kuriose Merkwürdigkeit ist die Tatsache, dass sich (mit Firmware Version 1.0) der mechanische Verschluss der Z50 nicht auswählen lässt, sobald das Kitobjektiv 16-50mm 3,5-6,3 angeschlossen ist. Ich gehe davon aus, dass dies auch beim zweiten VR Kitzoom, dem 50-250mm so ist, kann dies allerdings derzeit mangels Testexemplar nicht verifizieren. Ich vermute, dass dies mit dem VR Mechanismus des Objektivs zu tun hat. Setzt man das DX VR 16-50mm 3,5-6,3 an die Z7 mit Firmware 2.01 an funktioniert zwar der mechanische Verschluss, VR lässt sich allerdings nicht aktivieren. Aktualisiert man die Z7 auf die neue Firmware 2.1 funktioniert zwar der VR, der mechanische Verschluss wird aber deaktiviert.

In der Praxis weitaus irritierender ist die eingeschränkte Auswahl der Sucher-/Displaymodi. Während Z6 und Z7 die Varianten nur Monitor – nur Sucher – automatische Umschaltung – Sucher bevorzugen“ kennen, steht letzterer bei der Z50 nicht zur Verfügung. Für mich stellt dies eine deutliche Einschränkung dar, da ich gewohnt bin durch den Sucher zu fotografieren, bei Bedarf aber gerne aufgenommene Bilder auf dem Monitor kontrolliere. Auch hier ist nicht verständlich, warum der Modus Sucher bevorzugen nicht angeboten wird – es würde schließlich keine Mehrkosten verursachen.

Eine weitere Reduktion stellt die Einschränkung der RAW Optionen dar. Es kann nur zwischen 12 bit und 14 bit gewählt werden, eine Beeinflussung der Kompressionsmethode ist nicht möglich.

Manuelle Objektive ohne CPU Kontakte können nur mit mittenbetonter Belichtungsmessung verwendet werden.

Bildqualität und Kitobjektiv DX 15-60mm 3.5-6,3

ISO Vergleich Z50 / D500 bei ISO 3200, 6400 und 12800

Zur Bildqualität braucht man eigentlich nicht viele Worte verlieren. Der 20,9 MP Sensor liefert identische Ergebnisse im Vergleich zu den DX Modellen D500/D7500 und liegt damit ebenfalls auf dem Niveau der FX Äquivalente D850 und Z7. Meine persönliche Schmerzgrenze in Bezug auf das Bildrauschen liegt bei ISO 6400, 12.800 funktioniert sicher im Notfall auch noch, die beiden Stufen darüber meiner Meinung nach nicht nutzbar.

Altbekannte Sparmaßnahmen: Plastikbajonett und Aufsteckkappe statt vollwertiger Rückdeckel. Abgesehen davon bemerkenswert kompakt, leicht und leistungsstark.

Das Kitobjektiv Z DX 16-50mm 3,5-6,3 ist besser verarbeitet als die 18-55mm Kitobjektive der Spiegelreflexkameras und trägt insbesondere in der Transportstellung kaum auf. Das Leichtgewicht verfügt leider nur über ein Plastikbajonett, was beim geringen Gewicht von 135g jedoch keine Rolle spielt.

Die Bildqualität ist mehr als ordentlich. Ich möchte der eigenständigen Rezension des Objektivs nicht vorgreifen, daher soll an dieser Stelle nur gesagt sein, dass es bis auf den Bereich zwischen 16 und 20mm ab Blende 5,6 bis in die Ecken eine ordentliche Bildqualität erreicht und bei Blende 8 über den gesamten Bildbereich bei allen Brennweiten überzeugen kann.

Z DX 16-50mm 3,5-6,3 bei 16mm und Blende 5,6

Z DX 16-50mm 3,5-6,3 bei 25mm und Blende 5,6

Z DX 16-50mm 3,5-6,3 bei 50mm und Blende 6,3

Fazit

Die Z50 ist eine kleine aber feine, leichte DX Kamera für den Alltag. Sie bietet eine hervorragende Bildqualität und stellt zusammen mit dem Z DX Kitobjektiv 16-50mm eine sehr gut abgestimmte Kombination dar, auch wenn das Objektiv am langen Ende etwas lichtstärker sein könnte. Kombiniert man das Kit mit einem FTZ Adapter und dem kleinen AF-P 10-20mm 4,5-5,6 hat man vom Ultraweitwinkel bis 75mm ein sehr kompaktes Setup. Fürgt man dann noch entweder das Z DX 50-250mm Objektiv oder eines der AF-P 70-300mm VR Objektive für DX oder FX hinzu, bekommt man eine Ausrüstung mit durchgängiger Bildstabilisierung und solider Bildqualität bis 450mm.

Diese Zusammenstellung zeigt allerdings auch ein Problem der Z50. Der Bereich zwischen 16mm und 250mm wird durch native Z DX Objektive abgedeckt, wahlweise auch mit den bisher erschienenen Z Objektiven für Vollformat, wodurch im Weitwinkel auch 14mm zur Verfügung stehen. Ein dringend benötigtes Ultraweitwinkel mit höchstens 10mm am kurzen Ende fehlt hingegen völlig, auch wenn das AF-P DX 10-20mm 4,5-5,6 via FTZ Adapter eine gut und günstige Alternative darstellt.

Auch als Zweitkamera zu einer Z6/7 kann die Z50 durchaus gefallen, die Unterschiede in der Handhabung sind zwar deutlich aber tolerabel. Sofern man sich an die kamerainterne Bildstabilisierung  der beiden FX Z’s gewöhnt hat, vermisst man diese natürlich bei der Z50. Weitaus ärgerlicher sind allerdings die willkürlich erscheinenden Einschränkungen in der Firmware. Kennt man Z6 und Z7 hingegen nicht, fallen diese Einschränkungen nicht auf und schränken auch nicht wirklich ein.

Die Z50 macht wirklich Spaß und bietet eine sehr gute Bildqualität. Für mich wird sie die immer dabei Alternative zur Z7 oder den Spiegelreflexkameras. Am Ende steht sie innerhalb des Nikon Z DX Systems (noch) recht alleine da. Für sich genommen – insbesondere zusammen mit den Kit Objektiven – stellt sie ein sehr gelungenes Produkt dar.

Fazit nach einem Jahr Nikon Z

Ein Jahr nach Einführung der ersten Nikon Z Kameras ist es für mich an der Zeit ein erstes Fazit zum System zu ziehen. Dies finde ich insbesondere deshalb wichtig, da Nikon die Stärken des Systems im Marketing nur ungenügend in den Vordergrund stellt.

Die mittlerweile drei verfügbaren Z Gehäuse Z6, Z7 und Z50 sind allesamt exzellent verarbeitet und ergonomisch erstklassig. Wer schon einmal eine Sony Alpha 7 oder gar eine Kamera aus der APS-C 6000er Serie in der Hand gehalten hat kann nur zu dem Schluss kommen, dass Nikon speziell im Punkt Ergonomie gefühlte Lichtjahre voraus ist. Auch mit großen und schweren Objektiven hat man die Z Gehäuse sicher und ermüdungsfrei im Griff.

Viel wichtiger ist jedoch, wie das fertige Bild am Ende aussieht. Und an dieser Stelle können Z Gehäuse und Objektive vollends überzeugen.

Auf Seiten der Gehäuse sticht insbesondere der sehr ausgewogene und mit exzellenten High-ISO Fähigkeiten gesegnete Z6 Sensor hervor. Aber auch der Bilderzeuger der Z7 muss sich nicht verstecken, schließlich entspricht er dem hoch gelobten Sensor der D850. Mit dem 20,9 MP APS-C Sensor besitzt die Z50 ebenfalls eine bekannte und bewährte Größe. Alle drei Kameras verfügen somit über erstklassige Sensoren.

Bei den Objektiven ist der Vorteil des Z Systems noch auffälliger. Alle bisher vorgestellten Z Objektive erreichen eine erstklassige Bildqualität, die über das bisher gebotene im F Bajonett zum Teil deutlich hinaus geht.

Die 1,8er Festbrennweiten bieten eine deutlich bessere Schärfe bei Offenblende als die F Äquivalente und das bis in die Randbereiche hinein. Insbesondere die Z 50mm und 85mm 1,8 S lassen den AF-S Brüdern keine Chance – auch den lichtstärkeren 1,4er Objektiven nicht, wenn man sie bei Blende 1,8 vergleicht. Das Z 35mm 1,8S ist für mich zu einem unverzichtbaren Begleiter in Großstädten geworden. Zusammen mit dem IBIS der Z7 ergibt es die ideale Kombination für abendliche Streifzüge.

Vielleicht ist das auch ein Problem des Z Systems. Die relativ moderate Lichtstärke der Festbrennweiten von 1,8 gepaart mit recht hohen Preisen verwundern auf den ersten Blick. Nikon muss stärker deutlich machen, dass diese Objektive bereits bei Offenblende eine bisher nicht gesehene Bildqualität liefern (bezogen auf die bisherigen Nikon Objektive). Preis/Leistung und Größe/Gewicht sind  ideal abgestimmt, was man aber erst merkt, wenn man einmal eine Z mit entsprechenden Objektiven in Händen hält und eine längere Zeit nutzt.

Auch die beiden 24-70mm Objektive mit Blende 4 und 2,8 sind optisch exzellent. Beim kleinen Kitobjektiv hat sich das bereits herumgesprochen, aber auch der große 2,8er Bruder bietet viel Leistung fürs Geld. Lediglich das Z 14-30mm 4,0 schwächelt meiner Meinung nach etwas, da sich dieses Objektiv recht stark auf Eingriffe durch die automatische Softwarekorrektur verlässt um bei Verzeichnung und Vignettierung zu überzeugen.

Es ist etwas schade, dass der Aspekt der Bildqualität im Nikon Marketing etwas untergeht. Ja, sicher ist sie in gewisser Weise zentraler Bestandteil des Marketings mehr Licht..), dies allerdings so allgemein und unspezifisch, dass nicht klar wird, wie die Vorteile genau aussehen.

Ich selber greife derzeit instinktiv zur Z7, wenn es um die maximale Bildqualität bei Landschaft, Architektur und Portrait geht. Sobald es um sich bewegende Motive geht, würde ich immer zu einer F Spiegelreflex greifen – für AF Tracking sind die D500 und D850 bisher ungeschlagen. Für alle anderen Motive ist es mittlerweile eine Z. Nach einem Jahr ist dieses neue Kamerasystem für mich nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken – und das ist sicherlich das deutlichste Fazit, dass man ziehen kann.

Nikkor Z 50mm 1,8 S

Das dritte Objektiv zur Nikon Z Serie erscheint auf den ersten Blick wenig aufregend. Ein 50mm 1,8 dürfte zu den ersten Objektiven gehören, die mancher in seiner Anfangszeit als Spiegelreflexfotograf als günstige Ergänzung zum Kitobjektiv erstanden hat.

Das Nikkor Z 50mm 1,8 S ist mit einem Preis von knapp über 500 Euro sicherlich keine günstige Einsteigerlinse, womit auch der Anspruch an die optische Leistung des Objektivs steigt.

Wie alle bisherigen Z Festbrennweiten wird der Objektivtubus vom großflächigen Einstellring dominiert. Wie bereits schon beim Z 35mm 1,8 S empfinde ich dies persönlich als störend, da man das Objektiv mangels Griffmöglichkeit kaum anfassen kann, ohne den Ring zu verstellen. Ist dieser auf manuellen Fokus eingestellt und kommt der AF bei der Aufnahme zum Zug ist das kein Problem, nutzt man jedoch die äußerst praktische Funktion der Blendeneinstellung kommt es fortlaufend zur unbewussten Verstellung der Blende.

Insgesamt zeigt sich das Z 50mm 1,8 S gut verarbeitet und ausreichend solide. Der Auftritt des Objektivs ist insgesamt als schlicht zu bezeichnen. Mancher wird auch die fehlende Tiefenschärfeskala vermissen, allerdings werden wir uns in Zeiten der focus-by-wire Objektive ohne mechanische Kupplung zwischen Fokusring und Linsengruppe generell von dieser verabschieden müssen. Die Naheinstellgrenze liegt mit 40cm im klassenüblichen Bereich.

Optische Qualität

Ab Offenblende liefert das Z 50mm 1,8S eine exzellente Leistung. Die Schärfe nimmt zum Bildrand nur minimal ab und selbst die äußersten Ecken können mit einer guten Leistung überzeugen. Ab Blende 2,8 ist die Schärfe in jedem Bildbereich an einem 45 MP Sensor tadellos.

Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/1,8
Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/1,8
Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/2,8
Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/2,8

Das Z 50mm 1,8 vignettiert bei Offenblende weniger stark als das Z 35mm 1,8, aber dennoch mehr als man erwarten könnte. Ab Blende Blende 2,8 ist die Randabdunkelung kaum mehr sichtbar.

Farben und Kontrast sind wie beim Z 35mm 1,8 S intensiv ausgeprägt. Die Hintergrundunschärfe („Bokeh“) fällt recht weich aus – auch hier eine Verbesserung gegemüber den AF-D und AF-G Objektiven.

Aberrationen halten sich sehr stark in Grenzen, selbst bei Offenblende ist kein Kontrastverlust feststellbar. Farbsäume sind ebenfalls nur sehr minimal vorhanden. 

Fazit

Aus dem Nikon Programm gibt es kein anderes 50mm Objektiv, was auch nur ansatzweise mit der Bildqualität des Z 50mm 1,8 S mithalten könnte. Für den aktuellen Preis von ca. 550 € verdient das Z 50mm 1,8 S eine absolute Kaufempfehlung.  

Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/2,0
Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/2,0 nahe der minimalen Fokusdistanz

Nikkor Z 35mm 1,8 S

Nikons erstes 35mm Objektiv für das spiegellose Z System kam im September 2018 auf den Markt. Es ist mit einer – für Festbrennweiten – moderaten Lichtstärke von 1,8 ausgestattet und dafür alles andere als kompakt. Da die Objektive der S Serie laut Nikon allerdings auf beste Bildqualität hin optimiert sind, sind die Abmessungen des Objektivs eher vernachlässigbar. Dafür fällt das Gewicht mit 370g angenehm leicht aus. Das Objektiv ist eine Gemeinschaftsentwicklung mit Konica Minolta, Patent JP2019090947A .

Gehäuse und Handling

Die äußere Erscheinung ist wie bei allen Z Objektiven recht schlicht gehalten. Der programmierbare Einstellungsring nimmt einen großen Teil des Objektivtubus ein. Interessanterweise besteht dieser Ring aus Metall, während der Rest des Objektivs (mit Ausnahme des Bajonetts) aus Plastik gefertigt ist.

Meiner Meinung nach hätte der Einstellring auch deutlich kleiner ausfallen können da man fast keine Möglichkeit hat, das Objektiv an einer anderen Stelle anzufassen – was immer auch die Gefahr versehentlicher Verstellung mit sich bringt. Beim Fokus mag das noch unproblematisch sein, sofern der Autofokus die veränderte Einstellung schnell korrigieren kann oder man sowieso manuell fokussiert. Programmiert man den Ring jedoch auf die Blendeneinstellung (was durchaus praktisch ist) kommt es öfters zur unbeabsichtigten Verstellung deselben.

Optische Leistung

Die Abmessungen des Objektivs und der Preis signalisieren schon, dass Nikon beim 35mm 1,8 Z auf optische Leistung hin optimiert hat. Dem Anspruch wird das Z 35mm 1,8 S auch durchaus gerecht.

Nikkor Z 35mm 1,8 S bei Blende 1,8

Bereits bei Offenblende wird in der Bildmitte eine Schärfe erreicht, die nochmal deutlich besser ist als die des AF-S G 35mm 1,8 ED für das F Bajonett. Selbst zum Rand hin zeigt das Z 35mm 1,8 S bei Offenblende eine gute Schärfe, die sich durch minimales abblenden auf Blende 2,2 auf ein exzellentes Niveau steigern lässt. Die äußersten Ecken sind bei Blende 2,8 tadellos.

Aberrationen halten sich sehr stark in Grenzen, selbst bei Offenblende ist kein Kontrastverlust feststellbar. Farbsäume sind ebenfalls nur sehr minimal vorhanden.

Verwunderlich ist die bei Offenblende durchaus sichtbar ausgeprägte Vignettierung. Sie ist etwas stärker ausgeprägt als man erwarten würde, obwohl der große Bajonettdurchmesser des Z Systems in diesem Bereich Vorteile bringen sollte. Bei Blende 2,8 tritt kaum noch Abdunkelung auf und ab Blende 4 ist sie nicht mehr sichtbar.

Intensive Farben und starker Kontrast runden das Gesamtpaket ab. Insgesamt erscheinen Fotos mit dem Z 35mm 1,8 S lebendiger und mit mehr Tiefe als im direkten Vergleich mit dem AF-S 35mm 1,8G ED.

Fazit

Das Z 35mm 1,8 S spielt in einer anderen optischen Liga als das Pendant für das traditionelle F Bajonett. Nikon zeigt – mit Ausnahme der Vignettierung – welche Vorteile das neue Z Bajonett hat. Bereits ab Offenblende liefert es eine beeindruckende Leistung, die derzeit nur vom Z 50mm 1,8 S überboten wird.

Im Gegensatz zu vielen Nikon F Festbrennweiten hat man bei den neuen Z f/1,8 Objektiven den Eindruck, dass diese wirklich auf exzellente Leistung bei Offenblende hin optimiert wurden.

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 2,8

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 2,8

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 4

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 4

© 2026 Dennis Saßmannshausen Fotografie

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