Nikkor Z 50mm 1,8 S

Das dritte Objektiv zur Nikon Z Serie erscheint auf den ersten Blick wenig aufregend. Ein 50mm 1,8 dürfte zu den ersten Objektiven gehören, die mancher in seiner Anfangszeit als Spiegelreflexfotograf als günstige Ergänzung zum Kitobjektiv erstanden hat.

Das Nikkor Z 50mm 1,8 S ist mit einem Preis von knapp über 500 Euro sicherlich keine günstige Einsteigerlinse, womit auch der Anspruch an die optische Leistung des Objektivs steigt.

Wie alle bisherigen Z Festbrennweiten wird der Objektivtubus vom großflächigen Einstellring dominiert. Wie bereits schon beim Z 35mm 1,8 S empfinde ich dies persönlich als störend, da man das Objektiv mangels Griffmöglichkeit kaum anfassen kann, ohne den Ring zu verstellen. Ist dieser auf manuellen Fokus eingestellt und kommt der AF bei der Aufnahme zum Zug ist das kein Problem, nutzt man jedoch die äußerst praktische Funktion der Blendeneinstellung kommt es fortlaufend zur unbewussten Verstellung der Blende.

Insgesamt zeigt sich das Z 50mm 1,8 S gut verarbeitet und ausreichend solide. Der Auftritt des Objektivs ist insgesamt als schlicht zu bezeichnen. Mancher wird auch die fehlende Tiefenschärfeskala vermissen, allerdings werden wir uns in Zeiten der focus-by-wire Objektive ohne mechanische Kupplung zwischen Fokusring und Linsengruppe generell von dieser verabschieden müssen. Die Naheinstellgrenze liegt mit 40cm im klassenüblichen Bereich.

Optische Qualität

Ab Offenblende liefert das Z 50mm 1,8S eine exzellente Leistung. Die Schärfe nimmt zum Bildrand nur minimal ab und selbst die äußersten Ecken können mit einer guten Leistung überzeugen. Ab Blende 2,8 ist die Schärfe in jedem Bildbereich an einem 45 MP Sensor tadellos.

Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/1,8
Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/1,8
Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/2,8
Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/2,8

Das Z 50mm 1,8 vignettiert bei Offenblende weniger stark als das Z 35mm 1,8, aber dennoch mehr als man erwarten könnte. Ab Blende Blende 2,8 ist die Randabdunkelung kaum mehr sichtbar.

Farben und Kontrast sind wie beim Z 35mm 1,8 S intensiv ausgeprägt. Die Hintergrundunschärfe („Bokeh“) fällt recht weich aus – auch hier eine Verbesserung gegemüber den AF-D und AF-G Objektiven.

Aberrationen halten sich sehr stark in Grenzen, selbst bei Offenblende ist kein Kontrastverlust feststellbar. Farbsäume sind ebenfalls nur sehr minimal vorhanden. 

Fazit

Aus dem Nikon Programm gibt es kein anderes 50mm Objektiv, was auch nur ansatzweise mit der Bildqualität des Z 50mm 1,8 S mithalten könnte. Für den aktuellen Preis von ca. 550 € verdient das Z 50mm 1,8 S eine absolute Kaufempfehlung.  

Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/2,0
Nikkor Z 50mm 1,8 S @ f/2,0 nahe der minimalen Fokusdistanz

Nikkor Z 35mm 1,8 S

Nikons erstes 35mm Objektiv für das spiegellose Z System kam im September 2018 auf den Markt. Es ist mit einer – für Festbrennweiten – moderaten Lichtstärke von 1,8 ausgestattet und dafür alles andere als kompakt. Da die Objektive der S Serie laut Nikon allerdings auf beste Bildqualität hin optimiert sind, sind die Abmessungen des Objektivs eher vernachlässigbar. Dafür fällt das Gewicht mit 370g angenehm leicht aus.

Gehäuse und Handling

Die äußere Erscheinung ist wie bei allen Z Objektiven recht schlicht gehalten. Der programmierbare Einstellungsring nimmt einen großen Teil des Objektivtubus ein. Interessanterweise besteht dieser Ring aus Metall, während der Rest des Objektivs (mit Ausnahme des Bajonetts) aus Plastik gefertigt ist.

Meiner Meinung nach hätte der Einstellring auch deutlich kleiner ausfallen können da man fast keine Möglichkeit hat, das Objektiv an einer anderen Stelle anzufassen – was immer auch die Gefahr versehentlicher Verstellung mit sich bringt. Beim Fokus mag das noch unproblematisch sein, sofern der Autofokus die veränderte Einstellung schnell korrigieren kann oder man sowieso manuell fokussiert. Programmiert man den Ring jedoch auf die Blendeneinstellung (was durchaus praktisch ist) kommt es öfters zur unbeabsichtigten Verstellung deselben.

Optische Leistung

Die Abmessungen des Objektivs und der Preis signalisieren schon, dass Nikon beim 35mm 1,8 Z auf optische Leistung hin optimiert hat. Dem Anspruch wird das Z 35mm 1,8 S auch durchaus gerecht.

Nikkor Z 35mm 1,8 S bei Blende 1,8

Bereits bei Offenblende wird in der Bildmitte eine Schärfe erreicht, die nochmal deutlich besser ist als die des AF-S G 35mm 1,8 ED für das F Bajonett. Selbst zum Rand hin zeigt das Z 35mm 1,8 S bei Offenblende eine gute Schärfe, die sich durch minimales abblenden auf Blende 2,2 auf ein exzellentes Niveau steigern lässt. Die äußersten Ecken sind bei Blende 2,8 tadellos.

Aberrationen halten sich sehr stark in Grenzen, selbst bei Offenblende ist kein Kontrastverlust feststellbar. Farbsäume sind ebenfalls nur sehr minimal vorhanden.

Verwunderlich ist die bei Offenblende durchaus sichtbar ausgeprägte Vignettierung. Sie ist etwas stärker ausgeprägt als man erwarten würde, obwohl der große Bajonettdurchmesser des Z Systems in diesem Bereich Vorteile bringen sollte. Bei Blende 2,8 tritt kaum noch Abdunkelung auf und ab Blende 4 ist sie nicht mehr sichtbar.

Intensive Farben und starker Kontrast runden das Gesamtpaket ab. Insgesamt erscheinen Fotos mit dem Z 35mm 1,8 S lebendiger und mit mehr Tiefe als im direkten Vergleich mit dem AF-S 35mm 1,8G ED.

Fazit

Das Z 35mm 1,8 S spielt in einer anderen optischen Liga als das Pendant für das traditionelle F Bajonett. Nikon zeigt – mit Ausnahme der Vignettierung – welche Vorteile das neue Z Bajonett hat. Bereits ab Offenblende liefert es eine beeindruckende Leistung, die derzeit nur vom Z 50mm 1,8 S überboten wird.

Im Gegensatz zu vielen Nikon F Festbrennweiten hat man bei den neuen Z f/1,8 Objektiven den Eindruck, dass diese wirklich auf exzellente Leistung bei Offenblende hin optimiert wurden.

 

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 2,8

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 2,8

 

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 4

Nikkor Z 35mm 1,8 S, Blende 4

Nikkor Z 24-70mm 2,8 S

Nikons erstes professionelles Standardzoom für das Z System erschien im Frühjahr 2019. Wobei die Bezeichnung „professionell“ unterschlägt, dass das lichtschwächere Z 24-70mm 4,0 S ebenfalls zu Profilinie der „S“ Nikkore gehört und damit dieses Attribut eigentlich auch dem kleineren Bruder zusteht. Die Abbildungsleistung des 4,0er Objektivs unterstreicht diesen Anspruch ebenfalls.

Wozu dann noch die deutlich teurere Variante mit einer Blende Lichtstärke mehr, mach da manch einer fragen – zumal der Gewinn von einer Blende Lichtstärke mit recht happigen 1400 € Aufpreis erkauft wird. Vorab: es sind im Einzelnen moderate, in der Summe jedoch signifikante Unterschiede in Handling und optischer Leistung, die als Gesamtpaket und abhängig von den eigenen Anforderungen eine Anschaffung rechtfertigen können.

Gehäuse und Handling

Das Nikkor Z 24-70mm 2,8 S gleicht in seiner äußeren Erscheinung den anderen, bis jetzt (Mitte 2019) erschienenen Z Objektiven. Es ist recht schlicht in Schwarz gehalten mit minimalistischer, weißer Beschriftung. Vorbei die Zeiten, in denen sich die teureren Nikon Objektive durch zusätzliche Goldringe vom Rest des Angebotes abhoben.

Die Verarbeitung ist solide, allerdings fühlt sich das Objektiv nicht so massiv an wie professionelle Objektive für das F Bajonett. Hierzu mag insbesondere die großzügige Verwendung von Plastik beitragen.

Das „große“ 24-70mm verfügt neben dem mechanischen Zoomring (mit Gummiauflage) über zwei Einstellringe, wobei der hintere mit der Funktion Blendenverstellung, Belichtungskorrektur oder „keine Funktion“ belegt werden kann. Der vordere Ring ist fix auf manuellen Fokus eingestellt. Der hintere Ring ist so positioniert, dass man ihn selten bis gar nicht versehentlich berührt, was meiner Meinung nach zum ersten Mal die sichere Verwendung der Blendenverstellung per Einstellring ermöglicht. Beide Einstellringe sind aus Metall gefertigt.

Zusätzlich hat Nikon dem Objektiv noch einen Fn-Button spendiert. Diese Taste kann mit allen Funktionen belegt werden, die auch für die Funktionstasten am Gehäuse zugewiesen werden können. Besonders empfehlenswert ist es die Bildwiedergabe auf diese Taste zu legen. So kann man – ohne das Auge von Sucher nehmen zu müssen – eine schnelle Bildkontrolle durchführen.

Anzeigemodi des Objektivdisplays Nikkor Z 24-70mm 2,8 S

Anzeigemodi des Objektivdisplays

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal bietet das kleine OLED Display auf der Oberseite des Objektivs. Die „DISP“ Taste schaltet durch drei verschiedene Anzeigemodi: Brennweite, Fokusdistanz (inkl. rudimentärer Tiefenschärfeskala), Blende. Im direkten Sonnenlicht ist das Display allerdings relativ schlecht abzulesen, in dunklen Räumen dafür etwas zu hell. Eine Anpassung an die Helligkeit der Umgebung erfolgt nicht. Das Display schaltet sich nach einigen Sekunden automatisch ab und muss bei Bedarf immer wieder über die DISP Taste aktiviert werden.

Wie bei vielen Objektiven aus Nikons Profiklasse ist die Sonnenblende mit einem Arretiermechanismus ausgestattet. Die Blende lässt sich erst lösen wenn man einen Knopf seitlich eindrückt – natürlich nur, sofern man keine übermäßige Gewalt anwendet, dann löst sie sich auch so. Schlau gelöst ist die etwas schwächer ausgelegte Fixierung bei umgedreht zum Transport angebrachter Blende. Hier muss man nicht zwingend die Arretierung lösen, die Blende lässt sich mit moderatem Widerstand abdrehen.

Der Fokusantrieb arbeitet minimal leiser und in etwa gleich schnell wie beim Z 24-70mm 4,0.

Optische Leistung

Nikkor Z 24-70mm 2,8 S @ 70mm, 100% Crop aus der Bildmitte

Nikkor Z 24-70mm 2,8 S @ 70mm, 100% Crop aus der Bildmitte. Blende 2,8, 4,0, 5,6

Während die günstigeren Zoomobjektive im Z System in großem Maß auf Softwarekorrekturen setzen und diese beim 14-30mm und 24-70mm 4,0 nicht abschaltbar sind, kann das Z 24-70mm 2,8 auch ohne zwangsweise aktivierte Korrektur verwendet werden. Die dabei zu Tage tretende Verzeichnung liegt insbesondere im Weitwinkelbereich etwas über der sonst üblichen Grenzen eines 24-70mm Zooms. Insbesondere im Bereich von 24mm -28mm würde ich mir etwas weniger Verzeichnung wünschen.

Bei Blende 2,8 kann das Z 24-70mm 2,8 S in der Bildmitte durch alle Brennweitenbereiche hindurch überzeugen. Schärfe und Kontrast bereits bei Blende 2,8 auf einem sehr hohen Niveau, auch wenn es zu 70mm hin etwas nachlässt. Besonders hervorzuheben ist die Schärfe am Rand und in den Bildecken, dies ebenfalls ab 24mm und Blende 2,8. Auch wenn bis ca. 28mm die Bildschärfe bei Offenblende zum Rand hin leicht abnimmt fällt dies nicht weiter ins Gewicht.

Ab Blende 4 bietet das Z 24-70mm 2,8 S eine tadellose Abbildungsleistung über das gesamte Bildfeld mit ausgezeichneter Bildschärfe bis in die Ecken. Um es deutlich zu sagen: ich hätte kein Problem damit, für Landschaftsaufnahmen Blende 4 einzusetzen, sofern Motivabstand und Tiefenschärfe dies zulassen. Dies ist ein Novum für ein Nikon 24-70mm Zoom.

Aberrationen sind gut korrigiert, auch ohne Softwareprofil sind kaum Farbsäume auszumachen.

Nikon Z 24-70mm 2,8 S @ 35mm f/3,5

35mm f/3,5

Die Farben sind neutral mit einem Hang zur kühleren Darstellung. Wie fast bei allen bisherigen Z Objektiven fällst eine relativ stark ausgeprägte Vignettierung auf. Dies ist insbesondere aufgrund des großen Bajonettdurchmessers verwunderlich. Die Vignettierung ist bei Blende 2,8 deutlicher sichtbarer als beim F AF-S 24-70mm 2,8 G Objektiv. Oberhalb von 28mm ist sie bei Blende 4 immer noch vorhanden aber unproblematisch und erst bei Blende 5,6 verschwunden. Zwischen 24mm und 28mm vignettiert das Objektiv auch bei f/5,6 noch sichtbar.

Vergleich zum Z 24-70mm 4,0 S

Beide Objektive sind sich in ihrer Charakteristik recht nah. Die Farbabstimmung ist exakt gleich, das 2,8er hat jedoch beim Kontrast insgesamt die Nase vorn. Die Fotos des 24-70mm 4,0 wirken etwas weniger klar, wobei der Unterschied im unmittelbaren Vergleich zwar sichtbar aber nicht dramatisch ist. Gleiches gilt für die Schärfe in der Bildmitte. Zum Rand hin und in die Ecken das 2,8er Objektiv etwas im Vorteil, bei Blende 5,6 sind beide hinsichtlich der Schärfe kaum auseinanderzuhalten. Das 2,8er Objektiv hat jedoch in den äußersten Ecken zwischen 24mm und 35mm und Blende 4-5,6 einen leichten Vorteil hinsichtlich der Schärfe.

Vergleich zum AF-S 24-70mm 2,8 G ED

Die Unterschiede im Vergleich zum ersten Nikkor 24-70mm 2,8 Objektiv – der G-Variante ohne VR – sind schon leichter zu erkennen. Insbesondere im Brennweitenbereich zwischen 24mm und 35mm leidet das F/G Objektiv unter den Effekten einer deutlich sichtbaren Bildfeldwölbung. Im Ergebnis überholt das Z 24-70mm 2,8 S in diesem Bereich das ältere am Rand hinsichtlich der Bildschärfe deutlich. Erst ab 35mm liegen beide recht nah beieinander.

Nikkor Z 24-70mm 2,8 S vs. Nikkor Z 24-70mm 4,0 S vs. Nikkor AF-S 24-70mm 2,8 G ED. 24mm bei Blende 5,6, Ausschnitt aus der Bildmitte.

Nikkor Z 24-70mm 2,8 S vs. Nikkor Z 24-70mm 4,0 S vs. Nikkor AF-S 24-70mm 2,8 G ED. 24mm bei Blende 5,6, Ausschnitt aus der Bildmitte.

Fazit

Insgesamt hebt das Nikkor Z 24-70mm 2,8 S das optische Niveau für ein Zoom dieser Brennweite auf das nächste Level. Allerdings erkauft man sich die Steigerung von „sehr gut“ nach „exzellent“ recht teuer. Schließlich kommt die stärkste Konkurrenz aus dem eigenen Haus – selbst das Z 24-70mm 4,0 S ist dem älteren AF-S 24-70mm 2,8 G ED eine Nasenspitze voraus, sofern man die Ausgewogenheit der Abbildungsleistung über alle Parameter hinweg betrachtet und die fest vorgegebenen Softwarekorrekturen akzeptiert.

Persönlich würde ich mir ein Objektiv mit diesen Abbildungsleistungen acuh für das F Bajonett wünschen.

RAW Dateien bei Blende 2,8 und unterschiedlichen Brennweiten:

24mm 2,8 RAW

28mm 2,8 RAW

35mm 2,8 RAW

49mm 2,8 RAW

70mm 2,8 RAW

Nikon Z 85mm 1,8 S

Das Nikkor Z 85mm 1,8 S erschien Anfang September 2019 und ist die dritte Festbrennweite im Nikon Programm für die spiegellosen Z Kameras. Mit 899 Euro ist sie darüber hinaus relativ teuer geraten.

Konstruktion und Handling

Mit 470g ist es 120g schwerer als das Pendant für den F Mount und in der länge nur 2-3mm kürzer als die Kombination aus AF-S 85mm 1,8 G und FTZ Adapter.

Das äußere Erscheinungsbild entspricht dem minimalistischen Design der bisher vorgestellten 1,8er Z Nikkore. Großer Einstellring, M/A Umschalter – sonst nichts. Wieder einmal missfällt mir der große Einstellring, der zu leicht versehentlich berührt und verstellt werden kann, was die sonst sehr sinnvolle Blendenverstellung per Objektivring in der Praxis unbrauchbar macht.

Der Fokusmotor arbeitet etwas flotter als bei den bisher erschienenen 35mm und 50mm Objektiven, ist dafür aber auch der lauteste aus der Dreiergruppe.

Optische Leistung

Wieder einmal zeigt Nikon, was mit dem neuen Z Bajonett möglich ist. Die Bildschärfe in der Bildmitte ist bereits ab Offenblende exzellent. Und selbst zum Rand hin kann es sich mehr als deutlich zum F Pendant absetzen. Bereits ab Blende 1,8 ist die Schärfe am Rand und in den Ecken sehr gut. Generell kann man sagen, dass die Bildschärfe dem AF-S G 85mm 1,8 1-2 Blendenstufen vorauseilt – die Bildschärfe des Z Nikkors bei f/1,8 wird vom G Nikkor erst bei Blende 4 vollständig eingeholt.

Z 85mm 1,8 vs. G 85mm 1,8, Bildmitte bei Blende 1,8, 2,8 4,0

Farbsäume sind kaum auszumachen, ebenso wie andere Aberrationen, die bei Offenblende gerne auftreten. Selbst bei Blende 1,8 zeichnet das Objektiv kontraststark. Leicht abgeblendet steigert sich der Kontrast moderat.

Im Gegensatz zu den Objektiven Z 35mm 1,8 und Z 50mm 1,8 hält sich die Vignettierung diesmal im üblichen Rahmen und ist ab Blende 2,8 kaum noch wahrnehmbar. Die automatische Vignettierungskorrektur ist bei Offenblende in der Lage die Vignettierung gut auszugleichen.

Bei der Hintergrundunschärfe müssen jedoch leichte Abstriche gemacht werden. Das Z Nikkor erscheint mir auf den ersten Blick etwas unruhiger als das G Nikkor. Hier zwei Vergleichsbilder von Z (oben) und G (unten) bei Blende 1,8:

Z Nikkor 85mm 1,8 S @ 1,8

Nikkor AF-S 85mm 1,8 G @ 1,8

Fazit

Nikon legt bei den Festbrennweiten des Z Systems den Fokus eindeutig auf optische Qualität statt auf kompakte Abmessungen oder preisgünstig herzustellende Konstruktionen. Meiner Meinung nach ist dies durchaus die richtige Strategie, auch wenn dies für viele Fotografen im ersten Schritt eine hohe finanzielle Hürde darstellt.

Dieses 85er kann man bedenkenlos bei Offenblende einsetzen. Und wieder einmal ist das Z Nikkor in der Summe der Eigenschaften das beste Objektiv, was Nikon in dieser Brennweite/Lichtstärke bisher auf den Markt gebracht hat.

Wer bevorzugt mit Festbrennweiten fotografiert sollte sich ernsthaft den Umstieg auf das Z System überlegen. Es hängt das DSLR/F System in der optischen Leistung deutlich ab. Spätestens wenn das Z 24mm 1,8 S Mitte Oktober 2019 erscheint steht ein sehr attraktives Paket in den üblichen Brennweitenbereichen zur Verfügung – wenn auch zu einem hohen Einstiegspreis.

Weitere Beispiele Nikkor Z 85mm 1,8 S:

Nikkor Z 85mm 1,8 bei Blende 1,8, Vignettierungkorrektur eingeschaltet

Nikkor Z 85mm 1,8 bei Blende 1,8, Vignettierungkorrektur ausgeschaltet

Kameragurte aus Elchleder von Eddycam

Es gibt fast keinen Fotografen, der ohne Kameragurt aus dem Haus geht. Während manche das vom Kamerahersteller beigelegte Exemplar nutzen, verwenden viele Fotografen jedoch ein separat erworbenes Modell. Gründe für einen Gurt aus dem Zubehörhandel gibt es viele: nicht mit auffälliger Werbung durch die Gegend laufen, besserer Tragekomfort gegenüber dem kostenlos beigelegten Modell, Verwendung alternativer Befestigungssysteme.

Im Zubehörhandel gibt es die verschiedensten Modelle aus Stoff, Neopren und relativ selten auch Leder. Üblicherweise investiert man nicht allzu viel Geld in dieses Zubehörteil, die meisten Gurte kosten deutlich weniger als 100 Euro.

Meine persönliche Schmerzgrenze für einen Gurt aus Stoff oder Neopren lag bisher bei ca. 50 Euro. Als ich im letzten Jahr in der Zeitschrift ProfiFOTO einen Artikel über die Kameragurte der Firma Eddycam (Inhaber Edlef Wienen) aus Hessen sah, fand ich die Idee eines Gurtes aus Elchleder zwar interessant, der Preis von 80 bis knapp über 200 Euro schreckte mich aber eher ab.

Was man einem Artikel in einer Zeitung jedoch nicht entnehmen kann ist die Haptik eines Eddycam Gurtes. Auf der 2019er Foto + Adventure in Duisburg kam ich am Stand des Herstellers erstmals mit den Produkten der Firma wortwörtlich „in Berührung“. Um es kurz vorwegzunehmen: der Preis war ab dem Moment nebensächlich.

Allgemeines zu Eddycam Kameragurten

Eddycam bietet neben Handschlaufen und Slings hauptsächlich Gurte in verschiedenen Breiten, Längen und Farben an. Als Breite werden 33mm (Länge 140cm), 35mm (Länge 155cm), 42mm (Länge 140cm), 50mm (Länge 155cm oder 200cm), 60mm (Länge 155cm oder 200cm) angeboten.

Die Gurte werden in Deutschland aus Elchleder hergestellt. Das Leder selber wird aus Finnland bezogen und stammt aus der kontrollierten Bejagung des dortigen Bestandes. Um die Elchpopulation muss man sich dabei keine Sorgen machen, die Jagd ist streng reguliert und verhindert einen übermäßigen Bestand.

Zweifarbiger Gurt in Schwarz/Natur

Als Farben stehen diverse Kombinationen aus Schwarz/Braun/Blau/Rot/Gelb/Olive/Natur/Weiß zur Verfügung. Die weißen Varianten laufen aktuell aus. Es gibt sowohl einfarbige, als auch zweifarbige Varianten mit unterschiedlicher Farbgebung auf der Innen- und Außenseite. Bis auf das Modell 35mm Edition verfügen alle Elchledergurte über eine Einlage aus Naturkautschuk zur zusätzlichen Polsterung.

Die Gurte verfügen über keine Schnellverschlüsse. Für mich ist das genau richtig, da ich Schnellverschlüsse für eine Schwachstelle halte. Viele sehen das sicher anders, weshalb es im Zubehörprogramm von Eddycam passende Adapterstücke – so genannte „Eddyconnectors“ mit der Funktion eines Schnellverschlusses gibt. Deren Tragkraft ist allerdings auf 2,2 kg begrenzt.

Die Befestigungsklemmen am Gurt sind aus Edelstahl gefertigt, insgesamt liegen dem Gurt vier solcher Klemmen bei. Bei den höherwertigen Gurten sind die Klemmen pulverbeschichtet in Schwarz, die günstigeren kommen im natürlichen Edelstahl-Look daher.

Verpackung und Zubehör

Verpackt sind die Gurte in einem schlichten Pappkarton. Darin befinden sich der Gurt, verpackt in einem Leinensäckchen mit Eddycam Aufdruck, 2 Stücke Kameraschutz und Dreiecksringe, ein Blatt mit Pflegehinweisen, ein kleiner Prospekt, ein Eddycam Aufkleber und am Gurt selber befestigt 4 Edelstahlklemmen zur Befestigung und Längenverstellung. Ein nettes Gimmick ist das am Gurt befestigte Birkenholzplättchen mit Eddycam Logo.

Während die Modelle mit 33mm und 35mm eher für Kompaktkameras und Ferngläser gedacht sind, bieten sich 42mm, 50mm und 60mm für Spiegellose und Spiegelreflexkameras an. Der Hersteller selber empfiehlt den doch recht wuchtigen Gurt mit 60mm Breite für professionelle Kameras (Batteriegriff plus Teleobjektiv) mit bis zu 5 kg Gesamtgewicht. 50mm werden für bis zu 3 kg empfohlen.

Was macht die Eddycam Gurte so besonders?

Bei Leder assoziiert man zunächst ein recht festes Material. Beim Eddycam Gurt ist dies jedoch deutlich anders. Das Leder ist ungewöhnlich weich, fühlt sich extrem gut an und in keiner Weise sperrig. Außerdem ist es flexibel und federt ähnlich eines Neoprengurtes. Die Verarbeitung ist – erwartungsgemäß – tadellos. Der Übergang vom Elchleder zu den Gurtenden ist mit festem Rindsleder vernäht.

Es ist wirklich schwer die besonderen Eigenschaften eines Eddycam Gurtes in einem Text zu vermitteln. Das sehr weiche und flexible Leder bietet ein haptisch wie ergonomisch exzellentes Tragegefühl.

Die Gurte selber sind ergonomisch geformt, bzw. sind leicht zu einer Seite geschwungen. Aufgrund der Einbuchtung des Gurtes drückt nichts, auch wenn der Gurt eng am Hals oder der Schulter anliegt. Ich persönlich hänge mir die Gurte recht selten über die Schulter. Viel wichtiger ist für mich die Möglichkeit den Gurt um das Handgelenk zu schlingen.

An dieser Stelle sei angemerkt das dies gut funktioniert, aber sich auch anders anfühlt. Das Elchleder lässt sich nicht so eng um die Hand schlingen, wies es mit Stoff möglich wäre. Mit etwas Übung habe ich jedoch meine „Schlingtechnik“ gefunden und möchte den Elchledergurt auch bei dieser Trageweise nicht mehr missen. Dennoch: Stoff- oder Neoprengurte lassen sich enger wickeln.

Eddycam Gurte in 60mm, 50mm, 42mm

Die Breite des Gurtes ist sicherlich eine höchst persönliche Entscheidung. Mir ist der 60mm Gurt etwas zu breit, auch wenn er in dieser Breite für professionelle Gehäuse mit großen Objektiven empfohlen wird. Für eine DSLR mit Batteriegriff würde ich den 50mm Gurt empfehlen, für eine spiegellose Kamera gegebenenfalls die Variante mit 42mm, auch wenn der Lederanteil bei dieser Variante recht kurz ausfällt.

Das Ganze hat natürlich seinen Preis. Je nach Farbe und Breite reichen die Preise hinauf bis zu 219 Euro. Ein Standardgurt in Schwarz mit Breite 50mm oder 60mm kostet 169 Euro, die schmaleren Varianten sind etwas günstiger.

Ja, das ist viel Geld für einen Kameragurt. Allerdings muss man auch betrachten, dass dieser Gurt sehr lange halten wird und die Eigenschaften des Materials einzigartig sind. Wie eingangs erwähnt hatte ich die Gurte nach dem Zeitschriftenartikel zu den Akten gelegt und erst die „haptische“ Erfahrung löste bei mir einen nicht zu stoppenden Kaufreflex aus. Mittlerweile baumeln mehrere Eddycam Gurte an meinen verschiedenen Kameras, auch wenn dies auf den ersten Blick nicht rational erscheint.

Zum Shop des Anbieters geht es hier entlang: https://www.eddycam.com

© 2019 Dennis Saßmannshausen Fotografie

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