Nikkor Z 40mm 2,0

Im Oktober 2019 tauchten auf der offiziell veröffentlichten Nikon Z Roadmap erstmals „Compact prime lenses“ mit 28mm und 40mm auf, zunächst ohne Angabe der Lichtstärke. Erst im Juni 2021 wurden beide Objektive offiziell als 28mm 2,8 und 40mm 2,0 angekündigt, wobei das 28mm Objektiv zunächst im klassischen F/AI-S Design als „Special Edition“ erhältlich ist. Seit Anfang Oktober 2021 gelangt das hier vorgestellte Z 40mm 2,0 für 279,- € in den Handel – zwei Jahre nach der ersten Ankündigung.

Gehäuse und Handling

Oft wurden die beiden „compact“ Objektive auch als kommende Pancakes bezeichnet. Nun, von dieser Vorstellung muss man ein Stück weit abrücken. Auch wenn die Brennweite von 40mm Erinnerungen an das winzige AI-P 45mm 2,8 für das traditionelle F Bajonett weckt, mit 45,5mm ist es 1,3cm länger als zum Beispiel das Z DX 16-50mm Objektiv in Transportstellung. Nur 170g Gewicht tragen in der Fototasche hingegen kaum auf.

Wie bei einem Preis von unter 300 Euro nicht anders zu erwarten, wurde das Objektivbajonett aus Plastik gefertigt. Das Gehäuse des 40mm besteht vollständig aus Kunststoff, der weich laufende und gut gedämpfte Multifunktionsring wurde mit einer Beschichtung versehen, die an eine Gummierung erinnern soll. Insgesamt macht das Z 40mm nicht nur angesichts des Preises einen gut verarbeiteten Eindruck. Der Autofokus geht recht flott zu Werke.

Das Objektiv bietet keine Abdichtung zum Kameragehäuse hin. Ebenfalls nicht vorhanden – weder im Lieferumfang noch optional – ist erstmals eine Gegenlichtblende. Konsequenterweise wurde deshalb auch direkt die Bajonetthalterung für eine solche eingespart. Für das 52mm Schraubgewinde bietet sich ein echter Klassiker als Alternative an: die HN-3 Blende, welche in den frühen 1960er Jahren zusammen mit den ersten 35mm Objektiven für F eingeführt wurde.  

Z 40mm 2,0 und Z 35mm 1,8 S

Optische Leistung

Das Nikkor Z 40mm 2,0 gehört nicht zur Riege der S-Line Objektive, was sich im Gegensatz zu anderen Objektiven außerhalb der S Kategorisierung in diesem Fall durchaus in der Abbildungsleistung niederschlägt. Insgesamt sind die Farben minimal gedämpfter, der Kontrast etwas flacher. Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Bilder flau oder kontrastarm wirken. Im direkten Vergleich zu S-Nikkoren fällt jedoch eine insgesamt etwas geringere Brillanz der Bilder auf.

CA/Farbsäume sind etwas deutlich ausgeprägter, als bei den bisher erschienen Z Nikkoren. Die Vignettierung ist bei Blende 2 und 2,8 deutlich sichtbar und erst bei f/4 kaum auffällig. 

Die Schärfe kann ebenfalls nicht ganz mit den teureren Festbrennweiten der S-Linie mithalten. Bei Offenblende trifft man auf das von älteren Objektiven her bekannte „Glühen“ an starken Kontrastübergängen, bedingt durch optische Aberrationen. Leicht abgeblendet verflüchtigt sich dieser Effekt aber recht schnell und ab Blende 2,8 springt die Schärfe im Zentrum förmlich auf ein exzellentes Niveau. Am Bildrand wird erst bei Blende 4,0 eine sehr gute und ab Blende 5,6 eine exzellente Schärfe erreicht. Die Ecken sind bei Offenblende und f/2,8 recht unscharf, fangen sich aber ab Blende 4 und erreichen bei Blende 5,6 eine sehr gute Schärfe, die sich bei Blende 8 nochmals verbessert.

Die Hintergrundunschärfe (das so genannte „Bokeh“) ist recht durchschnittlich und mitunter etwas unruhig.

Fazit

Betrachtet man die optischen Eigenschaften des Z 40mm 2,0 könnte man durchaus glauben, ein Objektiv auf den späten 90er Jahren vor sich zu haben. Was damals als angemessen für eine Festbrennweite gewesen wäre, kann angesichts der großen Fortschritte in der Objektivkonstruktion nur als unterer Durchschnitt gelten. Aber das Z 40mm 2,0 soll auch nicht die bestmögliche optische Leistung abliefern, sondern als preisgünstige, kompakte immer-dabei Festbrennweite punkten.

Und diese Rolle erfüllt es recht gut. Auch wenn die Bildqualität klar unterhalb der von Z 35mm 1,8 S und Z 50mm 1,8 S liegt, bietet es dennoch eine ausreichende Bildqualität, um als kompakte Ergänzung in der Fototasche zu landen. Anders ausgedrückt: das Preis-/Leistungsverhältnis stimmt.

Insbesondere Nutzer von Kitobjektiven, wie den recht lichtschwachen Z 24-50mm 4,0-6,3 für FX oder dem 16-50mm 3,5.6,3 VR für DX, dürften mit dem 40mm 2,0 recht viel anfangen können. Hat man hingegen bereits ein Z 35mm 1,8 S oder Z 50mm 1,8 S im Fotoschrank stehen, bietet das 40mm bis auf kompaktere Abmessungen kaum einen Mehrwert. Insbesondere im Vergleich zum 35mm 1,8 dürfte der Gewichtunterschied von 200g ebenfalls kein überzeugendes Argument sein, zusätzliches Geld in das 40mm zu investieren.

Fazit: ideales Objektiv für Nutzer des Z-Systems, die ihre (Kit-) Zoomobjektive günstig um eine Festbrennweite mit höherer Lichtstärke ergänzen wollen.

Beispielbilder

f/2,0
f/2,8
f/4,0
f/5,6
f/2,0
f/2,0
f/2,8
f/4,0
f/2,0
f/2,8

Nikon AF-S 58mm 1,4 G

Das AF-S 58mm 1,4 G wurde Ende 2013 vorgestellt und soll laut Nikon der moderne AF Ersatz für das legendäre, manuelle Noct Objektiv 58mm 1,2 sein. Bei der Beurteilung dieses Objektivs gelten demnach etwas andere Maßstäbe. Es handelt sich hierbei um ein Spezialobjektiv für besondere Einsatzzwecke und keinen Allrounder. Wer einfach nur ein gutes und lichtstarkes 50mm Objektiv sucht, wird bei den viel günstigeren 50mm 1,4 Objektiven von Nikon, Sigma und Tokina fündig.

Womit wir beim Preis wären: recht happige 1.500 € schlagen durchschnittlich für das 58mm 1,4 zu Buche. Allerdings fällt es in der Riege der f/1,4 Festbrennweiten nicht allzu sehr aus dem Rahmen – das 28mm 1,4 ist teuer, das 85mm 1,4 in etwa gleich teuer. Dennoch hat sich das Objektiv zwischen 2013 und 2020 bereits mehr als 34.000 Mal verkauft. Auf dem Gebrauchtmarkt sind Mitte 2021 ca. ca. 1000 Euro einzuplanen.

Gehäuse und Handling

Das Objektivgehäuse ist gemessen an der optischen Konstruktion recht groß, insbesondere der Durchmesser (72mm Filtergewinde) ist auffällig. Mit 385g ist das Objektiv trotz der Größe recht leicht. Leider wurde der Platz im Gehäuse nicht für einen AF-S Ringmotor genutzt, angetrieben wird es durch den gleichen Micromotor wie in deutlich günstigeren f/1,8er Festbrennweiten. Der Autofokus arbeitet dennoch recht zügig, jedoch ohne Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen.

Aufgrund der optischen Eigenschaften ist der Autofokus recht zickig. Sowohl an Kameras mit neuerem AF Modul wie der D850 als auch an den spiegellosen Kameras ist es schwer – insbesondere bei weit geöffneter Blende – den Fokuspunkt richtig zu setzen.

Die Naheinstellgrenze ist mit 0,58m recht lang ausgefallen, wobei diese Zahl sicherlich bewusst gewählt wurde.  

Optische Leistung

Eines vorweg: das 58mm 1,4 ist zwischen den Blenden 1,4 und 1,8 nicht sehr scharf, auch nicht im Bildzentrum.

Wozu ist das Objektiv dann da? Die Nikon Marketingabteilung stellte zwei herausragende Eigenschaften in den Mittelpunkt: als Nachfolder des legendären 58mm Noct Objektives sollte es sich besonders durch cremige Hintergrundunschärfe – oft auch mit dem japanischen Begriff Bokeh bezeichnet – und niedriges Coma auszeichnen. Die Reduktion von Coma ist insbesondere wichtig, um ausfressende Lichtpunkte in dunklen Umgebungen (wie zum Beispiel Nachtaufnahmen) zu verhindern. Um es kurz zu machen: Warum Nikon ausgerechnet die Korrektur von Coma als außergewöhnlich beworben hat, erschließt sich nicht. In dieser Disziplin ist es kaum besser als vergleichbare Objektive.

Die Hintergrundunschärfe ist jedoch in der Tat außergewöhnlich weich und gefällig. Und das ist der eigentliche Grund, dieses Objektiv zu erwerben. Kein Objektiv im Bereich um 50mm ist in der Lage solch weiche, cremige Hintergründe zu zaubern wir das Nikkor 58mm 1,4.

Hierzu ein Vergleich von AF-S 58mm 1,4 G und Z 50mm 1,8 S, beide bei Blende 1,8 an der Z7:

Nikkor AF-S 58mm 1,4 G vs. Nikkor Z 50mm 1,8 S

Die Stärke des 58mm 1,4 liegt somit in der Freistellung, was sich natürlich insbesondere bei Portraitaufnahmen positiv auswirkt. Eine Reduktion auf Portraits wird dem Objektiv jedoch nicht gerecht. Auch bei Landschafts- oder Architekturaufnahmen lassen sich hervorragende Ergebnisse erzielen, sofern die Betonung einzelner Bildpartien im Mittelpunkt steht.

Betrachtet man das AF-S 58mm 1,4 G als ganz „normales“ Objektiv, kann man sich über eine recht geringe Vignettierung freuen, die bei f/1,4 zwar sichtbar ist, aber bereits bei f/1,8 verschwindet. Die Bildschärfe ist ab f/2,8 ist generell sehr gut, bei Landschaftsaufnahmen macht sich allerdings die recht starke Bildfeldwölbung bemerkbar.

Chromatische Aberrationen sind etwas stärker als bei neueren Objektivkonstruktionen. Die Farbsäume an starken Kontrasten lassen sich allerdings gut in der Nachbearbeitung korrigieren. Farben und Kontraste werden recht stark wiedergegeben.

Fazit

Die Kaufentscheidung für das 58mm 1,4 ist sicherlich eine sehr bewusste. Man muss wissen, dass es bei Offenblende recht weich abbildet undder Fokus selbst an neuesten DSLRs oder den spiegellosen Z Kameras manchmal daneben liegt. Dafür entschädigt es mit einer fantastischen Hintergrundunschärfe bzw. Bokeh und einer fast traumwandlerisch anmutenden Bildqualität. Die doch recht geringe Schärfe bei Offenblende ist sozusagen der Kompromiss der eingegangen werden muss, um diese besonderen optischen Merkmale zu ermöglichen.

Fotos mit dem 58mm 1,4 stechen hervor, insbesondere bei Blenden zwischen f/1,4 und f/2. Es liefert einen einzigartigen Look, der mit keinem anderen F Nikkor – außer dem alten Noct – reproduzierbar ist. Wenn man sich die Zeit nimmt, um Fotos mit dem AF-S 58mm 1,4 G wortwörtlich zu erarbeiten, wird man mit außergewöhnlichen Bildern belohnt, die einen deutlichen Wiedererkennungswert haben.

Beispielbilder:

Historische Nikon Preise in Deutschland – Objektive und Kameras 1996

Preise eines deutschen Versandhändlers Juli-August 1996. Vielen Dank an Hartmut Scholz für die Zusendung der Preisliste!

Alle Preise in DM.

Objektive

Nikkor AF
1.8/50mm 199,-
1.4/50mm D 579,-
2.8/60mm Mikro D 799,-
1.8/85mm D 859,-
1.4/85mm D 1999,-
2.8/105mm Mikro D 1499,-
2.0/135mm DDC 1949,-
2.8/180 ED D 1699,-
3.3-4.5/24-50mm D 829,-
3.5-4.5/28-70mm D 699,-
3.5-5.6/28-80mm D 419,-
2.8/35-70mm D 1349,-
4.0-5.6/35-80mm D 279,-
3.5-4.5/35-105 D IF 759,-
3.5-4.5/35-135 749,-
4.5-5.6/80-200mm D 459,-
2.8/80-200mm D 1899,-
4.0-5.6/70-210mm D 649,-
4.5-5.6/75-300mm D 1199,-

Kamera AF

F50 549,-
F50 D 669,-
F-601 699,-
F-601 QD 799,-
F70 949,-
F70 Date 1099,-
F90X 1849,-
F90X inkl MB-10 u MS-11 1999,-
F4 3499,-
F4S 3699,-
F4E mit MB23 3899,-

Datenrückwand

MF-20 239,-
MF-21 549,-
MF-25 298,-
MF-26 599,-

Div. Zubehör

Fernauslöser MC-30 149,-
Fernauslöser MC-20 285,-
IR-Fernauslöser ML-3 419,-
Mattscheibe „E“ für F-801 89,-
Mattscheibe „E“ für F90 89,-

Objektive Nikkor MF

1.8/50mm 279,-
3.5-4.5/35-70mm 689,-

Kamera MF

FM-2 chrom 1079,-
FM-2 schwarz 1149,-

Blitzgeräte

SB-22 329,-
SB-26 749,-
SB-27 529,-

Weitere Preislisten:

Nikon Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED

Das bis Mitte 2020 noch als Neuware erhältliche AF Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED stammt erkennbar aus der Zeit, in der die professionellen Nikon Objektive mit Schraubendreher AF, Kräusellack, AF-M Umschaltring und massiver Verarbeitung erkennbar waren. Zwischen 1993 und 2020 wurden etwas mehr als 30.000 Exemplare dieses Typs verkauft – nicht viel angesichts der langen Verfügbarkeit. Die Einstellung des Modells erfolgte im Rahmen einer Portfoliobereinigung, der unter anderem auch die Analogfilmkamera F6 zum Opfer fiel. In den Jahren vor 2020 war das Micro Nikkor 200mm 4,0 für ca. 1600 € erhältlich.

Mit fast 1200 Gramm ist das 200er Makro ein relativ schweres Objektiv mit einem 19 cm langen, aber im Durchmesser (62mm Filter) recht kompakten Gehäuse. Die Verarbeitungsqualität ist über jeden Zweifel erhaben, das Objektiv strahlt eine unerschütterliche Solidität aus. Leider gilt dies nicht für den AF/M Umschaltring. Es gibt zahlreiche Berichte über gerissene Plastikringe. Dieses Schicksal teilen jedoch auch andere, mit diesem Ring ausgestattete, Objektive. Bei einem Gebrauchtkauft ist der Ring daher eingehend zu prüfen.

AF Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED

Das Objektiv verfügt über eine fest eingebaute, drehbare Stativschelle. Die Gegenlichtblende HN-30 aus Metall ist nicht Bestandteil des Lieferumfangs und separat zu erwerben. Aufgrund der Innenfokussierung ändert sich die Länge des Objektivs beim Fokusvorgang nicht.

Wie erwähnt handelt es sich um ein Objektiv ohne eigenen Fokusmotor und setzt daher einen Motor in der Kamera voraus. An Z Kameras bleibt damit nur der manuelle Fokus. Die Naheinstellgrenze beträgt 0,5 Meter und die Vergrößerung erreicht den Maßstab 1:1.

Handling

Trotz des Gewichtes und der Länge des Objektivs handhabt sich das 200mm 4,0 Micro recht angenehm. Der große, manuelle Fokusring benötigt eine dreiviertel Umdrehung von Nah bis Unendlich und ist gut einstellbar. Die Mechanik des Rings ist nicht mit den Schneckengängen manueller Objektive vergleichbar, aber dennoch gut gedämpft und nicht zu leichtgängig. Insgesamt wirkt das Fokusgefühl durch den dahinterliegenden AF Antrieb etwas mechanisch bzw. kratzig.

Die Blende wird im Nahbereich als effektive Blende an die Kamera zurückgemeldet. An der Naheinstellgrenze 0,5m beträgt die effektive Offenblende f/5,3, bei 0,53m f/5 – 0,7m (1:2) f/4,8 – 0,9m f/4,5 – 1,2m f/4,2 – 2,5m f/4.

Optische Leistung

Das Micro AF Nikkor 200mm 4,0 schlägt sich bereits bei Offenblende recht beachtlich, muss aber an 45 MP Sensoren etwas Federn lassen. Wie für viele Objektive aus den frühen 90ern typisch leidet es offen etwas an Überstrahlungen und einem insgesamt weicheren Bildeindruck, je heller bzw. kontrastierender ein Motiv ist. Diese Aberrationen sind allerdings bereits bei Blende 5,6 vollständig im Griff und das 200mm Micro kann auch an hochauflösenden Sensoren vollends überzeugen. Insgesamt ist die Schärfe bei Blende 4,0 im Bildzentrum zwar ausreichend, aber nicht vergleichbar mit moderneren 150mm oder 180mm Makroobjektiven anderer Hersteller bei gleicher Blende. Außerdem fällt sie bei Offenblende moderat zum Bildrand hin ab. Bei Blende 5,6 ist die Schärfe über den gesamten Bildbereich hinweg überzeugend, und ab Blende 8 über jeden Zweifel erhaben.

Recht auffällig ist die bei Blende 4,0 deutlich zu sehende Vignettierung, die jedoch leicht abgeblendet bis Blende 5,6 recht zügig verschwindet.

Die Unschärfe im Bildhintergrund (Bokeh) ist recht angenehm und weich. CA bzw. Farbsäume sind dem AF Micro 200mm 4,0 völlig fremd, in dieser Hinsicht ist es hervorragend korrigiert. Die Bildqualität insgesamt zeichnet sich durch lebendige Farben und guten Kontrast aus.

Fazit

Ein Makroobjektiv mit 200mm Brennweite ist sicherlich bereits in die Kategorie der Spezialobjektive einzuordnen. Für die meisten Fotografen dürfte ein Makroobjektiv um die 100mm deutlich universeller einsetzbar sein. Die aufgrund der Brennweite geringe Tiefenschärfe und – zumindest ohne Stativ – notwendigen, recht kurzen Verschlusszeiten erfordern deutlich mehr Sorgfalt in der Handhabung.

Andererseits ist die größere Fokusdistanz bei Insekten von Vorteil, da deutlich mehr Abstand gehalten werden kann und die Fluchtdistanz der Tiere somit nicht unterschritten wird.

Insgesamt gefällt mir die Bildqualität des AF Micro Nikkor 200mm 4,0 D IF-ED deutlich besser als bei vergleichbaren Objektiven anderer Hersteller. Hier sei insbesondere das sehr populäre Sigma 150mm 2,8 mit oder ohne optischen Stabilisator genannt. Im direkten Vergleich ist das Sigma bei gleichen Blenden schärfer, das Nikon 200mm kann jedoch mit natürlicheren Farben und besserem Kontrast überzeugen.

200mm f/4,2
200mm f/8
200mm f/8

Nikkor Z 24-200mm 4,0-6,3 VR

Z 24-200mm 4,0-6,3 VR

Ende Juni 2020 und damit mitten in die Pandemie hinein erschien das erste Superzoom Objektiv für das Nikon Z System, das 24-200mm 4,0-6,3 VR. Es ist das erste Vollformatobjektiv des Z Systems, welches nicht den Namenszusatz „S“ trägt und daher nicht der „Superior“ Linie zuzurechnen ist.

Gehäuse und Handling

Die Änderungen am Gehäusedesign sind minimal, neben dem entfallenen, silbernen „S“ Symbol gibt es jedoch eine interessante Änderung. Das Bajonettende des Objektivgehäuses ist aus Plastik gefertigt und Modellbezeichnung sowie der Brennweitenindex sind im Unterschied zu den S Objektiven nur aufgedruckt und nicht eingraviert. Um an dieser Stelle Missverständnisse zu vermeiden: das Bajonett selber ist natürlich aus Metall. Etwas anderes wäre bei einem Objektiv für knapp 1.000 € auch nicht akzeptabel.

Abgesehen von diesen sehr subtilen Änderungen zum Zwecke der Kosteneinsparung unterscheidet sich die Haptik nicht sonderlich vom Z 24-70mm 4,0 S. Im Folgenden werde ich immer wieder Vergleiche zum 24-70mm 4,0 ziehen, da manche Interessenten sicherlich zwischen diesen beiden Objektiven auswählen werden.

Nur „NIKKOR“, kein „S“ und der Schalter zum arretieren des Objektivs bei 24mm.

Am Objektiv findet sich kein einziger Schalter, lediglich ein „Lock“ Schieber arretiert das Objektiv bei 24mm und verhindert so unbeabsichtigtes Ausfahren der Zoomkonstruktion. Der Zoom ist jedoch so stramm, dass ich eine solche Arretierung – zumindest im Auslieferungszustand – nicht für nötig halte. Es gibt keine Parkposition zur Reduktion der Länge des Objektivs beim Transport, was wiederum auch bedeutet, dass das Objektiv anders als beim Z 24-70mm 4,0S nicht erst ausgefahren werden muss, um es zu benutzen.

Im Gegensatz zum 24-70mm 4,0S gibt es somit auch keinen A/M Umschalter, der optische Bildstabilisator wird ebenfalls nur per Kameramenü an- und ausgeschaltet. Der Zoomring ist gummiert, der Einstellring aus Plastik.

Mit 570g ist das 24-200mm nur minimal schwerer als das 24-70mm (500g). Bei 114mm Länge ist es 2,6cm länger als ein 24-70mm 4,0 im eingefahrenen Zustand. Im Durchmesser sind beide fast identisch, lediglich der Filterdurchmesser ist beim 24-200mm mit 67mm etwas kleiner.

Optische Leistung

Offenblendreihe: 24mm 4,0, 35mm 4,8, 50mm 5,6, 70mm 6,0, 105mm-200mm 6,3.

Wie auch beim 24-70mm 4,0 greift Nikon wieder mit fest eingestellter Softwarekorrektur in die Bildqualität ein. Bei einem offensichtlich nicht im professionellen Segment verorteten Objektiv ist dies auch mittlerweile zu erwarten. Allerdings gibt es zum Beispiel hinsichtlich der Verzeichnung nicht so viel zu korrigieren, wie man bei einem 24-200mm Objektiv vermuten würde. Softwareseitig recht stark unterdrückt werden hingegen chromatische Aberrationen und die Vignettierung. Dennoch treten zu den Ecken hin an starken Kontrasten recht deutliche Farbsäume in Form von Farblängsfehlern auf. Dies gilt für die Brennweiten zwischen 24mm und 105mm, darüber reduziert sich die Anfälligkeit für Aberrationen etwas.

Bei 24mm kann die Bildmitte schon bei Offenblende vollends überzeugen. Dies ist angesichts der bisher vorgestellten Z Objektive auch nicht verwunderlich. Es gibt jedoch zum Rand und zu den Ecken hin einen sichtbaren Schärfeabfall, der auch bei Blende 5,6 noch moderat auftritt. Die Ecken sind dabei jedoch nicht schlechter als die Ränder, somit braucht man sich bei diesem Superzoom über „matschige Ecken“ keine Gedanken machen. Wenn die Schärfe am Bildrand passt, sind die Ecken umindest gleich scharf.

Die Vignettierung tritt bei Blende 4,0 ebenfalls deutlich hervor und ist auch bei Blende 5,6 noch sichtbar, selbst bei eingeschalteter Vognettoerungskorrektur. Bei Blende 8 und 24mm überzeugt das Z 24-200mm jedoch hinsichtlich Schärfe und Vignettierung vollends über den gesamten Bildbereich.

Bei 35mm sind Randabfall und Vignettierung nur noch schwach ausgeprägt. Bereits ab Blende 5,6 kann das Z 24-200mm ohne Bedenken eingesetzt werden.

Bei 50mm spielt die Vignettierung keinerlei Rolle, der Schärfeabfall zum Rand nimmt gegenüber 35mm f/4,8 leicht zu. Abblenden auf Blende 8 behebt das Problem.

Bei 70mm leidet das Bildzentrum von der Schärfe her erstmals bei Offenblende. Moderates abblenden auf 6,3 bringt diese Brennweite aber wieder auf ein gutes Niveau.

Die Telebrennweiten ab 105mm aufwärts verhalten sich alle recht ähnlich. Minimalser Schärfeabfall zum Rand hin bei Offenblende 6,3 bei guter Schärfe im Bildzentrum, sehr gute Schärfe über das gesamte Bildfeld bereits bei Blende 7,1, Vignettierung bis Blende 7,1 sichtbar, sofern die Korrektur angeschaltet ist.

Zusammengefasst würde ich das Z 24-200mm bei folgenden Brennweiten ab diesen jeweiligen Blenden an einem 45 MP Z7 Gehäuse bedenkenlos einsetzen: 24mm – 8,0, 28mm-50mm 5,6, 70mm 6,3, 105mm-200mm 7,1.

Der Kontrast ist ordentlich, wenn auch nicht ganz auf dem Niveau der S Objektive. Die Farbcharacteristik ist von den anderen Z Objektiven nicht zu unterscheiden und bildet neutral bis leicht kühl ab.

Vergleich Z 24-200mm 4,0-6,3 VR zu Z 24-70mm 4,0 S

Z 24-200mm 4,0-6,3 VR und Z 24-70mm 4,0S

Im Vergleich zum Z 24-70mm 4,0 S schneidet das Z 24-200mm 4,0-6,3 VR mehr als ordentlich ab, muss sich aber letzten Endes doch geschlagen geben. Im Weitwinkelbereich bis ca. 30mm bildet das Z 24-70mm deutlich besser ab, da es nicht unter dem Schärfeabfall zum Rand hin leidet. Bei den mittleren Brennweiten liegen beide Objektive näher beieinander, allerdings hat das Z 24-70mm 4,0 in diesem Bereich schon eine ganze Blende mehr Lichtstärke zu bieten.

Insgesamt bildet das Z 24-70mm 4,0S minimal schärfer und insgedamt etwas kontrastreicher ab.

Sucht man die beste Bildqualität in Relation zum Preis bleibt das Z 24-70mm 4,0S ungeschlagen. Sucht man die kompakteste Lösung vom Weitwinkel bis zur Telebrennweite und reicht Blende 5,6 im Weitwinkel und Blende 7,1 ab 105mm aufwärts aus, ist das Z 24-200mm ungeschlagen. Und das will etwas heißen.

Fazit

Auch im Jahr 2020 lassen sich Grundlagen der Physik nicht überwinden. Große Zoombereiche fordern ihren Tribut hinsichtlich der erzielbaren Abbildungsqualität bei gegebener Objektivgröße. Das Z 24-200mm 4,0-6,3 VR verschiebt die Grenzen des Erwartbaren für ein Superzoom. Noch vor ein paar Jahren hätten die so verschmähten „Gummilinsen“ entweder im Weitwinkel oder Telebereich massiv geschwächelt und erst Blende 8 hätte einigermaßen zufriedenstellende Ergebnisse geliefert, immer begleitet von matschigen Ecken.

Angst vor all diesem muss man beim 24-200 nicht haben, und das ist die eigentliche Nachricht über dieses Objektiv. Es gehört nicht zur optischen Spitzenklasse, definiert aber dennoch das Genre der Megazooms neu, auch wenn die Anfälligkeit für Farbsäume etwas stärker ausgeprägt ist, als man es heutzutage erwarten würde.

 

Beispielfotos, CA Korrektur und Vignettierungskorrektur in Capture NX-D abgeschaltet

Z 24-200mm, 24mm Blende 4,0
Z 24-200mm, 24mm Blende 5,6
Z 24-200mm, 24mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 29,5mm Blende 4,5
Z 24-200mm, 29,5mm Blende 5,6
Z 24-200mm, 29,5mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 35mm Blende 4,8
Z 24-200mm, 35mm Blende 5,6
Z 24-200mm, 35mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 49mm Blende 5,6
Z 24-200mm, 49mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 70mm Blende 6,0
Z 24-200mm, 70mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 135mm Blende 6,3
Z 24-200mm, 135mm Blende 7,1
Z 24-200mm, 135mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 200mm Blende 6,3
Z 24-200mm, 200mm Blende 7,1
Z 24-200mm, 200mm Blende 8,0
Z 24-200mm, 200mm Blende 6,3

© 2021 Dennis Saßmannshausen Fotografie

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