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Beiträge zu Nikon Spiegelreflexkameras

Gefälschte Batteriegriffe Nikon MB-D17 (für D500) auf ebay

UPDATE 20.07.2020: ein freundlicher Leser hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass es mittlerweile auch gefälschte MB-D18 für die Nikon D850 auf ebay / ebay Kleinanazeigen gibt. Der nachfolgende Artikel behandelt meinen gefälschten MB-D17. Die Merkmale sind aber bis auf wenige Abweichungen auch beim MB-D18 anzutreffen, insbesondere was das Material des Griffs und den Abweichungen im Verpackungsdesign angeht.

Es ist wirklich erstaunlich mit welchen Dingen sich Produktfälscher beschäftigen. Das ich einmal auf einen gefälschten Bateriegriff hereinfallen würde hätte ich nicht gedacht – aber irgendwann ist ja immer das erste Mal.

Derzeit werden auf ebay gefälschte Batteriegriffe vom Typ MB-D17 angeboten. Verkauft werden diese von Händlern in Hongkong zum „sofort kaufen“ Preis zwischen 90 und 100 Euro oder aber – und das ist eine perfide Masche – von europäischen Anbietern per Auktion. Auf den Artikelbildern sind die Fälschungen nicht vom Original zu unterscheiden, der Karton sieht – abgesehen von einem ungewöhnlichen Nikon Aufkleber mit chinesischen Schriftzeichen – echt aus. Die Verkaufspreise bei solchen Auktionen liegen daher bei Beträgen, die man auch für einen echten, gebrauchten Griff zahlen würde und somit nochmal deutlich höher als bei den asiatischen Anbietern direkt.

Die Fälschung ist nach dem Auspacken schnell entlarft. Der falsche MB-D17 ist aus Plastik gefertigt, besitzt keine Dichtungen am Akkufach und den Einschüben und die Bedienelemente hinterlassen einen haptisch recht zweifelhaften Eindruck. Die Tasche für den zusätzlichen Batterieeinschub ist mehr windschief als sauber verarbeitet. Die Kontakte des AA Batteriehalters sind silbern und nicht golden beschichtet wie beim Original. In der Funktion ist der gefälschte Griff ebenfalls eingeschänkt, große EN-EL18 werden nicht erkannt

Anscheinend haben alle gefälschten Griffe die gleiche Seriennummer: 3037497, eine Angabe der Seriennummer auf dem Karton fehlt hingegen.

Hier die Unterschiede zwischen Original und Fälschung im Bild:

Nikon FM und FM2n

Die FM Modelle von Nikon traten in den späten 1970ern die Nachfolge der Nikkormat Reihe an.

FM

Als Nachfolger der recht massiv gebauten Nikkormat Modelle erschien 1977 die Nikon FM, eine SLR mit mechanischem Verschluss, die lediglich für den Betrieb des Belichtungsmessers zwei 1,5V Knopfzellen SR44 (oder eine 3V Lithiumbatterie 1/3N) benötigt. Man kann sie als Nachfolger der Nikkormat FT3 sehen, die für kurze Zeit die AI Blendensteuerung in die Nikkormat Serie brachte.

Die FM ist deutlich leichter als der doch recht schwere Vorgänger, ohne jedoch den Eindruck einer leichtgewichtigen Konstruktion zu erwecken. Die Verarbeitung ist tadellos. Als Einstellscheibe ist eine nicht wechselbare K-Version mit Mikroprismenring und Schnittbildindikator verbaut.

Der mechanische Verschluss bietet Zeiten von 1s bis 1/1000s in ganzen Schritten von ½, ¼, 1/8, 1/15, 1/30, 1/60, 1/125, 1/250, 1/500, 1/1000. Die Blitzsynchronzeit liegt bei 1/125s.

FM2 und FM2n

Mit der FM2 stellte Nikon im Jahr 1982 eine überarbeitete Version der FM vor. Der nun aus Titan gefertigte Verschluss bietet nun erstmals eine mechanisch gesteuerte Verschlusszeit von 1/4000s, die Blitzsynchronzeit steigt zunächst auf 1/200s. Bereits 1983 wird aus der FM2 die FM2n (erkennbar am N vor der Seriennummer auf der Rückseite des Gehäuses), nun mit einer Blitzsynchronzeit von 1/250s. Bei der FM2 ist die Sucherscheibe erstmals wechselbar und trägt die Bezeichnung K2. Es stehen Mattscheiben ohne Fokushilfen in Vollmatt (B2) oder mit Gitterlinien (E2) als Zubehör zur Verfügung.

Das Verwirrspiel um den Verschluss

Bei der FM2/FM2n kam in den ersten Jahren der Produktion ein Titanverschluss zum Einsatz. Dieser ist an einer Wabenstruktur auf den einzelnen Lamellen erkennbar. Wobei diese Struktur nicht geprägt, sondern per Chemie in die Lamellen eingeätzt wurde um Material wegzunehmen und die einzelnen Lamellen somit leichter zu machen. Dieser Verschluss wurde auch bei den Kameramodellen FE2 und FA eingesetzt, die jedoch beide nur bis 1989 gebaut wurden.

Nikon Verschluss Titan und Aluminium

Titanverschluss (links) und Aluminiumverschluss (rechts)

Da die FM2n jedoch bis zum Jahr 2001 weiter produziert wurde, lohnte sich die weitere Herstellung dieses doch recht aufwändig gestalteten Verschlusses vermutlich nicht. Ab 1989 erhielt die FM2 daher einen aus Aluminiumlamellen bestehenden Verschluss, der produktionstechnisch näher an den Versclüssen anderer Kameramodelle der Zeit liegt.

Es gibt eigentlich keinen Grund einen der beiden Verschlüsse aus technischer Sicht zu bevorzugen, jedoch ist eine FM2n mit Aluminiumverschluss nach 1989 gebaut worden und somit neuer. Die letzten Gehäuse sind übrigens am eingeprägten CE Symbol in der Bodenplatte erkennbar. Erwischt man ein solches Exemplar dürfte die Kamera in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre gebaut worden sein.

Manche findigen Verkäufer bieten eine FM2 oder FM2n mit Titanverschluss auch als FM2 Titan an. Dabei handelt es sich jedoch um eine Spezialversion der FM2 mit Titangehäuse bzw. -oberkappe und champagnerfarbenen Lackierung. Dieses Modell firmiert als FM2/T und ist auch entsprechend am Gehäuse gekennzeichnet.

Bei fast allen Kameras haben sich mittlerweile die Lichtdichtungen an der Rückseite und auch der Spiegeldämpfer in eine teerige Masse aufgelöst. Man kann geeignete Schaumstoffe im Internet beziehen (z.B. www.micro-tools.de) und selber zurechtschneiden. Alternativ bietet auf Ebay ein engagierter Verkäufer unter dem Verkäufernamen kameradoktor von Zeit zu Zeit passende Dichtungssätze an.

Gehäuse und Handling

FM und FM2 sind von der Bedienung her identisch. Auf der Vorderseite der Kamera findet sich neben einem Abblendhebel nur der mechanisch arbeitende Hebel für den Selbstauslöser. Der Anschluss für ein Blitzsynchronkabel rundet die schlichte Vorderansicht ab.

Nikon FM und FM2 Oberseite

Nikon FM (oben) und FM2 (unten) Oberseite

Auf der Oberseite befinden sich lediglich Schnellspannhebel, Bildzählwerk, Auslöser, Zeitenwahlrad inkl. ISO/ASA Einstellung, Blitzschuh und die Rückspulkurbel. Eine Einstellung für die Belichtungskorrektur fehlt, da der Verschluss sowieso nur in ganzen schritten arbeitet und die Kameras dies mangels Elektronik nicht umsetzen können.

Die FM verfügt in der ersten Serie (Seriennummern kleiner als 3000000) rund um den Auslöser über einen Umschalter, der bei Verwendung der Motorantriebe MD-11 oder MD-12 auf die richtige Position (rote Markierung) gestellt werden muss. Stellt man diesen Ring nicht auf die rote Markierung, blockieren Kamera und Motorantrieb.

Die Gehäuse von FM und FM2 sind sich auch hinsichtlich der Verarbeitung recht ähnlich. Beide vermitteln einen soliden Eindruck bei moderatem Gewicht. Die FM2 ist 50g leichter (540g zu 590g). Beide haben aber über die Jahrzehnte hinweg bewiesen gleichermaßen stabil zu sein.

Der Belichtungsmesser arbeitet mit mittenbetonter Messung, bei der ein Kreis in der Mitte mit Umfang von 12mm zu 60% in die Belichtungsmessung einbezogen wird, das restliche Bildfeld wird somit mit 40% gewichtet. Eine Messwertspeichertaste steht nicht zur Verfügung.

Nikon FM FM2 Belichtungsmesser

Anzeige des Belichtungsmessers in der Nikon FM2 – von Überbelichtung bis Unterbelichtung

Die Anzeige des Belichtungsmessers ist sehr rudimentär gelöst. Im Sucher befinden sich rechts neben der Mattscheibe drei LEDs. Die Obere zeigt Überbelichtung, die Mittlere korrekte Belichtung und die Untere Unterbelichtung an. Leuchtet nur die mittlere LED, ist die Belichtung im Rahmen von 1/5 Blende optimal. Leuchtet die mittlere LED zusammen mit einer der beiden anderen LEDs, weicht die Belichtung um bis zu einer Blendenstufe ab. Leuchtet nur ein Indikator für Über- oder Unterbelichtung beträgt die Abweichung mehr als eine Blende. Die LEDs erlöschen, sofern die Kombination aus Belichtungszeit und Blende gänzlich ungeeignet ist.

Dies unterscheidet sich stark von der Anzeige in den elektronischen Kameras FE und FE2. Dort sind zwei Nadeln und eine Belichtungszeitenskala eingebaut. Die eine zeigt die aktuell eingestellte Verschlusszeit an, die andere die aktuell vom Belichtungsmesser ermittelte Zeit. Durch Änderung der Belichtungsparameter muss man diese beiden Anzeigenadeln in Übereinstimmung bringen. Bei einer mechanisch arbeitenden Kamera hätte man eher diese mechanische Anzeige, als eine Lösung über elektronische LEDs erwartet.

Man kann jedoch in beiden Systemen Vor- und Nachteile sehen. So kann man bei den FE Modellen die Belichtungszeit als Zahl ablesen, dafür diese Nadeln und die Skala im Dunklen nicht erkennen. Bei den FM Modellen sieht man keine Zeiten, dafür können die LEDs auch im Dunklen gesehen werden.

Zum Vorgang des Fotografierens an sich braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Nach Einlegen des Films, Transport auf Bild 1 und Einstellung der Filmempfindlichkeit bestimmt lediglich das Spiel mit Zeit, Blende und Fokus das Bildergebnis. Simpler und puristischer kann man nicht fotografieren.

Da der Verschluss nur in ganzen Belichtungsschritten arbeitet bleibt es an der Blende für ggf. notwendige Belichtungskorrekturen zu sorgen. Auch wenn die manuellen Nikkor Objektive Rastungen bei ganzen Blendenwerten besitzen kann man ohne Probleme Zwischenwertte einstellen.

Fazit

Fotografie mit den mechanischen FM und FM2/n ist pure Entspannung. Beide Kameras sind nicht wirklich für actiongeladene Motive geeignet da die Einstellung von Zeit, Blende und Fokus durchaus seine Zeit benötigt. Selbst eine simple Zeitautomatik wie in den FE Modellen beschleunigt das Fotografieren im Vergleich zu den FM Modellen enorm. Dafür entschädigen FM und FM2 mit ihrer soliden, präzisen und ausfallsicheren Mechanik.

Nikon ist es hoch anzurechnen länger als viele andere Hersteller vollmechanisch arbeitende Kameras angeboten zu haben. Die FM2n wurde bis zum Start des digitalen Zeitalters angeboten und selbst danach bekam sie in Form der FM3a noch einen Nachfolger, der bis 2006 verkauft wurde. Die FM3a betrachte ich jedoch eher als Sammlerobjekt. Aufgrund der hohen Preise ist man mit einer FM oder FM2/n für den praktischen Einsatz deutlich besser bedient.

Nikon FM2n mit CE Zeichen. Diese Kamera stammt aus der zweiten Hälfte der 1990er Jahre.

Mit etwas Glück kann man eine FM schon für wenig mehr als 100 Euro ergattern, die FM2n ist mit 200 bis 300 Euro deutlich teurer. Die Entscheidung zwischen beiden Kameras kann aufgrund ihrer Gleichartigkeit fast nur anhand der benötigten Verschlusszeit getroffen werden. Wenn man sich sicher ist keine kürzere Zeiten als 1/1000s zu benötigen, kann man mit der FM durchaus Geld sparen.

Die höheren Preise der FM2 spiegeln natürlich auch ihr vermeintlich jüngeres Alter. Dies gilt aber auch nur dann, wenn man ein Modell mit Aluminiumverschluss kauft. Bei Modellen mit Titanverschluss sehe ich keinen Vorteil in Bezug auf das Alter – ob eine Kamera nun 1977 (älteste mögliche FM) oder 1988 (jüngste mögliche FM2 mit Titanverschluss) gebaut wurde, spielt aus der Sicht des Jahres 2020 eigentlich eine untergeordnete Rolle.

Beide Kameras wurden in Silber und Schwarz angeboten. Wie damals sind die schwarzen Modelle seltener, da teurer.

AF-P Kompatibilität mit Nikon DSLR Gehäusen

Die seit 2016 erhältlichen AF-P Objektive bringen eine Reihe von Kompatibilitätseinschränkungen mit älteren Nikon DSLRs mit sich. Die unterschiedliche Ausstattung der AF-P Objektive (VR Schalter ja/nein) verkompliziert die Sache nochmals.

Die derzeit erhätlichen DX Objektive (AF-P 10-20mm, AF-P 18-55mm VR/non-VR, AF-P DX 70-300mm VR/non-VR) verfügen allesamt nicht über einen VR Schalter, womit sich folgende Kompatibilität ergibt:

  • DX Kameras voll kompatibel: D500, D3300, D3400, D3500, D5300, D5500, D5600, D7500
  • DX Kameras teils kompatibel, VR lässt sich nicht abschalten, da weder das Objektiv noch das Kameramenü über einen entsprechenden Schalter verfügen: D7100, D7200
  • DX Kameras teils kompatibel. VR lässt sich nicht abschalten. Der Fokuspunkt wird nicht gespeichert, wenn sich der Belichtungsmesser abschaltet. Wird der Auslöser nach Abschalten des Belichtungsmessers halb durchgedrückt oder die AF-ON Taste betätigt, fährt das Objektiv durch den gesamten Fokusbereich um neu zu fokussieren: D300, D300s, D5200, D7000
  • DX Kameras inkompatibel – fokussieren nicht möglich, auch nicht manuell: D1, D1h, D1x, D2h, D2hs, D2x, D2xs, D40, D40x, D50, D70, D70s, D80, D90, D100, D200, D3000, D3100, D3200, D5000, D5100
  • An FX Kameras ab der D5 / D850 lässt sich VR über das Menü steuern.

Das einzig derzeit erhältliche AF-P FX Objektiv AF-P 70-300mm 4,5-5,6E verfügt über einen VR an/aus Schalter, womit sich für dieses Objektiv folgende Einschränkungen ergeben:

  • DX Kameras voll kompatibel: D500, D3300, D3400, D3500, D5300, D5500, D5600, D7100, D7200, D7500
  • DX Kameras teils kompatibel, VR lässt sich nicht abschalten: Diese Kategorie kommt bisher nicht vor, da das AF-P FX 70-300mm über einen Schalter verfügt.
  • DX Kameras teils kompatibel. VR lässt sich nicht abschalten. Der Fokuspunkt wird nicht gespeichert, wenn sich der Belichtungsmesser abschaltet. Wird der Auslöser nach Abschalten des Belichtungsmessers halb durchgedrückt oder die AF-ON Taste betätigt, fährt das Objektiv durch den gesamten Fokusbereich um neu zu fokussieren: D300, D300s, D5200, D7000
  • DX Kameras inkompatibel – fokussieren nicht möglich, auch nicht manuell: D1, D1h, D1x, D2h, D2hs, D2x, D2xs, D40, D40x, D50, D70, D70s, D80, D90, D100, D200, D3000, D3100, D3200, D5000, D5100
  • FX Kameras voll kompatibel: Df, D4, D4s, D5, D600, D610, D750, D800, D800E, D810, D810A, D850
  • FX Kameras teils kompatibel, VR lässt sich nicht abschalten: Diese Kategorie kommt bisher nicht vor, da das AF-P FX 70-300mm über einen Schalter verfügt.
  • FX Kameras teils kompatibel. Der Fokuspunkt wird nicht gespeichert, wenn sich der Belichtungsmesser abschaltet. Wird der Auslöser nach Abschalten des Belichtungsmessers halb durchgedrückt oder die AF-ON Taste betätigt, fährt das Objektiv durch den gesamten Fokusbereich um neu zu fokussieren: D3, D3s, D3x, D700
  • FX Kameras inkompatibel – fokussieren nicht möglich, auch nicht manuell: Diese Kategorie entfällt, da alle Kameras ab der D3 zumindest in der Lage sind, zu fokussieren.

Alle analogen Spiegelreflexkameras sind grundsätzlich inkompatibel zu AF-P Objektiven, auch die F6.

Kaufberatung gebrauchte D800 Gehäuse

Die Preise für gebrauchte D800 Gehäuse Mitte 2018 auf rund 1.000 € gesunken, die D800E wechselt für ebenfalls für diesen Betrag den Besitzer. Während D810 Gehäuse noch mehr als 1.500 € kosten und deutlich seltener gebraucht zu finden sind, ist das Angebot an bezahlbaren D800 recht groß.

Wenn man ein paar grundlegende Dinge beim Kauf einer gebrauchten D800 beachtet wird man mit einem sehr guten Preis-/Leistungsverhältnis belohnt.

Bekannte Probleme: Autofokus und Gehäusebruch

Keine Sorge, die beiden Begriffe in der Überschrift klingen bedrohlicher, als sie in Wirklichkeit sind, wobei zumindest die Brüche im Gehäuse eher in ungünstigen Spezialfällen von Bedeutung sind.

Doch zunächst zum AF Problem: Zu Beginn der Produktion wurden D800/E Gehäuse mit nicht korrekt fokussierenden AF Sensoren in der linken Bildhälfte ausgeliefert. Testen konnte man diesen Fehler allerdings nur mit lichtstarken Weitwinkelobjektiven, wodurch manchen Besitzern dieser Fehler gegebenenfalls nicht umgehend aufgefallen ist oder nicht relevant genug war, um die Kamera einzuschicken.

Nikon hat dieses Problem nach einiger Zeit produktionsseitig behoben. Dies dauerte allerdings mehrere Monate bis zum September 2012, so dass man eher zu Gehäusen greifen sollte, die ab 2013 produziert wurden. Da die Produktionsmengen pro Monat nicht bekannt sind, kann man nur versuchen eine Kamera mit möglichst hoher Seriennummer zu erwerben.

Kameras für den europäischen Markt beginnen mit einer führenden 6, bevor sich die eigentliche sechsstellige Seriennummer anschließt. Die höchste, mir bekannte Seriennummer einer europäischen D800 lautet 6159***. Es sollten somit zwischen Februar 2012 und Juni 2014 mindestens 160.000 D800 Gehäuse für den europäischen Markt ausgeliefert worden sein. D800E Seriennummern sind bekannt bis ca. 6020000, was insgesamt 20.000 Gehäusen entsprechen würde.

Verteilt man die Seriennummern einigermaßen gleichmäßig auf den Produktionszeitraum und berücksichtigt man eine Vorproduktion von einigen 10.000 Gehäusen vor Markteinführung, kann man davon ausgehen, dass ab Seriennummer 6080000 eine D800 nicht mehr vom AF Fehler betroffen sein sollte.

Für die D800E ist eine solche Einschätzung hingegen schwieriger, da nicht klar ist, wann die entsprechenden Gehäuse ohne Tiefpassfilter produziert wurden und ob diese einen separaten Nummernkreis bilden. Auch hier sollte eine möglichst hohe Seriennummer vor dem AF Fehler schützen.

Meine Erfahrung mit zwei D800 Gehäusen zeigt auch, dass die Behebung des AF Fehlers ab Werk auch zu einer insgesamt besseren AF Leistung geführt hat. Die in 2012 am Tag der Erstauslieferung gekaufte D800 wurde zwar von Nikon justiert, kommt aber nicht an die AF Leistung einer später (gebraucht) erworbenen D800 mit Seriennummer 612**** heran. Dies dürfte auch erklären, warum die Meinungen zur Autofokus Performance der D800 im Netz so weit auseinander gehen. Auch Umsteiger von D800 zu D810 finden zum Teil einen stark verbesserten AF in der D810, andere wiederum halten die AF Leistung der beiden Kameras für gleichwertig.

Die Brüche im Gehäuse der D800/E sind hingegen meiner Meinung nach nur theoretischer Natur. Es gab wohl einige Fälle, in denen D800 Gehäuse nach Stürzen von Nikon nicht mehr repariert werden konnten, da der interne Träger, auf dem der Sensor befestigt ist, gebrochen war. Dies führte zu einseitig oder generell unscharfen Bildern, da der Sensor nicht mehr in der Bildebene lag.

Im Internet haben sich diese Fälle recht schnell verselbständigt bis zu dem Punkt, dass der D800 eine besondere Empfindlichkeit nachgesagt wurde. Natürlich sollte ein interner Träger bei einem Sturz nicht brechen. Das sah Nikon wohl genauso und hat die D810 in diesem Bereich deutlich anders konstruiert (Plastik statt Metall). Dennoch ist die D800 nicht deutlich anfälliger für Sturzschäden als andere Kameras. Es kann nur im Fall eines Sturzes unter ungünstigen Umständen zu einem Totalschaden kommen.

Hat die zu erwerbende Kamera keinerlei Lackabschürfungen oder Dellen dürfte alles in Ordnung sein. Testen kann man auf diesen Defekt durch simple Fokustests, sowie der Aufnahme eines Landschaftsbildes unter Verwendung eines möglichst weitwinkligen und lichtstarken Objektives bei relativ weit geöffneter Blende. Ist das Bild von links bis rechts scharf, sollte alles in Ordnung sein.

Anzahl der Auslösungen

Der Verschluss der D800 ist auf 200.000 Auslösungen ausgelegt. Allerdings ist zu beobachten, dass viele Verschlüsse bereits zwischen 100.000 und 150.000 Auslösungen schwächeln. Ein gebrauchtes Gehäuse mit weniger als 50.000 Auslösungen sollte daher ein guter Kauf sein.

D800 oder D800E?

Die messbare Auflösung ist bei der D800E aufgrund des fehlenden AA Filters etwas höher als bei der D800. Auch in direkten Vergleichen identischer Motive (statisch, Stativ) kann die D800E feinste Details minimal besser auflösen. In der Praxis dürfte der Unterschied jedoch minimal ausfallen.

Betrachtet man die Produktionszahlen von ca. 160.000 zu ca. 20.000 Stück (Europa), sahen dies die damaligen Käufer anscheinend genauso. Der Preisaufschlag von damals 300 € dürfte sicherlich eine Rolle gespielt haben, aber auch die Angst vor Moiré Effekten kann den Ausschlag zur D800 mit AA Filter gegeben haben. Das diese Farbartefakte in der Praxis bei einer Kamera ohne AA Filter äußerst selten auftreten und somit der Vorteil der leicht besseren Auflösung überwiegt ist heute allgemein anerkannt. Seit der D810 kam kaum noch eine Nikon Kamera mit AA Filter auf den Markt.

Sofern man eine D800E zu einem vergleichbaren Preis wie eine D800 angeboten bekommt, kann man diese bedenkenlos kaufen. Umgekehrt macht es aber wenig Sinn, krampfhaft nach einer D800E zu suchen – dafür ist der Unterschied meiner Meinung nach zu marginal.

Fazit

Eine D800 mit einer Seriennummer über 6080000 / D800E 6010000 (bei Modellen für den europäischen Markt) und einer Auslösezahl unter 50.000 ist bei den derzeitigen Preisen von rund 1.000 € ein sehr guter Kauf. Die Bildqualität ist von der D810 nicht zu unterscheiden, lediglich die zusätzlichen AF Funktionen und eine etwas verbesserte Serienbildgeschwindigkeit unterscheiden die beiden Modelle. Setzt man dies noch in Relation zum Neupreis einer im August 2018 immer noch erhältlichen D810 von 2.700 €, kommt die D800 fast als Schnäppchen daher.

D850: Anzahl der Auslösungen korrekt bestimmen

Da die D850 den Bildzähler in den Metadaten der Bilddateien bei jeder Aufnahme erhöht, egal ob der mechanische Verschluss betätigt oder das Foto per „Lautloser Auslösung“ im LiveView Modus aufgenommen wurde, nutzt dieser Zähler wenig, um die mechanische Abnutzung des Verschlusses zu bestimmen.

Findige Entwickler haben nun ein Programm veröffentlicht, mit denen sich aus den Metadaten der D850 drei unterschiedliche Bildzähler extrahieren lassen. Es werden drei Werte getrennt für mechanische Auslösungen, Live View Auslösungen und der Gesamtbildzähler ausgegeben.

Das Programm kann hier heruntergeladen werden:

http://bluecys.tistory.com/61

© 2022 Dennis Saßmannshausen Fotografie

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