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Nikon D500 – zunächst für den asiatischen Markt – eingestellt

Die D500 ist in Deutschland seit Monaten als Neuware kaum noch und aktuell gar nicht mehr erhältlich, Zubehör wie der MB-D17 Batteriegriff ist ebenfalls Mangelware. Vorbestellungen sind zwar möglich, ob und wann diese bedient werden ist jedoch vollkommen unklar.

Jetzt verdichten sich die Hinweise, dass die D500 in der Tat abgekündigt ist. Auf der Regionalwebseite für Asien listet Nikon die D500 als „discontinued“:

https://www.nikon-asia.com/en_Asia/product/discontinued/digital-slr-cameras/d500

Die Produktübersicht der Spiegelreflexkameras listet sie für die Region ebenfalls nicht mehr auf:

https://www.nikon-asia.com/en_Asia/products/categories/dslr?

Einen Nachfolger mit Spiegel wird es aller Wahrscheinlichkeit nach nicht geben.

D500 – erste Eindrücke

Nach drei Tagen intensiver Nutzung lässt sich für mich ein erstes Resümee über diese Kamera ziehen. In den Bereichen Abbildungsleistung bei hohen ISO Werten, Autofokus, Speicherkarten, Akkulebensdauer und Verarbeitungsqualität gibt es einige bemerkenswerte Punkte.

Abbildungsleistung bei hohen ISO Werten (bezogen auf RAW)

Der große Sprung bei den nutzbaren ISO-Werten ist ausgeblieben. Auch wenn die D500 zweifellos eine Weiterentwicklung darstellt hat sie es schwer, sich deutlich von der D7200 abzusetzen, obwohl sie 3,1 MP weniger Pixel auf die gleiche Sensorfläche quetscht.
Die D500 liegt bei hohen ISO Werten ca. eine halbe Stufe vor der FX D700 aus dem Jahr 2008. ISO 3200 sieht an der D500 etwas besser aus als an der D700. Im Vergleich zum direkten Vorgänger, der D300s, gibt sich ein satter Vorteil von ca. 2 Stufen.

Der oftmals mit FX gezogene Vergleich ist jedoch nicht vollends zulässig. Der DX Sensor rauscht zwar bei hohen ISO Stufen weniger als eine mittlerweile 8 Jahre alte D700, erreicht jedoch nicht die gleiche Homogenität bei niedrigeren ISO Stufen. Bereits ab ISO 400 macht sich Helligkeitsrauschen bemerkbar (z.B. bei blauem Himmel gut zu sehen), welches bei fast allen FX Sensoren erst ab ISO 1600 auffällig in Erscheinung tritt.

DX ist daher weiterhin keine ernstzunehmende Konkurrenz zu FX, wenn es um das Thema Bildrauschen geht. Dem Vergleich zu einer D4/D4s hält die D500 konsequenterweise über den gesamten ISO Bereich nicht Stand.

Als maximalen Wert für die Auto-ISO Funktion habe ich derzeit ISO 3200 gesetzt. Ab ISO 6400 rauscht der Sensor für meine Ansprüche zu stark. 6400 und 12800 sind jedoch mit einiger Nachbearbeitung durchaus nutzbar, vor allem weil die Farben bei dieser Sensorgeneration deutlich länger intakt bleiben.

Autofokus

Das neue Autofokus Modul dürfte im Zusammenspiel mit den 10 Bildern pro Sekunde für viele der Hauptgrund für den Kauf einer D500 sein. Alleine die Anzahl der Kreuzsensoren und die Abdeckung des Bildfeldes in der Horizontalen bis zum Rand bringen der D500 rein von der Funktion her einen enormen Vorteil gegenüber vielen anderen Kameras.

Meiner Meinung nach muss man eine Kamera für längere Zeit nutzen, um die Vor- und Nachteile eines verbauten Autofokus im Praxisbetrieb vollends zu verstehen. Daher kann ich nach nur wenigen Tagen lediglich ein vorsichtiges Fazit bezüglich der Treffsicherheit und des Tracking ziehen.

Gegenüber allen andern DX Kameras dürfte die D500 deutlich im Vorteil sein, ebenso gegenüber den älteren FX Modellen bis 2012 (D800). Sie liegt mindestens auf dem Niveau einer D4. Ob sie wirklich besser ist (Treffsicherheit/Tracking), kann ich derzeit noch nicht beurteilen.

Speicherkarten

Kurz nach Auslieferung wurden die ersten Probleme im Zusammenspiel mit UHS-II SD Karten bekannt. Hauptsächlich Lexar Karten der neuesten Generation (1000x / 2000x) führen zu Störungen. Die Kamera meldet, dass die eingesetzte SD Karte beschädigt sei und nicht verwendet werden könne. Meist hilft ein oder mehrmaliges Aus- und Einschalten der Kamera.

Neben den genannten Lexar Karten sind auch Transcend Karten mit UHS-II Interface betroffen. Eine von mir getestete 64 GB Karte mit 180 MB/s Schreibrate zeigt das Gleiche verhalten.

Meiner Meinung nach hat Nikon bei der Implementation des UHS-II Interface entweder einen Fehler eingebaut oder Toleranzen zu eng ausgelegt. UHS-II Karten von SanDisk oder Toshiba sollen angeblich von diesem Problem nicht betroffen sein, dennoch würde ich derzeit nur schnelle UHS-I Karten kaufen, bis dieses Problem eindeutig geklärt ist.

Für die Nutzung der 10 Bilder pro Sekunde in Kombination mit 200 Bildern in Serie bleibt derzeit nur die Verwendung einer einzelnen XQD Karte, wenn man auf der Sicheren Seite sein möchte.

Akkulebensdauer

Eine eher unschöne Änderung betrifft das Energiemanagement der Kamera. Während die D300/D300s noch den externen Batteriegriff und die damit einhergehende höhere Spannung der EN-EL4 Akkus oder eines 8er Packs AA Batterien benötigte, um die größere Serienbildgeschwindigkeit von 8 Bildern pro Sekunde zu erreichen, scheint bei der D500 die Nikon Ingenieure der Ehrgeiz gepackt zu haben. Ziel war anscheinend, 10 fps auch mit dem kleinen EN-EN15 Akku zu erreichen.

Die D500 reagiert sehr empfindlich auf die vom Akku gemeldete Spannung und schaltet früher ab, was insbesondere bei älteren EN-EL15 Akkus zu einer erheblich geringeren Restkapazität führt. Ferner funktionieren keine derzeit angebotenen EN-EL15 Nachbauten von Fremdanbietern.

Im Internet kursiert die Theorie, dass es auch zwei Verschiedene Versionen des EN-EL15 gibt, markiert mit Li-Ion01 und Li-Ion20. Die neueren Li-Ion20 liegen der D500 bei. Sollte es so sein, dass Nikon die Akkus hinsichtlich der internen Elektronik verändert hat, wäre dies ein sehr ungewöhnlicher Schritt.

Bisher sind geänderte Akkus immer als Revision des Alten erschienen, wie zum Beispiel EN-EL4 / EN-EL4a und EN-EL18 / EN-EL18a. Somit wäre es dem Verbraucher gegenüber nur fair gewesen, einen EN-EL15a auf den Markt zu bringen und diesen für die Verwendung in der D500 zu empfehlen.
Ob sich die beiden Varianten des EN-EL15 Akkus wirklich unterscheiden, ist derzeit nicht wirklich klar, bleibt jedoch unter Beobachtung.

Im Batteriegriff MB-D17 stellt sich die Situation hingegen ganz anders dar. Alle bisher von mir getesteten EN-El18 Akkus von Fremdanbietern funktionieren ohne Probleme, auch die DSTE Varianten mit eingebautem Akkufachdeckel, die ursprünglich für den Batteriegriff MB-D12 der D800 angeboten wurden.

Verarbeitungsqualität

Wenn man die Dinge positiv betrachten möchte kann man sagen, dass Nikon sich große Mühe gegeben hat, Gewicht einzusparen. Die Kombination aus D500 und MD-D17 wiegt 100 Gramm weniger als die D300 mit MB-D10. Ein Großteil dieser Gewichtseinsparung mit ca. 75 Gramm geht auf das Konto der D500 und das, obwohl ein ausklappbarer Monitor integriert wurde.

Negativ betrachtet kann man feststellen, dass sowohl Kamera als auch der Batteriegriff keinen so soliden Eindruck hinterlassen als die D300 mit Zubehörgriff. Der Unterschied ist hierbei etwas größer als im Vergleich von D700 zu D800. Dennoch kann man die D500 als exzellent verarbeitet und solide bezeichnen.

Lediglich der MB-D17 enttäuscht mich etwas. Bei deutlich höherem Preis und nur 20g weniger Gewicht im Vergleich zum MB-D10 hätte ich ein solideres, haptisches Gefühl erwartet. Selbst der MB-D12 der D800 erscheint gefühlt wertiger.

Eine weitere, eher subtil wahrnehmbare Änderung betrifft die Gummierung von Kamera und Batteriegriff. Nikon verwendet ein etwas härteres Material, wie auch schon bei der D750. Die Zeit wird zeigen, ob ablösende Belederungen damit der Vergangenheit angehören.

Fazit

Insgesamt ist die D500 eine empfehlenswerte Kamera, welche die Tugenden der dreistelligen Modellserie konsequent weiterführt. In Zeiten der D750 und sinkender Preise für die D810 dürfte die Entscheidung Pro oder Kontra schwerfallen. Wer auf der Suche nach einer schnellen Kamera ist und bewusst den Cropfaktor für Teleaufnahmen einsetzt, dürfte mit der D500 exzellent bedient sein.

Nutzer einer D4 oder D4s brauchen jedoch – sofern die größere AF Messfeldabdeckung nicht benötigt wird – nicht über einen Umstieg nachdenken. Die ISO-Eigenschaften des 16 MP FX Sensor sind weiter deutlich führend und werden derzeit nur von der D5 ein- bzw. überholt.

© 2022 Dennis Saßmannshausen Fotografie

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