AuthorDennis Saßmannshausen

Viltrox AF 35mm 1,2 LAB

Viltrox ist eine in den späten 2000er Jahren gegründete Marke der chinesischen Firma Shenzhen Jueying Technology Co. Ltd. Konzentrierte man sich am Anfang noch auf Kamerazubehör wie Adapter, Lichttechnik oder Field Monitore, kamen später günstige, aber simpel konstruierte Festbrennweiten hinzu. Mittlerweile reicht das Angebot von günstigen, leichten Optiken bis hin zu technisch anspruchsvollen, professionellen Festbrennweiten, die in direkte Konkurrenz zu Oberklasseobjektiven der Kamerahersteller treten. Viltrox Objektive sind für Nikon Z, Sony E, Fuji X und Panasonic L erhältlich.

Die LAB Serie stellt die Spitze des Viltrox Angebots dar. Bisher erschienen sind 135mm 1,8 und 35mm 1,2, später sollen 50mm 1,2 und 85mm 1,2 folgen.

Gehäuse und Handling

Das 910g schwere Objektiv ist für eine Brennweite mit Offenblende 1,2 relativ kompakt geraten. Es ist sicherlich ein Schwergewicht mit nicht übersehbaren Abmessungen (12,2×8,9cm), dennoch ist es 2,8 cm kürzer ausgefallen als das entsprechende Nikkor Objektiv. 150g weniger Gewicht machen sich ebenfalls angenehm bemerkbar. Das Filtergewinde misst 77mm im Durchmesser.

Die Verarbeitung des Metallgehäuses ist tadellos und erinnert an eine gewichtsmäßig leicht abgespeckte Version der Sigma Art Reihe. Fokus- und Einstellring laufen satt und präzise. Der Fokusrig besitzt keinen Endanschlag. Der via Kamera programmierbare Einstellring lässt sich per Schalter mit einer Klickrastung belegen. Das ist im Vergleich zu Nikons freilaufenden Einstellringen von großem Vorteil, da man diesen durch den erhöhten physischen Widerstand deutlich seltener versehentlich verstellt.

Allerdings hat der Einstellring in der Nikon Version des 35mm LAB Objektivs ein etwas erratisches Verhalten. Die Anzahl der Klicks korrespondiert nicht mit der Schrittweite der Verstellung des zu ändernden Einstellwertes. Hat man z.B. die Blendenverstellung auf den Ring gelegt, benötigt man manchmal fünf Klicks, bis sich die Blende um 1/3 verstellt. Manchmal aber auch nur 3 oder gar einen. Man kann also nie vorhersehen, wie weit man den Ring drehen muss, um den nächsten Wert auf der Skala einzustellen.

Hoffentlich wird hier noch mit einem Firmwareupdate nachgebessert. Updates können via USB-C Kabel am PC oder per App/Bluetooth (mit sicherer, separater Stromversorgung des Objektivs via USB-C!) eingespielt werden. Viltrox hat für viele Objektive in der Vergangenheit regelmäßig entsprechende Updates herausgebracht und bietet an dieser Stelle einen guten Service.  

Neben dem beschriebenen Einstellring bietet das Objektiv einen über die Kamera programmierbaren FN1 Button. Der zusätzliche FN2 kann nicht über die Kamera belegt werden und bietet die Möglichkeit im manuellen Fokusbetrieb zwei Fokuspunkte einzuspeichern, die über wiederholte Betätigung von FN2 abgerufen werden können.

Informativ: Display des 35mm 1,2

Ein Ausstattungsmerkmal, welches die ersten, höherwertigen Nikon Z Objektive auszeichnete, ist auch beim Viltrox 35mm 1,2 anzutreffen: ein Display. Während Nikon dieses Extra nach kurzer Zeit wieder verwarf, setzt Viltrox bei den höherwertigen Objektiven konsequent darauf. Im Gegensatz zu Nikon handelt es sich um ein beleuchtetes Farb-LCD. Angezeigt werden: durchlaufende Entfernungsskala am oberen Rand, Fokusentfernung in m/cm in der Mitte und am unteren Rand – ebenfalls als durchlaufende Skala – der eingestellte Blendenwert. Stellt man das Objektiv auf manuellen Fokus um, wird zusätzlich der Schärfentiefebereich abhängig von der gewählten Blende als gelber Balken über der Entfernungsskala dargestellt. Über die App kann für das Display ein Ausschalttimer gesetzt werden.

Für eine stark gewöhnungsbedürftige Eigenschaft des Objektivs sorgt der verbaute Fokusantrieb. Bei abgeschalteter Stromversorgung oder im Standby bewegt sich ein größeres Teil (Linsengruppe?) im Objektiv, was sich in einem massiven „klong“ bemerkbar macht, sobald man das Objektiv um die eigene Achse dreht. Die elektromagnetisch arbeitenden VCM Fokusmotoren dürften aufgrund ihrer Konstruktionsweise dafür verantwortlich sein. Hält man die Kamera mit dem Objektiv senkrecht nach unten, bekommt man durch einen dumpfen Schlag immer mit, wenn diese in Standby geht. Ob dies der Langzeitstabilität des Objektivs abträglich ist, wird sich noch zeigen.  

Der VCM Fokus hat allerdings auch Vorteile: er arbeitet sehr zügig und extrem leise.

Optische Qualität

Bokeh im Vergleich zu Nikon 35mm 1,8 S und Tamron SP AF 35mm 1,4

Das Viltrox AF 35mm 1,2 LAB liefert in der Praxis eine beeindruckende Leistung ab. Die Schärfe ist bereit ab Offenblende im Bildzentrum exzellent, nimmt allerdings zu den Rändern hin etwas ab. Ränder und Ecken steigern sich bei Blende 2,0 auf ein gutes, ab Blende 2,8 sehr gutes und bei F/4 auf ein exzellentes Niveau.

Wobei Landschaftsaufnahmen bei Blende 1,2 durchaus möglich sind, auch wenn dies ein recht praxisfernes Szenario ist. Bei Blenden ab f/4 und kleiner liefert es über den gesamten Bildbereich eine exzellente Schärfe. Das Bildfeld (Bildschärfeebene) ist nur minimal am Rand nach innen gebogen.

Bei Offenblende vignettiert es recht deutlich, aber nicht über das übliche Maß für hochlichtstarke Objektive hinaus. Die Randabdunkelung verringert sich bereits ab Blende 2,0 deutlich und ist ab f/2,8 nicht mehr relevant.

Viltrox 35mm 1,2 LAB, Bildmitte, f/1,2, CA Korrektur deaktiviert.

Faszinierend ist die nahezu vollständige Korrektur von CA’s. Farbsäume treten selbst bei Offenblende nicht auf. Die Verzeichnung ist hervorragend optisch korrigiert. Selbst ohne Korrekturprofil verzeichnet es wenig.

Wichtig für ein lichtstarkes Objektiv ist die Qualität der Hintergrundunschärfe, bezeichnet als Bokeh. Schließlich kauft man ein lichtstarkes Objektiv in der Regel zum Freistellen von Objekten vor einem cremig verschwommenen Hintergrund. Auch in dieser Disziplin kann das Viltrox überzeugen.

Das Bokeh ist deutlich weicher als beim immer etwas unruhig wirkenden Nikkor Z 35mm 1,8 S und vergleichbar mit dem hervorragenden DSLR Objektiv Tamron SP 35mm 1,4. Lichtpunkte außerhalb des Bildzentrums werden bei Blende 1,2 oval bzw. zitronenförmig dargestellt, ab Blende 2,8 sind die Kreise bis in die Ecken vollständig rund. Dazu tragen sicherlich auch die 11 Blendenlamellen bei.

Im Gegenlicht ist es relativ anfällig für Lensflares. Es bildet etwas wärmer ab als die Nikkor Z Objektive und bietet kräftige Kontraste.

Fazit

Viltrox hat sich in den letzten Jahren immer weiter gesteigert. Gab es am Anfang noch kuriose Probleme wie nicht ganz passende Bajonette oder nicht ganz ausgereifte Firmware, können die neu vorgestellten Objektive von Anfang an überzeugen. Sie werden damit zur ernstzunehmenden Konkurrenz für die etablierten Hersteller.

So gut die optische Qualität und so groß der Preisunterschied zum Nikkor Z 35mm 1,2 S auch ist: man kauft sich ein Risiko ein. Wer garantiert, dass zukünftige Nikon Kamerafirmware noch einwandfrei mit Viltrox Objektiven harmoniert? An dieser Stelle kann man durchaus auf den Firmware Support von Viltrox vertrauen, der in der Vergangenheit zügig mit Updates reagiert hat, sobald Probleme auftraten.      

Schwerwiegender ist eine andere Tatsache, der man sich bewusst sein muss: ein Viltrox Objektiv ist nicht reparabel. Geht innerhalb der Garantie etwas kaputt, bleibt eigentlich nur ein Austausch durch den Anbieter.

Bei selbstverschuldeten Defekten wie z.B. einem Sturzschaden hilft dies jedoch wenig. Bei vielen günstigen Objektiven im Viltrox Portfolio ist das kein Problem, da die Reparatur eines 300 bis 500 Euro Objektivs meist nicht wirtschaftlich ist. Mit der LAB Serie verlässt Viltrox diesen Preisbereich deutlich. Es wäre daher dringend geboten, dass der Anbieter eine Reparaturmöglichkeit in Europa schafft.

Betrachtet man die optische Leistung, kann man angesichts des Preises nur den Hut ziehen. Ich will es nicht mit dem Z 35mm 1,2 S vergleichen, was derzeit mangels eines Nikkor Z 35mm 1,2 S auch nicht möglich ist. In gewissen Grenzen kann ich die Bildanmutung mit dem Z 50mm 1,2 S vergleichen und in insgesamt spielen diese in der gleichen Liga. Dennoch bietet das Nikkor das gewisse Etwas, das man schwer in Worte fassen kann. Andersherum ausgedrückt: das Viltrox 35mm 1,2 S ist ein technisch exzellentes Objektiv. Scharf, geringe Verzeichnungm keine CA, cremiges Bokeh. Ich bin mir allerdings sicher, dass das Nikkor Z 35mm 1,2 S im direkten Vergleich das gewisse Extra an Bildqualität mitbringt, das Spitzenobjektive üblicherweise auszeichnet. Zum dreifachen Preis.

Beispiele

Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/1,2
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/2,8
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/1,2
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/2
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/2,8
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/4
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/1,2
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/1,2
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/2
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/1,2
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/1,2
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/2,8
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/1,2
Viltrox AF 35mm 1,2 LAB f/2

Tokina AT-X Pro 24-70mm 2,8

Relativ spät stellte Tokina Mitte 2015 seine Interpretation eine professionellen Normalzooms für digitale Spiegelreflexkameras mit durchgängiger Lichtstärke von Blende 2,8 vor. Moderate 1.100 Euro sollte das Objektiv für Nikon F und Canon EF zum Start kosten, der Straßenpreis fiel in der Folge auf rund 900 Euro.

Es war nie ein Verkaufsschlager und bereits um das Jahr 2020 verschwand es wieder vorm Markt, was sicherlich auch dem Schwenk hin zu spiegellosen Kameras geschuldet war. Es ist daher recht selten am Gebrauchtmarkt für knapp unter 400 Euro anzutreffen.

Gehäuse und Handling

Ein klassisches Tokina Objektiv erkennt man sofort: goldene Beschriftung, üppig dimensionierte und grob strukturierte Brennweiten- und Fokusringe, goldener Ring rund um die Fassung der Frontlinse.

Fasst man es an, stellt sich ebenso ein typisches Tokina Gefühl ein: schwer, Objektivgehäuse weitestgehend aus Metall, solide und leicht schwergängige Mechanik, ungewöhnlicher AF/MF Umschaltmechanismus, bei dem der Fokusring in Längsrichtung verschoben wird und im jeweiligen Modus einrastet.   

(c) DENNIS SASSMANNSHAUSEN

All diese Punkte treffen auch auf das AT-X Pro 24-70mm 2,8 zu. Das im Vergleich zum Nikon AF-S 24-70mm 2,8 G ED relativ gedrungene Objektiv bringt rund ein Kilogramm auf die Wage und vermittelt den Eindruck unerschütterlicher Solidität. Der Filterdurchmesser beträgt 82mm. Beim Zoomen fährt ein recht langer Innentubus heraus, der erfreulicherweise aus einem Stück besteht aus Metall gefertigt ist. Eine Seltenheit ist die von innen beflockte Gegenlichtblende zur Vermeidung von Reflektionen. Das Bajonett ist mit einer Gummilippe gegen Eindringen von Feuchtigkeit abgesichert.

Der Fokusmotor arbeitet recht gemütlich und deutlich hörbar. Bezüglich Fokusgeschwindigkeit haben die Konkurrenzobjektive von Nikon, Sigma und Tamron deutlich die Nase vorne.

Die Blende wird mechanisch per Hebel gesteuert, damit funktioniert es auch an älteren Gehäusen, welche die elektronische Blendeneinstellung nicht unterstützen. Es ist kompatibel zu spiegellosen Nikon Z Kameras und funktioniert am FTZ Adapter tadellos.

Optische Qualität

Bereits ab Offenblende kann die Schärfe im Bildzentrum vollends überzeugen, auch wenn sich an hellen Objekten eine Tendenz zur Überstrahlung mit ausfressenden Kanten einschleicht. Insbesondere zu 70mm hin legt sich ein leichter Schleier rund um helle Bildbereiche. Abgesehen davon ist die Bildschärfe in der Mitte bei 24mm exzellent, ab 35mm sehr gut. Zum Rand hin fällt die Schärfe deutlich ab, Abblenden auf Blende 4 behebt dies jedoch. Ab Blende 5,6 bietet das gesamte Bildfeld bei allen Brennweiten eine exzellente Bildschärfe. Zwischen 35mm und 70mm bilden die Ränder bereits ab Blende 4 scharf ab.

Insbesondere im Weitwinkelbereich ist das Tokina schärfer als das Nikon AF-S 24-70mm 2,8 G ED. Speziell am Bildrand kommt das Nikon ab Blende 5,6 nicht mehr mit.

Außergewöhnlich sind auch Farbdarstellung und Kontrast. Gesättigte Farben und deutlicher Bildkontrast heben das Tokina sichtbar von vergleichbaren Objektiven ab. Hinzu kommt eine sehr weiche Hintergrundunschärfe bzw. Bokeh.

So wie die physischen und mechanischen Eigenschaften typisch sind für Tokina Objektive, so sind es auch einige optische Eigenarten. Zu denen gehören seit jeher Farbquerfehler / Farbsäume an kontraststarken Bildbereichen. Das AT-X Pro 24-70mm 2,8 schlägt sich in dieser Hinsicht erfreulicherweise etwas besser als die meisten Tokina Objektive, kommt aber an die Leistung eines Nikon 24-70mm 2,8 nicht heran. Da sich diese Farbsäume leicht korrigieren lassen, sollte dies in der Praxis nur eine unbedeutende Einschränkung darstellen. Die Vignettierung fällt für ein Objektiv dieser Klasse typisch aus.

Ein negativer Aspekt ist die Anfälligkeit für Streif- und Gegenlicht. Hier schneidet das Tokina AT-X Pro 24-70mm 2,8 unterdurchschnittlich ab. Man fängt sich bei tief stehender Sonne sehr leicht Reflektionsflecken ein, im Gegenlicht bricht der Kontrast zusammen.  

Fazit

Sucht man ein Reportageobjektiv, ist man mit den Nikon Objektiven besser bedient. Sie fokussieren deutlich schneller, leiser und sind weniger anfällig für Streif- und Gegenlicht.

Geht es hingegen um Landschaftsfotografie, kann das Tokina 24-70mm 2,8 punkten. Es bietet eine deutlich unterscheidbare Abbildungsleistung mit gesöttigten Farben, Kontrasten und weicherem Bokeh. Zusätzlich ist die Bildschärfe abgeblendet auf Blende 5,6 höher als beim älteren AF-S 24-70mm 2,8 G ED.

Wenn man mit den beschriebenen Einschränkungen (insbesondere lahmer AF) leben kann, ist es durchaus eine Empfehlung wert. Es schägt sich in vielen Bereichen besser als das Nikon AF-S G 24-70mm 2,8 ED, kommt jedoch in der Summe der Eigenschaften nicht an das spätere Nikon AF-S 24-70mm 2,8 E VR heran.

Beispiele

Nikkor AF 14mm 2,8 D ED

Festbrennweiten unterhalb von 20mm gehören seit 1971 zum Objektivprogramm von Nikon. Viel Liebe haben die Produktverantwortlichen in Japan diesem Marktsegment allerdings nicht entgegengebracht. Abgesehen von Fischaugenobjektiven sind lediglich 7 Nikkor Festbrennweiten mit 13mm, 14mm, 15mm und 18mm in etwas über 50 Jahren auf den Markt gekommen.

Die letzte, neu erschienene Festbrennweite in diesem Bereich datiert mit dem hier vorgestellten AF 14mm 2,8 D ED aus dem Jahr 2000. Es wurde bis 2020 zu Anfangs 1.900 € etwas über 24.000 Mal verkauft, später sank der Straßenpreis auf rund 1.500 €.

Gehäuse und Handling

Das AF 14mm 2,8 D ED ist hervorragend verarbeitet und bietet mit seinem Metallgehäuse auch ein haptisches Erlebnis, wie man es heutzutage nicht mehr bekommt. Die 670g in einem relativ kompakten Gehäuse verstärken das Gefühl von Qualität und Wertigkeit.

Lediglich der für die Nikon Modelle der 1990er Jahre typische A/M Umschlater in Form eines Plastikrings schmählert den Gesamteindruck etwas.

Ebenso aus den 90er Jahren stammt der Autofokus via Schraubendreher. Als eines der letzten Objektive ist das 14mm somit nicht mit einem AF-S Antrieb ausgestattet und fokussiert nur an Gehäusen mit eingebautem Fokusmotor automatisch. An den spiegellosen Z Kameras ist adaptiert über den FTZ nur manueller Fokus möglich.

Optische Leistung

Anhand der Ausstattungsdetails A/M Ring und Autofokus via Schraubenantrieb lässt sich vermuten, dass sich das Af 14mm 2,8 D ED spätestens seit Mitte der 90er Jahre im Designprozess befunden hat. Sehr wahrscheinlich ist es noch enstprechend der Anforderungen von 35mm Film konstruiert worden – was sich leider überdeutlich in der optischen Leistung an Digitalkameras zeigt.

Bei Offenblende hat man aufgrund der starken Vignettierung den Eindruck, das Motiv durch einen Tunnel zu betrachten. Erst bei Blende 8 reduziert sich die Vignettierung auf ein gut korrigierbares Niveau.

Die Schärfe kann bei Offenblende in der Bildmitte nur wenig überzeugen, die Ränder sind schlicht matschig. Erst bei Blende 8 kann man den Bildrand als akzeptabel bezeichnen. Begleitet wird das mangelnde Auflösungsvermögen in den Randbereichen von recht deutlich ausgeprägten Farbsäumen. Erst Blende 11 kann einigermaßen über das gesamte Bildfeld hinweg überzeugen – auch wenn die Bildmitte bereits wieder an Schärfe verliert und an hoch auflösenden Sensoren die Diffraktion zuschlägt.

Ebenso nicht mehr auf der Höhe der Zeit ist die Anfälligkeit für Lensflares, moderne Zooms sind deutlich weniger anfällig für Reflektionsflecken. Die Farbabstimmung tendiert – wie für Nikkore dieser Zeit typisch – in die kühl-neutrale Richtung.  

Einzig bei der Verzeichnung kann das AF 14mm 2,8 D ED punkten. Für ein 14mm Objektiv fällt sie durchschnittlich deutlich aus, auch im Vergleich zu neueren Objektiven.

Fazit

Bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. analoge Fotografie auf 35mm Film, ist der Einsatz des AF 14mm 2,8 D ED nicht mehr zu empfehlen. Ultraweitwinkel Festbrennweiten wurden von Zoomobjektiven wie dem deutlich besseren AF-S 14-24mm 2,8 G ED verdrängt. Diese Nische besetzen heute Fremdanbieter wie Samyang. Gleich mehrere verschiedene 14mm Festbrennweiten wurden von Samyang im Laufe der Jahre angeboten. Insbesondere das XP 14mm 2,4 sei an dieser Stelle empfohlen.

Für die spiegellosen Z Kameras dürfte ein Blick auf das Viltrox AF 16mm 1,8 lohnen – zumindest bis Nikon sein Angebot an Festbrennweiten unterhalb von 20mm erweitert. Aber auch hier gibt es mit den Z Objektiven 14-30mm 4,0 und 14-28mm 2,8 exzellente Alternativen in Form eines Zooms.

Beispielfotos

AF 14mm 2,8 D ED @ f/2,8
AF 14mm 2,8 D ED @ f/4,0
AF 14mm 2,8 D ED @ f/5,6
AF 14mm 2,8 D ED @ f/8
AF 14mm 2,8 D ED @ f/8
AF 14mm 2,8 D ED @ f/8
AF 14mm 2,8 D ED @ f/8

Nikkor Z 180-600mm 5,6-6,3 VR

Mit dem AF-S 200-500mm 5,6 E ED VR landete Nikon im Jahr 2015 einen großen Verkaufserfolg. Dementsprechend früh tauchte ein 200-600mm Objektiv auf der Nikon Z Roadmap auf, was im Herbst 2023 schließlich in Form eines Z 180-600mm 5,6-6,3 VR für 2.000 € auf den Markt kam. Das Objektiv ist eine Gemeinschaftsentwicklung mit Tamron, Patent WO/2024/062958 .

Gehäuse und Handling

Im Gegensatz zum Vorgänger für den F Mount verliert das Z 180-600mm rund 300g an Gewicht, wiegt aber immer noch 1,95 kg. Insgesamt ist die Verarbeitung nicht zu beanstanden, hält aber hinsichtlich der verwendeten Materialien einen Respektabstand zu den S-Line Objektiven.

Mechanische Schalter scheinen in der Produktion sehr teuer zu sein, jedenfalls könnte man bei Nikons Z Objektiven mit Bildstabilisator auf diese Idee kommen. Einen VR an/aus Schalter sucht man vergeblich und muss das Kameramenü bemühen. Immerhin bleiben ein A/M Umschalter und der Fokuslimiter 6m-Unendlich erhalten.   

Für die Größe und das Gewicht lässt sich das 180-600mm ausgesprochen angenehm handhaben. Nikon hat es durch verschiedenste Maßnahmen geschafft, dass sich das Objektiv leichter anfühlt, als es mit knapp 2kg eigentlich ist. Dazu trägt unter anderem die Gewichtsverteilung und der gegenüber dem F 200-500mm 5,6 verringerte Objektivdurchmesser bei.

Wichtigste Änderung hinsichtlich der Handhabung ist jedoch der innenliegende Zoom, der zusammen mit der Innenfokussierung dafür sorgt, dass das Objektiv unabhängig von der Aufnahmesituation immer die gleiche Länge besitzt. Der gut gedämpfte Zoomring benötigt nur noch 70 Grad Drehung, um zwischen 180mm und 600mm Brennweite zu wechseln. Im Vergleich zum Z 180-600mm kommt einem das F 200-500mm 5,6 wie ein schwerer, unhandlicher Brocken vor.

Der Autofokus arbeitet etwas flotter als beim F 200-600mm 5,6 und minimal langsamer als beim Z 100-400mm 4,5-5,6 VR S Objektiv. Er ist ausreichend schnell für das Tracking von Vögeln im Flug. Die  maximale Lichtstärke ändert sich abhängig von der Brennweite wie folgt: f/5,6: 180mm bis 290mm, f/6,0 bis 480mm, danach f/6,3. Die Naheinstellgrenze beträgt zwischen 1,3m-2,4m, wobei letzteres für 600mm gilt. Es taugt daher nicht unbedingt als Makroobjektiversatz, bietet aber dennoch einen ausreichenden Abbildungsmaßstab für größere Insekten wie z.B. Libellen oder Schmetterlinge.

Optische Leistung

Die Charakteristik bezüglich der Bildschärfe ist schnell erzählt: zwischen 180mm und 500mm macht es für die Bildschärfe keinen Unterschied, ob man bei Offenblende oder abgeblendet fotografiert, lediglich oberhalb von 500mm lassen sich minimale Unterschiede ausmachen. Insgesamt lässt die Bildschärfe zu 600mm hin nach, wobei der Unterschied weniger stark ausfällt als bei Supertelezooms vergangener Generationen. Die Bildschärfe fällt von der Bildmitte aus moderat zum Rand hin ab, was sich durch Abblenden nicht verändert.

Die Vignettierung ist unabhängig von Brennweite und Blende unauffällig, das Bokeh angenehm weich.  

Im Vergleich zum Z 100-400mm 4,5-5,6 VR S wirken die Aufnahmen mit dem Z 180-600mm etwas kontrastärmer und insgesamt weniger lebhaft. Der Unterschied ist zwar gering, aber wahrnehmbar. Bei allen Brennweiten zwischen 100mm und 350mm hat das Z 100-400mm die Nase hinsichtlich der Bildschärfe über das gesamte Bildfeld hinweg deutlich vorne, unabhängig von der gewählten Blende. Dafür bildet das Z 180-600mm bei 400mm und Blende 6,0 minimal schärfer ab als das kürzere Zoom bei 400mm und Offenblende. Blendet man das 100-400 jedoch auf f/6,3 ab, bietet es wieder die minimal bessere Auflösung.

Vignettierung und Verzeichnung sind unauffällig bis nicht vorhanden. Gleiches gilt für Farbsäume/CA’s, auch wenn sie etwas ausgeprägter als z.B. beim Z 100-400mm sind.

Betrachtet man das Z 180-600mm als Nachfolger des Mount AF-S 200-500mm 5,6 E muss man feststellen, dass das neuere Z Objektiv in jeder Hinsicht eine Verbesserung darstellt. Neben den bereits erwähnten Verbesserungen im Handling und dem schnelleren Autofokus, bietet das Z 180-600mm in allen Belangen die bessere optische Leistung. Insbesondere oberhalb von 400mm bildet es schärfer ab.   

Mit dem 1,4x Telekonverter leidet die Bildqualität des Z 180-600mm mehr als beim Z 100-400mm, ist aber dennoch erstaunlich brauchbar. Einen Einsatz des 2,0x Telekonverters halte ich aufgrund der resultierenden Lichtstärke für wenig sinnvoll, auch wenn es technisch möglich ist und erstaunlich gute Ergebnisse erzielt.   

Fazit

Ein grundsolides Objektiv mit überzeugender optischer Leistung. Es kommt im Bildeindruck nicht ganz an S-Line Nikkore heran, wobei die Unterschiede sehr gering sind. In der Kombination aus Handling, Bildqualität und Autofokus ein hervorragendes Gesamtpaket.

Beispielfotos

Samyang XP 14mm 2,4

Seit 2012 bietet Samyang manuelle 14mm 2,8 Objektive für diverse Kamerasysteme an. Oft überarbeitet und zusätzlich unter verschiedenen Markennamen vertrieben, stellt das ursprüngliche Samyang 14mm 2,8 Objektiv den günstigen Einstieg in die Welt der Ultraweitwinkel dar. Im Herbst 2016 erschien eine deutlich verbesserte Version in Samyangs „XP“ Premiumserie mit Lichtstärke f/2,4. Das Objektiv ist für Spiegelreflexkameras gerechnet und Anfang 2024 für Canon EF und Nikon F für ca. 800 € weiterhin erhältlich.

Gehäuse und Handling

Das solide und aus Metall gefertigte Gehäuse macht einen sehr wertigen Eindruck. Mit knapp 800g ist es auch kein Leichtgewicht. Der sehr gut gedämpfte Fokusring mit langem Fokusweg verstärkt den positiven Eindruck. Lediglich die Beschichtung des Fokusrings mit einem flachen, aber Staub anziehenden Gummirings ist fragwürdig. Sicherlich hat man sich damit optisch an den Zeiss Objektiven orientiert – worauf ich aber zugunsten eines einfacher sauber zu haltenden Fokusrings gerne verzichtet hätte. Das Gehäuse ist nicht gegen Spritzwasser abgedichet.

Das XP 14mm 2,4 verfügt über elektronische Kontakte, somit wird die Blende über die Kamera eingestellt. Die Blendensteuerung erfolgt mechanisch via Blendenhebel. Ein Blendenring ist nicht vorhanden. Das Objektiv funktioniert einwandfrei via FTZ Adapter an den spiegellosen Nikon Z Modellen und eignet sich aufgrund der mechanischen Blendensteuerung auch für 35mm Filmkameras aus den 1990er Jahren (Stichwort G Kompatibilität).

Die aus Plastik gefertigte Gegenlichtblende ist fest verbaut und schützt die gewölbte Frontlinse effektiv. Für den Transport dient als Schutz ein Stülpdeckel, der über die Gegenlichtblende gesteckt und dort arretiert wird.

Optische Leistung

Einhergehend mit der Positionierung des 14mm 2,4 als Premiumobjektiv innerhalb des Samyang Portfolios kann sich die Abbildungsleistung mehr als sehen lassen. Es kann durchaus mit Objektiven wie dem Nikon AF-S 14-24mm 2,8 G ED mithalten und dieses sogar überflügeln.

Die Bildschärfe ist bereits bei Offenblende f/2,4 in der Bildmitte hervorragend und fällt – insbesondere für ein Weitwinkel erstaunlich – nur moderat zum Bildrand hin ab. Leichts Abblenden auf f/2,8 vertreibt am Rand die letzte Unschärfe. Die äußersten Ecken liegen gegenüber den Bildrändern nochmals ein wenig hinsichtlich der Schärfe zurück, ohne jedoch selbst bei Offenblende matschig zu wirken. Ab Blende 4 bieten auch die Ecken eine hervorragende Bildschärfe. Ein hervorragendes Ergebnis für ein 14mm Objektiv.

Recht deutlich sichtbar ist die Randabdunkelung/Vignettierung zwischen Blende 2,4 und 4,0. Ab Blende 5,6 ist sie jedoch vernachlässigbar. Chromatische Aberrationen sind sehr gut korrigiert und für ein Weitwinkel wenig ausgeprägt. Die tonnenförmige Verzeichnung ist  deutlich sichtbar, aber gut zu korrigieren. Farblich tendiert es in wärmere Farbspektrum, der Kontrast ist durchschnittlich ausgeprägt.

Fazit

Keine günstige Verlegenheitslösung, sondern eine hervorragende Festbrennweite als optisch bessere Alternative zu vielen F Zoomobjektiven mit Anfangsbrennweite von 14mm – das fasst die Eigenschaften des Samyang XP 14mm 2,4 kurz und knapp zusammen.

Es kann natürlich nicht mit den neuesten 14mm Zooms für spiegellose Kameras mithalten, dafür sind die optischen Restriktionen der Spiegelreflexbajonette – für das es konstruiert wurde – zu stark. Aber für den Nikon F Mount wird man schwerlich ein besseres Objektiv bei Brennweite 14mm finden. Und selbst an einer Z Kamera mit 45 MP macht es eine sehr gute Figur.

Insbesondere für gleichzeitige Nutzer von F und Z Kameras eine klare Empfehlung!

Beispielfotos

Samyang XP 14mm 2,4 @ f/2,4
Samyang XP 14mm 2,4 @ f/4
Samyang XP 14mm 2,4 @ f/2,4
Samyang XP 14mm 2,4 @ f/4
Samyang XP 14mm 2,4 @ f/2,4
Samyang XP 14mm 2,4 @ f/4
Samyang XP 14mm 2,4 @ f/8
Samyang XP 14mm 2,4 @ f/8
Samyang XP 14mm 2,4 @ f/8

© 2026 Dennis Saßmannshausen Fotografie

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